Einzelbild herunterladen
 
  

Umstände bewogen werden sollte, seine Truppen in Belgien ein­rücken zu lassen oder es zu erobern, Frankreich die Beihülfe seiner Waffen gewähren und ihm mit allen leinen Land- und Scc-Streit- krâftcn gegen und wider jede Macht beistehen, welche in diesem Fall ihm dm Krieg erklären sollte.

Art. V. Um die vollständige Ausführung der vorstehenden Be­stimmungen zu sichern, schließe« Se. Majestät der König von Preußen und Se. Majestät der Kaiser der Franzosen durch gegenwärtigen Ver­trag eine Offensiv- und Defensiv-Allianz, welche sie sich feierlich auf­recht zu erhalten verpflichten.

Der Unwille, welchen das Bekanntwerden dieses VcrtragSancr- bietens in der gejammten politischen Welt hervorrief, veranlaßte die französische Regierung zu dem Versuche, die Urheberschaft des Schrift- stückes von sich abzulehnen. Das amtliche Blatt in Frankreich be­hauptet, daß zwar nach Abschluß des Prager Friedens in Berlin mehrere Besprechungen zwischen Bismarck und Benedetti, betreffend den Entwurf eines Allianzvertrages, stattgesunden hätten, daß auch einige der Gedanken, welche in dem von der »Times» veröffent­lichten Dokumente enthalten waren, damals angeregt worden seien,' allein die französische Regierung habe niemals Kenntniß von einem förmlichen schriftlichen Vertragsentwürfe gehabt, und war die Vorschläge betrifft, welche in jenen Unterredungen zur Sprache gekommen seien, so habe der Kaiser Napoleon dieselben zurückgciviesen. Anderweitig wurde die alberne Ausflucht versucht, der Entwurf sei zwar von der Hand des Botschafters Benedetti, aber dieser habe ihn auf Graf Bis­marcks Diktat geschrieben.

Ein diplomatisches Rundschreiben des Grafen Bismarck vom 29. Juli d. 3. hat jedoch über jenes Schriftstück, so wie über das gcsammte hinterhältige Verfahren Frankreichs volles Licht ver­breitet.

Dasselbe legt näher dar, wie das von der »TimcS» veröffentlichte Schriftstück keineswegs den einzigen Vorschlag enthalte, der uns in diesem Sinne von französischer Seite gemacht worden ist. Schon vor dem dänischen Kriege sei durch amtliche und außeramtliche fran­zösische Agenten versucht worden, zwischen Preußen und Frankreich ein Bündniß zum Zweck beiderseitiger Vergrößerung herbeizuführen.

Vor Ausbruch des österreichischen Krieges 1866 sind der Preu­ßischen Regierung theils durch Verwandte des Kaisers der Franzosen, theils durch vertrauliche Agenten Vorschläge gemacht worden, welche jeder Zeit dahin gingen, kleinere oder größere Transaktionen zum Behuf beiderseitiger Vergrößerung zu Stande zu bringen,- es handelte sich bald um Luxemburg oder um die Grenze von 1814 mit Landau und Saarlouis, bald um größere Objekte, von denen die französische Schweiz und die Frage, w 0 die Sprachgrenze in Piemont zu ziehen sei, nicht ausgeschlossen blieben.

Nachdem Graf Bismarck diese Versuche ausführlich dargelegt, fährt er fort:

