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Vom Kriegsschauplätze.
Auszug
aus der amtlichen Verlust-Liste Nr. 100. Gefecht bei St. Remy und Ladonchamps am 7. Oktober 1870.
1. Hessisches Infanterie-Regiment Nr. 81.
1. Bataillon. 1. Compagnie.
Port.-Fähnr. Ferdinand v. Borries aus Hanau. S. d. S. %, d. r. Hand. Laz. Vigy. — Iohannes Scherf aus Schwarzenfels, Kr. Schlüchtern. L. v. S. i. d. r. Wade.
3. Compagnie.
Johannes Hartmann aus Langenselbold, Kr. Hanau. L. v. S. d. d. Oberschenkel. — Georg Philipp Kimmel aus Bruchköbel, Kr. Hanau. S. v. S. d. Bein. — Daniel Froschhäuser aus Langenselbold, Kr. Hanau. L. v.
Gefecht bei St. Remy am 7. Oktober. 1870.
2. Bataillon. 6. Compagnie.
Gefr. Joh. Philipp Zeul aus Seckbach, Kr. Hanau. L. v. Gewehrschuß a. r. Oberarm.
7. Compagnie.
Peter Puth aus Bergen, Kr. Hanau. S. v. S. d. d. r. Wade. — Johann Georg Völkers aus NeuwiedermuS, Kr. Hanau. Nach Aussage der Compagnie-Mannschaften ist derselbe verwundet zurückgegangen. __
Dem Feldpostbriefe eines Husaren vom 11. Regiment entnimmt die „Trib." folgende Schilderung einer französischen Schurkerei. Der Betreffende schreibt:
„Am 31. Oktober ging von unserer Escadron ein Requisttions- Commando (12 Mann und 1 Offizier) ab nach Breval, Station an der von Mantes nach Evreux (Normandie) führenden Bahn, welches ein hübsches Dörfchen ist. In diesem Dorfe Breval angekommen, ließ der commandirende Offizier den Maire des Ortes zu sich kommen, welcher den verlangten Hafer rc. zu liefern versprach. Die Bürger kamen unseren Leuten sehr freundlich entgegen; die Husaren waren in Folge dessen ebenfalls freundlich gegen die Einwohner. Die Brevaler luden die Husaren zum Frühstück ein, welches Anerbieten, besonders nach dem langen Ritt, bereitwilligst angenommen wurde; sie saßen ab und ließen sich Wurst, Brod und Wein wohl schmecken. Der Hafer wurde geliefert und, weil es regnerisch aussah, von den Husaren mit Stroh zugedeckt. Als der Offizier aus dem Hause, woselbst er die Quittung geschrieben, zurückkehrte und das Kommando zum Fertigmachen geben wollte, fallen aus den umliegenden Häusern auf die armen, nichts ahnenden Leute unzählige Schüsse, so daß sofort zwei Mann und drei Pferde todt niederstürzten. Die anderen suchten selbstredend dem Gewehr- feuer zu entrinnen, was denn auch — da kurz vorher ein Unteroffizier mit dem Husar Sch. aus Elberfeld nach einem hinter diesem Dorf gelegenen Gute geritten — dem Offizier und neun Mann gelang. Eine förmliche Jagd wurde von den Bluthunden auf unsere armen Leute gemacht; sie wurden auf freiem Felde unter fortwährendem Schießen verfolgt. Vor dem Dorfe wurden die Husaren von einer seitwärts stehenden Bande mit Schüssen empfangen; es fiel hier noch ein Mann von zwei Schüssen, die seine Brust durchbohrten, ein Schuß hatte seine linke Schulter getroffen, die Kugel blieb zwischen der Luftröhre und dem Herzen sitzen. Der Elberfelder Husar Sch. brachte die Meldung, worauf sofort fünfzig Mann bayerischer Infanterie ausrückten, um diese schreckliche That zu rächen. Wir wurden sofort allarmirt, und cs fanden sich mit leichter Mühe von unserem Detachement 25 Mann, welche wie der Blitz ihre Pferde gesattelt hatten und ungeduldig des Kommandos zum Abmarsch harrten. Uns begleitete noch ein Zug der zweiten Escadron; in flottem Trabe hatten wir den drei Stunden langen Weg in kaum einer Stunde zurückgelegt. Ich kam mit einem Unteroffizier und noch fünf Mann auf die rechte Seitenpatrouille, und wir beeilten uns sehr, erfüllt von Rachedurst, um zuerst am Orte der niederträchtigen Handlung anzukommen, was uns auch glückte. Im Carriere durchjagten wir, den gespannten Karabiner schußfertig in der Hand, die Klinge am Handgelenk, das Dorf kreuz und quer, sahen aber nichts wie Bauern, welche vor den schnaubenden Pferden und den wüthenden Husaren in die Häuser flüchteten; man sah ferner händeringende und flehende Weiber, welche die Folgen zu ahnen schienen; aber wir kannten kein Erbarmen. Gleich nach uns trafen die Bayern und unsere Leute ein;
