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JW 32.

Provinzial - Carres ponden; io August m

Achter Jahrgang.

Die ersten Erfolge.

Die erste Woche des Krieges hat die Zuversicht, mit welcher unser Königlicher Feldherr und die deutschen Armeen in den Kampf hinausgezogen sind, in fast wunderbarer Weise bestä­tigt: weit über alles Hoffen und Erwarten sind die ersten Schritte und Thaten unseres Kriegsheers gesegnet gewesen, und schon in diesem Augenblicke kann unser Volk die Gnade Gottes, die es vor dem Beginn des Krieges angerufen, in reichem Maße Preisen.

Wer hätte einen solchen Gang der Dinge vorherzusehen vermocht!

Kaum vier Wochen sind es, daß mitten im tiefsten Frieden plötzlich die ersten Anzeichen des herausfordern­den Uebermuths von Seiten Frankreichs hervortraten, kaum drei Wochen, daß unser König auf die Kriegserklä­rung Frankreichs das Volk zu den Waffen rief und sich an die Bundestreue Süddeutschlands wandte, und heute steht ein Heer, wie es Deutschland noch niemals gesehen, eine Million Streiter in trefflicher Rüstung und von einem Geiste beseelt unter der einigen Führung unseres Königs als deutschen Oberfcldherrn und Hunderttausende dieses Heeres schreiten bereits siegreich in Frankreich vor; das französische Volk aber, welches jüngst in frechem Uebcrmuthc alle Mahnun­gen zur Mäßigung zurückwies, steht fast verzweifelt vor einem Kampfe um seine Existenz.

Noch niemals so lange es eine Geschichte giebt, ist dem Frevel die Strafe so unmittelbar auf dem Fuße gefolgt, wie jetzt für Frankreich.

Freilich stehen wir erst am Anfänge der gewaltigen Ent­wickelung und so glücklich dieselbe begonnen hat, so wollen wir uns doch davor hüten, in denselben Fehler der Ueber- Hebung und des Uebermuths zu verfallen, den unser Gegner jetzt büßen zu sollen scheint.

So sehr das deutsche Volk Grund hat, gehobenen Sinnes auch dem weiteren Kampfe entgegenzusehen, so liegt doch die Entscheidung der Schlachten und der Lölkergcschickc' in höherer Hand und wir dürfen nicht aufbören, auf das weitere Vor­gehen unserer braven Heere den Segen Gottes herabzuflchcn.

Ein süddeutsches Blatt sagte jüngst:Fest und getrost schauen wir dem Kampf entgegen, wir haben weder die Waffen noch die Begeisterung der Nachbarn zu fürchten. Denn in ihrer Begeisterung liegt ein Rausch, in der unsrigen aber liegt eine Andacht, und aus dieser Andacht sprechen vierzig Millionen: Gott schirme Deutschland!"

So möge denn auch jetzt nach den ersten herrlichen Sieges­nachrichten dieAndacht" unsers Volkes anhalten, auf daß Gott weiter mit uns und den deutschen Waffen sei!

eine dort stehende kleine preußische Abtheilung zurückzudrängen, so scheint es dem Kaiser Napoleon hierbei vor Allem darauf angekommen zu sein, den Feldzug an der Stelle, wo er selbst und der junge Kaiserliche Prinz beim Heere erschienen waren, mit einem an- scheinenden Wafienerfolge, so wohlfeil er auch sein möchte, zu beginnen. Außerdem sollte wohl den Franzosen die Genugthuung gewährt werden, daß die Kohlrniverke von Saarbrücken, auf welche ihre Begier seit Jahren gerichtet ist, für Frankreich gewonnen seien.

Am 2. August, Vormittags 10 Uhr (so lautete die erste Nachricht), wurde die kleine Truppcnabtheilung in Saarbrücken von 3 feind­lichen Divisionen angegriffen, die Stadt mit 23 Geschützen beschossen. Um 12 Ubr wurde die Höhe des Exerzierplatzes, um 2 Uhr die Stadt von dem Detachement geräumt und der Rückzug zum nächsten Soutien angetreten. Verluste verhâltnißmäßig gering.

Nach Aussage eines Gefangenen war der Kaiser um 11 Uhr vor Saarbrücken eingetroffen.

Später gingen noch folgende Meldungen über das Gefecht ein:

»Drei Compagnien vom Regiment Nr. 40 hielten mehrere Stun­den wacker Stand und zwangen den Feind zur Entwickelung seiner ganzen Macht, nicht nur einiger Bataillone, wie seinerseits be­hauptet wird. Erst dann zogen sich die Compagnien über die Saar in eine Stellung zurück, welche zu ihrer Aufnahme vorbereitet und besetzt war. Der Feind griff diese Position nicht an, überschritt auch nicht die Saar.

Wäre die vorzügliche Stimmung unserer Truppen noch einer Steigerung fähig, so hätten die bisherigen Gefechte dieses Resultat erzeugt..

Gegen einzelne Schützenzüge entwickelten sich ganze Bataillone, denen es nicht gelang, sie durch ihr Feuer zu vertreiben, oder ihnen bedeutende Verluste beizubringen.

