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Staaten zum Norddeutschen Bunde haben, ist mir doch nicht so wesentlich/ er wird vielleicht auf die Kricgstüchtigkeit und die Zahl der süddeutschen Truppen einen Einfluß haben. Die Annahme also, daß dieser Zipfel, diese Insel des Norddeutschen Bundesgebietes, welche Baden bilden würde, militärisch bloßgestcllt sein könnte, kommt mir nicht bei.

Aber wirthschaftlich! Auch wenn Südheffen dem Beispiele Badens folgte — wozu mir indessen nicht die mindeste Wahrscheinlichkeit vor­liegt, daß cs durch freiwilligen Entschluß der hessischen Regierung der Fall sein würde — so wäre cs doch, wenn nicht auch Württem­berg und Bayern mit Baden in demselben Zollgebiet wäre, eine außerordentlich harte Zummhung für Baden. Das Großherzogthum ist von Basel bis da, wo es den Main bei Wertheim berührt, etwa 40 Meilen lang, und hat Stellen, deren Breite 2| Meile nicht erheblich übersteigen wird. Ein solches Gebiet durch eine Zollgrenze als Insel einzuengen — meine Herren, den Muth habe ich nicht und den Muth traut inan uns in Württemberg auch nicht zu, und wenn wir es dennoch thäten, so würde sehr bald auch in Baden die Be­wegung rückläufig werden, man würde sehr bald die Zugehörigkeit zum Norddeutschen Bunde, wenn der Zollverein eben keinen zusammen­hängenden Bestand hatte, als eine Quelle unzähliger täglicher und häuslicher Leiden und Verdrießlichkeiten betrachten, dcrcn Wirkungen der Mensch oft zugänglicher ist als großen politischen Ideen.

Ich würde, wenn mit jetzt die Eröffnung von Karls- ruhe käme, das Präsidium möge die Aufnahme Badens in den Norddeutschen Bund beantragen, diesen Antrag im Interesse des Bundes und im Interesse des Groß- Herzogthums Baden als unzeitig rebus sic stantibus (wie die Dinge zur Zeit liegen) ablehnen und würde sagen: wir werden Euch den Zeitpunkt kennzeichnen, wo uns das im Gesammtintcrcsse Deutschlands, imIntcrcsse der Politik, die wir bisher, ich kann wohl sagen, nicht ohne Erfolg durchgeführt haben, angemessen erscheint.«

(Was für Deutschland errungen ist.) - Ich hatte zuerst, als ich den Antrag las, das Gefühl, daß den Herren Antragstellern so circa zu Muthe war, wie Shakespeare den Heißsporn Percy schildert, der, nachdem er ein halb Dutzend Schottcn umgebracht hat, über das langweilige Leben flogt; cs passirt eben nichts, cs muß etwas Leben hineingebracht werden. Grün­dung staatlicher Gemeinschaften, großartige Reformen, durchgreifende Gesetzgebungen, das Alles erschöpft den Thatendrang nicht: es muß etwas geschehen. Aber liegt da nicht eine gewaltige Unter­schätzung dcs wirklich Erreichten zu Grunde? Denken Sie zurück, meine Herren, in die Jahre vor 1848, in die Jahre vor 1864: mit wie Wenigem wäre man damals zufrieden gewesen! als welche glänzende Errungenschaft wäre beispielsweise diejenige Einigung für ganz Deutsch­land, in welch er wir heute mit Süddeutschland stehen, der gesammten Nation erschienen! nämlich ein Zoll- Parlament, welches aus der Zollverfassung das liberum veto (das Widerspruchsrecht jedes einzelnen Staates) beseitigte — und ein gesichcrterObcrbefehl der gesammten Heeresmacht! Der gesicherte Oberbefehl war eine große Schwierig­keit für einen Krieg des alten Bundes, er war schwerlich zu erreichen, und die Verhandlungen darüber hätten, wenn nicht außnrhalb des Bundes Vorsorge getroffen wäre, länger dauern können, als der Krieg.

