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Vom Kriegsschauplätze.

Die Times erhielt folgenden Brief, welcher andeutet, wie sich die Stimmung in Frankreich bereits ändert:

Erlauben Sie einem Franzosen, auf den Brief des Hrn. Marquis zu antworten, obgleich derselbe eigentlich an die eng­lischen Journalisten gerichtet ist. Hr. v. Roailles sagt, die eng­lische Presse klage uns mit Unrecht an, daß wir die wahre Si­tuation nicht begriffen. Aufrichtig gesagt, ich finde, sie hat nicht Unrecht. Wir begreifen die Lage wirklich nicht. Haben wir das Recht, fragt Hr. V. Roailles, um uns aus unsern gegenwärtigen Schwierigkeiten zu ziehen, Mitbürger dem gehässigen Joch Preußens zu überantworten? Ach, das Recht ist ein schönes Ding, aber man hätte an dasselbe denken sollen, als wir unsern Nachbarn einen ungerechten Krieg erklärten. Wäre eS in der jetzigen Lage unsers unglücklichen Landes nicht vernünftiger und patriotischer, an die Thatsachen und an das Mögliche zu denken?Unsre wahre Lage" läßt sich in wenigen Worten zusammenfassen. Wir haben einen Eroberungskrieg unternommen und wir sind geschlagen worden. Das ist traurig, aber es ist nun einmal so. Können wir es ändern? Und um den Preis welcher Opfer? Die Frage scheint mir jetzt: Haben wir das Recht, um einen sehr geringen Theil des Landes den Schmerz zu ersparen, seine Nationalität (?) zu wechseln, den ganzen Rest Frankreichs zu opfern? Daß genereuse Patrioten hundertmal lieber sterben, als nicht mehr Franzosen sein wollen, begreife ich ohne Mühe; aber eine Regierung hat nicht das Recht, in Hrn. Gambetta's und seiner Freunde Sinn heroisch zu sein; sie soll kaltblütig, vernünftig sein und für das größte Wohl der größten Zahl handeln. Sie darf nur practische und mögliche Ideen in Erwägung ziehen.Sind die Bewohner des Elsaß und Lothringens nicht Menschen wie wir? Haben sie nicht eine Seele wie wir?" fügt Hr. V. Roailles hinzu. Ohne Zweifel, aber unsre arabischen Compatrioten haben oder hatten auch eine Seele, und die Ein­wohner Rizza's und Savoyens hatten sie erst recht. Und was diese ertragen konnten, sollten unsre braven Elsässer und Lothringer es nicht auch ertragen? Warum ihre Hingabe an das Vaterland bezweifeln? Sie retten den Stamm, wenn sie sich von ihm ab­trennen lassen. Schließlich fragt Hr. v. Roailles:Gibt cs auch nur einen Engländer, der, um sein Leben oder seine Freiheit zu retten, tausend, ja selbst nur einen seiner Mitbürger opfern würde?" Gewiß nicht für sein Leben, seine Freiheit, aber um Millionen zu retten, wird der englische Staatsmann doch wohl einige Hundert opfern. Handelt es sich um das ganze Land, so ist ihm kein Opfer zu groß. Verfluchen wir jetzt Diejenigen, welche statt Frankreich wegen eines falschen Ehrenpunktes zu Grunde zu richten, den Frieden von 1814 gezeichnet haben? Nein! Also lernen wir endlich, peinliche Wahrheiten zu hören, und versuchen wir mit klaren Augen zu sehen. Bedenken wir, daß, in der Politik wie in allen andern Dingen, je rascher die Tollheit vorüber ist, desto besser, und wir werden Frankreich retten." (Trib.)

Blätter auè Paris vom 12. November, die man derCöln. Ztg." zufolge in Versailles erhielt, zeigen wenig Vertrauen auf einen Ausfall; Le Franhais nennt es einenWahnlinn", es mit den Trochu zu Gebote stehenden Streitkräften,und wären die drei neu creirten Armeen noch fünf Mal so stark und hätten sie eine zehnmal zahlreichere Artillerie", mit den Preußen aufnehmcn zu wollen. Das Journal de Paris wirft den Mitgliedern der Re­gierung vor, sie wollten cs besser als Bazaine verstehenund zwischen hier und acht Tagen die letzte Karte ausspielen"; aber: Wenn kein Wunder geschieht, wird dann nichts übrig bleiben, als auf jeden Preis und ohne Bedingungen zu capituliren."

