368
11. Compagnie.
Gefr. Philipp Hook aus Hanau. L. v. S. d. d. r. Unter- arm. L. Feldlaz. — Füs. Johannes Becker aus Breitenbach, Kr. Schlüchtern. L. v. S. i. d. l. Oberschenkel. L. Feldlaz. — Füs. Wilhelm Bassermann aus Langenselbold, Kr. Hanau. S. v. S. i. d. r. Oberschenkel. L. Feldlaz. — Gefr. Joh. Heinrich Schüler aus Windeckcn, Kr. Hanau. S. v. S. i. d. r. Oberschenkel. L. Feldlaz. — Füs. Peter Tack aus Niederrodenbach, Kr. Hanau. S. v. S. i. d. r. Oberarm. L. Feldlaz. — Füs. Joh. Wilhelm Ewald aus Bergen, Kr. Hanau. S. v. S. i. d. I. Unterarm. L. Feldlaz.
Ueber die betrübenden Scenen, welche den von der infamen französischen Presse angestachelten Fanatismus erzeugt, schreibt ein Berichterstatter der „K.-Z." :
Man hatte das Dorf zwischen Bazeilles und Sedan bereits genommen und ging zum Sturm auf die letztere Festung.
Es war etwa 3 Uhr Nachmittags. Keine Secunde hatte das beiderseitige Artilleriefeuer geschwiegen. Während ich die Dorfstraße passirte, fielen plötzlich ein halbes Dutzend Schüsse aus einem Hause auf uns herab. Die bayrischen Soldaten stürmten sofort das Haus, ohne die Frevler zu finden.
„Sie haben schon aus mehreren Häusern auf uns geschossen! Steckt das Nest in Brand!" hieß es.
In der nächsten Minute schlug auch die Flamme schon aus dem Hause, gleich darauf brannte das gegenüberstehende.
Die Soldaten liefen in der Straße zusammen. „Sie schießen aus allen Häusern auf uns!" schrieen sie, „Feuer hinein!" Und abermals loderte die Flamme an mehreren Ecken.
Daß ich mich heute kurz fasse: Als ich am Abende um 6 Uhr aus dem Gefecht nach Bazeilles zurückkehrte, stand das ganze große Dorf in hellen Flammen. Alles war ein Feuermeer geworden. Die Straße war wieder passirbar; einzelne Häuser kamen eben erst in Brand, andere waren halb verzehrt, aus wieder anderen leuchtete die rothe verkohlende Gluth. Es war ein furchtbarer Anblick. Und man denke: selbst jetzt noch wurden Schüsse aus Häusern aus unsere Soldaten gefeuert. Selbst jetzt noch mußte von den wüthend gewordenen Soldaten die Brandfackel in einzelne allein stehende Häuser geworfen werden, und eben, da ich dies in Remilly schreibe, leuchtet diese entsetzliche Fackel über den Fluß herüber.
Ich muß mir die Schilderung dieses Brandes für einen Augenblick der Ruhe aufsparen. Todmüde bin ich in der Nacht über die Schiffbrücke hier angelangt, um in dem von Verwundeten überfüllten Ort noch eine Strèu zu finden; die Augen sind mir entzündet von der Gluth der brennenden Dörfer, die Nerven sind abgespannt von dem Anblicke des mörderischen Kampfes, dessen Zeuge ich den Tag hindurch gewesen, und dennoch wird Schlaf unmöglich sein, denn wir sind hier von Meuchelmördern umgeben; mein Diener läßt sich's nicht nehmen, einige seiner verwundeten bayerischen Landsleute zu Pflegen, und so heißt's also, die Nacht hindurch auf dem Posten bleiben.
Von dem Fanatismus der Bevölkerung in dieser Gegend habe ich heute die ärgsten Proben gesehen. In dem Dorfe vor Sedan wurde nicht nur aus den Fenstern der Häuser, auch von der Kirche herab, sogar aus den Kellern auf uns geschossen. Selbst Weiber hatten Gewehre in den Händen und gaben von den Fenstern Feuer auf uns. Ein Dutzend Häuser habe ich selbst stürmen gesehen; ich war auch Zeuge, wie man die Patrone beim Genick herausholte und sie auf der Stelle füstlirte.
Doch für später die Schilderung dieses Tages, den ich, umgeben von brennenden Häusern, Angesichts des wüthendsten Gefechtes verbracht. Er wird mir einer der denkwürdigsten sein, und ich habe deren noch manche!
