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Vom Kriegsschauplätze.
Auf der Wahner Haide bei Cöln verhandelte einer der dortigen französischen Gefangenen einem Besucher des Zeltlagers sein Ehrenzeichen mit der Inschrift „Valeur et Discipline“, mit dessen Besitz eine Rente verbunden fein soll, für 2 Thlr. 10 Sgr. Der Tapfere wird bei seiner einstigen Heimkehr wohl sagen, daß ihm die verfl. Preußen das Kleinod abgenommen hätten.
Als der Erfinder der in der jüngsten Zeit viel genannten bayerischen Kugelspritze, oder wie sie im Soldatenmunde heißt, Kartätschenorgel, wird von der Donau-Ztg. ein Niederbayer, der Gütlersohn Joh. Feldl von Forsthart, Ldg. Osterhofen, bezeichnet. Er lernte zuerst das Schmiedehandwerk in Gainstorf, ging dann nach München in die Rathgeber'sche Wagenfabrik und verwendete daselbst seine übrige Zeit und seine Ersparnisse für weitere Ausbildung im Zeichnen und in der Technik.
In Tours wurden am 7. Oktober Versuche mit Luftballons gemacht, nach denen geschossen wurde. Es ergab sich, daß bei 1000 und 1200 Meter mehrere Kugeln trafen, doch daß bei 2500 Meter Erhebung die Luftschiffer, welche Depeschen besorgen, von den feindlichen Kugeln nichts zu fürchten hätten.
Die baldige Beendigung des Krieges war nach der Einschließung des Marschalls Bazaine und Gefangennahme der Armee Mac Mahons für Jeden voraussichtlich, der unter Erwägung aller Umstände allein aus Thatsachen folgert. Die Widerstandskraft Frankreichs war gebrochen, das Land mußte sich dem ihm diktirten Frieden unterwerfen.
Wenn dies nicht geschehen ist, so beweist das nicht, daß wir falsche Schlüsse gezogen, sondern nur daß wir eine Möglichkeit unbeachtet gelassen und das ist die, den Gegner wahnsinnig handeln zu sehen.
Den Widerstand ausgeben, ehe jede Aussicht auf einen glücklichen Umschwung der Verhältnisse verloren ist, wäre feig; wahnsinnig aber ist es, sich dem Verderben preiszugeben, wenn man noch' mit Ehren eine erträgliche Existenz retten kann.
Frankreich war nach der Schlacht bei Sedan in dieser Lage, es konnte die Schuld seiner Niederlage auf daS gestürzte Kaiserreich wälzen und sich einen Frieden erkaufen, in dem zwar Vieles geopfert wurde, der aber dem Lande die Möglichkeit bot, rasch die Wunden des Krieges heilen zu lassen, die geretteten Kräfte zu sammeln und binnen Kurzem wieder als eine immerhin sehr respec- table Macht dazustehen. Die Wuth darüber, daß der siegreiche Gegner hohlen Versprechungen nicht traut uno reelle Garantiern in Opfern fordert, hat Frankreich zu dem Wahnsinn getrieben, einem Manne zu gleichen, der, weil ihm ein Lieblingsplatz zerstört ist, nun das eigene Haus zerstört, der um dem stärkeren Nachbar, den er gereizt, einen neuen Possen zu spielen, sich selbst ruinirt und in trotziger Verzweiflung sagt: Ich gehe , zu Grunde, aber Du sollst - keine Ruhe haben.
Wie weit dieser Wahnsinn gehen wird, ist unberechenbar, denn es herrscht in Frankreich jetzt die besitzlose Klasse, die nichts zu verlieren hat und bei der allgemeinen Verwirrung nur gewinnen kann. Diese besitzlose Klasse opferte die herrliche Umgegend von Paris, die schönen Prachtbauten, die Wälder, Brücken, Schlösser, sie opfert vielleicht auch die Stadt und anstatt diese wahnsinnige Menge, die nicht an das Elend der Zukunft denkt, das unausbleiblich ist, auch wenn selbst der Feind durch ein Wunder geschlagen würde, anstatt diese Menge zu belehren und zur Vernunft zu bringen, gefallen sich selbst gebildete Franzosen, fast die gesammte fresse und eine Schaar von verrückten Phantasten darin, das Wüthen im eigenen Fleisch als bewundernswerthen Heroismus zu preisen. Man er- muthigt die Vorposten mit erlogenen Siegesnachrichten und kindischem Geprahle mit Erfindungen, die den Feind vernichten werden, das Albernste wird von dem eitlen närrischen Volke geglaubt, die Phrase hat ja stets in Frankreich regiert. Wo nur Halbbildung ist, da triumphirt der Aberglaube, da findet jedes Gerücht guten
Boden, da glaubt man bei Hellem Tage an Wunder, Hoffnungen wuchern wie Unkraut empor.
