Zweiter Mericht
des Comites des Vereins zur Pflege im Felde verwundeter und erkrankter Krieger.
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âachdem im Jahre 1869 fast in sämmtlichen Gemeinden des Kreises Hanau Lokal-Vereine gegründet und das unterzeichnete Comit^ gebildet worden, traten wir mit dem ausbrechenden Kriege zwischen Deutschland und Frankreich am 18. Juli d. 3. werkthâtig ein und organifirten die Lazarethe in und bei Hanau zunächst als Vereins-Lazarethe, mit dem 30. Juli aber als Reserve-Lazarethe. Durch den Inspecteur der freiwilligen Krankenpflege wurde der Lanorath und Johanniter Freiherr von Schrötter zum Delegirten ernannt. Von den Militärbehörden wurden in die Lazarethkommission der Major Robert, Phhsikus Dr. Noll und Oberlazaretdinspektor Menne berufen. Die Nähe des Kriegsschauplatzes und die, in der gesundesten Lage in und bei Hanau befindlichen leeren Schlösser, die Badegebäude in Wilhelmsbad, die verlassenen Gebäude der Kaserne und des Garnisons-Lazareths, der Erweiterungsbau des Landkrankenhauses wiesen darauf hin, daß Hanau ausgedehnte Lazarethe erhalten würde, und keine Zeit zu ihrer Einrichtung zu versäumen sei. Bei der Garnisonverwaltung wurden aus der Kaserne, und zwar aus alten Beständen, Bettstellen, Leibmatratzen, Kopspolster, Tische rc. requirirt, und durch Vermittlung des Herrn Oberpräsideuten die Kurfürstlichen Schlösser in Hanau und PhilippSru h^e, sowie die Gebäude von Wilhelmsbad zu Lazarethen erwirkt. Sämmtliche 12 Aerzte und Wundärzte von Hanau erklärten sich bereit, die Krankenpflege unentgeltlich zu leisten. Die Frauen und Jungfrauen unserer Bürgerschaft in größerer Zahl, ebenso die jüngeren Kaufleute und Fabrikanten, die Turner, die Feuerwehr und die Schützen traten zur direkten Krankenpflege und zu unserer Unterstützung zusammen. Innerhalb zwei Tagen wurden in Hanau durch 50 Bürger 6800 Gulden zur Bestreitung der ersten Einrichtunaskosten gesammelt, und schon am 26. Juli waren aus der Stadt Hanau an regelmäßigen Beiträgen 729 Gulden 42 Kreuzer, aus der neuen Sammlung 7730 Gulden 6 Kreuzer, aus den Ersparnissen eines Vereins aus dem Jahre 1866 970 Gulden, in Summa 9629 Gulden 48 Kreuzrr eingegangen. Mit frischem Muth konnte an unser ernstes Werk geschritten werden. Wir hatten die freudige. Genugthuung zuerst in Deutschland umfassende-Lazarethe vorbereitet zu haben, welche auch sofort nach den blutigen Schlachten an der Grenze im vollen- Maaße belegt wurden. Ein Aufruf an die Bewohner des Kreises zur Sammlung von Geld, Lieferung von Bett- und Leibwäsche, Charpie, Verbandzeug, Matratzen, Decken, Cigarren, Erfrischungen, hatte den günstigsten Erfolg. Von Stadt und Land flossen die Liebesgaben in reichem Maaße zu, wie wir schon unterm 15. September publizirten. Die Lokalvereine sendeten ihre baaren Bestände ein. Die Ausbildung von Krankenwärtern turch Phhsikus Dr. Noll im Landkrankenhause wurde eingeleitet. Gleichzeitig meldeten Ihre Durchlaucht die Frau Prinzessin von Hessen-Pbilippsthal-Barchfeld die Einrichtung eines Hülfs-Lazareths für 10 Betten in Langenselbold an, und der Fabrikant Carl P. Brandt stellte sein Wohnhaus für 20 Betten zur Disposition. Die Einrichtungen wurden gemeinsam mit der Königlichen Lazarethkonimission der Art bewirkt, daß 1062 Verwundete der Schlachten von Weißenburg und Wörth am 6. und 8. August Aufnahme finden konnten. Die beiden kolossalen Eisenbahnzüge waren vorher nicht angemeldet und trafen zur Nachtzeit ein. Daher war es nur möglich, mit Hülfe der unermüdlichen, nicht genug zu dankenden persönlichen Dienste unserer Mitbürger die Verwundeten nach Philippsruhe, Wilhelmèbad, dem Stadtsckloß und der Kaserne zu schaffen, zu betten und zu stärken. Rühmlich bewährten sich die aus der Feuerwehr und den Turnern durch den Wundarzt Heß, den Kaufmann Spatz und den Turnlehrer Störger herangebildeten Krankenträger. Am 13. August trafen 7 Diakonissen aus Königsberg ein, wenige Tage später 3 Diakonissen aus Emden, 4 aus Posen und 3 aus Danzig; auch wurden 10 barmherzige Schwestern aus Prag durch. Herrn Fürsten von Löwenstein-Wertheim und dessen Gemahlin zugeführt, weil das Lazareth in Schloß Heubach noch nicht belegt war. Die Diakonissen mußten am 2. September nach der Schlacht bei Sedan zu den Feldlazarethen nach Frankreich geleitet werden, woselbst sie unentbehrlich waren, und statt der barmherzigen Schwestern aus Prag traten 11 Katharinerinnen aus Brauneberg in Philippsruhe ein, woselbst sie noch heute segensreich wirken. Ferner kamen den 12. November 6 Tertianerinnen aus Wien nach Wilhelmsbad, 6 Schwestern vom Orden des Erlösers nach dem Stadtschloß und am 13. November 8 Franziskanerinnen aus Deutz nach der Kaserne. Die 12 Schwestern von Wien werden geführt durch Frl. v. Matauscheck, welche sich im Jahre 1866 durch die Organisation und Leitung der Lazarethe in Wien für 13000 Verwundete ausgezeichnet hatte. Im Einklang mit der Thätigkeit für die Lazarethe fand die Verpflegung der gegen den Feind ziehenden Truppen auf dem Bahnhof durch zwei Vereine unter Leitung des Graveurs Lauten- f chläger und der Kaufleute H. u. Th. Hammerschmidt und H. Schade und Vers ch u e r, resp, der Fabrikanten Fr. Eckhardt und Genossen statt, so wie die bis jetzt andauernde und von uns sub- ventionirte Erfrischung der Verwundeten und Kranken durch einer, von dem Fabrikanten H. Deines geleiteten Verein. Zu beklagen ist, daß trotz dreimaligen persönlichen Ansuchens unseres Vorsitzenden bei der Etappen-Kommandantur, resp bei der Erfrischungsstation in Frankfurt noch nicht ein einziges Mal hierher telegraphirt ist, wann die Verwundeten und Kranken in Frankfurt beköstigt und wann die Bahnzüge von dort abgelassen worden. Hierdurch ist es erklärlich, daß bisweilen den unerwartet durchreisenden Verwundeten und Kranken die ihnen so nöthigen erwärmenden Nahrungsmittel nicht mit derjenigen Präcision auf unserer Station verabreicht wurden, wie wir es von Herzen wünschen mußten.
Weder in unseren, noch in den Absichten der Lazarethkommission lag es, die Kaserne zu belegen, vielmehr wollten wir uns auf 270 Betten im Stadtschloß, 380 Betten in PhiUpPZruhe, 90 Betten in