uns auf uns selbst zurück und mögen die „Eroberer" gegen einen Wall von menschlichen Leibern anstürmen. Bleibt aufrecht also! Aufrecht! Und Ihr Einwohner des Centrums, des Nordens und des Südens, auf denen nicht die Bürde des Krieges lastet, eilet mit einmütiger Begeisterung Euren Brüdern im Osten zu Hülfe. Möge Frankreich, das in Erfolgen einig gewesen, noch einiger sein in der Zeit der Prüfungen. Gott segne unsere Waffen!"
Der Senat und der gesetzgebende Körper in Frankreich sind mit Rücksicht auf die Gefahr des Landes zu einer sofortigen Sitzung berufen.
Alle Bürger zwischen 30 und 40 Jahren sollen schleunigst in die Reihen der Mobilgarde (eine Art Bürgerwehr) Ungerecht werden.
Um dem französischen Volke mehr Muth zu machen, wird demselben im amtlichen Blatte vorgespiegelt, daß ganz Europa voll Unruhe sei (oder doch sein müßte) über die Erfolge Preußens.
Nachdem alle Völker und Staaten einzeln vor Preußen gewarnt werden, heeßt es dann: „Wer appelliren an die Regierungen und an die Völker Europa's, um Europa bcm preußischen Despotismus zu entreißen, um uns, sei es durch Allianzen, oder durch Sympathien, bei der Wahrung des europäischen Gleichgewichts zu unterstützen."
Der Ruf wird freilich vergeblich sein, denn Europa weiß zu gut, daß gerade Frankreich es war, welches durch seine übermüthigen Ansprüche, so oft cs dieselben geltend zu machen vermochte, „das Gleichgewicht Europa's störte".
Aus dem Allen klingt nur das Eine klar und unverhohlen hervor: daß Frankreich der weiteren Entwickelung mit schwerer Besorgniß entgegensiebt.
Regierung und Volk scheinen sich bewußt zu werden, daß das Strafgericht Gottes über das jetzige Frankreich hereinbricht.
Die Siegesnachrichten haben die Begeisterung, welche in ganz Deutschland schon seither herrschte, noch gesteigert.
Am mächtigsten tritt die patriotische Freude in den neuen Landesthcilen, zumal auch in Frankfurt a.. M., sowie bei unseren Genoffcn im Norddeutschen Bunde und ferner in Süd- deutschland hervor, wo man zum ersten Male thatsächlich erfährt und tief empfindet, was es auf sich hat, einer mächtigen Nation anzugehören.
Die glückliche Waffenbrüderschaft stärkt und stählt sichtlich die tiefere nationale Gemeinschaft. Auch hierin haben wir schon jetzt einen besonderen Segen dieser großen Zeit zu erkennen.
Unser König hat mit dem Vorrücken der Armee auch sein Hauptquartier weiter westlich verlegt. Auf der Reise hat er überall die lebhaften und begeisterten Huldigungen der Bevölkerung empfangen.
In Neustadt an der Hardt fand bei der Durchfahrt Sr. Majestät des Königs eine erhebende Demonstration statt. Der Bahnhof und die malerischen umliegenden Höhen waren mit bayerischen und preußischen Truppen und fast der gelammten Einwohnerschaft der umliegenden Orte dicht besetzt. Es traten verschiedene Redner zur Begrüßung Sr. Majestät auf und die Iubelrufe für den König, für den Grafen Bismarck, für die Generale v. Moltke und v. Roon vereinigten sich zuletzt zu einem allgemeinen Hoch auf Deutschlands Einheit und Deutschlands Freiheit, welches bei der Abfahrt des Königlichen Extrazuges donnernd durch die Berge hallte.
Die letzten Nachrichten vom Königlichen Hauptquartier waren aus Homburg (in der Pfalz), nahe an der französischen Grenze.
Der König befindet sich im erfreulichsten Wohlsein.
Die Königin Augusta bildet zur Zeit den Mittelpunkt, um welchen sich alle Kundgebungen patriotischer Freude und Begeisterung bewegen.
Die hohe Fürstin ist persönlich eifrig bemüht, alle wichtigen Nachrichten vom Kriegsschauplätze, welche sie meistens zuerst erhält, sofort der Bevölkerung mitzutheilen. Die Siegesnachricht von Weißenburg, wie die von Wörth wurde dem Volke zuerst von der Rampe des Königlichen Palais in Gegenwart der Königin verlesen.
‘^ SextmtooTtHiS; E. «edtk in Brriin.
