Die Ankunft unseres Königs im großen Hauptquartiere zu Mainz am 2. August war das Anzeichen, daß die Aufstellung unserer Armeen im Wesentlichen beendigt sei.
Der König erließ am 2. August folgenden Armeebefehl:
A n d i e A r m e e!
Ganz Deutschland steht einmüthig in den Waffen gegen einen Nachbarstaat, der uns überraschend und ohne Grund den Krieg erklärt hat. Es gilt die Vertheidigung des bedrohten Vaterlandes, unserer Ehre, des eigenen Heerdes. Ich übernehme heute das Kommando über die gesammten Armeen und ziehe getrost in einen Kampf, den unsere Väter in gleicher Lage einst ruhmvoll bestanden. Mit mir blickt das ganze Vaterland vertrauensvoll aus Euch. Gott der Herr wird mit unserer gerechten Sache sein.
Mainz, den 2. August 1870.
Wilhelm.
Schon vorher am 31. Juli hatte der Kronprinz als Ober-Befehlshaber der 3. (südlichen) Armee, bei welcher auch die süddeutschen Bundesgenoffen stehen, folgenden Armeebefehl erlassen:
„Soldaten der dritten Armee!
Von Sr. Majestät dem König von Preußen zum Oberbefehlshaber der III. Armee ernannt, entbiete Ich den von heute ab unter Meinem Befehl vereinigten Königlich preußischen, Königlich bayerischen, Königlich wurttembergischen und Großherzoglich badischen Truppen Meinen Gruß.
Es erfüllt mich mit Stolz und Freude, an der Spitze der aus allen Gauen des deutschen Vaterlandes vereinten Söhne für die gemeinsame nationale Sache, für deutsches Recht, für deutsche Ehre gegen den Feind zu ziehen.
Wir gehen einem großen und schweren Kampfe entgegen, aber in dem Bewußtsein unseres guten Rechts und im Vertrauen auf Eure Tapferkeit, Ausdauer und Mannszucht ist uns der siegreiche Ausgang gewiß.
So wollen wir denn aushalten in treuer Waffenbrüderschaft, um mit Gottes Hülfe unsere Fahnen zu neuen Siegen zu entfalten für des geeinigten Deutschlands Ruhm und Friede.
(gez.) Friedrich Wilhelm,
Kronprinz von Preußen."
(Weißenburg.) Der kronprinzlichcn (3.) Armee war es vorbehalten, den Feldzug mit der ersten größeren Operation zu eröffnen.
Am 4. August überschritt der Kronprinz in der südlichen Pfalz die französische Grenze und erstürmte Weißenburg, sowie den dahinter liegenden Geisberg.
Die erste darüber eingegangene Depesche lautete:
Niederotterbach, Donnerstag, 4. August, Nachmittags 5 Uhr 55 Minuten. Glänzender aber blutiger Sieg der kronprinzlichen Armee unter des Kronprinzen Augen bei Erstürmung von Weißenburg und des dahinterliegenden Geisbergcs durch Regimenter vom 5. und 11. preußischen und 2. bayerischen Armec-CorpS.
Französische Division Douay vom Corps Mac Mahon unter Zurücklaffung ihres Zeltlagers in Auflösung zurückgeworfen. General Douay todt. Ueber 500 unverwundete Gefangene, darunter viele Turcos, und ein Geschütz in unsern Händen-
Unsererseits General Kirchbach leichten Streifschuß. Königs- Grenadier- und 58. Regiment starke Verluste.
Vom Könige selbst kam an seine Gemahlin die Meldung in folgenden Worten:
An die Königin Augusta
Berlin.
Unter Fritzen's Augen heute einen glänzenden, aber blutigen Sieg erfochten durch Stürmung von Weißenburg und des dahinter liegenden Geisberges. Unser 5. und 11. Corps und 2. bayrisches Armee-Corps fochten. Feind in Flucht, 500 unverwundete Gefangene, eine Kanone und das Zeltlager in unseren Händen.
Divisions-General Douay todt, von uns General von Kirchbach leicht gestreift.
Mein Regiment und 58er starke Verluste. Gott sei gepriesen für diese erste glorreiche Waffenthat! Er helfe weiter.
Wilhelm.
