auch bei dem rangirten Gefechte jedem höheren Truppenführer zur Richtschnur dienen. — Noch auf Eins möchte ich aufmerksam machen: Was an einem Tage geschehen kann, muß nie auf zwei Tage vertheilt werden. Nur mit der größten Energie werden große Resultate und dadurch auch der Friede wieder herbeigeführt, den Gott uns nach siegreichem Kampfe geben wolle.
Hauptquartier Völklingen, 8. August 1870.
Der Ober-Befehlshaber der I. Armee.
v. Steinmetz.
3) Armeebefehl des Prinzen Friedrich Karl, Höchstkommandirenden der II. Armee, vonHomburg (Rheinpfalz), am 6. August 1870.
Soldaten der 2. Armee!
Ihr betretet den französischen Boden.
Der Kaiser Napoleon hat ohne allen Grund an Deutschland den Krieg erklärt, er und seine Armee sind unsere Feinde. Das französische Volk ist nicht gefragt worden, ob es mit seinen deutschen Nachbaren einen blutigen Krieg führen wollte, ein Grund zur Feindschaft ist nicht vorhanden.
Seid dessen eingedenk den friedlichen Bewohnern Frankreichs gegenüber, zeigt ihnen, daß in unserem Jahrhundert zwei Kulturvölker, selbst im Kriege mit einander, die Gebote der Menschlichkeit nicht vergessen.
Denkt stets daran, wie Eure Eltern in der Heimath cs empfinden würden, wenn ein Feind, was Gott verhüte, unsere Provinzen über- schwemmti.
Zeigt den Franzosen, daß das deutsche Volk nicht nur groß und tapfer, sondern auch gesittet und edelmüthig dem Feinde gegenüber ist.
Friedrich Karl,
Prinz von Preußen.
Ueber die Anfänge des Krieges, namentlich über unsere Rüstungen und über die ersten Vorgänge bei Saarbrücken, werden jetzt im »Staats - Anzeiger« folgende Aufklärungen gegeben:
Der Frevelmuth , mit welchem die französische Regierung aus nichtssagenden Gründen einen blutigen Krieg heraufbeschwor und welche bis jetzt im Leben der Völker nicht ihres Gleichen gefunden hat, spottete jeder Berechnung. Dessenungeachtet war die militärische Leitung in Preußen selbst hierauf vorbereitet. Der politischen Exzentrizität Frankreichs folgten daselbst militärischerseits entsprechende, sich ebenso charakteri- sirende Maßregeln. Die gestimmten im Frieden gehaltenen Truppen wurden in überstürzender Last von der Kaiserlichen Regierung an unsere Grenzen geworfen. Eine Masse von über 100,000 Mann bedrohte somit das deutsche Gebiet auf dem linken Rheinufer, während unsere Bataillone in der'ganzen Monarchie, an der Oder und an der Weichsel, noch in ihren Garnisonen standen. Die französischen Maßregeln hatten unter solchen Verhältnissen einen sehr gewichtigen Vorsprung gewonnen, einen Vorsprung, den man diesseits stets im Auge gehabt hatte, da in Frankreich das Eisenbahnnetz und die massenhafte Aufstellung in den östlichen unserer Grenze naheliegenden Distrikten, vor Allem aber die durch stehende Lager gebotene Möglichkeit , große Truppenmassen im Frieden zu formiren, denselben bedingten. Preußischer Seits war man nicht so günstig gestellt, doch hätte man auch hier immobile Truppen an die Grenze werfen können, aber man zog es vor, einen anderen Weg cmzuschlagen. D-nu Hals über Kopf aus ihren Friedensverhältniffen Herauègeriffcnc Trup- Pentheilc waren nach diesseitigen Ansichten wohl in der Lage, augenblickliche Erfolge zu erringen, aber nicht organisirt, um die Wechsel- fälle eines großen und gewichtigen Krieges durchzuführen. Was dabei augenblicklich errungen worden wäre, hätte sich für die Zukunft bitter rächen müssen. Man zog es daher vor, die Streitkräfte in ordnungsmäßiger Weise zum Kriege vorzubereiten.
Allerdings wußte man genau, daß, wenn der Feind nur ein wenig Energie besaß, man nicht vermochte, ernstlichen Widerstand zu leisten oder zu verhindern, daß er auf Kosten eines Theils unserer Lande lebe.
Sämmtliche deutsche Truppentheile blieben daher in ihren Garnisonen bis zu dem Moment, wo sie zu Operationen befähigt waren.
Dieses feste Verhalten hat große Früchte getragen. Die in ihrer Organisation sich überstürzende und verwirrende frnnibfitoe Armee fand an Der Grenze bereits Truppen vor, obgleich dies nur die dortigen schwachen Garnisonen waren. Sie hat, hierdurch irre geführt, nicht einmal auf unsere Kosten zu leben verstanden, — mehr noch: es ist der vollendeten Organisation der deutschen Streitkräfte zu danken, daß, sobald diese ihre Rüstungen vollendet hatten und zum Austrage des angebotenen Kampfes heranrückten, die französischen Streitkräfte sich nicht an der Grenze zu behaupten vermochten, sondern dieselben preisgaben und den Rückzug antraten. Den französischen Phantasien halten wir die einfache Thatsache entgegen: sobald die operationsbereiten preußischen Kolonnen sich der Saar näherten, gab die französische Hauptarmce sofort diese wichtige Linie auf.
