Von Pont-L-Mouffon rückte Prinz Friedrich Karl anscheinend nach der Maas auf Verdun zu, sein wirkliches Ziel aber war die nördlich liegende Verbindungsstraße zwischen Metz und Verdun, auf welcher Bazaine seinen Rückzug bewerkstelligen mußte. Dort galt es, denselben zu überraschen und zur Schlacht zu zwingen.
Es war jedoch sehr zweifelhaft, ob unser Prinz selbst mit den schleunigsten Märschen dort noch zeitig genug würde ein- treffen können, um Bazaine's Marsch zu hindern. Vor dem 16. August konnten auch die vordersten unserer Truppen nicht bis zu jener Linie Vordringen/ die Franzosen aber schickten sich schon am 14. August an, von Metz aufzubrechen, sie hätten demnach Verdun erreichen können, bevor die deutsche Armee sie auf dem Marsche zu stören vermochte.
Alles kam somit darauf an, den Abzug der Franzosen von Metz um 1 bis 2 Tage aufzu halten/ dies war der Zweck eines Angriffs der Steinmetz'schen Armee vor Metz am 14. August.
(Das Gefecht bet Pange östlich von Metz.) Am 14. Nachmittags bemerkte die Avantgarde der 1. deutschen Armee, daß die bei Metz unter dem Schutze der Festung noch lagernden französischen Corps ihren Abzug begännen. Da ließ General von Steinmetz zuerst durch Truppen der 13. Division (General von der Goltz) vom westfälischen Armee-Corps der Ärriöregarde des 3. französischen Corps (Decaen) angrcifen/ sobald diese in das Gefecht verwickelt war, machte daS ganze im Abzug begriffene französische Corps und ebenso Abtheilungen des 2. Corps (Frossard) Front. Nunmehr ging auf dem preußischen rechten Flügel das I.Armec-Corps(Gcneralv.Manteuffcl), auf dem linken Flügel auch die 14. Division (General-Lieutenant von Kamcke), sowie die 18. Division (General-Lieutenant von Wrangel) vom 9. Armee-Corps (General von Manstein) vor, im Ganzen 5 Divisionen, während von französischer Seite außer dem 2. und 3. Corps auch noch das 4. Corps (l'Admi- rault) ins Gefecht trat. Auf der ganzen Linie entwickelte sich ein heftiger Kampf. Dir Franzosen hatten eine durch Schützengräben wohl vorbereitete Stellung, wurden jedoch von den Unsrigen in blutigem Gefechte von einem Abschnitt zum anderen zurückgeworfen. Der Artillerie unserer 1. und 13. Division war es gelungen, an einem leisen Abhange eine günstige Aufstellung zu nehmen, von der aus im Ganzen 14 Batterien ein kräftiges Feuer mit guten: Erfolge bis zum sinkenden Tage auf den Feind richteten ; welcher schließlich bis zum Fuße des Glacis zurückgewiesen wurde. Gegen Abend versuchte der linke Flügel des Feindes, das Corps l'Admi- rault, einen nochmaligen Stoß gegen unseren rechten Flügel, General v. Manteuffel trat aber diesem Stoß mit seinen Reserven entgegen, ging mit diesen unter Trommelschlag vor, erstürmte eine Reihe von Abschnitten und warf auch auf diesem Flügel den Feind in die Festung Metz zurück. Sämmtliche preußischen Divisionen behaupteten das Schlachtfeld bis 10 Uljr Abends und zogen sich dann wieder in ihre Bivouaks zurück.
Der Hauptzweck, die französischen Corps am Abmarsch zu hindern, sie hier festzuhalten, um auf dem linken Mosclufer große Erfolge vorzubereiten, war vollständig erreicht.
(Die Schlacht bei Mars-la-Tonr.) Prinz Friedrich Karl hatte für seinen Marsch auf die Rückzugslinie der Franzosen einen Tag mehr gewonnen und denselben, wie sich bald zeigen sollte, in weiteren starken Märschen vortrefflich benutzt.
Ain 15. brachen die Franzosen von Metz auf, um auf der Straße nach Verdun abzumarschiren, in ihrer Mitte, wie sich aus französischen Berichten ergiebt, noch der Kaiser Napoleon mit seinem Sohne. Der Vormarsch scheint jedoch nicht so rasch vor sich gegangen zu sein, als beabsichtigt war, weil man jeden Augenblick einen Angriff des deutschen Heeres erwarten zu müssen glaubte. Die Franzosen erzählen von Gefahren, welche dem Kaiser im Nachtquartier zu Longeville in der Nacht vom 15. zum 16. gedroht haben sollen/ es scheint jedoch, daß man damit nur den schließlichen Weggang des Kaisers von der Armee begründen will. Am 16. früh verließ der Kaiser die Bazainesche Armee, welche auf der direkten Straße nach Verdun weiter vorrücken sollte, und begab sich seinerseits auf einem Umwege über Etain nach Verdun und von da schleunigst nach Chalons.
Die französische Armee setzte ihren Vormarsch am 16ten nur kurze Zeit fort, — bei Mars-la-Tour wurde sie von unseren vom Süden heranrückcndcn Truppen in der Flanke erreicht und zum Stehen gebracht.
