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Mäßigung nur ein Zeichen der Schwäche und eine Ermuthigung zu neuen dreisteren Airsprüchen fand.

Die Kunde von Frankreichs erneutem Uebermuth hat dem deutschen Volke ins Bewußtsein gerufen, um was es sich bei dem beginnenden Kampfe für das ganze weite Vaterland han­delt. Dem frechen Angriffe ist schon jetzt ein Aufschwung des Volksgeistes zu danken, wie er sich in solcher Einhelligkeit und Freudigkeit noch zu keiner Zeit bekundet hatte.

Frankreich glaubte, Deutschland uneinig zu finden und den inneren Zwiespalt schüren und für sich ausbeuten zu können: aber es findet ein einig Volk von Brüdern, das für das Vater­land sein Alles einzusetzen bereit ist.

Frankreich wähnte uns, weil ungerüstet, darum auch wehrlos zu überfallen. Es soll, so Gott will, erfahren, daß unser vaterländisches Heer, während es auf die Schonung der Volkskraft im Frieden berechnet ist, doch ein treffliches Rüst­zeug zu rascher und erfolgreicher Kriegführung ist.

‘ Auf denn, deutsches Volk, zu dem großen Entscheidungs- kämpfe-

Das Bewußtsein unseres guten Rechts und unserer an­getasteten Ehre, sowie das feste Gottvertrauen, das dem deut- schen Gemüth innewohnt, werden uns in dem schweren Kampfe stützen und erheben, und uns unter Gottes Beistand zum Siege führen, durch welchen der Uebermuth des alten Feindes ge­züchtigt, Deutschlands Einigkeit und neue Größe besiegelt und ein dauerhafter Friede gesichert werden wird.

Gott segne das deutsche Vaterland!

Adresse des Reichstages des Norddeutschen Bundes

auf die Thronrede Sr, Majestät des Königs.

Allerdurchlauchtigster, Groß mächtig st er,

Allergnädigster König und Herr!

Die erhabenen Worte, welche Ew. Majestät im Namen der verbündeten Regierungen an uns gerichtet haben, finden im Deutschen Volke einen mächtigen Wiederhall.

Ein Gedanke, ein Wille bewegt in diesem ernsten Augen­blicke die Deutschen Herzen.

Mit freudigem Stolze erfüllt die Nation der sittliche Ernst und die hohe Würde, mit welcher Ew. Majestät die unerhörte Zumuthung des Feindes zurückgewiesen, der uns zu demüthigen gedachte, jetzt aber unter schlecht ersonnenen Vorwänden das Vaterland mit Krieg überzieht.

Das Deutsche Volk hat keinen andern Wunsch, als in Frie­den und Freundschaft zu leben mit allen Nationen, welche seine Ehre und Unabhängigkeit achten.

Wie in der ruhmreichen Zeit der Befreiungskriege zwingt uns heute wieder ein Napoleon in den Heiligen Kampf für unser Recht und unsere Freiheit.

Wie damals, so werden heute alle auf die Schlechtigkeit und die Untreue der Menschen gestellten Berechnungen an der sittlichen Kraft und dem entschloffenen Willen des Deutschen Volkes zu Schanden.

Der durch Mißgunst und Ehrsucht irre geleitete Theil des französischen Volkes' wird zu spät die böse Saat erkennen, welche für alle Völker aus dem blutigen Kampfe emporwächst.

Dem besonnenen Theile dieses Volkes ist es nicht gelungen, das gegen die Wohlfahrt Frankreichs und das brüderliche Zusammenleben der Völker gerichtete Verbrechen zu verhüten.

Das Deutsche Volk weiß, daß ihm ein schwerer und gewal­tiger Kampf bevorsteht.

Wir vertrauen auf die Tapferkeit und die Vaterlandsliebe unserer bewaffneten Brüder, auf den unerschütterlichen Entschluß eines einigen Volkes, alle Güter dieser Erde daran zu setzen, und nicht zu dulden, daß der-fremde Eroberer dem Deutschen Mann den Nacken beugt.

Wir vertrauen der erfahrenen Führung des greisen Helden- königs, des Deutschen Feldherrn, dem die Vorsehung beschieden hat, den großen Kampf, den der Jüngling vor mehr als einem halben Jahrhundert kämpfte, am Abend seines Lebens zum ent­scheidenden Ende zu führen.

Wir vertrauen aus Gott, dessen Gericht den blutigen Frevel straft.

