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M 34.

Provnyial - Correspondenz. 24. MM â Achter Jahrgang.

Von Sieg zu Sieg!

(Aus dem »Staats-Anzeiger-.)

Gott leitet unsere Fahnen von Sieg zu Sieg! Seine Hand richtet unser Volk auf und stärkt cs in der schweren, blutigen Zeit!

Drei Schlachten sind in der kurzen Spanne Zeit, vom 14. zum 18. August, um Metz geschlagen. Die Palme von Mars-la-Tour, am 16., fiel dem Brandenburgischen Armee- Corps zu. Aber an dem entscheidenden Tage vor Metz, am 18. August, führte der Königliche Feldherr seine Preußen fast aus allen Landestheilen, dazu unsere norddeutschen Bundes- genosien, zu großem, glorreichen Sieg!

Die französische Hauptmacht mit ihren Kerntruppen, die Garden mit ihren stolzen Erinnerungen, sind unter ihren be­währtesten Generalen in fester Stellung aufs Haupt geschla­gen worden, Angesichts des großen Waffenplatzes, der ihren Stützpunkt bildete und unerschöpfliche Hülfsquellen an Kriegs­material zu bieten schien.

Legen wir den wohlverdienten Lorbeer und reiche Sieges- Palmen auf die erblaßten Heldensöhne und Heldcnbrüder, welche für König und Vaterland siegten und starben, und um welche ihre Waffenbrüder und das ganze deutsche Volk in Trauer stehen!

Es sind Gottes Gerichte, die sie mit ihrem edlen Blute besiegeln, Gottes Gerichte gegen ein Volk, das in Ueber- Hebung und Verblendung ausharrt, und von dessen sittlicher Verkommenheit der Lügcngcist Zeugniß giebt, welcher jetzt die wildesten Leidenschaften aufruft und entfesselt.

Widerwärtig sind die Scenen in der Hauptstadt Frank­reichs während der nahenden Katastrophe in den oberen und unteren Volksschichten. Ein hohles Pathos appellirt vergeblich an den Patriotismus. Er hat mit der Erschütterung der sitt­lichen Grundlagen im öffentlichen Leben Frankreichs dort seinen edelsten Gehalt verloren.

Der Fanatismus der Parteien und der angefachte Raccn- haß vermögen den Patriotismus nicht zu ersetzen. Völkerrechts­widrige Handlungen gegen friedliche deutsche Eisiwohncr, Un­thaten, welche durch Entfesselung der Leidenschaften in der Kriegführung hervorgerufcn werden, sind deren Folgen und brandmarken Frankreich in den Augen aller Kulturvölker.

Wendm wir dagegen das Auge auf das eigene Vaterland mid^ seine L-öhne, wie wohlthuend und erhebend ist dann der

Deutsche Männer und deutsche Jünglinge gehen freudig und mit Siegeszuversicht in den Opfertod. Nicht Einer wich vor dem Feinde nicht Einer von der schönen sittlichen Mannes­zucht, deren Symbol die preußischen Fahnen stets waren und die jeden unserer deutschen Krieger erfüllt.

Unser Volk daheim aber läßt die Banner und Fahnen nach den Siegen wehen mit stolzer Freude, aber zugleich mit Ernst und Würde und mit stummem Schmerz!

Wenn seine Edelsten fallen, hat es einen zu- versichtlichen Trost! Vergebens wird dieser heilige Kampf nicht wieder gekämpft werden wie von unse­ren Vätern, gegen ein Volk voll Herrsch sucht und Uebermuth, das Deutschland seine schönsten Gebiete geraubt, cs Jahrhunderte lang anmaßlich bedroht und gefährdet und zu erniedrigen versucht hat.

Der Herr, der unsere Heerschaaren zum Siege führt über Lüge und Unsitte, Er wird jetzt gnädig­lich fürsorgen, daß unsere edlen Opfer nicht vergeb­lich fallen. Er wird unseren Königlichen Kriegs­herrn im Silbcrhaare segnen, daß ihm vergönnt sei, einen dauernden Völkerfrieden herzustellen im Her­zen Europas, durch ein großes einiges, deutsches Vaterland, als Hort der Gottesfurcht, edler Sitte und wahrer Freiheit!

Das walte Gott!

So weit derStaats-Anzeiger".

Aus den ernsten und gewichtigen Worten des amtlichen Blattes darf man die Ueberzeugung entnehmen, daß unsere Regierung sich der Größe und Erhabenheit ihrer Aufgabe für

Deutschland auch in Bezug auf die Ziele des Krieges vollkom­men bewußt ist.

