persönlich muß ich aber meinen innigen Dank aussprechen für die treue Festhaltung der zwischen Uns bestehenden Verträge, auf denen das Heil Deutschlands beruht.
gez. Wilhelm Rex.
Der König von Bayern erwiderte darauf:
München, den 20. Juli 1870.
Sr. Majestät dem Könige von Preußen.
Ihr so eben erhaltenes Telegramm hat in meiner Brust den freudigsten Wiederhall erweckt. Mit Begeisterung werden meine Truppen an der Seite Ihrer ruhmgekrönten Waffen- genossen für deutsches Recht und deutsche Ehre den Kampf aufnehmen. Möge er zum Wohle Deutschlands und zum Heile Bayerns werden. Ludwig Rex.
Nachdem unser König sodann den Kronprinzen zum Befehlshaber der deutschen Südarmee ernannt und dieser die süddeutschen Fürsten davon benachrichtigt hatte, sind folgende Antworten eingegangen:
Von München: »Ich bin im hohen Grade erfreut, Ew. Königl. Hoheit, und danke Ihnen für Ihre freundliche Aufmerksamkeit. München, 20. Juli 1870. Ludwig Rex.«
Von Stuttgart: »Ich freue mich, bei unserer deutschen Sache Ew. Königl. Hoheit hier zu begrüßen und bitte, mir den Tag der Ankunft bezeichnen zu wollen. Karl, König von Württemberg.«
Von Karlsruhe: „Sr- Majestät Ernennung Ew. Königl. Hoheit zum Befehlshaber der deutschen Südarmee gereicht mir und meinen Truppen zur größten Freude und Ehre. Möchte es uns gelingen, unter Ew. Königl. Hoheit Befehl Höcbst Ihr Vertrauen durch Treue und Tapferkeit zu verdienen. Jubelnd sehen wir Ew. Königl. Hoheit Ankunft entgegen. Es lebe der König und das Vaterland! Friedrich, Großherzog von Baden."
Der nationale Krieg und das Eiserne Kreuz.
Das Eiserne Kreuz ist bisher das geachtetste Gedenkzcichcn des großen nationalen Befreiungskampfes von 1813—1815 gewesen.
Als bei der damaligen Erhebung des Volkes das Eiserne Kreuz gestiftet wurde, sagte die Stiftungs-Urkunde, daß diese Auszeichnung nach jenem Kriege nicht wieder verlieben werden solle.
Wenn jetzt das Eiserne Kreuz dennoch wieder verliehen werden soll, so ist das ein Zeichen, daß unsere Regierung und mit ihr das ganze Volk den jetzt entbrennenden Kampf in bem- selben Lichte ansehen, wie den damaligen Krieg: cs ist die Erneuerung des nationalen Kampfes gegen den Uebermuth des alten Erbfeindes der deutschen Nation, zur Vollendung und dauernden Sicherung dessen, was nach den Freiheitskriegen in unzureichender Weise errungen wurde, nämlich der vollen Selbstständigkeit und geeinigten nationalen Macht des deutschen Vaterlandes.
In solchem Sinne £at König Wilhelm am 19. Juli (dem Sterbetage der Königin Luise) folgenden Erlaß an das Staats-Ministerium gerichtet:
„Angesichts der ernsten Lage des Vaterlandes und in dank- barer Erinnerung an die Heldenthaten unserer Vorfahren in den großen Jahren der Befreiungskriege, will Ich das von Meinem in Gott ruhenden Vater gestiftete Ordenszeichen des Eisernen Kreuzes in seiner ganzen Bedeutung wieder aufleben lassen. Das Eiserne Kreuz soll, ohne Unterschied des Ranges oder Standes, verliehen werden als eine Belohnung für das Verdienst, welches entweder im wirklichen Kampfe mit dem Feinde, oder daheim, in Beziehung auf diesen Kampf für die Ehre und Selbstständigkeit des theuren Vaterlandes, erworben wird. Das Staats-Ministerium hat Mir den Entwurf einer Urkunde über die Stiftung des Eisernen Kreuzes unverzüglich vorzulegen."
Dem entsprechend ist dem Könige vom Staats-Ministerium eine Urkunde für die Erneuerung des Eisernen Kreuzes vorgelegt und noch am 19. Juli von Sr. Majestät vollzogen worden.
Möge das erneute Ehrenkreuz für die kommenden Geschlechter ein Gedenkzeichen der Siege und Erfolge werden, die das deutsche Volk in diesen Tagen für das Vaterland erfleht.
