Einzelbild herunterladen
 

608

Anblick von Wasser oder von etwas Glänzendem, dem Wasser Aehnlichen, flieht er meist in Eile und ängstlich davon. Diese Wasserscheu bat jedoch auck Ausnahmen, ist deshalb nicht ganz untrüglich. Denn es gibt Hunde, die während der Wuth ins Wasser springen und durch dasselbe schwimmen, ja Wasser saufen.

Gesunde Hunde scheuen den wüthenden schon beim Beginnen der Krankheit. Sie weichen ihm aus, wenn es ihnen begegnet, bellen ihn nicht leicht an und ver­folgen ihn nicht. Können sie sich nicht vor ihm flüchten, so setzen sie sich doch gewöhnlich nicht zur Wehre, son­dern legen sich zaghaft vor ihm nieder, suchen ihm zu schmeicheln, und lassen sich ohne Gegenwehr beißen. Wird der wüthende Hund in der Nähe von gesunden eingesperrt, so merkt man diesen bald an, daß sie in Angst leben, sie bellen nur wenig.

Dritter und letzter Grad. Die Augen find feuerrot!), bald starr, bald wild sich drehend. Die Zun­ge hängt bleifarbig aus dem Munde- Jetzt wird der Hund durch die Mächtigkeit der Krankheit allmählig matter, sein Lauf langsamer, schleichend, wankend (be­sonders an denHinterbeinen) und taumelnd. DieHaa» re sträuben sich, der Kopf senkt sich immer mehr, die Augen triefen häufiger von Wasser, die Zunge wird schwärzlich, geschwollen, und der zähe Geiser im Mun- de stärker. Das Thier schnappt nach Allem, und beißt, rpasi ihm verkommt, in das Stroh seines Lagers, in seinen eignen Schweif, oder in seine Hinterbeine. Eine jede Berührung, zumal an der Schnarche, macht den Hund tobend. Spritzt man ihm Wasser in den öffnen Mund, so beißt er in den Wasserstrahl mit der größten Wuth und tobt, schluckt aber nichts davon. Er wüthet auch und verfällt in Zuckungen, wenn man ihm einen Spiegel verhält, und noch mehr, wenn man die Son­nenstrahlen damit auffängt, und das zurückgeworfene Licht auf die Augen richtet. Endlich fällt er öfters ent­kräftet zu Boden, hilft sich schwach wieder auf, und ath­met mit Beschwerde. Zuletzt entstehen Zuckungen, un­ter welchen der Tod gewöhnlich am vierten Tage nach äüsgtbrochener Wuth einiritt.

Sehr zu beachten ist, daß die Krankheit nicht immer alle die eben beschriebenen Grabe durchläuft, daß nicht jederzeit gleiche Erscheinungen bei wüthenden runden wahrgenommen werden. Zuweilen verfallen die Hunde bloß in die stille Wuth, und sterben bereits im ersten Zeitraume der Krankheit, schon am zweiten, dritten oder vierten Tage.

Der allein sichere, einzige Weg, um zu erfahren, ob ein der Wuth verdächtiger Hund toll sei oder nicht, ist, ihn nicht umzubringen, sondern mit Anwendung aller Vorsicht, daß er Niemand schabe, in sorgfältiger Ver­wahrung so lange genau zu beobachten, bis man über die wahre Natur seines Zustandes Gewißheit erlangt hat.

Ist ein für wüthend gehaltener, oder als solcher doch zweifelhafter Hund bereits getödtet, so wird es höchst schwierig, zu entscheiden, ob er in der Thal toll war.

Gedruckt und verlegt in der Buchvruckerei

Im gemeinen Leben empfiehlt man die Probe, ein Stück Fleisch ober Brod an die Zähne und im Rachen des umgekommenen Hundes zu reiben, und dieses anderen Hunden vorzuwerfen. Zeigten sie einen Abscheu davor, so wäre der in Frage stehende Hund wirklich von der Wuth ergriffen gewesen, aber nicht, wenn sie es fräßen. Eben so könne man die gebissene Wunde, im Falle der Hund, welcher sie versetzte, entlausen sei, mit einem Stücke Fleische reiben, und dann auf die eben erwähnte Weise verfahren.

Diese Versuche liefern indeß keine zuverlässige Be­weise, wie die Erfahrung gelehrt hat. Auch das sehr gefährliche Deffnen eines solchen Hundes thut in dieser Hinsicht nichts Bestimmtes dar, und aus kein Befun­de des Oeffnens des todten Thieres läßt sich durchaus aus die Natur des da gewesenen Nebels kein sicherer Schluß ziehen. Meist findet sich zwar bei tollen Hun- den der Nachen, die Luftröhre, der Schlund, der Magen und ein Theil der obern Därme entzündet, aber auch an­dere Ursachen als die Wuth können diese Erscheinungen hervorbringen.

Nach den sehr werthvollen Beobachtungen des Dr. H e rlwig zu Berlin über dieHunbswuth werden dir tollen Hunde häufig nicht wa sse r sche u, saufen viel­mehr und schwimmen Durch das Wasser. Sie ziehen den Schwanz nicht ein und haben keinen Schaum vor dem Munde. Tolle Hunve — sagt Hertwig — sind unruhig, fressen nicht oder wenig, fressen Holz, Torf, Leber, HundSkoth rc.; lecken Wasser; sind verstopft, haben eine heulende, heisere, ängstliche Stimme, sind bissig; schnappen nach Fliegen, ohne daß solche gesehen werden. Bei der stillen Wuth hängt der Unterkiefer herab, die Zunge heraus.

Zufälle der Wuth bei andern Hausthieren.

Die Merkmale, daß ein Stück Vieh, besonder/ Rindvieh, von einem wüthenden Hund gebissen, sind hauptsächlich folgende: Es fript und saust auffallend weniger, wird scheu , sieht sich wild um, verträgt kein starkes Licht, spitzt die Obren, geht auch wohl auf die Menschen los; reibt Die Stelle, wo es gebissen wor­den, stark an etwas; geräth in Wuth beim Anblicke ei­nes Hundes, äußert solche aber gegen andere Thiere nicht. — Steigt die Krankheit, so wird das Vieh kreuz­lahm, geht mit Schwierigkeit, liegt meist, und scheut das Saufen Beim Eintritte Der Wuth springt es auf, wirb von Zuckungen befallen, brüllt anhaltend mit weit gestrecktem Halse, geifert viel, beißt in Die Raufen und Krippen, auch wohl sich selbst, und scharrt mit den Vor- versüßen tiefe Löcher in Die Erde.

__________(Fortsetzung folgt.)

Gesetzgebung.

Die Nr. V des Gesetzblattes von diesem Jahre ist der he»' tigen Nummer dieses Blattes beigefügt.

Hierbei eine Beilage in Betreff der städtischen Fleischaccift dahier.-

deö vereinigten evangel. Waisenhauses.