Die Kunde von diesem Siege machte einen um so größeren Eindruck, als man wußte, daß die Division Douay aus vorzüglichen Regimentern, theils französischen, theils algierischen bestand. Der Kampf mußte ein um so schwererer gewesen sein, als Weißenburg mit festen Verschanzungen umgeben ist, und der an und für sich steile Gcisberg von den Franzosen mit Batterie-Einschnitten befestigt war.
An demselben Tage (4.), wo der Kronprinz mit einem Theile seiner Armee Weißenburg stürmte, ging ein anderer Theil der Armee, die badische Division, etwas südlicher über die Grenze.
Die »Karlsruher Zeitung- meldete:
Nach hier eingctroffcncn Nachrichten ist die badische Division am 4. Vormittag gegen Süden vorgerückt und hat die französische Grenze überschritten. Das Hauptquartier befindet sich inLaute rburg. Eine Rekognoszirung auf dem linken Rheinufer bei Selz hat ergeben, daß dort nur wenige französische Truppen sich befinden. Unsere braven Truppen haben 30 Nachen erbeutet und auf das rechte Rhein- ufer in Sicherheit gebracht.
(Die Schlacht bei Wörth.) Der Kronprinz setzte am 5. seinen Vormarsch in der Ebene des Elsaß fort und konnte sich schon hier von dem tiefen Eindrücke des errungenen ersten Sieges überzeugen. Aber bald war ihm noch Größeres beschieden.
Am 6. stieß die kronprinzliche Armee bei Wörth, sechs Meilen südlich von Weißenburg am Abhange der Vogesen, aus das Corps des Marschalls Mac Mahon (Herzogs von Magenta) und brachte demselben eine vollständige Niederlage bei.
Die erste telegraphische Meldung des Kronprinzen über die Schlacht lautete:
Siegreiche Schlacht bei Wörth. Mac Mahon mit dem größten Theile meiner Armee vollständig geschlagen. Franzosen auf Bitsch zurückgeworfen.
Auf dem Schlachtfelde bei Wörth, 41 Uhr Nachmittags. Friedrich Wilhelm, Kronprinz.
Aus dem Königlichen Hauptquartier kam sodann folgende Depesche:
Mainz, Sonntag, 7. August, Morgens 4 Uhr 30 Min.
Der Kronprinz meldet vom 6 Abends: In siegreicher Schlacht über Mac Mahon, dessen Corps verstärkt durch Divisionen der Corps de Failly und Canrobert, 2 Adler, 6 Mitrailleusen und einige 30 Geschütze genommen, über 4000 Gefangene vorläufig gezählt. General Bose verwundet, General Kirchbach kommandirte wieder sein Corps. Beiderseits starke Verluste.
König Wilhelm telegraphirte an die Königin:
An die Königin Augusta!
Welches Glück, dieser neue große Sieg durch Fritz Preise Gott für seine Gnade! Gewonnen einige 30 Geschütze, 2 Adler, 6 Mitrailleusen, 4000 Gefangene. Mac Mahon war verstärkt aus der Haupt-Armee. Es soll Victoria geschossen werden. Wilhelm.
Diè beiden rasch hinter einander vom Kronprinzen erfochtenen Siege sind von um so größerer Bedeutung, als Marschall Mac Mahon mit Recht für einen der tüchtigsten französischen Generale gilt und die im Kampfe als unwiderstehlich geschilderten, aus Algier herangezogenen Zuaven, Turcos, Chasseurs d'Afrique und Spahis seinem 4 Divisionen starken Corps an- gehörten.
In Verfolg der Siegesnachricht meldete der Kronprinz am 7. August:
Der Feind ging nach gestriger Schlacht von Wörth in größter Aufregung zurück. Bei Niederbronn versuchte fran« zösische Artillerie zu halten, es wurde von Bayern genommen, auf allen Straßen verfolgt. Württembergische Kavallerie nahm bei Reichshofen viele Vorräthe und 4 Geschütze. Todte und Verwundete bedecken die Rückzugsstraße. Heute früh wurde das vom Feinde verlassene Hagenau besetzt.
(Sieg bei Saarbrücken.) Während'der linke Flügel unserer Gesammt-Armee unter dem Kronprinzen den rechten Flügel der feindlichen Aufstellung vollständig zerrüttete, war auch unser rechter Flügel, die erste Armee (Steinmetz), unter-