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Das gestimmte Detachement trat daher nach 1 Uhr den Abmarsch an und bezog 1 Meile nordwestlich, vom Feinde unverfolgt, das Bivouac.

Die schwierige Situation, welche Anfangs vorlag, ist heute ge­schwunden, mithin kein Grund vorhanden, mit der so ruhmvollen Wahrheit noch länger zurückzuhalten.

Das Gefecht bei Saarbrücker? am 6. August 1870.

(Amtlicher Bericht.)

Am Vormittag des 6. August stand das 7. Armee - Corps mit seiner Avantgarde bei Guichenbach V» Meilen nordnordwestlich Saar­brücken, Vorposten an der Saar.

Der Feind hatte in der Nacht zum 6ten die Stellung am Exerzier­plätze von Saarbrücken geräumt.

Die Kavallerie - Division Rheinbabcn passirte am 6ten gegen 12 Uhr Mittags die Stadt. Zwei Escadrons bildeten die Avantgarde. Diese erhielten Feuer von den Höhen bei Speicheren, sobald sie" über dem Kamm, auf welchem der Exerzierplatz liegt, sichtbar wurden.

Don diesem Kamm aus hat man in der Richtung von Saar­brücken auf Forbach und Speicheren ein tiefes Thal vor sich, aus wel­chem sich jenseits die steilen, zum Theil bewaldeten Höhen von Speiche­ren wie eine natürliche Festung zu einer Position erheben, von der man dreist behaupten kann, daß sie einer künstlichen Verstärkung nicht mehr bedurfte, um als fast uneinnehmbar zu gelten.

Gefangene französische Offiziere sagen es selbst, daß sie gelächelt hätten, als man ihnen in ihren Bivouaks gesagt, die Preußen greifen an. Daß dieser Angriff zur gänzlichen Niederlage für die preußischen Waffen werden müsse, daran zweifelte im II. französischen Corps Niemand.

Zwischen 12 und 1 Uhr langte die 14. Division in Saarbrücken an.

Schon im Thale zwischen dem Exerzierplatz und den Höhn von Speicheren stieß sie auf starke feindliche Streitkräfte. Das Gefecht engagirte sich. General Froffard, mit einem Theile seiner Truppen schon im Abzug begriffen, ließ Front machen und warf sein ganzes Corps von Neuem in die eben verlassene Position von Speicheren. Eine Division des III. Corps Bazaine vereinigte sich mit ihm.

Die 14. Division stand anfänglich einem weit überlegenen Feinde gegenüber.

Diesen in seiner formidablen Position nur in der Front anzu- greifen, hätte geheißen, den Stier bei den Hörnern fassen. Der General von Kameke versuchte deshalb über Stiring dem Feinde mit 5 Bataillonen in die linke Flanke zu gehen Dieser Versuch führte bei der lleberlegenhcit des Feindes zu keinem Resultate.

Zwei Angriffe auf dem linken Flügel wurden ebenfalls ab- gewieien. Gegen 3 Uhr waren alle Truppen der 14. Division engagier. Das Gefecht nahm einen sehr ernsten Charakter an.

Indeß auf sämmtliche preußische Truppen, welche den Kanonen­donner hören konnten, wirkie derselbe wie ein Magnet. Zunächst wurde die Division Darnekow von demselben angezogen. Mit Auf­bietung aller Kräfte erschienen zuerst 2 Batterien ihrer Divisions-Artil­lerie auf dem Gefechtsfelde. Ihnen folgte der Oberst Rex mit dem Regiment 40 und 3 Escadrons vom Husarcn-Rcgiment Rr. 9 Gleich­zeitig wurden die Toten der 5. Division auf dem Winterberge sicht­bar- General Stülpnagel, dessen Avantgarde am Morgen in Sulz­bach stand, hatte auf Befehl des General von Alvensleben seine ganze Division nach der Richtung des Kanonendonners in Marsch gesetzt. Zwei Batterien gingen in der Eilmarschformaiion auf der großen Straße vor. Die Infanterie wurde zum Theil per Bahn von Neun­kirchen nach Saarbrücken befördert.

Gegen 3| Uhr hatte die Division Kamele so viel Verstärkung erhalten, daß der inzwischen eingetroffene General von Gocben, welcher nunmehr das Kommando übernahm, den äußerst schwierigen Angriff gegen die mächtige Position des Feindes auszuführen beschloß. Den Hauptstoß richtete er gegen den bewaldeten Theil der steilen Höhe.

Das Regiment 40/ rechts durch Truppentheile der 14. Division, links durch 4 Bataillone der 5. Division unterstützt, führte denselben aus. Eine Reserve bildete sich nach und nach aus den eintreffenden Bataillonen der 5. und 16. Division.

Der Angriff gelang, der Wald wurde genommen, der Feind ge­worfen,' die stürmenden Truppen drangen immer steilbergauf bis zur südlichen Lisicre des Waldes vor. Erst hier kam das Gefecht zum Stehen.

Mit allen drei Waffen vereinigt, versuchte der Feind die verlorene Stellung wieder zu gewinnen. Unsere Infanterie hielt Stand. Da gelang cS der Artillerie der 5. Division, unter kolossalen An­strengungen ein Meisterstück zu vollbringen. Zwei Batterien erklom­men auf steilem, schmalen Gebirgspfade die Höhe von Speiche­ren. Ein zweiter Gegenangriff des Feindes wurde wiederum abge- wiesen. Einem Flankenangriff, in der Richtung von Alsting und Speicheren gegen unseren linken Flügel geführt, wurde von rück­wärts her rechtzeitig durch Bataillone der 5. Division entgegen getreten.

