ganze Kraft noch einmal vor der Mosel in der günstigen Stellung an der Nied (von Metz nach Marsal) zusammenfassen würde.
Die Kavallerie unserer drei Armeen aber folgte dem sich zurückziehenden Feinde überall auf dem Fuße und in Eilmärschen rückten die Armeen selbst trotz Regens und großer Terrainschwierigkeiten nach. Diese rasche Verfolgung ließ die Franzosen nirgends zur rechten Sammlung kommen/ sie gaben zunächst die Linie an der Nied, dann als unsere Vorposten bis vor Metz, bis Pont â Mousson und Nancy reichten, die ganze Mosellinie auf. Auch der Kaiser Napoleon hat sich von Metz nach Verdun zurückgezogen, um von dort, wie er verkündet, das Land gegen die deutsche Invasion zu vertheidigen. Schon war Nancy geräumt, schon hatten die Unsrigen Frouard, den Knotenpunkt der Eisenbahn von Nancy nach Metz und Toul besetzt, schon war die Avantgarde des Prinzen Friedrich Carl von Pont â Mousson in der Richtung auf Verdun weit vorgerückt, schon sind die Vogcsenfestungen freiwillig geräumt worden oder haben, wie Marsal, mit Preisgebung großer Vorrâthe und zahlreicher Geschütze kapitulirt. Da schickte sich die französische Armee, soweit sie noch bei Metz stand, zum weiteren Rückzüge von der Mosel nach der Maas (Meuse) an.
Im letzten Augenblicke noch stieß die Avantgarde des Generals Steinmetz auf die Arrisregarde des Feindes. Unter den Mauern der Festung entwickelte sich ein blutiges Gefecht bei Metz, durch welches die Franzosen genöthigt wurden, ihre Rettung in der Festung zu suchen.
Die ganze französische Armee scheint sich seitdem nach der Maas hin weiter zurückgezogen zu haben, und es gewinnt immer mehr den Anschein, als werde dieselbe nicht vor Cha Ions sich zum entscheidenden Kampfe entschließen.
Die Absicht mag dahin gehen, einerseits erst Verstärkungen an sich zu ziehen, andererseits die deutschen Armeen durch die Nothwendigkeit der Zurücklassung von Truppen in den bisher eroberten Landes- theilen zu schwächen.
Es ist jedoch zuversichtlich anzunehmen, daß auch die Verstärkungen, welche das französische Heer an wirklichen Truppen, an Mobilgarde und an Landsturm erwartet, das Verhältniß der beiden Armeen nur unerheblich verändern werden,' andererseits ist dafür gesorgt, daß die Lücken in unserem Heere unverzüglich durch das Rachrücken der bereit stehenden Reservetruppen vellstândig ausgefüllt werden.
Sowohl die Besetzung der eroberten Provinzen, wie auch die Belagerung von Straßburg und Metz werden erfolgen können, ohne daß den Opcrationsarmeen irgend ein Heerestheil entzogen bliebe.
Ein Ausfall der Besatzung von Straßburg (am 16.) ist mit Verlust an Mannschaft und drei Geschützen zurückgeschlagen worden.
Ders Gefecht bei Metz.
Eine Depesche unseres Königs an die Königin vom Montag (15.) früh um 5 Uhr meldete:
Gestern Abend siegreiches Gefecht bei Metz durch Truppen VII. und I. Armee - Corps, ©etailë fehlen noch. Ich begebe mich sogleich auf das Schlachtfeld.
Weitere Mittheilungen über das Gefecht sind in einer zweiten Depesche des Königs und in einer amtlichen Meldung des General- stabeè enthalten.
Der König tclegraphirte am Montag Abend weiter:
Depesche Seiner Majestät des Königs an Ihre
Majestät die Königin.
Herny, den 15. August, 7 Uhr 30 Min. Abends.
Um 3 Uhr vom Schlachtselde von Metz zurück. — Die Avantgarde des VII. Corps griff gestern Abend gegen 5 Uhr den abziehenden Feind an; dieser stellte sich und verstärkte sich zusehends aus der Festung. — Die 13. Division und Theile der 14. unterstützten die Avantgarde, desgleichen Theile des I. Armee - Corps. Ein sehr blutiges Gefecht entspann sich auf der ganzen Linie, der Feind ward aus allen Punkten geworfen und die Verfolgung ging bis vor das Glacis der Außenwerke. — Die Nähe der Festung gestattete dem Feinde vielfach, seine Blessirten zu sichern. Nachdem unsere Blessirten geborgen waren, zogen die Truppen in ihre alten Bivouaks mit Tagesanbruch. — Die Truppen sollen sich alle mit unglaublicher und bewundernswürdiger Energie und mit Lust geschlagen haben. — Ich habe viele gesehen und ihnen von Herzen gedankt. — Der Jubel war ergreifend. — Ich sprach mit General Steinmetz, Zastrow, Manteuffel, Göben.