Haben wir nicht in Bezug auf Süddeutschland ein kostbares Stück nationaler Einheit erreicht? Ich kann dreist behaupten: übt nicht das Präsidium des Norddeut­schen Bundes in Süddeutschland ein Stück Kaiserlicher Gewalt, wie es im Besitze der deutschen Kaiser seit 500 Jahren nicht gewesen ist? Wo ist denn — seit der Zeit der ersten Hohenstaufen — ein unbestrittener Oberbefehl im Kriege, eine unbestrittene Sicherheit der Gemein- schäft, denselben Feind und denselben Freund im Kriege zu haben, in deutschen Landen vorhanden gewesen? wo ist denn eine ivirthschaftliche Einheit vorhanden gewesen, an deren Spitze der deutsche Kaiser gestan­den hätte? Der Name macht es nicht! Aber wenn das Präsidium, wenn der König, mein Allergnädig, ster Herr, im Nordbunde eine Macht übt, die zu er­weitern im nationalen Interesse, im Interesse des Ge­wichtes und des Schutzes von Deutschland kein Bedürf­niß vorhanden ist, so kann ich behaupten: das Haupt des Nordbundes hat in Süddeutschland eine Stellung, wie sie seit dem Kaiser Rothbart ein deutscher Kaiser nicht gehabt hat, und dieser doch auch nur, wenn sein Schwert gerade siegreich War, vertragsmäßig und allgemein aner­kannt nicht. Also unterschätzen wir dies nicht und drängen Sie nicht so auf neue Etappen: genießen Sie doch einen Augenblick froh, was Ihnen bcschiedcn, und begehren Sie nicht, was Sie nicht haben!

(Das Ziel der vollen nationalen Einigung.) Wenn Sie den Beitritt Badens, die Herstellung des Rordbundes, wie er durch den Beitritt Badens sich gestalten würde, als ein Defini- tivum (etwas endgültig Fertiges) ansehen, dann haben Sie ein Recht, den Antrag zu stellen, dann würde ich auch heute keinen Anstand nehmen, ihn zu unterschreiben. Wenn Sie ihn aber als Mittel ansehen, die volle nationale Einigung des ganzen Deutschlands zu fördern, so ist das eine Ansichtssache, da kann ich irren und Sie können irren, da kann ich nur sagen, ich theile Ihre Ansicht nicht und werde nach meiner handeln.

Der Antragsteller hat mit großer Bestimmtheit ausgesprochen, daß er in der Aufnahme des Großberzogthums Baden den Anfang der Vollendung des Bundes sehe. Meine Herren, hier kann ich nur Ueberzeugung gegen Ueberzeugung stellen: meiner Ueberzeugung nach würde in einer solchen Maßregel die Hemmung der Vollendung liegen, — nicht blos ein Anfang der Hemmung, sondern ein ziemlich dauer­hafter Hemmschuh, mit dem am Rade wir an der Vervollständigung des Bundes alsdann weiter zu arbeiten haben würden.