Dem Wahnflnn dieses Vergnügens am Selbstzerfleischen gegenüber hört jede Berechnung auf; ein so großes und kräftiges Land wie Frankreich kann den Volkskrieg sehr lange führen, wenn es ihm gleichgültig ist, wie viel dabei zu Grunde geht, es wird die furchtbare Bedeutung seiner Beschlüsse erst kennen lernen, wenn der Krieg vorüber und seine Wunden offen daliegen. Frankreich thut mehr als die härteste Friedensbedingung ihm auferlegen könnte: es zerstört systematisch alle seine Kräfte und macht sich unschädlich für Decennien. Der Admiral Fourichon hat seine Demission gefordert, alle Fachmänner ziehen sich von der wahnsinnigen Aufgabe zurück, die man ihnen zumuthet. Die Regierung verlegt ihren Sitz von Tours nach Toulouse also an die südliche Grenze des Reiches.
($ttb.)
Nach Berichten aus Rouen herrscht nach der „Cöln. Ztg." in der Nordmandie nur sehr wenig Begeisterung für die Fortsetzung des Krieges. Die Bewohner dieser Gegenden sind Leute, welche überlegen, und sie haben eingesehen, daß jeder weitere Widerstand nutzlos ist, zumal die Leute, welche die Geschicke Frankreichs heute leiten, der Lage keineswegs gewachsen und die Verhältnisse auch ganz andere sind, als 1793, wo es einer Massenerhebung gelang, den Feind aus Frankreich hinauszuwerfen. Was die Normandie anbelangt, so lind die Präfeeten und Generale, welche die Republik dorthin gesandt, dazu noch ganz unfähige und energielose Leute; nur Estancelin, der Ober-Commandant der Nâtionalgarde dieser Provinz, legt großen Eifer an den Tag, aber er besitzt nicht die geringsten militärischen Talente, und sein guter Wille wird nur wenig dazu beitragen, die Preußen zu verhindern, sich, wenn sie es wollen, der Normandie zu bemächtigen. Sein Wirken wird um so geringeren Erfolg haben, als es der Majorität der Bevölkerung der Normandie schon ganz recht wäre, wenn sie durch die Ankunft der Preußen gezwungen würden, die Waffen niederzulegen und sich ihren Geschäften wieder zu widmen. Wie diese Berichte ferner melden, ist jedoch der Geist in der Bretagne ein sehr kriegerischer. Dort soll die „Levée en mässe“ eine Wahrhei sein. Dieses darf jedoch nicht verwundern, da die Bewohner dieser Provinz in den Händen der Geistlichkeit sind, welche den Kreuzzug gegen die ketzerischen Preußen predigt.
In dem Städtchen Vezelise wurden die Häuser überfallen, in denen fünf Gendarmen im Quartier lagen; zwei von ihnen wurden verwundet und sie alle fortgeschleppt. In beiden Orten wurden die Häuser, auf die der Ueberfall geschah, in Asche gelegt. Die betreffenden Maires, ein Theil des Geywinderaths und je zwei Geiseln im Alter von 14—15 Jahren wurden gestern zugleich mit der Leiche des in Flavigny ermordeten Gendarmen hier eingebracht. Sind bis zu einem gewissen Termine die Uebelthäter nicht ausgeliefert, so sollen Gemeindebeamten und Geiseln erschossen und die Ortschaften vollständig eingeäschert werden. Flavigny ist außerdem eine Kontribution von 50,000 Francs auferlegt. ($rt6.)
Privat-Depeschen des Hanauer Kreisblattes, welche nicht durch Extra-Beilagen veröffentlicht wurden.
Officiell. Versailles, 13, Oktober. Die Franzosen haben das Schloß St. Cloud, welches diesseits verschont wurde, ohne jede Veranlassung in Brand geschossen; zehn Bataillone derselben machten einen Ausfall, welcher vom 2. bayerischen Corps mit Leichtigkeit abgewiesen wurde. Diesseitiger Verlust 19 Mann, von Podbielsky.
Officiell. Venizel, 13. Oktober. Die förmliche Belagerung von Soisson begann gestern, die von Verdun heute, Beide Plätze zeigen zahlreiche, gut bediente Artillerie.
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des vereinigten evangel. Waisenhauses.
Hierzu die Nr 41 der Provinzial Correfpondenz als Beilage.