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11. Raboldshausen. Der Schweinehändler Kon- rad Pflüger aus Homberg hat sich der in Nr. 98 und 99 des Wwchenblatts für die Provinz Niederbeffen an ihn ergangenen Aufforderung ungeachtet in dem auf den 23. dieses Monats zu seiner Vernehmlaffung anher bestimmten Termine nicht fiflirt. — Es werden deßhalb, der Androhung gemäß, alle Behörden dienstlich ersucht, den Konrad Pflüger im Betretungsfalle gesanglich hierher abliefern zu lassen.
Raboldshausen am 23. Dezember 1836.
Kurfürstl. hessisches Justizamt Hiers. Schirme r.
12. Wie schaden. Am 19. November vorigen Jahres wurde auf einem Jahrmärkte zu St. Goars- Hausen am Rhein der unten signalisirte Mensch, wegen mehrerer auf die frechste Weise verübter und versuchter Taschendiebstähle arretirt. Derselbe befand sich ohne alle Legitimation, nannte sich Franz Schwitz von Venlo in Belgien und machte mehrere Angaben in Bezug auf diesen seinen angeblichen Geburtsort, welche sämmtlich nach den von der betreffenden Behörde eingezogenen Nachrichten, als grobe Lügen erkannt wurden.
In dessen Gesellschaft befanden sich zu St. Goarsyausen Christian Weimar von Giesen- kirchen, im königl. preußischen Regierungsbezirk Düsseldorf, dessen Ehefrau Barbara, geborne Schellers und Tochter, Katharine Weimar, welche mit verhaftet wurden, und außerdem ein Sohn des Christian Weimar, Peter, und zwei andere Bursche, angeblich Namens Franz Schuhmacher von Lennep und Theodor Faßbinder von Wer belskirchen, welche dr-i letzteren sich durch die Flucht der Verhaftung entzogen.
In der bisher geführten Untersuchung ist der Schwitz nicht von seinen lügenhaften Behauptungen abzubringen gewesen, dagegen haben die mit- verhafteten Mitglieder der Familie Weimar, welche sehr lange Zeit hartnäckig jede Gemeinschaft mit k. Schwitz leugneten/ endlich angegeben, dieser sey schon öfter in der letzteren Zeit zu Hause bei der Katharine Weimar, deren Liebhaber er offenbar ist, gewesen, habe auch die Reise hierher mit ihnen gemacht, und auf dieser Reise geäußert, er heiße Heinrich (nach der Angabe der Katharine Weimar eigentlich Wilhelm) sein rechter Vater Lehmann, sein Stiefvater Meyer, nach welchem letzteren er sich genannt habe, er sey bei Bielefeld, im Münsterschen, zu Hause, und habe daselbst in einer Strafanstalt noch einige Jahre zu sitzen.
Aber auch diese Angaben scheinen noch sehr der Bestätigung zu bedürfen.
Dieser angebliche Franz Schmitz ist nun offenbar ein höchst gefährlicher Gauner, welchen sehr wichtige Gründe von der Angabe seines wahren
Namens und Wohnortes abhalten müssen, da er sich durch wahre Angaben von einer langen, neuerdings geschärften Haft befreien könnte, und es ist daher kaum zu bezweifeln, daß derselbe ein ent-' sprungener Verbrecher, oder vielleicht auch ein Deserteur ist, weßhalb wir die resp. Polizeibehörden - dienstergebenst ersuchen, genaue Nachforschungen wegen dieses Menschen anstellen, rund uns allen- fallsige Entdeckungen mittheilen.zu wollen.
Wiesbaden den 9. Dez. 1836.
Herz, nass Kriminalgericht. Reichman n.
Signalement.
Alter angeblich 28 bis 29 Jahre, Größe 5' 4", Stirn niedrig, Angenbraunen hellbraun, Haare braun gelockt^Augcn blau, hell, Nase klein, Mund gewöhnlich, Sprache deutsch, mit niedeirheinischer Betonung, Kinn rund, Gesichtsfarbe gesund, Statur gesetzt, kurz, Bart roth. Besondere Kennzeichen: Sommersprossen, eine kleine Narbe am linken Auge, am rechten Oberarm 2, am linken 3 Narben geimpfter Pocken, handbreit über dem linken Knie eine alte Narbe von einem starken Zoll Länge und Zoll Breite. An beiden Kniescheiben, sowie an der Vorderseite des linken Schenkels kleinere Narben, angeblich von Hautausschlägen. An dem linken Fuß, etwas über der Reihe, eine ftischere Narbe, einen guten Zoll lang.
13. V e r z e i ch n i ß
der im Monat Dez. 1836 von den Gerichtsbehörden der Provinz Hanau, wegen Bettelns, V:r- gabundirens zc. bestraften Ausländer,
Im Monat Dez. 1836 wurden:
1) Elisabeth Becker aus Rodheim, im Großher- zogthum Hessen, von Kurs. Obergericht dahier, wegen Landstreicherei im dritten Betretungsfalle zu zweimonatlicher Zwangsarbeitsstrafe verur- theilt;
2) Ernst Erbs aus Spitzaltheim, im Großh. Hessen, von Kurf. Polizeicommission dahier, wegen Bettelns mit viertägigem Gefängniß und 4 Hieben;
3) Johannes Faust aus Nied, im Großh. Hessen, von Kurs. Polizeikommission in Bergen, wegen Bettelns mit achttägigem Arreste;
4) Magdalene Gunst aus Neuwied, von hiesiger Polizeikommission, wegen Bettelns mit achttägigem Arreste;
5) Elisabeth Heepe aus Taubenheim, Gwßherz. Kreises Nidda, vom Justizamte BockeiMeim, wegen Bettelns mit 4 Tage Arrest bei Wasser und Brod; " ' .
6) Johann J ester aus Speier, von der Pouzer- kommission dahier, wegen Bettelns mit 10Hicben.
7) Andreas Kiehl aus Froschhausen, von Kurs. Obergericht dahier, wegen Drebstahls mit dreiwöchigem Arrest und körperlicher Züchtigung;