Einzelbild herunterladen
 
  

Es ist die Absicht, auch diejenigen Bedürfnisse der Armee, welche sonst durch Landlieferukigen zu beschaffen sind, thunlichst aus den bereiten Mitteln der Militärverwaltung unmittelbar zu bestreiten. Demgemäß ist zunächst für den Monat August aus alle Naturallieferungen verzichtet worden.

Kriegszustand.

Durch Allerhöchsten Erlaß vom 22. d. M. sind zur Sicherung und Festigung des Zusammenwirkens der Militär- und Civilbehörden in dem gesammtcn Bundesgebiete fünf General-Gouverneure eingesetzt, und zwar 1) für den Bezirk des 1., 2., 9. und 10. Armee-Corps mit dem Sitze in Hannover, 2) für den Bezirk des 7., 8. und 1l. Armee- Corps mit dem Sitze in Coblenz, 3) für den Bezirk des 3. und 4. Armee - Corps mit dem Sitze in Berlin, 4) für den Bezirk des 5. und 6. Armee - Corps mit dem Sitze in Breslau, 5) für den Bezirk des 12. Armee - Corps mit dem Sitze in Dresden. Den General-Gouverneurs liegt die Erhaltung der militärischen Sicherheit in den zu ihrem Befehlsbereiche gehörigen Landestheilen ob.

Durch Allerhöchste Ordre vom 21. d. M. ist ferner für den Be­zirk des 1., 2., 9. und 10. Armeecorps (den Küstenbezirk), sowie für den Bezirk des 8. und 11. Armeecorps (den Bezirk des rheinischen Kriegsschauplatzes) der Kriegszustand erklärt. Diese Anordnung er- streckt sich auf die folgenden preußischen Gebietstheile: Provinz Preußen, Pommern, Regierungs-Bezirk Bromberg, Provinz Schleswig-Holstein, Hannover, Hessen-Nassau, Rhein­provinz, Sigmaringen.

Die Erklärung des Kriegszustandes hat vor Allem die Bedeutung und den Zweck, daß in den möglicher Weise von dcnKriegS- ereignissen berührten Provinzen eine einheitliche und rasche Wirksamkeit aller Behörden und staatlichen Kräfte gesichert werde.

Unser König hat in den letzten Tagen die Besuche meh­rerer deutscher Fürsten, u. A. des Kronprinzen von Sachsen, des Herzogs von Sachsen-Altenburg, der Großherzöge von Mecklenburg-Schwerin und von Oldenburg und des Herzogs von Sachsen-Coburg-Gotha empfangen.

Der König widmet sich vom Morgen bis zum späten Abend den anstrengenden Berathungen und Arbeiten mit den Ministern und hohen Militärs zur Vorbereitung der bevor­stehenden wichtigen Ereigniffe.

In Kurzem gedenkt der Königliche Feldherr sich zu der kriegsbereiten Armee zu begeben. Die Segenswünsche des ge­jammten deutschen Volkes werden ihn dahin begleiten.

Die Königin Augusta hat bei ihrer Abreise aus Coblenz folgende Abschiedsworte an die Einwohner ge­richtet :

An die Einwohner von Coblenz!

Seit zwanzig Jahren weile ich in Eurer Mitte. Ihr habt in dieser Zeit dem Könige, unsern Kindern und mir durch Eure Anhänglichkeit bewiesen, welche feste Bande zwischen uns bestehen. Für mich ist es immer eine wahre Freude, zu Euch zurückzukehrcn, weil ich den vollen Werth unseres herrlichen Rheinlandes schätze. Gern bliebe ich gerade setzt bei Euch, um nach Kräften zu helfen, aber andere ernste Pstichten rufen mich ab. — Zn der patriotischen Begeisterung des deutschen Volkes vernehmen wir Gottes Stimme,- ein Blick auf die Drangsale der Vergangenheit und auf das gesegnete halbe Jahrhundert, das ihnen folgte, zeigt uns, wie gnädig Gott dieser theuren Stadt gewesen ist und bleiben wird, denn die Zuversicht auf Ihn ist die sicherste Bürgschaft für Zeit und Ewigkeit.

Eure Zuversicht und Pflichttreue wird sich stets bewähren/ Ihr wißt, daß wir im Herzen beisammenbleiben, also mit Gott auf Wiedersehen.

Coblenz, 19. Juli 1870. Augusta.

Auf der Rückreise nach Berlin ist die Königin überall von der Bevölkerung enthusiastisch begrüßt worden.

Am 21. ist die hohe Frau in Berlin wieder eingetroffen und widmet sich hier mit unermüdlicher Hingebung den Auf­gaben der Liebesthätigkcit für die Armee und deren Angehörige.

Unser Kronprinz hat sich heute Behufs Uebernahme des Oberbefehls über die süddeutschen Truppen zunächst nach München begeben.

Ueber die französische Armee ist so eben eine kleine Schrift» i erschienen, welche über die gesammte Einrichtung derselben mit Bezug auf den bevorstehenden Krieg in gedrängter Kürze zuverlässige Auskunft giebt. Ueber Wehrpflicht und Ergänzung (dieArmee unter der Fahne, die Reserve, die mobile Nationalgarde und das Offiziercorps), über die Zusammensetzung der Armee, dann über die einzelnen Waffengattungen nachUniformirung, Bewaff­nung, Eintheilung, die Gefechtweise u. s. w., endlich über die For­mation der Armee auf Kriegsfuß wird in kurzen klaren Sätzen das Wiffcnswerthcste mitgcthcilt.