Ihre Majestät die Königin widmet sich fortdauernd mit aufopferndem und wirksamstem Eifer allen auf die freiwillige Krankenpflege der im Felde verwundeten oder erkrankten Soldaten bezüglichen Bestrebungen, sowie der Vereinsthätigkeit für die zurückgclasscnen Familien der eingczogcnen Mannschaften. _____________
(Näheres von der Erstürmung Weißenburgs.) Ueber den Tag von Weißenburg liegen bereits einige nähere Berichte vor. Die »Kölnische Zeitung« bringt darüber Folgendes, zunächst vom 4. August:
Das war heute ein prächtiger Anfang des großen Krieges und mit glänzendem Siege haben wir den Feldzug eröffnet. Ich befand mich bei Hagenbach, in der Nähe der badischen Division Beyer, welche mit lautem Gesang auf Lauterburg im Elsaß zumarschirte, als des Morgens um 4 Uhr, unter strömendem Regen, welcher die unerträgliche Hitze der letzten Tage glücklicher Weise sehr kühlte, rechts von unserem Flügel in der Richtung nach Weißenburg zulauterKanonen- donner, der fortwährend an Stärke zunahm, erscholl. Die Avantgarde des 2. bayerischen Armeecorps unter dein General-Lieutenant Graf Bothincr war gegen Weißenburg, welches von der französischen Division Douay's vom Corps des Marschalls Mac Mahon besetzt wurde, angerückt. Zwar war Weißenburg stark verschanzt und die Franzosen hatten in aller Eile möglichste Schanzen und Verhaue dort ausgeführt, allein die braven Bayern stürmten unter dem Schutze ihrer sehr gut schießenden Artillerie mit todesverachtender Kühnheit und drangen unter harten Verlusten bis Mitte der Stadt vor. Hier aber warfen sich ihnen neue französische Regimenter entgegen und das Gefecht kam zum Stehen. Aber schon nahete die preußische Hülfe, der bayerische Kanonendonner hatte die preußischen Truppen vom 5ten Armee-Corps, dem alten berühmten Steinmetz'schen Corps, mit gewaltigem Munde zur Eile getrieben. »Drauf, es gilt, den Bayern Hülfe zu bringen, sie müssen wissen, daß auf uns Preußen Verlaß ist!« haben die braven Nicderschlesier gerufen, und nun im Laufschritt vorwärts, voran der General v. Kirchbach, der Führer des 5. Armee- Corps. Mit schnellem Ueberblick wirft er seine Truppen in die rechte Flanke des Feindes, zwar leisten die Franzosen den hartnäckigsten Widerstand, aber der Ungestüm der Preußen ist zu groß. Die beiden Nicderschlcstschen Regimenter Nr. 7 (Königs- Grenadiere aus Liegnitz) und Nr. 58 erstürmen eine französische Verschanzung, das 5. Jager- Bataillon aus Görlitz, in dem viele Freiwillige dienen, schießt mit sicheren Schüssen stets die französischen Zuaven zusammen, plötzlich ertönt der Schlachtenruf: »Drauf Ihr Preußen — Hurrah der König Wilhelm!« und unaufhaltsam wie eine Wetterwolke, brechen die Preußen und bald ihnen zur Seite auch wieder die Bayern vor. Ganz Weißenburg, mit allen seinen Verschanzungen und festen Höhen wird erstürmt , und die Jäger des 5. Bacaiitono erobern auch eine französische Kanone, während die schwarzen Husaren ein französisches Zeltlager und viele französische Pferde erbeuten. Die ganze französische Division Douay ist vollständig zersprengt, der General Douay selbst, der zuletzt wie ein Verzweifelter den Tod suchte, soll gefallen sein. Wir haben über achthundert französische Gefangene, darunter viele Zuaven, die lange nicht so gewandt fochten, wie man früher von ihnen behauptet hatte. Unsere Verluste sind bedeutend und werden sich an Todten und Verwundeten wohl über 900 Mann belaufen. Besonders bayerische Jäger, dann das 7. und 58. preußische Regiment und das 5. Jäger-Bataillon haben sehr gelitten. General v. Kirchbach ist leicht an der Backe verwundet. Während des Gefechtes kam der Kronprinz an, jubelnd von den Truppen begrüßt. Die Franzosen ziehen sich eilig zurück, unsere Avantgarde stebt schon in Beiscbdorf. — Auch die Badenser rückten unter fortwährendem Geplänkel vorwärts und besetzten die französische Stadt Lauterburg. Die badischen Vorposten stehen bis Winzenbach und Trimbach. Es wurden von den Badensern bei Lauterburg 30 große französische Kähne und Rheinschiffe, die dort zusammengebracht waren, erbeutet Leider wird nun die Hitze wieder sehr groß.
5. August, Abends. Soeben komme ich von Weißenburg zurück,' der gestrige Kampf war ein sehr heftiger und die Regimenter Nr. 7, 58/ 59, 48 und das 5. Jäger-Bataillon haben harte Verluste, die sich auf 600 Mann belaufen mögen, gehabt. Die Truppen vom 11. preußischen Armec-Corpè sind weniger im Feuer gewesen. Am schwierigsten und verlustreichsten ward die Erstürmung des Geisberges, eines hohen Hügels, südöstlich von der Stadt. Die Franzosen hatten sich hier stark verschanzt und eröffneten ein mörderisches Feuer auf unsere Soldaten, allein das 7. Königs- Grenadier - Regiment aus Licgnitz stürmte unaufhaltsam vorwärts. Hier haben wir auch an 500 Gefangene gemacht, deren im Ganzen 800 Mann, darunter über 50 Turcos, sind. Die Franzosen haben anfänglich sehr muthig gekämpft, als sie aber einmal geschlagen waren, sind sie sehr unordentlich geflohen. In dem sehr koupirten Terrain konnte die Kavallerie nur nicht rasch» verfolgen, sonst wären noch sehr viel mehr Franzosen gefangen genommen. General von Kirchbach ist nur leicht verwundet. Der Brand von Weißenburg hat nicht stattgefunden. Die Bayern haben sich sehr brav geschlagen und werden überall von den Preußen jubelnd begrüßt.
Berk«, Drrrck und Vertag der Kvmgüchc« Geheime« Ober-H ofbuch druckerei (R. v. Decker).