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Vom Kriegsschauplätze.

Nach cfftcitßcr Anzeige hat die Artillerie der 18. (schleswig- Holsteinischen) Division am 18. August alle Stabsosfiziere, alle Adjutanten, I aller Batteriechefs, | aller Offiziere, | aller Geschütz­führer, I aller Soldaten, -|| aller Pferde an Todten und Verwun­deten eingebüßt. Einem Kanonier wurden 12 Pferde unter dem Leibe erschossen, was ihn nicht hinderte, am Abend nach beendigter Schlacht sein Geschütz mit zwei mittlerweile herbeigeschafften Pferden in das Bivouak zurückzuführcn. Der Brave erhielt nicht nur das Eiserne Kreuz, sondern auch „als einer der Tapfersten der Armee" eine königliche Geldprämie. «Köln. Zig.)

Ueber die Zerstörung des Ortes Ablis, welche in Nr. 87 des Krcièblattes auch mitgetheilt wurde, bringt der Staatsanzeiger folgende Berichtigung: „Bezüglich deö in der Nacht vom 7. zum 8. Oktober Statt gehabten Ueberfalles einer Husaren-Schwadron im französischen Dorfe Ablis und der am nächsten Tage in Folge beffen erfolgten Nicdcrbrennung dieses Ortes ist in einem vom Kreis- blatt für Westhavelland abgedruckten Schreiben eines angeblichen Husaren, welches in mehreren Blättern reproducirt worden ist, die Größe dieses Ortes mit den Worten „eine hübsche Stadt von 6000 Einwohnern" bezeichnet worden. Diese letztere Angabe ist unbe­gründet. Das am 8. d. M. in Brand gesteckte Ablis, ein Dorf im Departement Seine et Oise, zählte vor Ausbruch des Krieges annähernd 1000 Einwohner. Von der in dem fraglichen Schreiben erwähnten „befohlenen Plünderung" ist gleichfalls nichts vorgekom­men, so daß ein großer Theil des Inhalts jenes Briefes der Phantasie des Schreibers zur Last gelegt werden muß."

Ueber die jetzige Kriegslage schreibt die "Tribüne" unter Anderem: Die Eroberung von Metz wird, falls sie nicht direkt den Frieden herbeiführt, die ganze Situation auf dem Kriegsschauplätze muthmaßlich sehr verändern.

Die französische Regierung konnte durch fortgesetzten Wider­stand immer noch die eitle Hoffnung hegen, der Marschall Bazaine werde sich durchschlagen oder die Armee desselben sei mit der mäch­tigen Festung, dem. großen Waffenplatz, Frankreich zu erhalten. Diese schwache,, aber immerhin mögliche Hoffnung konnte die Or­ganisation der letzten Widerstandskräfte rechtfertigen, man wußte über 150,000 Mann im Rücken des Feindes, im Besitz ungeheurem Kriegsmaterials, großartiger Werkstätten re. War man auch auf deutscher Seite davon überzeugt, daß Metz fallen müsse, so ist cs dem Gegner nicht zu verdenken daß er sich an die letzte Hoffnung klammerte und sich zu sanguinischen Illusionen verleiten ließ.

Jetzt ist Metz gefallen, eine Festung hundert Mal stärker als Paris, mit einer Armee, mit welcher sich die Besatzung von Paris - nicht vergleichen kann.

Wird der Friede jetzt nicht von Frankreich erbeten, so ist die Hauptaufgabe unseres Heeres jetzt weniger die Einnahme von ' Paris, als die Vernichtung aller im Entstehen begriffenen Heer­körper zum Entsätze dieser Stadt, die Zerstörung aller feindlichen Hülfsquellen, die Occupation deS Landes.

Paris ist cernirt. Ob cs heute fällt oder in acht Tagen oder in acht Wochen, ist gleichgültig, sobald die provisorische Regierung ; den Krieg jetzt noch fortsetzt. Immer wird eine Armee nöthig sein, auch das eroberte Paris in Ordnung zu halten. Während wir jedoch bisher nur um unsere Flanken zu decken und Requisitionen auszuführen, Seitendetachements vorschickten und diese in ihrem Rücken kaum genügten einen occupirten Landstrich festzuhalten, wird man jetzt energisch gegen die Provinzen Frankreichs, die noch ver­schont geblieben und aus denen die feindliche Regierung ihre Kräfte zum Widerstände ziehen will, operiren können.

Die Eroberung von Paris kann sehr gut mit größtmöglichster Schonung unserer Truppen betrieben werden, man kann den Hunger seine entsetzliche Arbeit beginnen lassen und sich begnügen, die Forts zu zerstören. Hauptsache ist jetzt, dem feindlichen Lande die Kräfte zu vernichten, mit denen es neuen Widerstand zu organisiren hofft und dazu ist eine Armee disponibel geworden, der Frankreich kaum nennenswerthe Kräfte entgcgenstcllen kann.