Verlust der Franzosen wird als verhältnißmäßig sehr bedeutend angegeben.«:

Die Franzosen haben aus diesem Vorgänge, dessen Ehren sicher­lich auf Seiten der kleinen preußischen Abtheilung waren, nur dadurch einen Anlaß des Rühmens für sich und für den Kaiser machen können, daß sie behaupteten, es hätten ihnen 20,000 Preußen gegenüber ge­standen, während es in Wirklichkeit noch nicht 1000 Mann Preußen waren, welche den Kampf gegen etwa 20,000 Franzosen Stunden lang tapfer bestanden.

Wenn die preußische Heeresleitung den vorläufigen, wohlfeilen Erfolg der Franzosen bei Saarbrücken nicht durch rechtzeitiges Heran­ziehen größerer Truppenmaffen zu verhindern gesucht hat, so darf man wohl annehmen, daß das Vorschieben von Truppen an jener Stelle und an jenem Tage mit der schrittweisen, sicheren Ausführung des Gesammtplanes unserer ersten Operationen nicht im Einklänge stand, und weil man sicher sein konnte, daß mit der demnächstigen Durchführung dieses Plans auch das vorläufig preisgegebene Gebiet bald wieder gewonnen sein werde.

In der That ist die Freude und das Rühmen der Franzosen über Saarbrücken von kurzer Dauer gewesen. Dem Scheinerfolge der französischen Waffen folgten unverweilt wirkliche gcwalüfe Kriegscrfolge des deutschen Heeres, vor welchen der lügnerische mbcl in Frankreich rasch verstummte.

Der Krieg.

(Uebersicht.)

(Das Vorspiel in Saarbrücken.) Die Franzosen haben nod)_ den letzten Augenblick wahrgenommen, um einen wohlfeilen Waffenerfolg auf deutschem Gebiete zu erringen.

Die früher gehegte Meinung, daß Deutschland zunächst der Schau- Platz des Krieges sein würde, war ja vor dem raschen Verlaufe unserer Rüstungen mehr und mehr zurückgetreten. Jene Meinung hatte ihre Stütze theils in dem vermeintlichen Vorsprunge der französischen Rüstungen gefunden, theils in der wohlbegründeten Ueberzeugung, daß unsere militärische Oberleitung sich auf die Abwehr an irgend eiltet einzelnen Stelle nicht eher einlaffm würde, als bis die kriegerische Ausrüstung des Heeres überhaupt in vollständiger und umfassender Weise beendigt wäre, um alsdann den Kampf mit der ganzen Wucht unserer Wehrkraft um so erfolgreicher aufzunehmen. Hätten die Fran­zosen uns mit einem halbgerüsteten Theile ihrer Armee am Rheine überraschen wollen, so hätten sie die Folgen eines solchen leichtfertigen Vorgehens gewiß hinterher um so schwerer empfinden müssen.

Die französische Kriegsleitung erwies sich denn Angesichts der raschen Erhebung Preußens und Deutschlands in der Hauptsache vor­sichtiger, als es die französische Politik gewesen war: man verzichtete darauf, vor vollendeter Rüstung Len Krieg in deutsches Land hinein- zutragcn.

Wenn die Franzosen dagegen im letzten Augenblicke noch die äußerste Spitze preußischen Landes bei Saarbrücken ohne ersicht­lichen militärischen Grund mit großer Truppenmacht überzogen, um

Der erste Abschnitt des Krieges ist auf jenem Schauplatze zwischen Straßburg und der Saar vollzogen wor­den, welcher jüngst näher geschildert worden ist.

Unsere Kriegsmacht war dieffeits der Grenze in drei Armeen versammelt, die erste (nördliche) unter dem General von Stein metz, vornehmlich im Regierungsbezirk Trier aufgestellt und auf Coblenz gestützt, die zweite (mittlere) unter Prinz Frie drich Karl vorzüglich in der bayerischen Pfalz vorrückend, auf Mainz gestützt, die dritte (südliche) unter unserem Kron- prinzen in der südlichen Pfalz und in Baden, auf Germers- Heun und Rastatt gestützt. Das Königliche Hauptquartier war zunächst zu Mainz.

Von dem französischen Heere war glaubwürdig berichtet, daß daffelbe aus 6 Corps bestehe, von denen das 2. unter General Frossard in der Gegend von St. Avold und For- back in dem Winkel gegenüber Saarbrücken, das 3. Corps (unterMarschall B a z a i n e) und das4.(unterGeneral de l'Admi- rault) weiter nordwestlich an der Mosel bei Thionville, stehen sollten, das 1. Corps (unter dem Marschall Mac Mahon) bei Straßburg, das 5. (unter dem General de Failly) gegen die Rheinpfalz bei Bitsch und Psalzburg, die Garde als Re° servccorps bei Nancy. Don dem 6. Corps (unter Marschall Canrobert) wußte man nicht näher, wohin es von dem Lager zu Chalons gerückt war.