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den Feind zurückwarf, die 3. bayerische Division entschied den Sieg, indem sie die befestigte Stellung bei Moulin erstürmte. Die Aus­dehnung dieser Verschanzung betragt auf der nach Süden gerichteten Frontseite 140, in der Flanke 110 Schritt, der Graben ist 20 Fuß breit und 12 Fuß tief. Die mittlere Distanz von der Schanze bis zu den Forts von Vanvres und Montrouge beträgt 3000 Schritt. Die Höhe von Moulin la Tour eignet sich vortrefflich zum Ueber- blick über ganz Paris und seine nächste Umgebung. Es ist daher ein Observatorium in der Schanze eingerichtet, und wird an der Schanze fleißig gearbeitet, um sie nunmehr als einen Hauptstützpunkt der Paris Belagernden, auf der Nordseite gegen die Forts hin, zu schließen. Es wird bestätigt, daß die Franzosen mit dem inneren Ausbau der Schanze noch lange nicht fertig waren, als sie ihnen entrissen wurde.

Am 30. September haben die Franzosen, wie bereits durch Extrablatt gemeldet, einen größeren Ausfall aus Paris versucht, sind aber, ohne ihren Zweck zu erreichen, mit blutigen Köpfen wieder heimgeschickt. (Der Verlust betrug 1200 Mann an Todten und Ver­wundeten und 300 Gefangenen.) Was die Franzosen mit ihrem Angriff eigentlich bezweckten, kann man augenblicklich nur vermuthen. Nach allem Anscheine, meint die „N. A. Ztg.", hat es sich für die Franzosen darum gehandelt, jene Positionen im Süden von Paris wieder zu erringen, die ihnen am 19. entrissen worden sind und von denen sie wohl mit Recht vermuthen, daß ihnen dieselben in preußi­schem Besitz ehestens außerordentlich unbequem sein werden. Das einzige Resultat des Ausfalles war eben wilde Flucht der Franzosen und starke Verluste; die schönen Proklamationen Trochu's und Gambetta's, die Drohungen, die nach der Affaire vom 19. d. M. gegen neuer­liches Davonlaufen bei einem neuen Zusammenstoß erhoben wurden: alles ist unbeachtet geblieben und die Pariser haben Gelegenheit ge­habt, sich durch unmittelbaren Augenschein zu überzeugen, daß die preußischen Soldaten sich eben so wenig durch großspurige Redens­arten als durch Chassepots und Mitrailleusen von Paris fortgraulen lassen.

Unsere Truppen verschanzen ihre Stellungen vor Paris und richten sich dort häuslich ein, um schlimmsten Falls den Winter dort zuzubringen, wir bleiben jedoch bei unserer Ueberzeugung, daß die Sprache der Belagerungsgeschütze von überraschender Wirkung sein wird: daß die ersten Bomben das Aufstecken der weißen Fahne er­zwingen werden.

Die in Straßburg genommenen 50 Lokomotiven führen die dort nicht mehr nöthigen Geschütze nach Paris. Der Angriff auf Soissons hat begonnen und indem man auch gegen Tours und Orleans vor­geht, wird das ganze Herz Frankreichs preußisch occupirt. Der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin ist Generalgouverneur zu Rheims geworden und leitet die Verwaltung der besetzten französischen Gebietstheile.

— Lassen Sie mich noch mit ein paar Worten auf dem Empfang der norddeutschen Truppen in unserem Lande zurückkommen. Von Rastadt aufwärts hatte man bisher noch keine Preußen bei sich ge­sehen und sich daher an mehreren Orten den Halt derselben zur Be- wirthung erbeten. Die Aufnahme wurde an solchen Orten zu einem wahren Feste. Die Bewohner stellten sich insgesammt, Männer, Weiber und Kinder, in ihren Sonntagskleidern an den Bahnhöfen ein und wußten gar nicht, mit was allem sie die braven Soldaten bewirthen sollten. Alte Soldaten zeigten sich über alle diese gast­liche Freundlichkeit fast zu Thränen gerührt. — Von dem Rittmeister einer Escadron preußischer Ulanen wird erzählt, daß er, als man in die Nähe des Rheines gekommen, seine Schwadron absitzen, an den Strom marschiren und die Pferde aus dem deutschen Rhein tränken ließ, unter dem jauchzenden Hurrah der Reiter. — Beim Einzüge in Straßburg, am 28. Sept. Abends, ist ein Soldat des badischen Leibgrenadier-Regiments von einem betrunkenen französischen Soldaten (fast die ganze Besatzung war, wie Jemand sagte, en Canaille betrunken) mit einem Bayonnet in den Hals ■ gestochen wor­den. Der Thäter wurde ergriffen und auf der Stelle erschossen. Am 29. Sept. Nachts wurde ein Gefreiter desselben Regiments beim Patrouillengange leicht durch die Hand geschossen. Die beiden Thäter wurden gleichfalls erschossen, da keiner sich als den Schuldigen be­kannte. (Cöln. Ztg.)