Obwohl unsere Detachements überall den Feind geworfen, konnten sie sich doch nicht zu weit vorwagen, waren nicht stark genug, um als selbstständige Armeen operiren und die direkte Ver­bindung mit der Hauptarmee festhalten zu können, wenn sie tiefer

in das Innere des Landes vordrangen. Dazu gehört Besetzung der Etappenstraßen durch starke Abtheilungen, Occupation des ganzen Gebiets zwischen dem vorgehenden Detachement und der Hauptarmee. Jetzt ist dies möglich geworden, und wenn Frankreich damit geprahlt, daß selbst der Fall von Paris den Frieden nicht herbeiführen werde, so werden jetzt vielleicht die Provinzen denselben früher erbitten, als Paris capitulirt.

Einen beklagenswert hen Unglücksfall berichtet ein Portepee-Fähnrich aus C O. Orlly unterm 11. d. M.: „Eine Granate", schreibt derselbe, „die uns die Herren Franzosen über­schickt hatten, war mitten auf unserer Dorfstraße liegen geblieben, ohne zu krepircn. Da das Ding nack Verlauf einer Stunde immer noch ruhig dalag, so sammelten sich neugierige Soldaten, um das­selbe ganz in der Nähe zu betrachten. Ta sich die Granate beim Betrachten natürlich auch nicht änderte, wurden die Leute dreister und stießen das Projectil mit dem Fuße umher. Auch jetzt platzte sie nicht — und nun waren die Soldaten überzeugt, daß sie über­haupt unschädlich sei. Ein 38er nahm die Granate in die Höhe und war im Begriffe den Zünder herauszuschrauben, als das Ge­schoß plötzlich in seinen Händen crepirtc. Dem Unglücklichen wurden beide Arme und die Füße vom Leibe gerissen, von den Umherstehen­den dem Einen ein Bein, dem Ander» ein Arm zerschmettert — kurz, es war ein schrecklicher Augenblick! Derjenige, dem Arm und Bein abgerissen waren, lebte noch eine Viertelstunde bei vollem Bewußtsein, obgleich er neben der gräßlichen Verstümmelung auch noch am ganzen Körper Brandwunden erhalten hatte. Einer der anderen Verletzten starb beim Transport ins Lazareth, ein zweiter bald nachdem er dahin gebracht war und sechs Andere sind noch schwer verwundet im Lazareth. Ich selbst saß mit meinem Feld­webel vor der Thür an der Straße, als die Explosion kaum 200 Schritte von uns erfolgte." ($ti6i)

Nach einer Zusammenstellung, welche eben im Kriegs-Ministerium gemacht ist, beläuft sich die Anzahl der deuschen Soldaten, welche sich gegenwärtig auf französischem Boden befinden, auf 856,000 Mann, von denen auf Preußen und den Norddeutschen Bund 740,000 Mann kommen.

Depeschen des Hanauer Kreisblattes, welche nicht durch Extra-Beilage veröffentlicht wurden.

Versailles, 27. Oktober. (Verspätet und per Post eingc- gangen.) Ein württembergisches Streifkommando hat nach sieg­reichen Gefechten bei Montereau und Nangis Franctireurs zersprengt und Mobilgardcu aufgelöst. Der Feind verlor eine Mitrailleuse, eine Kanone und über 100 Mann an Todten und Verwundeten. Diesseitiger Verlust 1 Fähndrich und 9 Mann.

Versailles, 28. Oktober. (Verspätet und per Post einge­gangen.) Seine Majestät der König haben den General Freiherrn von Moltke in den Grafcnstand zu erheben geruht. — Bei der im gestrigen Telegramm erwähnten Württembergischen Expedition wurden 5 Offiziere und 297 Mobilgarden gefangen und außerdem in Montereau 300 Nationalgarden entwaffnet. Diesseitiger Verlust 1 Fähndrich und 9 Mann todt, 1 Stabsoffizier, 1 Lieutenant und 10 Mann verwundet. — Vor Paris Alles unverändert.

von Podbielsky.

Officiell. Versailles den 30. Oktober. Seitens der Maas-Armee wird gemeldet: Am 28. vertrieb der Feind die in Le B o urge östlich von St. Denis stehenden diesseitigen Vorposten. Gegen Abend durch Recognoscirung der zunächst stehenden Replis constatirt, daß der Feind den Ort mit sehr starken Kräften besetzt hielt. In Folge dessen griff die 2. Garde-Jnfanterie-Division am 30. an und warf nack heftigem und glänzenden Gefecht den Gegner aus der von ihm inzwischen besetzten Position. Bis jetzt über 30 Offiziere und 1200 Gefangene in unseren Händen. Diesseitiger Verlust noch nicht festgestellt, aber nicht bedeutend.

von Podbielsky.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des vereinigten evangel. Waisenhauses.