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gibt, wo diese Krankheit selten oder gar nicht ver­kommt, wie z. B. in Egypten, Tripolis, Aleppo,An- tigoa und mehreren andern Orten. _ Manchmal kommt sie auch unter den Hunden epidemisch vor.

In den preußischen Staaten sind vom Jahre 1810 bis 1819 an der Hundswuth 1666 Menschen gestorben. Bon 1816 — 1819 kommen im Durch­schnitte aus jedes dieser 4 Jahre nicht weniger als 263 Menschen, die diesen Tod starben.

(Allgemeiner Anzeiger 1824 Nr. 14). In Stockholm waren 1824 in den ersten 6 Monaten des genannten Jahres schon über 50 Menschen von tollen Hunden gebissen worden (Frankfurter Ober­postamtszeitung vom 12- Juli 1824)! — Aber selbst in dem Falle, daß die Zahl dieser Unglücklichen weit geringer wäre, als sie warlich! nicht ist, wenn alle 20 Jahre in einem Lande von einer halben Mil­lion Einwohner sich nur Ein Fall dieser Art ereigne­te , so ist doch das Unglück so unbeschreiblich groß, daß man Alles aufbieten sollte, was in unsern Kräf­ten stehet, um es für immer zu entfernen.

Derjenige, der einmal das Schicksal hatte, einen von der Hundswuth Ergriffenen leiden und sterben zu sehen, kann sich gewiß das Bild nicht wieder in das Gedächtniß zurückrufen, ohne daß sich seine Fantasie vor Entsetzen sträubt.

Eine andere fast sir gewordene Idee bei einem großen Theile des Publikums ist die, daß bei jedem Hunde, ehe diese Krankheit bei ihm zum Ausbruche komme, sichere und ganz bestimmte Zeichen vorangingen, die Jedermann leicht kennen, und da­her den Hund außer Stand setzen könne, Unglücke anzurichten. Dies ist durchaus falsch. Die Erkennr- niß dieser Krankheit ist bei dem Hunde oft außeror­dentlich schwer, fast unmöglich. Die Krankheit durch­läuft, wie man behauptet, drei Grade, und doch ist der Fall gar nicht selten, daß in allen dreien sich kein charakteristisches Seichen wahrnehmen läßt. Die "Abneigung gegen die Nahrungsmittel und die Was­serscheu fehlen oft ganz und gar. Die letzte verliert sich sogar. zuweilen im letzten Zeitraum wieder, wenn sie schon in dem früheren entstanden war. Die Bei­spiele, daß wüthende Hunde, nachdem sie gebissen halten, noch fraßen und soffen, sind durchaus nicht selten.

Und nun die hitzige Wuth! Ist ein Hund hiervon. befallen, so hat er nichts von jenem trauri­gen Ansehen, welches bei den anderen durch den hän­genden Kopf,, durch das Tragen des Schweifes zwi­schen den Beinen und den wankenden Gang so sicht­bar ist.. Er scheut das Wasser nicht, schwimmt wohl durch einen Fluß und beißt am anderen Ufer Alles, was ihm aufstö'ßt.

Die Mittel, von welchen man wähnt, daß de­ren Anwendung die Hunde gegen diese Krankheit schütze, sind sämmtlich salsch; z. B. die Ausrottung des sogenanntenTollwurmes ist nicht allein nutzlos, sondern sogar schädlich, indem dieser sogenannte Wurm

eine bandartige Substanz ist, die in der Mitte der Zunge des Hundes liegt, sich non der Spitze dersel­ben bis zur Grundfläche erstreckt und das Aufscklür- fen befördert.

Die vorgeschlagene Entmannung schützt ebenfalls nicht, wie zahlreiche Erfahrungen gelehrt haben. Und schützte sie auch, so wäre die Gefahr doch nicht auf­gehoben, sondern nur vermindert. Die lausigen Hün­dinnen sind sogar der Gefahr mehr ausgesetzt, alS die Hunde. In der neuesten Zeit will man sogar Beispiele gesehen haben, daß Hunde, die noch an der Brust ihrer Mutter saugten, toll geworden seyen.

Ferner ist es ein Irrthum, zu glauben, daß der Hund, der diese Krankheit mitzutheilen im Stande sey, diese Krankheit bereits selbst haben und so bei­ßen müsse, daß die gebissene Stelle blutig ge­worden, scv Bon Gascher erzählt zwei Beispiele tödtlicher Wasserscheue, welche durch den Biß nicht w üth e n d c r Hunde verursacht worden waren. Ein junger Mann, der einen Hund bei der Paarung un­terbrechen wollte, wurde von diesem gebissen und kurz darauf wasserscheu. Ein Hund litt sehr heftig durch die Schmerzen, welche ihm eine Geschwulst am Fuße erregte. Man öffnete die Beule, zog einen le­bendigen Wurm heraus und der Hund wurde wieder gesund; ein Kind aber, das er gebissen hatte, starb mit den unzweideutigsten Zeichen der Wasserscheu.

Neuere Erfahrungen setzen es außer Zweifel, daß ohne blutige Wunde diese furchtbare Krankheit mitgetheilt werden könne.

Ein Taglöhner zu Lichtfort bekam etwas Speichel einer wüthenden Kuh in sein Gesicht; er wischte den­selben gleich weg, und bekam dennoch die Wasserscheu. Pal etta führt gräßliche Beispiele an, daß das blo­ße Lecken eines tollen Hundes die Hundswuth mit­theilen könne. Nicht minder falsch ist die Meinung, daß die Fortpflanzung der Hundswuth in der zweiten Generation nicht Statt finde (daß nämlich der Biß des Gebissenen unschädlich sey); davon sind betrübte Beispiele genug vorhanden tBerndt in Hufe­land's Journal der praktischen Heilkunde 1824. Nov. S. 3'9). ,

Wegen der Schwierigkeit oer Erkenntniß tritt oft ein Zustand (selbst dann wenn der Hund, der gebissen hatte, nicht toll war) ein, der weit schlimmer ist, als der Tod, und Menschen Gesundheit' und Leben nahm.

Die Erkenntniß wird nicht selten dadurch ganz unmöglich, daß man den verdächtigen Hund, statt ihn durch Schlingen und derql. zu fangen, gleich nie­derschießt oder todt schlägt. Der Gebissene und sein Arzt können alsdann durchaus nicht wissen, woran sie sinb. -

Man hat in der neueren Zeit mit vieler Zuversicht gehofft, daß die Erscheinung der sogenannten Maro- chet ti sch e mBläschen hierüber belehren könnte; aber die Erfahrung hat dies ebenfalls nicht bestätigt.

In London starb ein Kutscher an der HundSwutb