jedes HauS wurde jetzt durchsucht und wir fanden in einem Hinterhause die Leiche eines unserer Husaren H. aus Spellen bei Wesel, neben ihm den Pfarrer des Orts, welcher die Gebete bei dem Todten verrichtete und demselben Uhr und Geld abgenommen hatte und uns übergab. In dem gegenüberliegenden Hause fanden wir den von drei Kugeln getroffenen Kameraden G. aus Düsseldorf; den 3. Kameraden fanden wir nicht mehr; er wird wohl als leichtverwundet von den schändlichen barbarischen Franzosen mitgenommen sein. Der Todte trug, als Zeichen des Blutdurstes noch 7 schwere Schnittwunden im Gesicht; den so schwer Verwundeten hatten sie noch durch einen Fußtritt auf die Brust und einen Kolben- schlag ins Gesicht (wovon er die deutlichsten Spuren trug), mißhandelt. G. brachten wir Abends noch ins Lazareth nach Mantc«, woselbst er am 2. November an seinen schweren Wunden verschieden ist. — Beide braven Soldaten, welche allgemein beliebt und geachtet waren, sowohl von den Vorgesetzten wie von den Kameraden, und die bis jetzt sämmtliche Schlachten und Gefechte mitgemacht, zu denen unser Regiment kommandirt war, wurden mit militairischen Ehren bestattet. Unser Verlustt war im Ganzen 2 Todte, 1 Vermißter und 6 Pferde. Nachdem wir Alles dcmolirt hatten, wurde das Dorf in Brand gesteckt, und am nächsten Tage wurden die Häuser, welche stehen geblieben, mit Ausnahme einiger, ebenfalls noch in Brand gesteckt. Mehrere Nächte lang war das Dorf ein warnendes Feuer für die umliegenden Ortschaften.
Eine interessante Broschüre französischen Ursprungs, welche man Napoleon zuschreibt, charakteristrt den Krieg, wie er oom Feinde begonnen und verloren worden. Aus derselben bringt die „Trib." folgenden Auszug:
„Der Feldzugsplan des Kaisers, den er zu Paris nur den Marschällen Mac Mahon und Leboeuf anvertraute, bestand darin: 150,000 Mann in Metz, 100,000 Mann in Straßburg und 50,000 im Lager von Chalons zu vereinigen. Die Vereinigung der bdwsn ersten Armeen, die eine an der Saar, die andere am Rhein würde seine Pläne nicht enthüllen, denn der Feind war in der Ungewißheit gelassen, zu wissen, ob der Angriff sich gegen die rheinischen Provinzen oder gegen das Großherzogthum Baden richten würde. Sobald diese Truppen an den bezeichneten Punkten wären zusammengezogen gewesen, gedachte der Kaiser die Armee von Metz mit derjenigen von Straßburg zu vereinigen, und an der Spitze von 250,000 Mann den Rhein bei Maxau zu überschreiten, die Festung Rastatt zur Rechten, Germersheim zur Linken lassend. Auf dem anderen Ufer des Rheins angenommen, würde er die Südstaaten zwingen, die Neutralität zu beobachten, um sich dann zur Begegnung mit den Preußen zu wenden. Während diese Bewegung ausgeführt worden wäre, mußten die 50,000 Mann im Lager von Chalons, unter dem Befehl des Marschalls Canrobcrt versammelt, sich auf Metz wenden, um hier den Rücken der Armee zu decken und die Nordostgrenzcn zu überwachen. Zu gleicher Zeit hätte unsere Flotte, in der Ostsee kreuzend, im Norden von Preußen einen Theil der feindlichen Streitkräfte zur Vertheidigung der durch eine Landung bedrohten Küsten zurückgchalten, und unbeweglich gemacht. Dieser Plan hatte nur Aussicht auf Gelingen, wenn man den Feind an Schnelligkeit übertraf. Man mußte zu diesem Zweck in wenigen Tagen an den bestimmten Punkten nicht nur die gewollte Anzahl Menschen, sondern auch das nothwendige Zubehör vereinigen, als da sind: die Wagen, den Train, die Artillcrieparke, die Brückenequipagen, die Kanonenboote, um den Rheinübergang zu decken, endlich den unerläßlichen Proviant, um eine zahlreiche Armee, welche geschlossen marschirt, zu ernähren."
Nach der „Cöln. Ztg." wird in Paris jetzt Alles aufgegeffen,. sogar die Bären und übrigen wilden Thiere des Jardin des Plantes. Die Bewohner des „Jardin d'Acclimatation" sind schon seit einigen Tagen verspeist. Man glaubt allgemein, daß sich die Hauptstadt nicht mehr lange wird halten können.
Depesche deS Hanauer Kretsblattes, welche nicht durch Extra-Beilage veröffentlicht wurde.
Officiell. Les Errues vor Belfort, den 16. November. Heute früh machten 3 Bataillone mit 6 Geschützen einen Ausfall aus Belfort gegen Bessoncourt. Der Feind wurde mit Verlust von 200 Todten und Verwundeten und 58 Gefangenen zurückgewiesen.
von Treskow.
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des vereinigten evangel. Waisenhauses.
Hierzu die Nr^ 4© der hprovinzial-Correspondenz als Beilage.