etwa eine Meile südlich von der Festung über Pontonbrücken auf das linke Mosel-Ufer.
Der König selbst übernahm nun den Oberbefehl über die Vereinigten Corps der I. und II. Armee und schlug am ISten den Feind in der Entscheidungsschlacht bei Gravclottc.
Ueber diese Schlacht gab der König aus dem Bivouak bei Rezonville vom 18. August, Abends 9 Uhr, an die Königin folgende Sicgesnachricht:
„Die französische Armee in sehr starker Stellung westlich von Metz heute unter Meiner Führung angegriffen, in neunstündiger Schlacht vollständig geschlagen, von ihren Verbindungen mit Paris abgeschnitten und gegen Metz zurückge- worfen. Wilhelm."
Aus den bisherigen weiteren Berichten crgiebt sich, daß der Marschall Bazaine mit seiner gejammten Armee eine festungs- ähnliche Stellung auf den Höhen zwischen Bernevillc und Gravclottc eingenommen hatte, mit der Front nach Westen und Süden, Metz im Rücken. Unser 7. und 8. Corps mit dem 2. in Reserve rückten gegen die südliche Front bei Gravclottc an, während das 12. Corps, die Garde und das 9. Corps schon einige Zeit zuvor durch bergige Waldwege links abmarschirten, um dem Feinde durch eine Umgehung bei Bernevillc in die Flanke zu fallen. Diese kühne Bewegung gelang vollkommen und war schon gegen Mittag soweit vorgeschritten, daß der Angriff des 9. und 10. Corps auf die Stellung bei Bernevillc erfolgen konnte. Der starke Druck des 12. (Königlich sächsischen) Corps auf den rechten französischen Flügel nöthigte den Fcind zuerst zum Zurückweichen,' am Nachmittage war die französische Position zu beiden Seiten des Dorfes Bernevillc bereits in unseren Händen. Inzwischen waren das 7. nnb 8. Corps allmälig gegen Gravclottc vorgcdrungcn und trieben den Feind unter blutigem Ringen von Höhe zu Höhe. Gegen Abend erfolgte der letzte gewaltige Sturm mit dem 2. Corps über Gravclottc hinaus und ein gleichzeitiges Vorgehen auf der ganzen Linie, was denFcind nöthigte, unter dem Schutze der Nacht den Rückzug nach Metz anzutreten.
So hat denn der König am 18. August vollendet, was Prinz Friedrich Karl am 16. kräftig begonnen hatte.
Durch den Gesammterfolg der Kämpfe bei Metz ist die französische Hauptarmee, welche nach den ersten Schlägen am Rhein und an der Saar mit größter Anstrengung wieder gesammelt worden war, von Neuem vollständig erschüttert und an jeder freien Wirksamkeit gelähmt, vor Allem von dem Zusammenwirken mit der Armee bei Chalons abgcdrängt.
Frankreichs Heer ist in Stücke geschlagen und dadurch zu jeder umfassenden Kricgsunternehmung unfähig gemacht.
So ist der Feldzug schon jetzt von durchgreifendem Erfolge zu Gunsten der deutschen Waffen gewesen, und die Zuversicht ist wohl begründet, daß uns diese Erfolge nicht wieder entrissen werden können.
Die Bazaine'sche Armee, welche sich in das feste Lager von Metz zurückgezogen hat, mag noch immer an 100,000 bis 120,000 Mann zählen, mithin wohl stark genug sein, um von dort aus unsere Armeen durch allerlei Unternehmungen zu beunruhigen und möglicherweise einen nochmaligen Durchbruch zu versuchen. Aber sie wird von unserer Armee so eng umklammert unb überwacht, daß an ein Gelingen solcher Unternehmungen kaum zu denken ist. In wenigen Tagen werden unsere Truppen sich auch ihrerseits gedeckte Stellringen bereitet haben/ in Kurzem wird sodann die förmliche Belagerung von Metz beginnen und bamit für die dicht zusammen- gedrängte französische Armee und für die Bevölkerung von Metz eine überaus peinliche Lage entstehen, welche sie schwerlich lange zu ertragen vermag.
Die KronprinzUche Armee, welche bisher in naher Verbindung mit bet II. Armee ihren Vormarsch nach der Mitte Frankreichs über Nancp fortgesetzt, bis zur Entscheidung bei Metz aber eine kurze Zeit innegehalren hatte, rückt nunmehr in tüchtigen Märschen weiter vor.
Die Linie der Maaß, welche man vor Kurzem nächst der Mosellinie als einen wichtigen Abschnitt der Kriegführung betrachtete, bietet jetzt dem Vormärsche der deutschen Truppen keine Schwierigkeit dar/ schon gehcn die Vorposten unserer Südarmee bis an die Aube und an die Marne, und in Kurzem wird der Kronprinz die feindliche Armee in dem letzten Ge> bictsabschnitte vor Paris aufsuchen.