Die Unmöglichkeit, auf irgend welche Anerbietungen der Art einzugehen, war für mich niemals zweifelhaft,- wohl aber hielt ich es im Interesse des Friedens für nützlich, den französischen Staatsmän­nern die ihnen eigenthümlichen Illusionen so lange zu belassen, als dieses, ohne ihnen irgendwelche auch nur mündliche Zusage zu machen, mög­lich sein würde. Ich vermuthete, daß die Vernichtung jeder französi­schen Hoffnung den Frieden, den zu erhalten. Deutschlands und Europa's Interesse war, gefährden würde. Ich war nicht der Mei­nung derjenigen Politiker, welche dazu riethen, dem Kriege mit Frank­reich deshalb nicht nach Kräften vorzubeugen, weil er doch unvermeid­lich sei. So sicher durchschaut Niemand die Absichten göttlicher Vor­sehung bezüglich der Zukunft, und ich betrachte auch einen siegreichen Krieg an sich immer als ein Uebel, welches die Staatskunst den Völ­kern zu ersparen bemüht sein muß. Ich durfte nicht ohne die Mög­lichkeit rechnen, daß in Frankreichs Verfassung und Politik Verände­rungen eintreten könnten, welche beide große Nachbarvölker über die Nothwendigkeit eines Krieges hiuwcggeführt hätten eine Hoffnung, welcher jeder Aufschub deS Bruches zu Gute kam. Aus diesem Grunde schwieg ich über die gemachten Zumuthungen und verhan­delte dilatorisch (hinzögernd) über dieselben, ohne meinerseits jemals auch nur ein Versprechen zu machen.

' Nachdem die Verhandlung mit Sr. Majestät dem Könige der Niederlande über den Ankauf von Luxemburg in bekannter Weise ge­scheitert war, wiederholten sich mir gegenüber die erweiterten Vor- schlüge Frankreichs, welche Sekten und SüddcusDaud umfassten. In diese Konjunktur fällt die Mittheilung des Dencdelichchen Manu­skripts. Daß der französische Botschafter ohne Genehmigung seines Souveräns mit eigener Hand diese Vorschläge formulirt, sie mir überreicht und mit mir wiederholt und unter Modifizirung von Textstellen, die ich monirte, verhandelt haben sollte, ist ebenso unwahrscheinlich, wie bei einer anderen Gelegenheit die Be­hauptung war, daß der Kaiser Napoleon der Forderung der Abtretung von Mainz nicht beigestimmt habe, welche mir im August 1866 unter Androhung des Krieges im Falle der Weigerung durch den Kaiserlichen Botschafter amtlich ge­stellt wurde. Die verschiedenen Phasen französischer Verstimmung und Kriegslust, welche wir von 1866 bis 1869 durchgemacht haben, coincidirten ziemlich genau mit der Neigung oder Abneigung, welche die französischen Agenten bei mir für Verhandlung der Art zu fin­den glaubten.

Ich habe den Eindruck, daß nur die definitive Ueberzeugung, cs fei mit uns keine Grenzerweiterung Frankreichs zu erreichen, den Kaiser zu dem Entschlufie geführt hat, eine solche gegen uns zu er­streben. Ich habe sogar Grund, zu glauben, daß, wenn die fragliche Veröffentlichung unterblieben wäre, nach Vollendung der französischen und unserer Rüstungen uns von Frankreich das Anerbieten gemacht sein würde, gemeinsam an der Svitze einer Million gerüsteter Streiter dem bisher unbewaffneten Europa gegenüber die uns früher gemach­ten Vorschläge durchzuführen, d. h. vor oder nach der ersten Schlacht Frieden zu schließen, auf Grund der Benedetti'schen Vorschläge, auf Kosten Belgiens.

Ueber den Text dieser Vorschläge bemerke ich noch, daß der in unseren Händen befindliche Entwurf von Anfang bis zu Ende von der Hand des Grafen Benedetti und auf dem Papier der Kaiserlich französischen Botschaft gc- schrieben ist, und daß die hiesigen- Botschafter resp. Gesandten von Oesterreich, Großbritannien, Rußland, Baden, Bayern, Belgien, Hessen, Italien, Sachsen, der Türkei, Württemberg, welche das Ori­ginal gesehen, die Handschrift erkannt haben. Wenn das Kaiserliche Sabines Bestrebungen, für welche cs seit 1864/ zwischen Versprechun­gen und Drohungen wechselnd, ohne Unterbrechung bemüht gewesen ist, uns zu gewinnen, heute ablcugnet, so ist das angesichts dcü politischen Situation leicht erklärlich.