Ein Corresp. der „Ind. belge" gibt aus Bouillon, 3. Sept, nachstehende Schilderung der deutschen Truppen nach den gewaltigen Kämpfen vom 29. August bis 2. September: „Keine Spur der entsetzlichen Partie, welche diese Armee eben gespielt hatte. Soldaten stiegen zum nächsten Bach herab, um Wasser für ihre Pferde zu schöpfen. Feuer waren angezündet, an denen bereits die Suppe kochte. Hier und da ruhige Gruppen, Soldaten, die ihre Uniformen bürsteten, ihre Kleider ausbesserten und Knöpfe an dieselben an- näheten. Es ist wunderbar! Diese friedliche Sorge um Regelmäßigkeit und Nettigkeit, diese häuslichen Kleinigkeiten am Morgen nach einem blutigen Drama, diese bürgerliche Ordnung nach der mörderischen Zügellosigkeit, dieses gute, kleine Familienleben, das ohne Unterbrechung den entsätzlichen Schlägen des Krieges folgt — dieser mächtige Gegensatz hat uns tief bewegt. Das ist eben der preußische Charakter und das preußische Temperament. Diese Leute sind gewiß heldenmüthig, aber sie haben nicht die Leidenschaftlichkeit und die erregte Phantasie, die man bei diesem Heldenmuth voraussetzen könnte. Sie sind sehr stark und sie sind sehr gut verwaltet. Sie sind sehr muthig und sehr ruhig. Gut geordnet und methodisch aufgestellt, erfüllen sie ihre Aufgabe mit großer Umsicht, nachdem sie mit kaltem Blute ihr Leben in Gefahr gesetzt. Sie vergessen niemals ihre Disciplin und man möchte sagen, daß selbst die Pferde ihre Regel kennen und beobachten. Ja, auch die Pferde achten die Ordnung und zeigen nicht am unrechten Ort ein unnützes Feuer. Wir haben lange Reihen von Pferden ruhend und in Freiheit gesehen; sie blieben hübsch in der Linie, bewahrten die reglementsmäßigen Distancen auf der Wiese und beim Futter. Was das Malerische an der preußischen Armee betrifft, so finde ich dasselbe ergreifend genug in dieser Mischung von bürgerlicher Einfachheit und unbeugsamer Entschlossenheit. Stellen Sie sich Leonidas vor in braunem Ueberzieher und mit der Brille, das ist ungefähr die preußische Armee. Man könnte eine Bildsäule daraus machen. Aber die Deutschen suchen nur die deutsche Einheit und Größe und nicht die Stellungen und Gruppirungen Griechenlands. Diese Leute, sagt uns ein französischer Offizier, haben eine Ruhe und ein Vertrauen, das nicht erschüttert. Man dächte, sie betrachteten sich als die Vollstrecker des göttlichen Willens. Man fühlt sich, setzte derselbe Offizier hinzu, nicht erniedrigt, wenn man von einem solchen Volke besiegt wird." (Trib.)
Officieller Bericht. Florenz, 14. Sept. Nach der Besetzung Frosinone setzte Angeolette den Vormarsch nach Rom fort und nahm die Garnison Montalto gefangen. Das 12. Armeecorps stand am 14. Sept. Morgens 12 Kilometer von Rom.
Brüssel. Die Jndèpendance erfährt von Paris, daß das Fort Vincennes geräumt, weil es unhaltbar sei.
Officielle Militair-Nach richten. Mundolsheim, den 15, Sept. Nachdem die dritte Parallele vollendet, ist die Glacis- krönung vor Werk 53 heute Nacht ausgeführt worden. Die Bresch- batterie wirkt gut. Den 13. Sept, wurde in Straßburg die Republik proklamirt. Das Detachement des Generals Keller vertrieb 200 Franctireurs (Freicorps) bei Biesenheim und Colmar.
von Werder.
Paris, 16. Sept. (Regierungsmitth eilung.) Preußische Plänkler sind bis Creteil vorgegangen; es scheint als ob die preußischen Avantgarden zwischen Creteil und Neuilly sur Marne stehen. Nach anderweiter Mittheilung stehen preußische Plänkler bei Corbeil und Clermont. Zahlreiche Truppenabtheilungm verließen gestern Paris, um dem Feinde entgegenzugehen.
Paris, den 16. September. Nach Regierungsberichten sind preußische Plänkler bei Villeneuve, Dammartin und Plessis, 30u0 Mann bei Villiers und Cotterets und 10,000 Mann bei Nantouillet; Soissons ist durch Kavallerie cernirt. Nach anderweitigen Berichten scheinen preußische Truppen einen Angriff auf Vincennes vorzubereiten.
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerct des vereinigten evangel. Waisenhauses.
Hierzu öie Mr 3V der Provinzèal-Correspondenz als Beilage.