514
Tarif für RelourtzUettr.
Frankfurter Börse.
13. Dezember 1870.
1. KI.
2. KI.
3.
KI.
Bon Hanau nach
thlr.sg.
thlr.sg. thlr.sg.
Niederrodenbach
. — 8
- 6
—
4
Langenselbold . .
. - 13
— 10
—
7
Meerholz . .
. — 21
— 16
—
11
Gelnhausen ....
. - 24
— 18
—
12
Wächtersbach .
. 1 6
- 27
—
18
Salmünster. . . ■
1 13
1 2
—
22
Steinau ....
. 1 20
1 8
—
25
Schlüchtern. .
. 1 26
1 12
—
28
Elm.....
2 5
1 19
1
3
Flieden.....
. 2 16
1 27
1
8
Neuhof .....
. 2 21
2 1
1
11
Fulda.....
. 3 6
2 12
1
18
Hünfeld ....
3 24
2 26
1
27
Burghaun ....
. 3 29
2 29
2
—
Neukirchen ....
. 4 8
3 6
2
4
Hersfeld ....
. 4 22
3 17
2
11
Bebra.....
. 5 6
3 27
2
18
Von Hanau nach Frankfurt:
I. Kl. 1 fl. 9 kr., II. Kl. 45 lr., III. Kl. 33 kr.
Preußen 4 % % Obltg. — P. Nassau 4'/z% Fblig. 91% P.
Kurbeffen 4% Obltg. — P. Bayern 4'/,% Ijâhr. 90% bz. „ 4%% %i^r.9O% %. „ 4% „ - P. aUürtemb. 4*4%Obltg.90% bz. „ 4% Obltg. - bz. Baden 4%% Obltg. - G. „ 4% Obliq. 85% G. Gr.Hessen 4% Obltg. 92% G. Oesterr. Silberrente 53’4 bz. „ Papierrente 45% G. „ 5% M. steuerf. — bz. Amerik. Bonds 1881r 96% bz. „ „ 1882r 94%, bz. „ „ 1885r 93% bz.
Action. Darmst. Credit 320 bz. Oesterr. Eredttanst. 234% bz.
Prioritäten. 5% Eltsabcthb. 77 P. 3% Livorneser E.-B. 31% bz. 6% Oesterr. Südb. — bz. 3% Oesterr. Staatsb. 55“/,, bz 5% Tvskan. Centralb. 49% G.
Anlehensloose.
3%•/, Preuß, â. lOÜTHlr.— P. Kurhess. â 40 Thlr. — G Nass, â 25 fl. 38% P. 4°/, Bayer.-» lOOTHlr. 106% P 4% Bad. â 100 „ 104% bz. Badische â 35 fl. — P. Großh. Hess, ä 50 fl. 175% P. „ â 25 fl. - P. Oesterr.fi. 250 v. 1839 — G. „ „ 250 „ 1854 70 bz. „ ,. 500 „ 1860 75% bz. „ „ 100 „ 1864 109 P.
nOest.Creditanst.v.t858 — bz.
« Wechsel.
Amsterdam k. S. 100%, bz. Augsburg f. S. 100 P.
Berlin k. S. 104% »z. Bremen k. S. 97 bz.
6.5in k. S. 104% bz. Hamburg k. S. 88% Ö. London k. S. 119%, bz. Paris k. S. — bz.
Wien k. S. 96 bez.
ditto m. S. — G.
ditto - l. S. — bz.
Disconto 4% G.
Geldsorten.
Pr.Kassenschcine fl.1-44%-45% „ Friedrichsd'or,, 9.58*/,—59*/,
Pistolen „ 9.47—49
„ doppelte „ 9.48—50 Holl.fi.tO-Stücke„ 9.54a6 Ducaten „ 5.37—39 Napoleonsd'or „ 9.32—33 Dollars in Gold „ 2.27-28
Vom Kriegsschauplätze.
— In einem Artikel: „Der Anfang vom Ende des jetzigen Krieges in Frankreich" sagt Julius von Wickede am Schlüsse desselben: Der Krieg kostet Frankreich an von uns eroberter, fast unermeßlicher Kriegsbeute aller Art, getödteten Pferden, vernichteten Waffen, requirirtem Vieh und sonstigen Lebensmitteln, zerstörten Häusern, verheerten Gärten, zertretenen Feldern, kurz, an Verlusten an Staats- und Privateigenthum, ohne dabei die Ausgaben für das französische Heer zu rechnen, sicherlich schon Milliarden von Francs, in vielen Departements ist die Aernte fast gänzlich vernichtet, ja, selbst aus Mangel an Zugvieh und Saatgetreide hat die Feldbestellung in diesem Herbste nicht mehr ftaitfinren können, so daß auch im nächsten Jahre vielfach nur Mißärnte zu befürchten ist, und der Verlust an Menschenleben in Folge der Schlachten, zahllosen kleinen Gefechten und mehr noch durch Hunger und Noth und die dadurch erzeugten Krankheiten kann man auf mindestens f Million, ja, wahrscheinlich noch weit höher anschlage». Und dabei doch noch immer fort und fort diese gänzlich lügenhaften Proclamationen der Herren Gambetta und Genossen, das prahlerische Verkünden von Siegen, an denen auch keine Spur wahr ist, dieses wirklich unbegreifliche Hoffen noch so vieler Franzosen auf einen siegreichen Umschwung ihrer Sache, der nun und nimmermehr erfolgen kann, und dieses gegenseitige Belügen, Täuschen, Prahlen, Manövriren! Spricht man mit jedem einzelnen Franzosen, so beklagt er fast immer den Krieg, verwünscht Gambetta und die ganze Republik in die Hölle und wünscht den Frieden um jeden Preis herbeigeführt zu sehen, und stehen dann wieder ein Dutzend zusammen und irgend ein lügenhafter Siegesbericht ihrer provisorischen Regierung ist erschienen, dessen gänzliche Unmöglichkeit jeder, der nur eine Spur von militärischen, statistischen, national-ökonomischen, politischen und geographischen Kenntnissen besitzt, sogleich einschen müßte, so sind sie alsbald Feuer und Flamme, belügen und berauschen sich gegenseitig durch alle möglichen Phrasen und glauben, daß La France auch jetzt noch daS mächtigste Land der Welt sei und daß wir barbares prussiens Hdas Wort Allemand braucht der Franzose fast niemals von einem deutschen Soldaten) ganz unmöglich Sieger sein und bleiben dürften. Alle unsere Erfolge bei Wörth, Sedan, Gravelotte, Metz, Straßburg u. s. w. haben wir nur durch Verrath und Bestechung erreicht und Mac Mahon, Bazaine, Canrobert, Uhrich, jetzt Bourbaki, weil er sich bei Amiens, und Aurelles de Paladine, weil er sich bei Orans schlagen ließ, sind Verräther und preußisches Geld, nicht aber preußische Waffen haben bisher allein nur diese französischen Niederlagen herbeigeführt.