Die offizielle militärische Nachricht lautet:
Den 14., gegen 4 Uhr Nachmittags, glaubte unsere vor Metz befindliche Avantgarde den Abmarsch der unter dem Schutze der Festung noch lagernden Corps zu erkennen. Unverzüglich griff Brigade Goltz die Arriercgarde des Corps Decaen (bisher Bazaine) an, verwickelte
diese in so heftiges Gefecht, daß das feindliche Corps, sowie Abihei- iungen des Corps Froffard, zu ihrer Unterstützung Front machen mußten. General Glümer führte seine 2. Brigade Osten-Sacken sofort vor. Rechtzeitig griffen ferner die Divisionen Kameke und Wrangel in wirksamster Weise auf dem linken Flügel in das Gefecht ein und warfen den Feind schließlich auf allen Punkten bis hinter die Festungswerke. Inzwischen hatte das Corps Admirault die rechte Flanke des 1. Armee-Corps zu erfassen versucht, aber es wurde vom General Manteuffel mit feinen Tambour battant vorgehenden Reserven angegriffen und unter Erstürmung einer Reihe von Abschnitten der Feind auch auf diesem Flügel ebenso entschieden in die Festung zurückgeworfen. Die diesseitigen Truppen drangen bis Belle- croix und Borny bis in den Bereich der neu angelegten Forts vor. Heute früh rekognoszirte Se. Majestät der König das Schlachtfeld und besichtigte die zur sicheren Abführung der preußischen wie französischen Verwundeten auf demselben stehen gebliebenen diesseitigen Vorposten. Von den höchst liegenden Punkten war auf dem rechten Ufer der Mosel vom Feinde nichts mehr zu erkennen. Dichte Staubwolken jenseits des Flusses ließen auf den Abmarsch der feindlichen Hauptarmee schließen.
Soweit der amtliche Bericht unseres Generalstabs.
Der Kaiser Napoleon hat über dasselbe Gefecht nach Paris gemeldet: die Preußen seien nach vierstündigem Kampfe mit großem Verlust zurückgcwiesen worden.
Die amtlichen preußischen Meldungen haben zu guten Glauben in Europa für sich, als daß es nöthig wäre, die Unwahrheit der Kaiserlichen Depesche näher zu begründen.
Feststehend ist ja überdies, daß die Franzosen nicht blos das Schlachtfeld diesseits der Mosel geräumt, sondern dir ganze Stellung an der Mosel nach dem Gefechte vollends aufgegeben, daß die Unserigen dagegen den Feind bis in den Bereich der Festung verfolgt und sodann das Schlachtfeld bis zum folgenden Tage inne gehabt haben, wo der König dasselbe besichtigte.
Hiernach wird die Welt wissen, w n dem Gefechte bei Metz zurückgeworfen worden ist.
Proklamationen und Armeebefehle beim Ueberschreiten der französischen Grenze.
1) Proklamation Sr. Majestät des Königs von Saarbrücken, am 11. August 1870.
Wir Wilhelm, König von Preußen, thun den Bewohnern der durch die deutschen Armeen besetzten französischen Ge- bictstheile zu wissen, was folgt: Nachdem der Kaiser Napoleon die deutsche Nation, welche wünschte und noch wünscht, mit dem französischen Volke in Frieden zu leben, zu Wasser und zu Lande angegriffen hatte, habe ich den Oberbefehl über die deutschen Armeen übernommen, um diesen Angriff zurückzuweisen,' ich bin durch die militärischen Ereignisse dahin gekommen, die Grenzen Frankreichs zu überschreiten. Ich führe Krieg mit den französischen Soldaten und nicht mit den Bürgern Frankreichs. Diese werden demnach fortfahren, einer vollkommenen Sicherheit ihrer Personen und ihres Eigenthums zu genießen und zwar so lange, als sie mich nicht selbst durch feindliche Unternehmungen gegen die deutschen Truppen des Rechtes berauben werden, ihnen meinen Schutz angedeihen zu lassen.
Wilhelm.
2) Armeebcfehl des Generals von Steinmetz, Höchstkommandirenden der I. Armee.
Soldaten der I. Armee! Auf Befehl Sr. Majestät des Königs wird die erste Armee morgen die französische Grenze überschreiten. Laßt uns diesen ersten Erfolg unserer bisherigen Anstrengungen beim Betreten des feindlichen Gebietes mit einem unserem weisen Allerhöchsten Kriegsherrn ausgebrachten Hurrah! begrüßen. Für gutes Verhalten in dem uns bevorstehenden Kampfe mit einer uns völlig ebenbürtigen Armee bürgt mir eure Vaterlandsliebe, euer Muth und euer gerechlcc Stolz, die euch verbieten, die Beleidigung, welche ein anmaßender Gegner uns zugefügt hat, ungeahndet auf euch sitzen zu lassen. Der friedliebende Bürger und Landmann aber, das werdet ihr euch selbst sagen, steht unter dem Schutze der Humanität, unter preußischer Disziplin. Ich vertraue euch, daß ihr weder die eine, noch die andere durch Ausschreitungen, die nie von euren Vorgesetzten gebilligt werden könnten, verleugnen werdet. Wann und wo der Feind sich uns entgegen stellen sollte, so erwarte ich, daß er mit der größten Entschiedenheit angegriffen wird. Für die Kavallerie ist es schon ein alter stehender Grundsatz, daß sie stets zuerst angreift. Die Entschuldigung, nichts haben thun zu können, kann ich da, wo der Kanonendonner zu hören ist, nicht gelten lassen. Es hat vielmehr jeder Truvpentheil nach dieser Direktion zu marschiren, auf dem Schlachtfcldc angekommen, sich schnell über das Gefecht zu orientiren, um angemessen sofort eingreifen zu können. Dasselbe muß