Wenn es einer Stärkung dieses Bewußtseins bedurft hätte, so würde sie im Hinblick auf die schweren und schmerzlichen Opfer zu finden sein, mit welchen unsere Siege errungen wor­den sind.

Das deutsche Volk darf der weiteren Entwickelung mit der ruhigen Zuversicht entgegensehen, daß, wenn Gott uns weiter Sieg verleiht, der Sicgespreis dem hohen Einsätze und den theuern Opfern des Kampfes entsprechen muß.

Die Kämpfe und Siege bei Metz. (Uebersicht.)

Vor Metz hat, wenn nicht Alles trügt, die wichtigste Ent­scheidung für den deutsch-französischen Feldzug stattgefunden.

Während man noch vor acht Tagen annehmen mußte, daß die Franzosen ihre vereinigte Heeresmacht bei Chalons oder vor Paris den deutschen Armeen entgcgenstcllcn würden, ist es der Kriegskunst unserer Heerführer, sowie der Schnelligkeit und Energie unserer Truppen gelungen, den bedeutendsten Theil des französischen Heeres schon jetzt zum Stehen zu bringen, voll­ständig zu schlagen und von der Vereinigung mit der übrigen französischen Truppenmacht abzuschneiden.

Nach ben ersten gewaltigen Niederlagen der Franzosen bei Weißenburg, Wörth und Saarbrücken hatten sich die Trümmer der sogenanntenRhein-Armee" theils bei Metz, theils bei Nancy und dann bei Chalons gesammelt. Die Hauptmacht, bestehend aus dem 2., 3., 4. und 6. Corps und den Kaiserlichen Garden, wurde bei Metz vereinigt, um die Mosellinie zu ver­theidigen, während das 1. Corps (Mac Mahon) und das 5. (Failly) in Chalons mit dem 7. Corps (Douay) den Kern einer neuen Armee bilden sollten.

Nachdem auf das Dringen der öffentlichen Meinung der Kaiser Napoleon den Oberbefehl in Metz niedergelegt und dem Marschall Bazaine übergeben hatte, wurden zuerst alle An­stalten getroffen, um, auf Metz gestützt, die Moscllinic zu ver­theidigen. Als jedoch die deutschen Armeen eng geschlossen und in mächtigem Schritt gegen die Mosel anrückten, entschloß sich Bazaine, wie es heißt, auf den Rath des alten Generals Chan garnier, die Mosellinie preiszugeben und das vor Metz stehende Hauptheer alsbald an die Maas und von da nach Chalons zu führen, um sich dort mit jener zweiten Armee zu vereinigen und in günstiger Stellung den Feind zu einer Ent­scheidungsschlacht zu erwarten.

Diesem Plane gegenüber erkannten cs die deutschen Heer­führer als ihre höchste Aufgabe, die Vereinigung der beiden französischen Armeen zu verhindern und zu diesem Zwecke die Bazaine'sche Hauptarmee auf dem Rückzüge nach der Maas aufzuhalten und zum Stehen zu bringen.

Die deutschen Armeen waren auf drei Linien an die Mosel gerückt, unsere I. Armee unter General von Steinmetz nörd­lich geradezu auf Metz, die II. Armee unter Prinz Friedrich Karl einige Meilen südlicher auf Pont-ü-Mousfon zu, wiederum etwas südlicher, in der Richtung auf Nancy, die III. Armee unter dem Kronprinzen.

Die französische Armee, welche dicht bei Metz stand, war dort durch die Festungswerke und durch die Mosel vor dem unmittelbaren Nachrücken unserer Armee geschützt. Es konnte nur dann gelingen, sie vom beabsichtigten Rückzüge nach der Maas abzuhalten, wenn ihr ein Theil unserer Armee durch eine unbemerkte Umgehung überraschend in die Flanke kom­men konnte.

Der Armee des Prinzen Friedrich Karl wurde diese wichtige Aufgabe zu Theil. Derselbe hatte in beschleunigten Märschen Pont-âMousson, drei Meilen südlich von Metz, erreicht, um dort die Mosel zu überschreiten. Noch im letzten Augenblick machten die Franzosen einen Versuch, diesen Ueber- gasig zu verhindern, indem sie von Metz eine Abtheilung Trup­pen mit der Eisenbahn dorthin entsandten. Dieselbe zog sich jedoch vor der gleichzeitig eintreffenden preußischen Infanterie schleunigst wieder nach Metz zurück, und unsere Armee konnte von dem Moscl-Uebergang ungehindert Besitz nehmen.