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Ueber den Ueberfall in Ablis gibt der Brief
ren der Rathenauer Garnison, wie die „Trib." mittheilt, folgendes Nähere: Rambouillet, 9. Oktober. Hier auf dem Kasernenhofe liegend, ergreife ich den Bleistift, um einige Worte an Euch zu richten. Das Ereigniß des gestrigen Tages ist zu schrecklich, als daß ich Euch es nicht beschreiben sollte. Wie Ihr bereits erfahren haben werdet, wurde in der Nacht vom 7. zum 8. Oktober die 4. Escadron des schleswig-holsteinischen Husaren-Regiments Nr. 16 im Cantonnement auf Vorposten von Mobilgarden überfallen und bis auf 48 Mann und 12 Pferde vollständig niedergemacht. Der Ueberfall geschah Morgens halb vier Uhr, die vor der Escadron liegende bayrische Feldwache in der Stärke von 60 Mann wurde zurückgedrängt. Die Stadt Namens Ablis wurde von drei Seiten mit einem Male angegriffen, die 3 Ställe, welche die Husaren inne hatten, sofort umzingelt und schon beim Satteln der Pferde wurden Mannschaften und Pferde zusammengeschoffen, da sämmliche Schüsse blindlings durch Luken und starkbesetzte Stallthüren gegeben wurden. Die Husaren vertheidigten sich durch Schießen mit dem Karabiner, so gut es ging und sie nur konnten; doch endlich die Nutzlosigkeit aller Gegenwehr einsehend, flüchteten sie einzeln, auch mehrere zusammen, über Mauern kletternd, nach dem nahen Gehölz und entkamen auf diese Weise diese 48 Mann. Die Offiziere, welche ihre Pferde in einem etwas abseits liegenden Stall hatten, haben sich
Vom Kriegsschauplätze
ibt der Brief eines Husa- vergangene Nacht ausg<
vergangene Nacht ausgeführt haben. Unsere Compagnie hat diese Nacht 1| Stunde vor Paris und 400 Schritte vor den feindlichen Vorposten 40 Eisenbahnwaggons weggeholt. Wir gingen langsam heran und schoben die Wagen vorsichtig zusammen, gingen dann zu zwei, drei und vier Mann, je nachdem es nöthig war, an einen Waggon und schoben sie einzeln an den französischen Vorposten der Länge nach vorbei, über eine Stunde weit, und überlieferten
gerettet, nur ist der Rittmeister verwundet.
Wir wurden, als
diese Nachricht bei uns eintraf, allarmirt und sofort rückte die Brigade nebst Artillerie und einer Compagnie bayerischer Jäger nach dem 2| Meile entfernten Städtchen. Dort wurde der Befehl zum Plündern und Demoliren gegeben, alle Lebensmittel und Fourage herausgeschafft, ebenso Vieh, und dann von unseren Husaren jedes einzelne Haus, auch die in der Umgebung befindlichen Gehöfte, Holzgamben und Heu- und Strohschober in Brand gesteckt, und ist also die ziemlich hübsche Stadt von ca. 6000 Einwohnern in einen Aschenhausen verwandelt.
Den Weibern, Kindern und Greisen wurde eine halbe Stunde vor dem Jnbrandstecken dies eröffnet, damit sie noch Zeit hatten, abzuziehen. Männer wurden nicht verschont, sondern erbarmungslos erschossen oder niedergehauen. Bis spät in die Nacht hinein schlug die hohe Lohe gen Himmel. Es war dies ein Tag, wie er wohl selten in der Weltgeschichte verzeichnet steht, und wird gewiß die Welt darüber schreien. Doch gerechte Strafe war es, denn wisset, die noch lebendigen Husaren mußten sich gegen Mauern stellen, wurden erschossen und dann auf Wagen geladen, damit diese Bande sich die auf jede preußische Leiche ausgesetzte 50 Thaler Prämie konnte auszahlen lassen. Nur zwei versteckte todte Husaren wurden aufgefunden, sonst waren sämmtliche Husaren, Pferde und Gepäck auf Wagen fortgeschafft. ,Ja, es ist schrecklich, und die Feder vermag diese That nicht zu beschreiben.
Im „Pays" werden die Kriegskosten und Verluste Frankreichs durch den gegenwärtigen Krieg in folgender Weise berechnet:
Kriegsrüstungen von 1868 bis 1870
Zerstörte und wieder aufzubauende For- tifikationen.........
Verluste an Gewehren, Kanonen und anderem Kriegsmaterial, das die Deutschen zerstört oder erbeutet . . . .
Zerstörung Seitens der Franzosen und des Feindes an Gebäuden, Feldern rc.
Gänzlicher oder theilweiser Ruin von Industriellen und Grundeigenthümern
Kriegsentschädigung an Deutschland . .
Verluste in Folge der Nachwirkung aller dieser Unglücksfälle......
1
14
14
2
1
24
2
Milliarde
Fres.
y
In Summa 11| Milliarde Frcs.
Mithin über Drei Milliarden Thaler!
Trotz dieser Opfer, die der Krieg schon gekostet, treibt der Wahnsinn die Männer der provisorischen Regierung zu weiterer Gegenwehr, und ist die Folge davon das Vorgehen der Deutschen gegen bisher vom Kriege verschont gebliebene Departements. (Trw.)