Run stellt sich aber die Sache einfach so: Wir sind über den Zweck ganz einig, den wir erstreben, nämlich eine Eini­gung des gesammten Deutschlands, deren festen Ab- schließ wir überhaupt in keiner bestimmten Form uns heute schon zu denken haben, sondern sie kann alè einer ewigen Vervollkommnung, so lange es Völker giebt , fähig an- gesehen werden. Der augenblickliche Norddeutsche Bund ist ein bestimmter Ausdruck der Einigung, den ich jedoch als ein vor- übergebcndcs Stadium betrachte, ebenso wie ich ihn, durch Baden vergrößert, ebenfalls nur als ein vorübergehendes Stadium betrachten würde. Wir sind über den Zweck also ganz einig. Und in dieser Lage tritt ein Redner derjenigen Partei aus, die behauptet, sie hätte mir ihr Vertrauen und ihre Unterstützung jederzeit bewiesen, und bean­sprucht, daß der Reichstag bezüglich der Mittel der Hofkriegsrath für meine Politik sein solle. Das setzt ein Mißtraucn voraus, wenn auch nicht in meinen guten Willen, so doch in meine Einsicht. Ueber den Zweck sind wir einig; aber über die Mittel sind die Herren der Meinung, daß sic die Auswahl der Mittel, die Aus­wahl des Zeitpunkts besser verstehen als ich, und ich bin der Meinung, daß ich das besser verstehe als sic, nur darüber können wir uns nicht einigen. So lange ich aber Bundeskanzler und auswärtiger Minister bin, so muß die Politik nach meiner Einsicht gemacht werden, und wenn Sie ihr ©teilte in den Weg legen, ihr Knüppel in die Räder schieben, so hin­dern sie diese Politik, und die Verantwortlichkeit für diese Verhinderung, ja selbst für die unzcitigeRöthigung, mich auszusprechen, die Verantwort­lichkeit für die Folgen tragen Sic, die Antragpeller und Redner, nicht ich. Wenn ich aber null noch dem ausgesetzt bin, daß einer der Herren Redner dieser Partei, die miet; zu unterstützen vorgiebt, die behauptet, jederzeit mir Beweise ihres Vertrauens gegeben zu haben, nur heute nicht, — meine Herren, wir wollen in den Büchern nicht blättern, — wenn Jemand, auf dessen Unterstützung persönlich ich in der That gc- rechnet habe, wenn der Herr Abgeordnete, während wir so nah an- einander sitzen, während er so gut hört und so einsichtsvoll zu urtheilen weiß, wenn er einen so wesentlichen Theil dessen, was ich gesagt habe, schon jetzt unabsichtlich so entstellt, auf was für Mißverständnisse muß ich dann überhaupt gefaßt sein, wenn die Worte, die ich gesprochen habe, erst in dcn Zeitungell von Uebel- Wodenben zerpflückt werden, — wenn schon mein bester Freund , zu denen ich den Herrn Vorredner rechne, zu solchen-Mißverständnissen gelangt, als hätte ich gesagt, ich wollte das ganze Süd- deutschland entweder auf einmal oder gar nicht. Es hat das in meinen betreffenden Worten in keiner Weise gelegen; ich erinnere daran, ich gebrauchte den Ausdruck rebus sic stantibus (d. h. bei der augenblicklichen Lage der Sache). Ich schloß durchaus den Fall nicht auè, daß wir sehr wobt zu cin- zelnen Anschlüssen kommen könnten. Ich weiß z.D. nicht, ob, wenn heute dieselbe Bereitwilligkeit von Seiten der bayerischen Regie­rung vorhanden wäre, ich den Fall nicht ganz anders beurtheilen würde. Ich weiß ferner nicht, ob, wenn diese Bereitwilligkeit von Seiten der badischen und württembergischen, einschließlich der südhessischcn Regierung vorhanden wäre, ich den Fall auch nicht anders beurtheilen würde. — Nun frage ich, welches Interesse hat man denn, dem Publikum und den Leuten, der öffentlichen Meinung, auf deren Vertrauen ich rechnen muß, eine unrichtige Vorstellung von meinen Zwecken, von meinen Zielen, von meiner Auffassung zu geben? und wäre es nicht wenigstens, wenn nicht der Achtung vor mir, doch den Rücksichten auf das öffentliche Wohl entsprechend, unter solchen Umständen genauer zu hören, ehe man mit so vieler Entschiedenheit meine Absichten dem Publikum in einer unrichtigen Weise darstcllt?

Wissen Sie Alles besser wie ich, so setzen Sie sich hierher, und ich werde mich auf jene Stühle setzen, und will diejenige Kritik üben, die mir eine 20jährige Erfahrung in den Geschäften deutscher Politik an die Hand geben wirb; aber ich versichere Sic, mein Patriotis­mus wird mich schweigen lassen, wenn ich fühle, daß Sprechen zur Unzeit ist.

Ich habe das vorige Mißverständniß berichtigt, als hätte ich gesagt: gar nichts oder Alles/ ich will dem noch hinzufügen, daß ich meine Definition des Falles, in welchem ich glauben