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91404 u. 121069 je 40 Fr., auf Nr. 2794, 3843, 25667, 30102, 32274, 34426, 35041, 37882, 38483,44701,57121,65697,84574, 86869, 88138, 94668, 98672, 116303, 120414 u. 124545 je 25 Fr. Die Zah­lung erfolgt am 1. Februar k. I.

Geld - Course.

(vom 15. November.) Preußische Kaffenscheine . . fl. 1. 447/8—45% ,, Friedrichsd'or . . 9. 58—59 ; Pistolen ....... 9. 47—49

„ (Doppelte) 9. 47-49

Holländische fl. 10 Stücke . . Dukaten ....... Napoleonsd'or . . . , . Sovereigns...... Imperiales....... Gold per Pfund fein . , . Dollar in Gold.....

fl. 5. 54-56

5. 35—37

9. 33-34

11. 54-58

9. 48—50 816-21

2. 27-28

Vom Kriegsschauplätze

Julius von Wickede berichtet der „Cöln. Ztg." folgendes Ergebniß auf einer Reise von Epinal nach Vesoul:

In einem Dorfe Agrigoncourt machten wir Halt, um unsere Pferde zu füttern und selbst wo möglich einen gehörigen warmen Imbiß zu nehmen. Unser Erscheinen hier mußte Aufsehen erregen, denn wir bemerkten, wie die Leute bald zusammenliefen, die Kinder und Frauen sich auf einen Haufen stellten und dann auch mehrere Männer aus den Feldern angelaufen kamen. Dabei — wie immer — finstere Blicke und wüthende Gesichter, an die man aber schon in Frankreich so gewohnt ist, daß man nicht weiter viel mehr darauf achtet. In der ziemlich wohlhäbigen Dorfschenke waltete eine statt­liche, einst gewiß sehr hübsch gewesene Wirthin mit entschieden energischem Wesen und schien — wie dies in Frankreich so häufig der Fall zu sein pflegt — eine unbedingte Herrschaft im ganzen Hause M üben. Auf unsere Frage, ob sie uns nicht etwas zu essen verschaffen könne, antwortete sie, ohne ihre üble Gesinnung gegen uns weiter sonderlich zu verbergen, sie habe keine Speisen, und wollte uns dann kurz den Rücken wenden. Schon wollten meine Gefährten mit kräftigen Soldatenflüchen dreinfahren und wo möglich mit Gewalt requiriren, doch beschwichtigte ich ihren Unmuth und bat, mir die weiteren Unterhandlungen zu überlassen. Bei einer Französin erreicht man mit Höflichkeit immer seinen Zweck, und es gibt in ganz Frankreich kein Weib, das sein Ohr einer Schmeichelei verschließt. Ich folgte also der Wirthin, ohne mich an ihre finstere Miene nur im mindesten zu kehren, in die Küche, sagte ihr Artig­keiten über die stattliche Wirthschaft, das hübsche Haus und vor Allem über ihr eigenes Aussehen und wie ihre 12—13jährige Tochter — in der That auch ein reizendes Kind — ganz der Mutter Ebenbild sei, wobei ich es — wie ich nicht läugnen kann — an einigen frivolen französischen Redensarten nicht fehlen ließ. Und siehe da: die finsteren Mienen der Frau erhellten sich immer mehr, sie ward freundlicher und redseliger, wir scherzten und lachten zuletzt, als wären wir seit Jahren die besten Freunde; und — was die Hauptsache war — wir erhielten ein gutes Mahl, aus einem ge­bratenen Huhn, Compot und Omelets bestehend. Dabei ward die Frau, die mir auch erzählt hatte, ihr Bruder sei als Sergeant bei den dritten Garde-Voltigeurs bei Metz gefangen genommen, und der ich versprochen, in Berlin bei dem Central-Bureau später Nach­richten über sein Schicksal einzuziehen und solche ihr mitzutheilen, zuletzt sehr um unsere Sicherheit besorgt und sagte mir, daß die Bauern sich versammelt hätten, um uns gefangen zu nehmen oder bei etwaigem Widerstande sogleich zu tödten. Und richtig, ein Haufe von 30—40 Blousenmännern, mit Spießen, Mistgabeln und theil- weise auch Flinten bewaffnet, kam eben jetzt gegen das Haus gerückt. Jetzt aber war guter Rath theuer, eine Flucht unmöglich, und Widerstand konnten wir sechs Mann, darunter nur zwei mit Ge­wehren, die übrigen mit Säbeln und thcilweise Revolvern bewaffnet, nicht fonberli^, leisten. Ich ging nun schnell dem Haufen entgegen und fragte, was sie wollten, und als mein Schutzgeist folgte die Wirthin mir unmittelbar. Ein wüstes Geschrei, mit allen möglichen französischen Flüchen, Schünpfworten und Drohungen untermischt, empfing mich, ja, einer der Kërle, so recht ein kleines, miserabcls Geschöpf mit schiefen Beinen, krummem Rücken, erbsengelbem Ge­sicht und struppigem Haupthaar unter der schmutzigen weißen Zipfel­mütze — ohne Zweifel der Dorfschneider —, legte wiederholt seine lange Vogelflinte, die größer als der ganze Knirps war, auf mich an und schwur im Ramen der glorreichen französischen Republik und der fraterjiité, égalité unb liberté, die jetzt ganz Frankreich be­herrsche, daß wir erschossen, gehängt, gespießt und ich weiß nicht was noch weiter werden sollten. Unwillkürlich zuckte es oft in meiner Faust, dem Halunken ein Paar derbe, gut mecklenburgische Maulschellen für sein Geschwätz zu geben; doch bezwang ich noch rechtzeitig diese Aufwallung. Ohne auf all dieses Geschimpfe nun weiter zu hören, sagte ich mit ruhiger Miene den Bauern: daß wir sechs Mann in ihrer Gewalt uns befänden, sei sicher, sic möchten aber wohl bedenken, was für Folgen es für ihr Dorf haben würde, wenn sie uns auch nur die mindeste Unbill zufügten. Der König