Die „Cöln. Ztg." schreibt: Aus Mont Jblon, 15. Okt., geht uns folgender Auszug aus einem Briefe eines Gefreiten der 12. Compagnie 4. Garde-Grenadier-Regiments Königin Augusta zu: „Heute kann ich Dir von einem Handstreiche erzählen, den wir
sie dann den Sachsen, welche links von uns liegen, gingen dann wieder zurück, um neue zu holen, und zwar so oft, bis sämmtliche Waggons in unserem Besitz waren. Bei der ganzen Geschichte ist nicht einmal ein Schuß gefallen, was uns eben so sehr wundert, entweder haben die Posten geschlafen oder sie waren zu bange, daß sie vorkamen, denn sonst beim geringsten Geräusche schießt das Volk als wenn es toll wäre."
Ein Trompeterstückchen theilt die Aschaff. Ztg. aus dem Briefe des Hornisten des 10. Jägerbataillons Fr. J. Freund an seine Eltern in Damm, aus Sceaux, 13. Oktober, mit:
Am vorigen Dienstag wurde mir vor versammeltem Armmeecorps der k. b. Verdienstorden angehängt, und zwar vom Herrn Generallieutenant Bothmer; diesen Ehrentag feierte ich festlich. Vom Oberstlieutenant bis zum jüngsten Lieutenant wurde mir gratulirt zu dieser ehrenvollen Auszeichnung. Von meinem Hauptmann bekam ich eine Flasche vom besten Wein, von meinem Oberstlieutenant Wein und Cigarren. Gestern machten die Franzosen einen Ausfall, und zwar gegen Chlltillon und Bagneux. In Bagneux war nämlich das 5. Jägerbataillon auf Vorposten. Früh 7 Uhr fuhren die Franzosen mit ihrem Feldgeschütz auf und feuerten in die Stadt Bagneux hinein. Das 5. Jägerbataillon konnte sich nicht mehr halten und zog sich unter großen Verlusten zurück. Die Franzosen besetzten Châtillon und Bagneux. Jetzt kam bei uns Befehl zum Vorrücken, wir hatten gerade Kaffee getrunken und Fleisch gefaßt zum Kochen. Wir rückten mit unserer Brigade nach Chlltillon und Bagneux vor. Es entwickelte sich ein heißer Kampf; so viele Granaten und Kanonenkugeln flogen auf uns, daß es schauderhaft war. Unsere Artillerie war auch betheiligt und wir 10. Jäger schossen tüchtig und wichen nicht von der Stelle. Unser Oberstlieutenant befand sich an der Spitze. Wir bereiteten einen Angriff auf die Franzosen vor und gebrauchten eine Kriegslist, wovon der Stabshornist der Erfinder war. Er fand nämlich ein französisches Signalbuch und lehrte uns das Signal „Rückwärts". Ich hatte ihn ausgelacht und sagte, das brauchen wir doch nicht. Jetzt mitten im Granatenregen nahm ich eine 6-Trompete, weil diese so stimmte, und ging so weit vor, daß ich in feindliche Stellung gerieth. In einem Gartenhause versteckt, blies ich unter der größten Lebensgefahr so lange „Rückwärts", bis die Franzosen auch schleunigst den Rückzug nahmen. Sie liefen zurück und wurden von unseren Leuten noch so beschossen, daß noch mehr als 300 ihr Leben lasten mußten. Ich hatte nämlich die Trompete so gehalten, daß die Franzosen glaubten, von ihren Leuten würde Rückzug geblasen. Das 10. Jägerbataillon hatte also das Glück, wieder einen glanzvollen Sieg zu feiern. Es wird für mich eingegeben werden für die silberne Tapferkeitsmedaille. Wie wir dann die Stadt genommen hatten, schossen die Franzosen noch zwei Stunden auf uns. Die Stadt lag voll von Verwundeten und Todten, denn wir hatten beiderseitig große Verluste, die Franzosen jedoch doppelt so große. Abends 7 Uhr schwieg Alles und der heiße Kampftag war beendet. Unser Oberstlieutenant geht überall hin und scheut keinen^ Granatregen; da kann man es Glück heißen, wenn man mit dem Leben davon kommt. Nachts nahm mich mein Oberstlieutenant mit, wir inspicirten alle Stellungen. Da sagte er zu mir die Worte, die er Keinem so leicht sagt: „Sie sind mein Freund und bleiben mein Freund." Nachts 1 Uhr kamen wir zurück und dann begab ich mich zur Ruhe. Heute sind wir wieder in unserer Garnison Sceaux eingerückt. Es fehlt uns bis jetzt, Gott sei Dank, nichts. Lebensmittel gibt es noch genug, und gestern bekam ich wollene Socken, Unterhosen und ein wollenes Hemd.___________________ .
Depesche des Hanauer Kreisblattes, welche nicht durch Extra-Beilage veröffentlicht wurde.
Officielle Militärische Nachrichten. Versailles den 28. Oktober. Gestern Abend ist die Capitulation unterzeichnet und das Victoriaschießen direct in Berlin befohlen. Am 29. also nicht am 27. werden die Stadt und die Forts besetzt. Gefangene sind 173000, 3 Marschälle, über 6000 Offiziere. Wilhelm.
Gedruckt und verlegt in der Buckdruckeret des vereinigten evangei. Waisenhauses.
Hierzu die Mr. 48 der Provinzial Korrespondenz als Beilage.