Auf beiden Seiten war der Kampf mit äußerster Zähigkeit ge­führt worden, jetzt erreichte er den Höhenpunkt seiner Heftigkeit. I

Noch einmal raffte der an Zahl überlegene Feind seine ganze Krakt zu einem dritten Gegenangriff zusammen.

Indeß auch diese letzte Anstrengung scheiterte an der unerschütter­lichen Ruhe und Energie unserer braven Infanterie und Artillerie.— Wie an einem Felsen zerschellte des Feindes Kraft und war nun so gebrochen, daß er das Schlachtfeld räumen mußte.

27 preußische Bataillone — nur von ihrer Divisions-Artillerie unterstützt — hatten gegen 52 französische Bataillone mit vollzähliger Corps-Artillerie unter den schwierigsten Verhältnissen einen glänzenden Sieg errungen. Der überlegene Feind wurde aus einer Position herausgeworfen, die er selbst für uneinnehmbar gehalten hatte. Die Dunkelheit senkte sich auf das Schlachtfeld herab und gewährte dem geschlagenen Feinde Schutz.

AusWeisung der Deutschen aus Frankreich.

Die französische Regierung, welche noch vor Kurzem den Anspruch erhob, vorzugsweise den Iseen der Civilisation zu dienen, hat eine Maßregel ergriffen, deren Barbarei in ganz Europa verurtheilt wird.

Alle Deutschen sollen aus Frankreich ausgewiesen werden: mehr als 60,000-Deutsche, welche größtentheils als fleißige Arbeiter ihren Unterhalt in Frankreich gefunden und theilweise einen festen Wohnsitz und Familie dort gegründet haben, werden dadurch ins Verderben gestürzt.

Diese Maßregel hat einen Schrei des Unwillens und der Ent­rüstung nicht blos in Deutschland, sondern auch in den neutralen Staaten hervorgeruftn-

Der »Preußische Staats-Anzeiger« schreibt darüber:

»Ich führe Krieg mit den französischen Soldaten und nicht mit den Bürgern Frankreichs. Diese werden demnach fortfahren, einer vollkommenen Sicherheit ihrer Personen und ihres Eigenthums zu genießen, und zwar so lange, als sie Mich nicht selbst durch feindliche Unternehmungen gegen die deutschen Truppen des Rechtes berauben werden, ihnen Meinen Schutz angedcihcn zu lassen.«

So lauten die Worte, welche der Königliche Obcrfeldherr der deutschen Heere am 11. d. M. an das französische Volk richtete.

AlS Antwort darauf hat zwei Tage später der Minister dès Innern im gesetzgebenden Körper erklärt, »daß die Regierung Maß­regeln treffe, um alle deutschen Unterthanen von französischem Boden zu vertreiben.«

Diese neueste Maßnahme der »Machthaber Frankreichs« bildet nur einen weiteren Schritt auf der Bahn der Vergewaltigung, mit welcher dieselben den Kriegsfall gestellt und den Krieg bisher geführt haben.

Im Anschluß an die einstimmige Haltung der hiesigen Blätter geben auch wir uns dem Vertrauen hin, daß die verbündeten deut­schen Regierungen, gestützt auf den einmüthigen Willen der Nation, alle Mittel aurbiden werden, um unseren vertriebenen Brüdern jede irgend angängige Hilfe und Unterstützung zu gewähren. Keineswegs aber wird Deutschland — wie wir ebenso der festen Zuversicht.sind, — im Bewußtsein seiner eigenen Würde und Ehre, an den Bürgern Frankreichs, welche friedlich unter uns leben, die terroristische Gewalt­that strafen, mit welcher das französische Gouvernement die beiden »zu einem heilsameren Wettkampfe berufenen Nachbarvölker« zu ent­zweien trachtet. Auch im Angesicht der ungerechten und barbarischen Verfolgung, welche über unsere deutschen Brüder hereingebrochen, werden wir der ehrwürdigen Sitte unserer Vorfahren gemäß das Gastrecht der Bürger Frankreichs achten, welche, auf den Schutz unserer Gesetze vertrauend, den deutschen Boden betreten haben.«

Inzwischen sind bereits Tausende von unglücklichen Deutschen in Holland, Belgien und der Schweiz eingetroffen. Unsere Regierung ist bemüht, das Schicksal derselben vorläufig durch Gewährung der noth­wendigsten Unterstützungen und freier Fahrt auf den deutschen Eisen­bahnen zu erleichtern.

Wirksamere Mittel der Abhülfe werden demnächst in Angriff zu nehmen sein. Auch die Besitznahme von den vormals deutschen Pro­vinzen Frankreichs wird dazu voraussichtlich Gelegenheit bieten.

Die Lage der Kaiserlichen Regierung in Frank­reich ist in diesem Augenblick schwer zu bezeichnen: man ver­mag nicht zu sagen, ob der Kaiser in Wahrheit noch regiert oder nicht. Das Oberkommando der Armee (in welchem die Führung von drei Divisionen gegen drei preußi­sche Compagnien bei Saarbrücken seine ruhmreichste That war) hat er niederlegen müssen. In Paris leitet zwar ein Ministe­rium von persönlich ergebenen Anhängern des Kaisers die Ge­schäfte, aber die Zügel der Regierung scheinen ihm mehr und mehr zu entfallen. Wenn trotzdem die Kaiserliche Regierung noch bestehen bleibt, so mag es vornehmlich daran liegen, daß keine Partei, weder die republikanische, noch die orleanistische, die jetzige Erbschaft des Kaiserthums anzutreten geneigt ist oder die Hoffnung hegen könnte, den Verhältnissen jetzt noch eine bessere Wendung zu geben.

Verantwortlich: E. Liedtke in Berlin.

Berlin, Druck und Verlag der Königlichen Geheimen Oder-Hofbuchdruckerei (91. v. Decker).