Die deuLsch-fra«zAsLsche Grenze.

Aller Augen sind zur Zeit auf die Grenze von Deutsch­land und Frankreich gerichtet, wo die beiderseitigen Heere zu dem Kampfe bereit stehen, den Frankreichs Uebcrmuth herauf- beschworen hat.

Die beiden großen Länder des mittleren europäischen Fest­landes grenzen nur auf einer Ausdehnung von etwa 50 Meilen unmittelbar aneinander. Zuerst bildet der Rhein von da, wo er hinter Basel aus der Schweiz heraustritt, etwa 23 Meilen lang, die Grenze zwischen dem Großherzogthum Baden und dem jetzt französischen, vormals deutschen Elsaß. Weiterhin, wo der Rhein ausschließlich auf deutschem Gebiete fließt, zieht sich die französische Grenze von Südosten nach Nordwesten aus einer Strecke von etwa 25 Meilen erst südlich der baperschen Pfalz, dann an dem preußischen Regierungsbezirk Trier (an dem Saargebiet) hin, bis zu dem Punkte, wo Preußen an Luxemburg grenzt. Von hier ab werden Frank­reich und Deutschland zunächst durch Luxemburg, dann durch Belgien getrennt, eine unmittelbare Berührung der beiden Länder findet auf dieser ganzen nördlichen Strecke nicht mehr statt. Da Luxemburg und Belgien nach völkerrechtlichen Ver­trägen bei allen Kriegen neutral und für die kämpfenden Ar­meen unantastbar sein sollen, so kommt der Theil des deutschen und des französischen Gebiets, welcher an diese Länder grenzt, für Angriff oder Vertheidigung nicht unmittelbar in Betracht, cs sei denn, daß französische Wtllkürund Treulosigkeit sich auch auf den Bruch jener Neutralität erstrecken sollte. Wiewohl die politische und militärische Leitung unserer Kriegführung den Blick gewiß auch für diesen Fall offen halten wird, so ist doch zunächst nur das erwähnte wirkliche Grenzgebiet zwischen Preu­ßen und Frankreich für die militärischen Operationen ins Auge zu fassen.

Auf französischer Seite kommen vor Allem Elsaß und Lothringen in Betracht, welche in früheren Jahrhunderten durch französische List und Eroberungssucht von Deutschland abgeris­sen wurden und durch welche Frankreich sich theils bis an den Rhein ausgedehnt, theils in jenem scharfen Winkel an der Pfalz in deutsches Gebiet hineingebohrt hat.

Im Elsaß hat Frankreich die alte Reichsstadt Straßburg, deren ehrwürdiger Münster eines der erhabensten Denkmäler deutscher Kunst ist, zu einem der festesten Waffenplätze und zu einem bedrohlichen Ausfalltborc gegen das südliche Deutschland gemacht. Daneben eine Reihe anderer befestigter Punkte, hinter denen sich das Gebirge der Vogesen, die ursprüngliche wirkliche Grenze zwischen Frankreich und Deutschland erhebt. Jenen Festungen gegenüber ist das Großherzogthum Baden, am rech­ten Ufer des Rheins, zunächst durch die Befestigung von Kehl, vornehmlich aber durch die Festung Rastatt geschützt, dahinter die natürliche Feste des Schwarzwaldes und weiterhin in Würt­temberg die Festung Ulm.

Auf der weiteren Grenze, wo sic sich vom Rhein abwen­dend, längs der Pfalz und des Regierungsbezirks Trier nach Luxemburg hin erstreckt, liegen auf französischer Seite hart an der deutschen Grenze eine Reihe kleinerer Festungen: Hagenau, Bitsch u. s. w., dahinter aber in Lothringen die gewaltige Festung Metz und nördlich davon Thionville, südlich dcr große