Wie bekannt, hatte sich die französische Hauptmacht an dem Tage,
an welchem in Berlin der Befehl zur Mobilmachung erst gegeben wurde, gegen die Saar, und speziell gegen Saarbrück, in Bewegung gesetzt. In letzterer Stadt befanden sich nur ein Bataillon des Regiments Nr 40 und drei Schwadronen des Ulanen- Regiments Nr. 7. Wurden diese Truppen herausgezogen, so lagen die deutschen Lande auf dem linken Rheinufer weithin dem Gegner offen. Man war sich bewußt, welche Gefahr diese schwache Abtheilung lief; aber es galt, dem Gegner zu imponiern und sich in den Rüstungen der Armee trotz der drohenden Gefahr nicht stören zu lassen. Diese Aufgabe wurde von jenem Detachement mit unermüdlicher Thätigkeit und glänzendster Ausdauer gelöst, während zum weiteren Schutz an anderen Punkten der Saar wenige Compagnien und Escadrons aus den nächsten Garnisonen vorgesandt wurden. In einer, in der Kriegsgeschichte bisher unerhörten Weise blieb seit der mit seltsamer voreiliger Hast erfolgten französischen Kriegserklärung dieses unerschrockene Häuflein 14 Tage lang ganzen Divisionen des Feindes gegenüber stehen.
In den Augen des Feindes gewannen diese Abtheilungen täglich eine größere Bedeutung und vergrößerten sich so weit, bis man schließlich in den französischen Journalen sie in einer Höhe von 200,000 Mann angegeben fand. Tägliche Patrouillengefechle wurden geliefert und die lächerlichsten Darstellungen über großartige Kämpfe erschienen in den französischen Bulletins.
Man war preußischerseits bisher nicht in der Lage, diesen Aufschneidereien und beunruhigend en Gerüchten entgegen zu treten. Wollte man die Wahrheit aufdecken, so mußte man sagen, daß hier nur 1 Bataillon und 3 Escadrons bem Feinde gegenüber standen. Wenige Stunden, nachdem dies in Berlin bekannt geworden wäre, hätte man es auch in Parts gewußt, und die Vernichtung des kleinen Detachements wäre die unmittelbar eFolge davon gewesen, sobald der Feind klar darüber war, was ihm gegenübcrsiand. Man war daher preußischerseits nicht in der Lage, den darüber umlaufenden Gerüchten und der berechtigten Wißbegierde des Publikums die ruhmvolle Wahrheit entgegen zu halten.
Als die Nachrichten ergaben, daß schließlich zwei französische Corps dem schwachen Detachement auf nächster Nähe gegenüberstanden, wollte die oberste Führung, um die tapfere Schaar nicht zu opfern, dieselbe zurückzichen, umsomehr, als zu jener Zeit die diesseitigen Rüstungen sich ihrem Ende näherten. Aber der dortige Commandeur, Oberst-Lieutenant von Pestel, telegraphirte zurück und bat, ihn auf diesem Ehrenposten zu belassen, indem er hinzufügte: »Das Benehmen der Franzosen zeigt, daß sie sich vor uns fürchten.« Unter diesen Verhältnissen wurde mit Freude die Einwilligung hierzu gegeben, umsomehr, als man jetzt bereits in der Lage war, das Detachement noch durch 2 Bataillone zu unterstützen und2 Meilen rückwärts Truppen zur Sicherung ihres Abmarsches aufstcllcn zu können. Dies führte zu der berühmten ersten sogenannten Schlacht von Saarbrück!! Die Streifereien der Ulanen und Vierziger beunruhigten den Gegner fortwährend, indem sie ihn auf seinem eigenen Gebiete aufsuchten und selbst eine ihm wichtige Bahnlinie störten. Die Ankunft des Kaisers und seines Sohnes änderte Nichls in der Situation, gab aber Veranlassung, daß französischerseits am 2. August ein Schauspiel auf- geführt wurde, welches die militärische Welt in berechtigte Heiterkeit versetzen muß, unserer kleinen Abtheilung aber neuen Ruhm bereitete.
Die Franzosen haben Schilderungen des »großartigen Ereignisses« veröffentlicht, die den Eindruck der Völkerschlacht von Leipzig Hervorrufen. Die einfache Darstellung der Thatsachen, wie sie sich verhalten, ist folgende:
Nachdem bereits am Abend des 1. August sich größere Bewegungen hinter den feindlichen Vorposten bemerkbar machten, meldeten am Morgen des 2. die vorgegangenen Kavallerie- und Infanterie- Patrouillen das Anrücken starker feindlicher Kolonnen auf der Chaussee von Forbach, sowie nördlich und südlich derselben.
Das Vorposten-Bataillon nahm hierauf mit 3 Compagnien Stellung westlich der Stadt, woselbst das Terrain einer Vertheidigung noch am günstigsten war, eine Compagnie blieb in der Stadt als Reserve.
Das zur Aufnahme bestimmte Detachement von 2 Bataillonen formirte sieb weiter hin auf dem rechten Ufer der Saar.
Sehr bald zeigic câ sich, daß der Femd sehr bedeutende Kräfte entwickele. Vier Rohr- und eine Mitrailleusen-Battcrie desselben fuhren auf den Höhen des linken Thalrändes auf und beschossen, jedoch ohne befonberen Effekt, die diesseitigen Truppen.
Erst gegen 11 Uhr stiegen mehrere feindliche Bataillone von den Höhen herab, hielten jedoch auf eine kolossale Entfernung und gaben Salven und Schnellfeuer ohne irgend welchen Erfolg ab. Um doch auch preußischerseits thätig zu sein, wurden die Schützenzüge der 3 Compagnien vorgeschoben und unterhielten ein fast einstündiges Tirailleurgefecht.
Gegen 12 Uhr rückten auf dem rechten feindlichen Flügel neue Massen an. Die 3 preußischen Compagnien erhielten Befehl, nunmehr den Rückzug anzutreten.
Der Zweck des Haltens war somit erreicht, cincFort- setzung des Gefechtes konnte keinen Nutzen bringen.