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Nachdem nun die Früge der Beförderung über fremde und deutsche Hufen erledigt ist, und welche von beiden dem Auswanderer die meisten Vortheile darbieten, wird es nicht überflüssig sein, einige der Mäuel zu bezeichnen, welche aus der obenerwähn- ten schlechten Berproviantlrüng in fremden Hufen entstanden sind, während bei den von Bremen und Hamburg beförderten Schiffen, meines Wissens, noch keine Spur davon vorgekommen. Blickt man in dieser Beziehung blos um zwei Jahre zurück, welche Gemälde von Elend und Jammer drängen sich Nicht dem Beobachter auf! Da haben wir zunächst 72 Auswanderer anS Großzimmern, wel­che auf dem Orphun, Capu Burrow, über Liver­pool nach New-Vork verschifft, nach ^wöchentlicher Reise entmaftet zurückkehnen, und schon nach Ver­lauf dieser kurzen Frist nagenden Hunger erlitten hatten. Nur Schiffbrod und Wasser blieben ihnen noch während der letzten zehn Tage dieser un­glücklichen Reise übrig, woraus man deutlich sehen kann, daß die Leute höchstens für 1 Monat Pro­viant an Bord haben konnten! Eine ähnliche Scene ereignete sich bei einem andern Theile der­selben Auswanderer auf dem Schiffe Pontiac von Liverpool, welches 63 Tage zur Ueberfahrt nach New-Port gebrauchte und 19 Verhungerte an Bord hatte, worunter 5 Deutsche! Ueber 200 jener Auswanderer kamen in die Spitäler. Wieviel von unsern Landsleuten im letzten Jahre auf der Ueber­fahrt nach Quebecs am Typhus und Hungers gestorben sind, kaun gar nicht genau bestimmt werden; wenn man aber die von dort eiugelaufe- nen schauderhaften Berichte zur Hand nimmt, so kann man sich einen Begriff von dem traurige» Schicksale machen, in welches Tausende unserer Landsleute gerathen sein mögen. Auch von Süd­amerika, namentlich Brasilien, laufen beständig Klagen über die schlechte Verpflegung der Leute an Bord von Auswandererschiffen ein, welche von Havre, Dünkirchen und Antwerpen kommen. Von 180 Menschen auf derVuginie" von Dünkirchen waren 16 gestorben und viele der lebendig Ange­kommenen entkräftet und aus Mangel an hinläng­licher Nahrung beinahe sterbend- Selbst dieser Tage noch lief ein mit 210 Auswanderer befrach­tetes Schiff, von Antwerpen kommend, in Ply- mouth ein, um einer Hungersnoth vorzubeugen, da der eingenommene Proviant so schlecht war, daß er schon in den ersten Tagen in Fäulniß über- ging und den Wellen überliefert werden mußte."

Dies sind nur einige wenige Beispiele von den traurigen Folgen, welche mit der Auswanderung über fremde Häfen verknüpft sind, und wollte man sie alle zusammenzählen, so würde man damit kaum zu Ende kommen, und deshalb die Sache doch nicht besser machen, wenn nicht die hohen Regierungen sich inS Mittel legen und öffent­liche Warnungen an die Kreisämter, Bürger­

meistereien rc. gegen die Verschiffung über die mehr­fach gedachten Haien ergehen lassen,, ausgenommen man mache sich dort unter obrigkeitlicher Gewähr­leistung verbindlich, auf gleiche Weise wie in H a m b u r g u n b Bre m e u ausz u rüste n, wo­durch alsdann die Passagelder gewiß höher als in Deutschland sich stellen werden."

In Betracht der bisher angeführten Thatsachen ist es also einleuchtend und erwiesen, daß die Ver­pflegung der Auswanderer am Reichlichsten und Beste» in Hamburg geschieht, und daß auch Bremen dem Gewichte nach mit der hiesigen Vor­schrift überein stimmt, dagegen aber ruckst ehrlich der Beschaffenheit der eingelegten Nahrungsmittel mit den unsrige» nicht auf gleicher Stufe sich erhält. Bremen hat leider immer auf billige Ueberfahrrü- prelse hingezielt und die Konkurrenz auf einen Grad getrieben, daß diese Billigkeit nur auf Kosten der Güte der LebenSmittel und durch Raumbeschränkung, in beiden Fällen also zum Nachtheile der Aus­wanderer, erzielt werden konnte. Darum führt man auch in Bremen das schlechte, amerikanische Fleisch ein, um die Auswanderer damit zu speisen, und and) das Brod ist kaum genießbar, wahrend in Hamburg beide Gegenstände von guter Be­schaffenheit geliefert werden, obgleich es auch nicht in allen Fällen geschieht, und manche Uebertre- tungen auch hier schon vorgekommen sind. Der­gleichen Kniffe wären indeß leicht zu hintertreiben, wenn in Hamburg und Bremen, außer den dort vo i den Behörden ernannten, beeidigten Bestch- rigeru noch eine weitere Kontrolle in der Person eines rechtschaffenen und tüchtigen Seemannes an­gestellt und von den Staaten Deutschlands be­soldet wäre, damit die Auswanderer gehörig ver­treten, ihre Rechte gewahrt, und die Gesetze auf­recht erhalten würde». In den obengenannten, fremden Häfen müßte dasselbe geschehen, und solche Männer den Konsuln stets beigefeilt werden, da die Letzteren von dergleichen Dingen gewöhnlich nichts verstehen. Dadurch allein würde beiden Theilen Recht geschehen und die Auswanderer wären geschützt, während sie jetzt die Beute der Franzosen, Engländer, Belgier und Holländer werden. Die allerschlechteste Beförderung findet übrigens über Liverpool Statt, vor welchem Raub­neste nicht genug gewarnt werden kann."

Schließlich bleibt noch der Umstand zu erwähnen, daß viele Auswanderer des südwestlichen und west­lichen Deutschlands bisher auch die Reisekosten nach Hamburg und Bremen scheueten, weil sie theurer waren, als nach Havre, Antwerpen, Rott terdam und London; allein seit Kurzem ist auch dieses Mißverhältniß gehoben, da die Eisenbahn von Köln bis Bremen und Harburg die Leute ffir etwa 14Thlr. pr.Crt- befördert und ihnen uberue» 100 A Gepäck frei erlaubt- Die Reife ab MaG»