Indem wir Alle, welche den bevorstehenden Kriegsoperationen aufmerksam zu folgen gedenken, auf das Schriftchen Hinweisen, thei­len wir hier zunächst nur die Zusammenstellung der Stärke der französischen Armee im Vergleich mit den deutschen Streit­kräften mit:

Frankreich: Aktive Armee auf Kriegsfuß -... 460,000, Ersatztruppen (Reserve)........ 83,000, Besatzungstruppen (Mobilgarde) 150,000,

Norddeutscher Bund: 560,000, 200,000, 200,000,

Süd- Deutschland: 106(000 M., 32,000 » 36,000 »

69â|000, 960,000, 174,000 M.

T7T347 OOOÜJL

Es wäre ein Irrthum , zu glauben, daß die Wehrkraft Deutsch­lands mit diesen Ziffern erschöpft sei. Die Zahl völlig ausgebildeter und noch nicht mit in Rechnung gestellter dienstpflichtiger Mannschaften beträgt in Norddeutschland allein noch etwa 100,000 Mann.

Die französische Ziffer dagegen enthält bereits 150,000 Mann nicht ausgebildeter und dennoch aufgestellter Mobilgarden.

Ueber die Mitraillcusen (oder Kugelspritzen) sagt unsere Schrift Folgendes:

Die Franzosen haben immer dahin gestrebt, bei Beginn eines Krieges mit irgend etwas Neuem die Welt und den Gegner zu über­raschen. Dies Mal sind es die Mitraillcusen, welche uns Verwirrung und Niederlage, ihnen aber den Sieg bringen sollen. Noch niemals hatten die Franzosen Glück mit der Einführung neuer Waffen. Die gezogenen Geschütze in Italien 1859, anfangs gefürchtet und bewun­dert, schossen über das Ziel hinweg, weil die eigenen Leute sie nicht kannten, der Artillerist noch kein Vertrauen zu ihnen haben konnte.

Erst jetzt während der Mobilmachung schickt Frankreich von jedem Artrllcrie-Regimentc einige Offiziere nach Mcudon, damit we­nigstens sie noch die Mitrailleuse kennen lernen.

Den Mannschaften ist sie zum größten Theil unbekannt. Diese thörichte Geheimnißkrämerci wird und muß sich bestrafen durch Mangel an Vertrauen zur eigenen Waffe. — Schossen die Fran­zosen 1859 über ihr Ziel hinweg, so werden sie 1870 am Ziel vorbei schießen, wenn sie uns mit ihrer Waffe zu überraschen gedenken. Wir haben dieselbe erprobt und ihren geringen wahren Werth sorgfältig ergründet. Wenn wir es für nöthig gehalten hätten, zur Hebung des moralischen Elementes in unsere Armee irgend etwas thun zu müssen, so würden auch wir vielleicht diese Waffe eingeführt haben. Dem aber war nicht so.

Die Mitrailleuse gehört der Artillerie. Die 5. und 8. Batterie jeden Regiments hat deren sechs Stück.

Der gefährlichste Feind jeder Batterie ist und wird ewig bleiben der gewandte Schütze, der sich gedeckt zu nähern weiß, Bedienung und Bespannung einzeln aufs Korn nimmt und gefolgt wird von muthigen geschlossenen Soutiens, die vollenden, was er begonnen.

Hierbei ist eine umsichtige Führung und eine geschickte Benutzung des Terrains durchaus erforderlich. Leichter aber ist es, den richtigen Weg an eine Mitrailleuse heran zu finden, als an eine mit Kar­tätschen feuernde Batterie und dies ist uns doch wahrlich schon ge­lungen. Vor der letzteren giebt cs eigentlich keinen unbestrichenen Raum. Die Streuungskcgel der Geschosse greifen übereinander weg.

Die Mitrailleuse dagegen entsendet aus einigen zwanzig Läusen einer gemeinsamen Stahlhülle eben so viel Gewehrkugeln, die in dichter Garbe dem Ziele entgegenfliegen. Ueber 1200 Schritte verlieren die Geschosse so an Kraft, daß sie nur noch matte Treffer geben können.

Die Ausbreitung der Garbe beträgt in dieser Entfernung nur wenige Fuß.

Die geringste Abweichung des Schusses in seitlicher Richtung macht die Wirkung gegen den Angreifer zu Rull,' die unbedeutendste Deckung schützt den Vertheidiger vollkommen, da die Perkussionskraft der kleinen Gewehrkugeln nicht ausreicht, sie zu durchschlagen.

Richt in den ersten Momenten der Schlacht werden wir die neue Waffe uns gegenüber sehen. — Zur Unterstützung des letzten entscheidenden Stoßes soll sie benutzt werden, in dem Gedanken, die dann schon weich gewordenen Truppen des Feindes durch die über­raschende neue Wirkung zur Umkehr zu zwingen.

Wir werden uns nicht überraschen lassen, denn wir kennen nun die geringfügige Wirkung und wissen außerdem, daß jede Waffe erst dann wahrhaft gefährlich wird, — wenn man ihr den Rücken wendet.

*) Zur Orientirung über die französische Armee. Berlin bei Mittler. (Preis 5 Sgr.)

Verantwortlich: E. Siebte in Vrrlin.

B«kn, Druck und Verlag der Königlichen Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei (R. v. Decker)..