Und trotzdem hoffe ich jetzt mit Zuversicht, daß das Ende dieses Krieges bald nahen wird. Auf die Loire-Armec, auf -das Vorgehen der Nord-Armee unter Bourbaki und vor Allem auf den Durchbruch der Pariser unter Trochu hatten die Franzosen ihre letzten Hoffnungen gesetzt, jetzt, da dies Alles, Alles durch die glänzenden Erfolge unserer siegreichen Truppen in den jüngsten Schlachten so gänzlich zertrümmert ist, kann und wird der Durchbruch der richtigen Erkenntniß, daß Frankreich sich uns fügen und selbst um jeden Preis mit unS Frieden machen muß, nickt länger ausbleiben. Noch sträuben sich nur viele Franzosen, die Richtigkeit unserer letzten
Siege anzuerkennen, denn da sie stets von ihren verschiedenen Regierungen auf das Unverschämteste belogen wurden und auch jetzt uoch werden, so glauben sie auch niemals an die Wahrheit unserer officiellen Berichte ; sind sie aber davon erst überzeugt, daß wir in Rouen wie Orleans stehen, dann werden sie auch den Gedanken eines ferneren Widerstandes bald aufgeben. „II faut fmir, Meu- sieur,“ sagte mir so eben meine Wirthin, die kluge, angenehme Frau eines sehr berühmten französischen Arztes, der in Tours ein Hospital dirigirt, an deren Schreibtisch ich diese Zeilen niederschrieb, als ich unsere letzten officiellen Depeschen aus Orleans vorgelesen hatte, und wandte sich weinend ab. Ja, man muß enden, Frankreich muß sich der eisernen Nothwendigkeit fügen und uns als Sieger erkennen, oder eS ist ein auf Decennien hin vollständig zu Grunde gerichtetes Land!
— Aus Versailles vom 4. Dezember schreibt man der Weser-Ztg.: „Die Aufstellung der 300 Belagerungsgeschütze ist erfolgt und Villa Coublay nun unser Wanderziel geworden, um den Artilleriepark dort bewundern zu können. Das Bombardement kann jetzt in jedem Augenblicke auf Allerhöchste Ordre vor sich gehen, da die nöthige Munition herbeigcschasft ist und jedes Geschütz über 500 Schüsse disponiren kann." Wir knüpfen hieran folgende anscheinend osficiöse Correspondenz der Schles. Ztg. aus Berlin: „Von unseren Strategen ist in diesem Kriege Alles mit solcher Umsicht und Weisheit angelegt, daß derselbe von den Strategen aller Nationen in den kommenden Jahrhünderten als ein Musterkrieg studirt werden wird. Um so unpassender ist es, wenn jetzt die Ungeduld über daS Ausbleiben des Bombardements von Paris vielfach so weit geht, daß man selbst den Grafen Moltke zu meistern beginnt und das Unterbleiben des Bombardements auf Einflüsse zurückführt, die nur in Dingen des Friedens eine Berechtigung haben. Ich bin in der Lage, zu versichern, daß solche Vermuthungen rein aus der Luft gegriffen sind und daß das bisherige Unterbleiben des Bombardements sich hinlänglich aus den militärischen Gesichtspunkten erklärt, welche hier entscheiden müssen. Wenn die Entscheidung gekommen sein wird, wird man sehen, daß auch die Maßregeln vor Paris sehr wohl begründet waren und nur das Interesse Deutschlands verfolgten."
Depeschen des Hanauer Kreisblattes, welche nicht durch Extra-Beilage veröffentlicht wurden.
Officiell. Versailles, 10. Dezember. Nach den Kämpfen der letzten Tage sollte den an der Loire befindlichen Truppen für den 10. Ruhe gewährt werden. Der Feind versuchte jedoch am nächsten Morgen mit starken Kräften die Offensive wieder 'zu ergreifen, wurde aber in einem bis zum Abend währenden, vorzugsweise durch Artillerie geführten Gefechte zurückgewiesen. Diesseitiger Verlust unbedeutend. Einige Hundert Gefangene sind in unseren Händen. General von Manteuffel meldet, daß Dieppe von Truppen seiner Armee am 9. d. Abends besetzt worden sei. Ein Theil der 3. Feld-Eisenbahn-Abtheilung nebst 50 Mann Infanterie lind in Ham überfallen und aufgehoben worden.
von Podbielsky.
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des vereinigten evangel. Waisenhauses.