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und die Theuerung derselben ), so wie über die Verbesserung der Zucht selbst. Ich will nicht behaup­ten, daß sie die einzig richtigen sind; versichern darf ich aber wiederholt, daß sie auf langjähriger Erfah­rung und auf tägliches praktisches Anschauen ge­gründet sind.

Aufmunterung zur Odstbuumzucht.

(Von dem Pfarrer O. im Meckienburg'schen, aus dem praktischen Wochentlatt Nr. 27. 1818 )

Einen Beweis, wie sehr zu Zeiten unserer Vor- cltern die Wichtigkeit des Obstbaues erkannt nurbe, vielleicht mehr alö jetzt, liefert foigcnde Stelle auS einer Kabinetsortre des großen Königs von Preußen, Friedrich IL, vom Jahre 1770: »Die Leute müssen auch zur Pflanzung mehrerer Obstbaume aufgemun- tert werden, denn das Obst ist eine sehr nüyhd)e Sache, sowohl zur eigenen Nahrung, als auch um Geld damit zu verdienen" Das; solche Aufmun­terungen auch jetzt noch nicht überflüssig sind, wird gewiß Keiner bestreiten können. Ich bin vielmehr überzeugt, daß in Mecklenburg vor ungefähr 50 biS 100 Jahren mehr Obst, wenigstens bedeutend mehr Pflaumen, gewonnen wurden, als jetzt. Vornehm­lich scheint bei den frühern Bauernwirthschaften viel auf die Gewinnung von Obst gegeben zu sein, und noch so manche alte abgelebte, der Art entrungene Veteranen unter den Obstbäumen an solchen Stellen, wo früher Bauergarten gewesen, stammen aus dieser Zeit. So z. B- erinnere ich-mich noch, wie in meinem Geburtskorfe vor ungefähr 20 Jahren Ueberbleibsel alter Baumpflanzungen vorhanden waren, welche auch, damals noch bedeutend, reichliche Früchte brachten bald aber unter der Art verschwanden. - Hinsichtlich der Güte hat aber jedenfalls unser jetziges Obst schon beträchtlich gewonnen, wenn auch noch lange nicht befriedigend; daher müssen eben die Freunde der Obstkultur trachten, dem Obstbaue immer mehr Liebhaber zu gewinnen durch Verbrei­tung schmackhafterer und zweckdienlicherer Obstarten; und in dieser Hinsicht würde ein Pomologischer Verein gewiß treffliche Dienste leisten. Wenn auch unsere Voreltern wegen mangelnden Anbaues der Kartoffel, unserer gewöhnlichsten Nahrung, mehr darauf bedacht fein mußten, dem Mangel der Le­bensmittel durch reichlichere Gewinnung von Obst

*) Eben, «o ich Obiges schreibe Mitte Februar I. I.

. fordern die hiesigen Metzger fünf E g r. fün das Pfund Schweinefleisch, und sie versichern, keine Schweine auftreiben zu können. W.

vorzubeugen; so folgt hieraus nicht, daß wir selbi­ges zu erzielen nur des Wohlgeschmackes halber Ur­sache haben. Besonders in dem möglichen Falle, daß die Kartoffelkrankheit an Bösartigkeit zunehme, möchte Dieser oder Jener zu spat bereuen, so wenig für Anpflanzung von Obstbaumen gethan zu haben.

Einige Umstände, die ich nach meiner Erfahrung besonders als Ursachen ansehe, weshalb in unsern Dörfern noch immer verhältnißmäßig wenige Obst­baume zu finden, mögen hier zur Sprache gebracht werden.

Von dem Werthe eines guten Obstbaumes ist so Mancher überzeugt, der es aber dennoch bei dem b.oßen Wunsche, im Besitze solcher Baume zu sein, bewenden laßt. Warum legt er aber nicht die Hand an und sucht diesen Wunsch zu verwirklichen? Weil er denkt: ich habe die Kosten davon und weiß nicht, ob id) den Nutzen erlebe. Allerdings reizt es mehr zur Thätigkeit, wenn man gleich nach der gemachten Auslage ben Gewinn in die pasche stecken kann; und wahr ist es, baß in der Regel erst einige Jahre hingehen, ehe der Obstzüchter die Früchte seiner Ar­beit genießt; aber hier ist der Ertrag im Vergleich zur Ausgabe so überwiegend, daß nur d e r Mensch, welcher bloß sein Glück in dem Genusse deS Augen­blicks findet, sich durch diesen Grund von der An­pflanzung von Obstbäumen abhallen lassen kann. Überdies ist es nicht mehr als billig, in dieser Be­ziehung zu thun, was unsere Vater gethan haben: diese pflanzten Bäume und wir essen die Früchte.

Was nun eine zweite Ursache betrifft, weshalb oft das Pflanzen von Obstbaumen unterbleibt, nämlich, daß deren Beschattung dem Ertrage an Kartoffeln und dergl. Abbruch thut; so kann man diesen Ein- wurf zwar nicht als ganz unbegründet zurückweisen; durch zweckmäßige Placirung (Stellung) der Baume und öfteres regelrechtes Auöputzen derselben kann man diesen Uebelstand aber sehr mildern. Die Er­tragsfähigkeit vieler Gärten wird noch sehr häufig durch die unregelmäßige Stellung der Bäume ver­mindert, und in vielen derselben findet man die Stellen, wo Obstbäume durch ihren Schatten, wenig schaden würden, unbesetzt, die Mitte des Gartens hingegen bepflanzt. Bei Anpflanzungen berücksich­tige man so viel als möglich die Nordseite des hier­zu bestimmten Territoriums (Bodenraumes). Soll ein ganzer Garten zu einer Obstbaumplantage benutzt werden, so giebt eS ja noch so manche Gewächse, die selbst unter dem Schatten der Bäume trefflich gedeihen, z. B- Kümmel, Grünkohl K.

(Fortsetzung folgt)

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei deS vereinigten evangel. Waisenhansek