von Preußen habe so viele Soldaten, daß eS auf uns sechs Mann mehr oder minder nicht weiter für ihn ankäme; wenn ihr ganzes Dorf aber niedergebrannt würde, so sei dies eine sehr böse Sache für die gestimmte Einwohnerschaft. Es würde morgen eine starke Colonne unserer Truppen hierher kommen und nach uns forschen; wären wir hier von den Einwohnern gefangen genommen; so würden für jeden für uns drei Häuser niedergchrannt, wie dies in Baccarat und anderen Orten schon geschehen sei; wären wir aber gelobtet worden, so würden dafür auch alle in unserer Gefangenschaft befind­lichen Angehörigen des Ortes unfehlbar erschossen werden. Meine ruhige Rede verfehlte ihre Wirkung nicht: die Parteien fingen an sich zu theilen, eine lebhafte Discussion über unser Schicksal, nach echt französischer Art mit vielem Geschrei und so unnöthigem Pathos geführt, daß ich unwillkürlich trotz unserer kritischen Lage darüber lachen mußte, begann, die resolute Wirthin trat sehr energisch auf unsere Seite, der blutdürstige Schneider ward zuletzt mit großer Majorität überstimmt, und es ward beschlossen, daß der „Curé“ des Dorfes — bei den französischen Gebirgsbauern stets die höchste Autorität in allen Dingen — über uns entscheiden solle. Dieser ward nun von einem Spaziergänge zurückgcholt und trat zu uns. Er schien ein ganz vernüftiger Mann zu sein und ich theilte ihm meine Ansicht mit, waS das Schicksal des Dorfes sein würde, wenn man uns nicht ungehindert weiter reifen ließe. Er sah deren Richtigkeit vollkommen ein, befahl den Bauern, daß sie sich zerstreuen und uns weiter fahren lassen sollten, ja, setzte sich sogar zu unserem Schutze selbst mit auf unseren Wagen. Von der resoluten Wirthin nahm ich freundlichen Abschied, ja, gab ihr, da wir gerade allein in der Küche uns befanden, noch einen herzhaften Kuß auf ihre vollen, rothen Lippen.

„Monsieur le Curé“ hielt sein Versprechen und brachte uns ungefährdet in das nächste Dorf, wo er uns wieder einem Amts­bruder zur weiteren Beschützung übergab. So haben wir die "Es­corte von drei verschiedenen Geistlichen genossen und in allen ferneren Ortschaften, die wir passirten, erhielten wir zwar noch viele böse Mienen, wurden aber weiter nicht verfolgt und erreichten glücklich und ohne weiteres Ungemach Vesoul.

Wer in den französischen Dörfern die Pfarrer und Frauen für sich hat, der hat auch schon entschieden gewonnen, denn beide üben dort eine unbedingte Herrschaft aus.

Eine denkwürdige Episode des Schlachttages von ChâdeaudUlk ist mir aus glaubwürdiger Quelle erzählt worden. Ein Zug bayerischer Artillerie hatte in der Hitze des Gefechtes seine Mu­nition fast vollständig verschossen, und die Geschütze hätten sich nun, nach gewöhnlicher Vorschrift, aus der Schlachtlinie zurückziehen müssen. Der Befehlshaber des Zuges, Lieutenant Pet^r Wieckmanti, war anderer Ansicht. „Wenn wir retiriren," sagte er zu seiner Mannschaft, „so geben wir eine wichtige Stellung preis, und die Franzosen werden neuen Muth schöpfen. Es mag eine Stunde dauern, bis wieder Munition für uns eintrifft. Wohlauf, Kame­raden, zeigen wir dem Feinde, daß wir in bester Laune sind, stimmen wir jubelnd an das Lied von der Wacht am Rhein!" " Und in brausendem Chore wogten die Klänge des Liedes zu den Franzosen hinüber, bis nach Verlauf von drei Viertelstunden neue Munition anlangte und die Kanonen wieder ihre Salven versenden konnten. (Trib.)

Depesche des Hanauer Kreisblattes, welche nicht durch Extra-Beilage veröffentlicht wurde.

Officiell. Versailles, den 12. November. Im Ge­fechte des Generals v. d. Tann am 9. d. M. wurden sämmtliche Angriffe des Feindes mit großem Verluste für denselben zurückge­wiesen und erst hierauf der Abmarsch angetreten. Am 10. Mittags' verirrte sich eine Abtheilung der bayerischen Munitions-Reserve, bei welcher sich Reserve-Geschütze befanden, und fiel in die Hände des Feindes. Am 12. wurden keine Bewegungen der Loire-Armee gemeldet; auch ist vor Paris nichts vorgefallen.

von PodbielSky.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des vereinigten evangel. Waisenhauses.