DieAugsb. Abendztg." schreibt aus München vom 20. Nov.: Seit gestern und heute werden große Quantitäten von Lebens­mitteln nach Paris verladen; die Annahme von gewöhnlichen Frachtgütern ist für zwei Tage von Seite der hiesigen Güter- expeditivn sistirt. Außerdem werden viele Frachtfuhrwerke sammt

Pferden per Bahn nach Frankreich transportirt, welche dazu be­stimmt scheinen, die Lebensmittel von den Endpunkten der Bahnen an ihren Bestimmungsort unmittelbar vor Paris zu schaffen.

Aus Metz, vom 16. Nov., erhalten wir über den dortigen Gesundheitszustand die nachstehende Zuschrift:

Um den über den Gesundheitszustand in Metz coursirenden, größtentheils unbegründeten Gerüchten ein Ziel zu setzen, bringe ich hierdurch auf Veranlassung des königlichen General-Commando's des 7. Armeecorps zur Kenntniß, daß derselbe in genannter Stadt unter den obwaltenden Verhältnissen als ein ganz befriedigender zu bezeichnen ist. Fleckentyphus und Hospitalbrand sind, auch nicht in vereinzelten Fällen, weder unter den preußischen, noch unter den zur Zeit noch hier befindlichen verwundeten und kranken französischen Soldaten, noch unter der hiesigen Bevölkerung vorgekommen. Auch der gewöhnliche Typhus ist hier keineswegs so vorherrschend, als man in der Heimath glaubt, und nimmt in den bei Weitem meisten Fällen einen günstigen Verlauf. Unter sämmtlichen im laufenden Monat Neuerkrankten des 7. Armeecorps befanden sich etwa 5pCt. am Thyphus leidend. Die Ruhr ist im steten Abnehmen begriffen und dürste voraussichtlich, der Jahreszeit angemessen, bald gänzlich verschwinden. W e r l i tz, Feldcorps-Generalarzt des 7. Armeecorps.

(Cöln. Ztg.)

Depeschen des Hanauer Kreisblattes, welche nicht durch Extra-Beilage veröffentlicht wurden.

Officiell. Metz, 19. November. Die Cernirung von Montmedy ist durch ein Detachement unter Oberst von Pannewitz am 16. d. M. erfolgt, wobei siegreiche kleine Gefechte des 1. und 2. Bataillons des 74. Regiments bei Chauvency und Thonnelles. 47 unverwundete Gefangene wurden gemacht.

von Zastrow.

Officiell Versailles, 19. November. Im Gefecht bei Dreux am 17. d. M. betrug der diesseitige Verlust 3 Mann todt und 35 verwundet. Am 18. siegreiches Gefecht der 22. Division bei Chateauneuf; diesseitiger Verlust 1 Offizier und circa 100 Mann ; der des Feindes über 300 an Todten und Verwundeten und 300 Gefangenen. von Podbiel>.ky.

Officiell. Versailles, 20. November. Der Feind versuchte heute mit 6 Compagnien und 4 Geschützen La Före (Festung nordwestlich von Laon) zu entsetzen, wurde aber am rechten Oise-Ufer durch ein Bataillon des Regiments Nr. 5 mit bedeutendem Verluste zurückgewiesen, bald darauf erfolgten Ausfälle aus der Festung.

Officiell. Metz, 21. November. Im Fort Plappeville ist heute früh 9!, Uhr ein Munitions-Magazin in die Luft ge­flogen. Einige Todte und 40 Verwundete, Ursache und Details bis jetzt noch unbekannt. von Löwenfeld.

Officiell. Versailles, 21. November. Die bei Dreux und Chateauneuf geschlagenen Mobilgarden flüchten nach Westen und Nordwesten. Das Landwehrbataillon Unner und die 2. Es­cadron des 5. Reserve-Husaren-Regiments, welche am 19. in Chatillon angegriffen wurden, haben sich mit Verlust von 120 Mann und 70 Pferden auf Chateau-Vilais zurückgezogen. Von den Armeen liegen sonst keine Meldungen von Bedeutung vor.

von Podbielsky.

Gedruckt und »erlegt in der Buckdruckerei des vereinigten evangel. Waisenhauses.