Prinz Friedrich Karl hatte freilich mit den angestrengtesten Märschen durch das bergige Moselland nicht gleich mit einem größeren Theile seiner Armee heranzurücken vermocht/ nur die Spitzen des Heeres trafen zur rechten Zeit ein, um den Marsch des Feindes zu unterbrechen. Ihnen siel die überaus schwierige Aufgabe zu, durch hcldcnmürhigen Kampf die feindliche Ucbermacht so lange hinzuhalten, bis größere Theile unserer Armee nachrücken konnten.
Zuerst traf die 5. (Brandenburgische) Division auf dem Schlachtfelde ein, griff den zehnfach überlegenen Feind mit unglaublicher Bravour an und bestand fast sechs Stunden lang allein den fürchterlichen Kampf, ehe ihr Hülfe kommen sonnte. Diese Waffenthat wird den tapferen Brandenburgern (dem 8. und 48., dem 12. und 52. Infanterie-Regiment, dem 2. und 12. Dragoner-Regiment und dem 3. Ulancn-Regimcnt) allzeit zum unverwclklichcn Ruhme gereichen. Zur Unterstützung derselben war vom Prinzen Friedrich Karl zuerst die Garde-Kavalleric-Division vorausgesandt, welche mit gleichem Opfermuth in den Kampf cingriff. In ungleichem und ungewöhnlichem Kampfe gegen die "feindliche Infanterie und Angesichts der Fcucrschlündc der Artillerie sprengten die Schwadronen dem fast sicheren Untergänge entgegen, und die Mehrzahl der tapferen Offiziere und Steifer fand in der That den Heldentod oder schwere Verwundung. Einige der Garde- Kavallerie- Regimenter wurden fast aufgcriebcn. Aber der Zweck ihrer Aufopferung wurde erreicht. Nach langen, schweren Stunden des Kampfes konnten endlich größere Truppen- masscu, zunächst die 6. (Brandenburgische) Division, sodann das 10. (Hannoversche) und Theile des 9. (Schlcswig-Holstein- schen und Hessen-Darmstädtischen) sowie des 8. (Rheinischen) Armee-Corps hcrbcirückcn und den Feind schließlich aus seinen Stellungen in der Richtung auf Metz zurückdrängen.
Am anderen Morgen frühzeitig begab sich unser König von Pont-ü-Mousson auf das Schlachtfeld, um seine braven Truppen zu begrüßen.
Der Sieg des Prinzen Friedrich Karl bei Mars-la-Tour war theuer erkauft, aber der Erfolg war großer, schwerer Opfer werth/ der kühne Plan unserer Kriegsleitung, die Vereinigung der feindlichen Heere zu verhindern, war gelungen.
Der Marschall Bazaine jedoch wollte sich in das unvermeidliche Geschick noch nicht fügen/ er beschloß, noch eine verzweifelte Anstrengung zu machen, um den Rückzug nach Chalons zu erzwingen.
Er hatte seine Armee nicht alsbald bis Metz zurückgeführt, sondern nur eine Meile weiter auf Metz zu, wo er in dem gebirgigen Terrain eine neue Stellung genommen hatte. Er berichtete mich nach Paris über den Tag von Mars-la-Tour wie über eine gewonnene Schlacht und kündigte die Erneuerung des Kampfes nach wenigen Stunden an, er wolle nur seine Munition vervollständigen. Doch brauchte er länger als einige Stunden, um sich zu neuem Kampfe zu rüsten/ er benutzte den 17. August, wie es scheint, um sich in seiner neuen günstigen Stellung auf jede Weise zu befestigen.
(Die Schlacht bei Gravelotte.) Unser König traf seinerseits alle Vorbereitung, um die Früchte des Sieges von Mars-la-Tour unter allen Umständen zu sichern. Man mußte sich auf einen nochmaligen Versuch Bazaine's, nach Verdun durchzubrechen, gefaßt macken. Derselbe hatte immer noch nahezu 140,000 Mann bei Metz vereinigt/ an der Spitze einer folchcn Streitmacht des besten Theils der französischen Armee konnte er es sür feine Pflicht halten, sich wenn irgend möglich noch den Weg zur Rettung der Hauptstadt zu bahnen.
In solcher Voraussicht ließ König Wilhelm auf die erste Nachricht von der Schlacht bei Mars - la - Tour alle noch auf dem rechten Mosel-Ufer stehenden Corps unserer Armee über den Fluß rücken, um sich den bereits mit Prinz Friedrich Karl vorangcgangcncn Corps, dem 3. (Brandenburgischen), 9. (Schleswig-Holsteinschcn undHcsscn-Darmstädtischen),10. (Han- noverfchcn) und der Garde, anzuschließen. Das 12. (Königlich fächsische) Corps, welches so eben erst in Pont-â,Moufson angekommen war, sowie das 2. (Pommersche) Corps, dessen Spitzen kaum noch Pont-â-Mousson berührt hatten, gingen in Eilmär- schcn auf das linke Mosel-Ufer, um auch ihrerseits die Straße zwischen Metz und Verdun zu erreichen. Auch das 7. (Westfälische) und das 8. (Rheinische) Corps von der Steinmetz- fchen Armee, welche bis dahin östlich von Metz standen, gingen