Die bereits erprobte unb ruhmreiche Kronprinzliche Armee, in welcher Nord- und Süddeutschland in herzlicher Waffenbrüderschaft vereint sind, wird, so Gott will, im Herzen Frank- reichs erfolgreich beendigen, was sie am Rhein herrlich begonnen hat.
Die Franzosen selbst scheinen mehr und mehr die Hoffnung aufzugebcn, bei Chalons noch einen erfolgreichen Wider, stand leisten zu können.«
Schon verlautet, daß der Marschall Mac Mahon seine Truppen in der Richtung auf Paris zurückziehen solle und mit seinem Hauptquartier bereits von Chalons aufgebrochen sei.
Alle Anstrengungen der französischen Regierung sind daraus gerichtet, Paris und seine umfangreichen Befestigungen in vollkommenen Vertheidigungszustand zu setzen. Dem General Trochu, auf welchen man neuerlich ganz bcsondereHoffnungen setzt, ist die Leitung der Verthcidigungsarbeiten und aller dazu bestimmten Streitkräfte übertragen. Derselbe sucht durch schwunghafte Proklamationen den Patriotismus unb' die Zuversicht der Bevölkerung zu beleben, aber vor Allem leuchet auch aus diesen Kundgebungen die Größe der Gefahren hervor, denen Paris und Frankreich zur Zeit ausgesetzt sind.
Noch hat man nicht den Muth gehabt, den Franzosen über die Niederlagen von Metz die Wahrheit zu sagen/ noch spiegelt man dem Volke vor, Bazaine habe die Preußen besiegt und stehe im Begriffe, seinen Plan, die Vereinigung mit der Armee von Chalons, auszuführen. Die Regierung scheint mit dem gesetzgebenden Körper in vertraulichem Einverstândniß zu stehen, um durch solche Täuschungen die Hoffnung des Volkes noch einigermaßen aufrecht zu erhalten.
Doch lange wird sich die Wahrheit kaum noch unterdrücken lassen, und voraussichtlich wird die Entmuthigung dann um so größer sein.
Vom Kaiser und von der Kaiserlichen Regierung ist bei dem Allen nicht mehr die Rede. In den Kundgebungen der Minister, der Generale, des Gouverneurs von Paris u. s. w. wird der Name des Kaisers oder der Kaiserin, welche doch als Regentin eingesetzt war, nirgends mehr erwähnt. Man weiß kaum und frägt nicht danach, wo der Kaiser sich aufhält.
Noch vor vier Wochen auf der Höhe persönlicher Macht, ist er jetzt selbst von seinen früheren Anhängern mißachtet, bei Seite geschoben und verleugnet.
Niemals ist das Strafgericht über eine gewissenlose, freventliche Regierung rascher und greifbarer hereingcbrochcw!
Schreiben des Königs an die Königin vom Schlachtfelde.
(Rezonville, den 19. August 1870.)
Das war ein neuer Sicgestag gestern, dessen Folgen noch nicht zu ermessen sind.
Gestern früh gingen das 12., Garde- und 9. Corps gegen die nördliche Straße Metz-Verdun bis St. Marcel und Doncourt vor, gefolgt vom 3. und 10. Corps, während das 7. und 8., sodann auch das 2. bei Rezonville gegen Metz stehen blieben.
Als jene Corps rechts schwenkten, in sehr waldigem Terrain, gegen Bernevillc und St. Privat, begannen diese Corps den Angriff gegen Gravclottc, nicht heftig, um die große Umgehung gegen die starke Position Amanvillers-Chatel bis zur Metzer Chaussee abzuwarten. Diese weite Umgehung trat erst um 4 Uhr in's Gefecht, mit dem Pivot-Corps, dem 9ten, um 12 Uhr. Der Feind setzte in den Wäldern heftigen Widerstand entgegen, so daß nur langsam Terrain gewonnen wurde. St. Privat wurde vom Garde-Corps, Bernevillc vom 9. Corps genommen, das 12. Corps und Artillerie des 3. griffen nun in's Gefecht ein.
Gravclottc wurde von Truppen des 7. und 8. Corps und die Wälder zu beiden Seiten genommen und behauptet, mit großen Verlusten.
Um die durch die Umgehung zurückgedrängten feindlichen Truppen nochmals anzugrcifen, wurde ein Vorstoß über Gra° velotte bei ein brechender Dunkelheit unternommen, der auf ein so enormes Feuer hinter Schützengräben en étage und Geschützfeuer stieß, daß das eben cintreffende 2. Corps den Feind mit dem Bajonett angreifen mußte und die feste Position vollständig nahm und behauptete.