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Faillyschen Corps zersprengt wurde, war jene Vermuthung zur Gewißheit geworden.

Sowie die Vorhut der 4. Armee mit dem Feinde Fühlung gewonnen hatte, zögerte unsere Heeresleitung keinen Augenblick, mit dem Vormärsche gegen Paris auf der ganzen Linie inne zu halten, um vor Allein die ganze Kraft der beiden vereinig­ten Armeen gegen die letzte Frankreich zu Gebote stehende Feld­armee zu richten,' wenn es gelang, Mac Mahon zum Stehen zu bringen und zu schlagen, so wurde nicht blos der Plan einer Befreiung Bazaine's vereitelt, sondern auch der letzte Schutz der Hauptstadt Paris im Felde vernichtet.

Deshalb wandte sich mit der Armee des Kronprinzen von Sachsen auch die Armee unseres Kronprinzen von dein Wege auf Paris sofort nordwärts und rückte in Eilmärschen vor, um an der Operation gegen Mac Mahon Theil zu nehmen. Zn wenigen Tagen standen 6 Armee - Corps der beiden Kron- prinzlichen Heere, während man sie im Vormärsche auf Paris begriffen glaubte, bereits im Nordosten Frankreichs nahe der belgischen Grenze. Von Neuem sollte der Grundsatz, »getrennt marschiren, aber vereint schlagen«, eine glänzende Bewährung finden.

Das Königliche Hauptquartier, welche? von Bar - le - Duc zunächst nach Ste. Mvnchould verlegt werden sollte, ging als­bald biS Clermont (en Argonne), wo ein Kriegsrath gehalten wurde, und dann nördlicher nachVarennes.

Die Reihe der nunmehr folgenden Kämpfe gegen die Mac Mahonsche Armee ,wurde am 29. August durch ein Vorposten- gefecht bei Nouard eröffnet, in welchem die Avantgarde des 12. (Königlich sächsischen) Armee-Corps gegen Truppen des 5. französischen (de Faillyschen) Corps glücklich vordrangen. An demselben Tage wurde ein von französischer Infanterie , beson­ders von Turkos, besetztes Dorf trotz seiner hohen und starken Lage von zwei abgeseffenen Schwadronen preußischer Husaren erstürmt und die Besatzung gefangen genommen.

Am folgenden Tage fand der erste große Zusammenstoß der beiden Armeen statt. Unser 4. (sächsisches), das 12. (König­lich sächsische) und das 1. (bayerische Corps) stießen gegen Mittag bei Beaumont auf eine Hauptabtheilung der Mac Mahonschen Armee. Unser 4. Corps brach auf Beaumont los, links von den Bayern, rechts von den Sachsen unterstützt,- daffelbe überraschte eine französische Division in ihrem Lager, welche so eilig aufbrcchen mußte, daß unsere Truppen die eben be­reitete Mahlzeit derselben in den Felbkeffeln versanden. Das vom Feinde verlassene Beaumont wurde von uns genommen. Währenddeß waren die Bayern von der linken Flanke ange­griffen worden, wandten sich schnell gegen diesen Angriff und warfen den Feind zurück. Die beiden Corps (4. und 12.) rückten nun in fortwährendem Gefecht weiter vor, beschossen das vom Feinde besetzte Städtchen Mouzon bis zu einbrechender Dunkelheit, wo das 4. Corps daffelbe cinnahm. Die Fran­zosen zogen sich theilweisc am linken Ufer der Maas auf die Festung Sedan zurück, während ihr Hauptcorps von unseren verfolgenden Truppen über eine Brücke bei Mouzon gedrängt wurde, wobei sie große Verluste erlitten und ihre Bagage im Stich ließen. 23 Geschütze, 7000 Gefangene und das ganze Lager von Beaumont fielen in unsere Hände. Die Franzosen hatten ungeheure Verluste, auf unserer Seite zählte man an Todten und Verwundeten etwa 3000.

Unser 5. und 11. Armee ° Corps waren nach gewaltigen Märschen erst am Abend auf bem Schlachtselde eingetroffen, zu spät, um noch in das Gefecht einzugreifen.

Durch den unter den Äugen unseres Königs errungenen Sieg bei Beaumont war dem Feinde ein wichtiges Gebiet abge­nommen , die Zugänge der Ardennen befanden sich in unseren Händen.

Mac Mahon konnte sich noch nördlich auf Sedan, nord­westlich aus Mezisres stützen, aber die Unsrigcn ließen ihm nicht Zeit, eine neue Stellung zu gewinnen.

Am folgenden Tage rückten unsere Corps unter mannich- fachen kleineren Gefechten auf allen Seiten unaufhaltsam vor, besetzten Carignan südöstlich von Sedan, welches der Kaiser eiligst verließ, und umgingen Sedan auch von der westlichen Seite, während Mac Mahon sich mit seiner Armee un­mittelbar auf die Festung zurückzog.