Straßburg, 30. Sept. Heute Vormittag hat, wie die „Cöln. Ztg." meldet, anläßlich des Geburtstages der Königin von Preußen ein Gottesdienst in der St. Thomaskirche stattgefunden. Um 11 Uhr trat General v. Werder mit seinem Generalstabe in die Kirche ein und wurde von der Municipal - Commission und dem Geistlichen empfangen. Die Kirche war meist mit deutschen Truppen ohne Waffen angefüllt. Nach dem Sange des Psalm 102 bestieg Herr Ober-Feldprediger Frommel die Kanzel und hielt eine sehr be- merkenswerthe Predigt. Sein Text war: „Gott hat uns bisher geholfen und wird uns auch weiter helfen!" Er entwarf in kräf­tigen Zügen die Geschichte des jetzigen Krieges, das feste Zusammen­halten Deutschlands, die Siege seiner Fahnen und endlich die Er­oberung der Stadt Straßburg, „dieser Schwester," sagte er, „die uns vor 200 Jahren durch Verrath und ohne Opfer geraubt wurde und die wir nun wieder zu uns zurückgeführt haben nach hartem Kampfe und mit großen Opfern!" Nach einer gebührenden Huldigung für die Königin, den König und die königliche Familie von Preußen, sagte schließlich der Prediger: „Da uns Gott geholfen, sollen nun auch wir helfen den wackeren Straßburgern, ihre Herzen gewinnen durch Mannszucht und Sanftmuth, ihre Leiden und ihr Elend lin­dern, auf daß sie uns nicht fürchten als Sieger, sondern uns lieb­gewinnen als Befreier und Brüder!" In der Stadt herrscht voll­kommene Ruhe und Ordnung.

Privat-Depeschen des Hanauer Kreisblattes, welche nicht durch Extra-Beilagen veröffentlicht wurden.

Officiell. Versailles, 5. Oktober. Se. Majestät der König besichtigte heute die Aufstellung des 6. Armeecorps und verlegte das Hauptquartier von Ferrieres nach Versailles.

A u s z rr g

aus der amtlichen Verlust-Liste Nr. 47. Schlacht bei St. Privat am 18. August 1810.

4. Garde-Grenadier Regiment Königin.

2. Compagnie.

Gren. Georg Friedrich Creß aus Seinau, Kr. Schlüchtern, T.

Gren. Andreas Krebs aus Bischofsheim, Kr. Hanau. L. v.

S. d. d. Unterkiefer.

4. Compagnie.

Gren. Heinrich Tobias Dahl aus Windecken, Kr. Hanau. S. v.

S. d. d. Unterleib.

Gren. Friedr. Heinr. Joseph Bockenheimer aus Eschersheim,. Kr. Hanau. L. v. S. a. l. Fuß.

5. Compagnie.

Unteroff. Johann Ullrich aus Oberkalbach, Kr. Schlüchtern S. v.

Aus der amtlichen Verlust-Liste Nr. 48. Gefecht bei St. Privat ia moutagne am 18. August 1810.

4. Garde-Règiment zu Fuß.

3. Compagnie.

Gren. Karl Schäfer II. a. Alten-Haßlau, Kr. Gelnhausen. L. v. S. a. Arm.

Aus der amtlichen Verlust-Liste Nr. 38. Gefecht bei Verneville am 18. August 1810.

Holsteinisches Infanterie-Regiment Nr. 85.

8. Compagnie.

Hauptm. u. Compagnie-Chef Wilh. Friedr, v. Lengerke aus

Hanau. S. v. S. i. d. Kopf u. d. Obersch. Laz. Verneville.

Aus der amtlichen Verlust-Liste Nr. 62.

Gefecht bei Mars la Tour am 16. August 1810.

3. Westfälisches Infanterie-Regiment 9lr. 16.

1. Bataillon. j'

Melchior Henckel aus Unter-Reichenbach, Kr. Gelnhausen. In ^ dem Laz. z. Mars la Tour gestorben. Datum unb.

5. Compagnie. ,

Konrad Göbel aus Hettersroth, Kr. Gelnhausen. T. S. i. d. K.

gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des vereinigten evangel. Waisenhauses.

Hierzu die Mr MG der KrovLnzial-Correspoudeuz als Beilage.