Von den Ufern des Meeres bis zum Fuße der Alpen hat das Volk sich auf den Ruf seiner einmüthig zusammenstehenden Fürsten erhoben.

Kein Opfer ist ihm zu schwer.

Die öffentliche Stimme der civilisirten Welt erkennt die Gerechtigkeit unserer Sache.

Befreundete Nationen sehen in unserem Siege die Befreiung von dem auch auf ihnen lastenden Drucke bonapartischer Herrsch­sucht und die Sühne des auch an ihnen verübten Unrechts.

Das Deutsche Volk aber wird endlich auf der behaupteten Wahlstatt den von allen Völkern geachteten Boden friedlicher und freier Einigung finden.

Euer Majestät und die verbündeten Deutschen Regierungen sehen uns, wie unsere Brüder im Süden, bereit.

Es gilt unsere Ehre und unsere Freiheit.

Es gilt die Ruhe Europa's und die Wohlfahrt der Völker.

In tiefster Ehrfurcht verharren wir

Euer Königlichen Majestät allerunterthänigste, treugehorsamste

Der Reichstag des Norddeutschen Bundes.

Diese Adresse wurde am Mittwoch vom Reichs­tuge einstimmig angenommen.

Die letzte Woche.

(Uebersicht.)

Die Ereignisse haben sich in der letzten Woche in rascher Folge bis zur" förmlichen Kriegserklärung entwickelt, zum besten Beweise, daß Frankreich vom ersten Augenblick den Krieg und nur den Krieg gewollt hat.

Frankreichs ungebührliche Forderung an unsern König. Nachdem diè Entsagung des Prinzen von Hohen- zollern auf den spanischen Thron der französischen Regierung mitgetheilt worden war, erklärte der französische Minister Her­zog von Gramont dem preußischen Botschafter: die Kandidatur des Prinzen (um welche allein der Streit angefangen worden war) sei Nebensache, denn Frankreich hätte die Thronbesteigung desselben doch niemals zugelassen/ - es handele sich um das Verhalten Preußens in der Sache, und um den Übeln Eindruck desselben in Frankreich zu verwischen, möchte der König von Preußen einen Brief an den Kaiser Napoleon' richten, in welchem etwa gesagt werden könnte, daß der König, als er dem Prinzen Leopold die Ermächtigung zur Annahme der Krone Spaniens gegeben habe, nicht habe glauben können, den Interessen oder der Würde der französischen Nation zu nahe zu treten/ der König schließe sich der Entsagung an, mit dem Wunsche und der Hoffnung, daß jeder Grund des Zwiespalts zwischen den beiden Regierun­gen damit beseitigt sein werde. Von den verwandtschaftlichen Beziehungen des Erbprinzen zum Napoleonischen Hause möge aber in dem Briefe nicht die Rede sein, denn das sei eine unangenehm berührende Wendung.

Mit einem Worte: die französische Regierung muthete unserem Könige zu, ein Schreiben der Abbitte an den Kaiser Napoleon zu richten. r ,

Es versteht sich von selbst, daß der preußische Botschafter einen solchen Auftrag nicht übernehmen konnte.

Die französische Regierung ertheilte nunmehr ihrem Bot­schafter am preußischen Hofe, Graf B en e de tti, den Auftrag, vom Könige eine Erklärung zu verlangen, daß er sich für alle Zukunft verpflichte, niemals wieder seine Einwilligung zu geben, daß der Prinz vonHohenzollern etwa auf dieThronkandidatur inSpanien zurückkomme. Der französische Botschafter ging den König auf der Brunnenpromenade in Ems an, um ihm jene Zu­muthung zu stellen, — der König wies dieselbe ent­schieden zurück. Da der Botschafter sich dabei nicht be­ruhigen wollte, sondern wiederholt den König zu sprechen verlangte, um jene Forderung zu erneuern, so ließ ihm der König durch seinen Adjutanten sagen: er habe ihm über diesen Punkt Nichts mehr mitzutheilen, er bleibe bei seiner vorherigen Antwort stehen.

Diese Zurückweisung der dreisten französischen Anforderung fand alsbald in ganz Deutschland die lebhafteste Zustimmung/ ebenso war im übrigen Europa nur eine Stimme der Ver- urtheilung für das übermüthige Auftreten Frankreichs. ,

Die französische Regierung aber, welche unserm Könige eine so beleidigende Zumuthung gemacht hatte, stellte sich wegen Zurückweisung dieser Zumuthung ihrerseits als schwer beleidigt dar. Es bedurfte hierzu freilich eines Lügengewebes, durch