Am 1. September endlich wurde der entscheidende Schlag geführt. Vom Morgen an fand rings um Sedan, welches von unseren Armeen in weitem Umkreise eingeschloffen war, ein heftiger Kampf statt, an welchem die Armee des Kron­

Prinzen von Sachsen (das 4. und 12. Corps und die Garde) und von der Armee unseres Kronprinzen das 5. und 11. und das

1. bayerische Corps Theil nahmen. Nach allseitigem siegreichen Vordringen der deutschen Armeen sah sich Mac Mahon, bei dessen Sinnet sich der Kaiser Napoleon selbst befand, mit seiner ganzen Macht in die Festung geworfen und zur Kapitulation genöthigt.

Bis jetzt liegen über diese große Entscheidung nur kurze telegraphische Berichte vor.

Die erste Meldung kiutete: »Von 7 Uhr gestern (1.) früh bis 6 Uhr Abends Schlacht vor Sedan, in Folge deren Napo­leon mit 80,000 Franzosen in die Festung Sedan zurückgedrängt, sich dem Könige auf Gnade oder Ungnade ergeben hat. Graf Rcille, General-Adjutant Les Kaisers, überbrachte dem Könige in meiner Gegenwart den Brief, des Inhalts: Da es ihm nicht gelang, von einer Kugel getroffen zu werden, blieb ihm nichts übrig, als Sr. Majestät seinen Degen zu Füßen zu legen.«

Unser König theilte das gewaltige Ereigniß der Königin Augusta in folgendem Telegramm mit:

Vor ScLan, L. September, '/2S UI;r Nach­mittags. Die Kapitulation, wodurch die ganze Armee in Sedan kriegsgefangen, ist soeben mit dem General Wimpffen geschloffen, der an Stelle deS verwundeten Marschall Mac Mahon das Kommando führte. Der Kaiser hat nur sich selbst mir ergeben. Da er das Kommando nicht führt und alles der Vksgentschaft in Paris über« läßt. Seinen Aufenthaltsort werde ich bestimmen, nachdem ich ihn gesprochen habe in einem NeuLez- vous, das sofort stattfindet. Welch eine Wendung durch GotteS Führung. _ Wilhelm.

Ein weiteres Telegramm des Königs an die Königin lautete:

An Ihre Majestät die Königin Angusta in Berlin.

V arenncs, 4. September, Vormittags 8Uhr.

Welch ein ergreifeuder Augenblick, der der Be­gegnung mit Napoleon! Er war gebeugt, aber würdig in seiner Haltung und ergeben. Ich habe ihm Wilhelmshöhe bei Cassel zum Aufenthalt gegeben. Unsere Begegnung fand in einem kleinen Schlößchen vor dem westlichen Glacès von Sedan statt. Bon dort beritt ich Lie Armee um Sedan. Den Empfang durch die Truppen kannst Du Dir denken! Unbeschreiblich! Beim Einbrechen der Dunkelheit ^8 Uhr hatte ich den fünfstündigen Nitt beeerdigt, kehrte aber erst um L Uhr hierher zurück. Gott helfe weiter.

Wilhelm.

Endlich wurde vom 5.September aus Ste. Mönehould gemeldet:

Die bei Sedan vernichtete Armee Mac Mahons zählte vor der Schlacht von Beaumont am 30. August noch über 120,000 Mann. Der Transport der Gefangenen, unter denen über 50 Generale , nach Deutschland ist in der Aus­führung begriffen.

Unsere Armeen sind im Vormarsch aus Paris

Das war das Ende der letzten Feldarmee Frank­reichs unter dem berühmtesten französischen Feldherrn. Soweit man in der Kriegsgeschichte zurückblickt, ist die Uebergabe einer solchen Armee ganz beispiellos.

Die Wirkungen des gewaltigen Schlages ließen nicht auf sich warten, zumal da in denselben Tagen Bazaine gleichfalls einen vergeblichen Versuch gemacht hatte, sich der Gewalt, die ihn in Metz eingeschloffen hielt, zu entziehen.

Seit dem 18. August, wo Bazaine sich in Folge der Schlacht bei Gravclotte nach Metz zurückgezogen hatte, waren fast 14 Tage verstossen, ohne daß die Franzosen einen ernsten Vorstoß unternommen hätten, während jeder weitere Tag unserer Einsckließungs-Armee unter dem Oberbefehl des Prinzen Friedrich Karl mehr Zeit gewährte, sich in ihren Positionen einzurickten und zu befestigen.

Doch Bazaine handelte offenbar im geheimen Einverständ- nisse mit Mac Mahon, welcher in den letzten Tagen des