Der außerordentliche Reichstag hat durch seine Haltung erhebendes Zeugniß abgelegt von der Stimmung, welche zur Zeit das ganze Volk beseelt. Die unbedingte und freudige Hingebung an die großen Aufgaben und Forderungen des gewaltigen Augenblicks, und zugleich das unbedingte und freudige Vertrauen zu der Regierung des Bundesoberhauptes haben das gesammte Verhalten und alle Beschlüsse des Reichs- tages geleitet.
Der Reichstag hatte eine Reihe wichtiger Vorlagen zu erledigen, zunächst den Gesetzentwurf wegen des außerordentlichen Geldbedarfs für den Krieg, ferner die Errichtung von Dar- lehnskassen, die Einstellung des gerichtlichen Verfahrens gegen Militärpersonen, die sofortige Wirksamkeit einzelner Bestimmungen über den Verlust der Bundesangehörigkeit, endlich die Verlängerung des am 31. August 1867 gewählten Reichstages über die verfassungsmäßige dreijährige Dauer hinaus bis zum 31. Dezember 1870.
Binnen drei Tagen wurde die Session eröffnet, eine Adresse an den König beschlossen, alle diese Vorlagen fast durchweg mit Einmüthigkeit nach den Anträgen der Regierung genehmigt, und der Schluß des Reichstages im Auftrage des Königs durch den Bundeskanzler Grafen Bismarck vollzogen.
Der Schluß erfolgte diesmal ohne besondere Förmlichkeit im Sitzungssaale des Reichstages selbst.
Der Bundeskanzler sprach dabei folgende Worte:
„Die verbündeten Regierungen glauben den Wünschen und Ansichten des Reichstages entgegenzukommen, wenn sie in dieser drängenden Zeit, wo ein jeder von uns, sei es durch Amts-, sei es durch eigene Geschäfte, so bald als möglich in andere Kreise gerufen wird, von den gewöhnlichen herkömmlichen Formen in Bezug auf den Schluß der Session abweichen und den Schluß bereits heute und in diesem Saale aussprechen."
(Nach Verlesung der Allerhöchsten Botschaft fuhr der Bundeskanzler fort:)
„Nach den Worten, welche Se. Majestät der König zu zwei wiederholten Malen an den Reichstag gerichtet hat, würde cs mir nicht geziemen, denselben irgend etwas hinzuzufügen, wenn Se. Majestät mir nicht ausdrücklich befohlen hätte, dem Reichstag Seinen warmen und herzlichen Dank für die Schnelligkeit und Einmüthigkeit auszusprechen, mit welcher derselbe seinerseits den Bedürfnissen des Vaterlandes entgegengekommen ist. Indem ich mich dieses Allerhöchsten Befehls entledige, erkläre ich hiermit auf Allerhöchsten Präsidialbefehl die Sitzungen des Reichstages für geschlossen."
Der Präsident des Reichstages, Dr. Simson, sprach hierauf Folgendes:
„Meine Herren, die Arbeit der Volksvertretung ist somit für dies Mal vollbracht/ nun wird das Werk der Waffen seinen Lauf nehmen. Möge der Segen des allmächtigen Gottes auf unserm Volk ruhen auch in diesem heiligen Krieg. Der oberste Bundesfeldherr der deutschen Heere, König Iß 6 beim von Preußen, er lebe hoch!"
Das Haus und die Tribünen stimmten begeistert breimal in das Hoch ein.
Zur finanziellen Kriegsbereitschaft haben sich die verbündeten Regrerungen vertrauensvoll an den Reichstag um Bewilligung der Geldmittel gewendet, welche erforderlich sind, um die Kosten der Mobilmachung und der weiter nöthig werdenden kriegerischen Maßregeln zu bestreiten. Ter Kostenbedarf entzieht sich einer Veranschlagung im Voraus. Er wird von dem Gang der Ereignisse abhängig sein. Die verbündeten Regierungen glaubten einen Kredit von 120 Millionen Thalern erbitten zu sollen. Es ist die Absicht, davon den größten Theil als eine verzinsliche Anleihe zur National- Subskription aufzulegen und die Einzahlung der.gezeichneten Beträge in angemessenen Fristen stattfinden zu lassen. Daneben hat die Regierung die Ermächtigung erbeten und erhalten, nach Umständen auch verzinsliche Schatzanweisun- gen ausgeben zu dürfen. Gerade in Kriegszeiten pflegt sich erfahrungsmäßig in Folge der Abwickelung zahlreicher Geschäfte müßiges Kapital anzusammeln, welches sich einer vorübergehenden Anlegung, wie sie durch Schatzanweisungen ermöglicht wird, gern zuwendet. Es ist daher zu erwarten, daß auf diesem Wege zeitweise zu verhältnißmäßig günstigen Bedingungen Geld zu beschaffen fein wird.