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Am 22. November erfolgte durch Seine Hoheit den Kurprinzen und Mitregenten die feierliche "Sroff« nung der Ständeversammlung. Vor dem Ständehause stellte sich eine Kompagnie des Regiments Leibgarde mit der Fahne als Ehrenwache auf. Um 11 Uhr Vormittags bildete die Bürgergarde zu Fuß und zu Pferd ein Spalier Dom Residenzpalais bis zum Ständehaufe. Sämmtliche Ständemitglieder be- gaben sich um 114 Uhr in den Saal des Ständehauses. Die Oberhof- und Hofchargen und Flügel- adjutanten, welche nicht unmittelbar im Gefolge Seiner Hoheit waren, verfügten sich zur nämlichen Zeit in, das Ständehaus, und erwarteten in dem Vorzimmer des Salons Seiner Hoheit die Ankunft Höchst- desselben. Die Hof- und Staatsdiener der ersten vier Rangklassen und das Ofsizierkorps waren in großer Uniform, (die Großkreuze mit den Ordensbändern über den Rock) an den für sie bestimmten Pläz- zen im Saale. Das Ofsizierkorps an der Seite vom Eingang Seiner Hoheit in dem Saale korpsweise, das Zivil auf der gegenüberstehenden Seite nach den Departements, die Hofdiener rückwärts von dem Staatsministerium. Das diplomatische Korps, so wie hoffähige Fremde, die besonders durch den Hoffourier dazu Ungeladen worden, waren an besonderen Pla'z- zen auf den Tribünen. Die für das Publikum bestimmten Plätze waren dicht mit auf Einlaßkarten zugelassenen Personen angefüllt.
Seine Hoheit der Kurprinz,und Mitregent fuhren um 12 Uhr im achtspännigen Staatswagen, gefolgt von den für den höchsten Dienst erforderlichen sechsspännigen Hofwagen und einer Abtheilung Garde du Korps, geführrjvon einem Staabsofsizier, von dem Residenzpalais ab. Der Zug ging durch die Königsstraße, Wilhelmsstraße und Friedrichwilhelmsstraße zum Ständehause. Eine Kanonensalve verkündigte die Abfahrt Seiner Hoheit. Als der Zug in der Nähe des Ständehauses war, meldete ein Hoffourier im Saale die Ankunft Seiner Hoheit des Kurprinzen und Mitregenten. Der Präsident und Vizepräsident nebst zwölf Ständemitgliedern begaben sich, geführt durch den Hoffourier, an die Eingangsthüre des Ständehauses, um Seine Hoheit chrfurchtvollst zu empfangen. Als Seine Hoheit den Wagen verlassen, ging auf das von dem Oberzeremonienmeister gegebene Zeichen der Zug in folgender Ordnung bis ins Vorzimmer des Salons Seiner Hoheit : die Hoffou- riere, — die zwölf Deputirten, — der Präsident und Vizepräsident, — der Oberzeremonienmeister, — Seine Hoheit der Kurprinz und Mitre- gent, umgeben von seinem höheren Dienst; — die Flügeladjutanten und dienstthuenden Kamnierherren. Nachdem der Oberzeremonienmeister hierauf Seiner Hoheit gemeldet, daß im Sitzungssaale alles bereit sey, ging der Zug in derselben- Ordnung zum Throne. Im Sitzungssaale begaben sich Präsident, Vizepräsident und Deputirte auf ihre Plätze, die Oberhof- und Hofchargen, der General und die Flügcladjutan- ten nahmen ihre Plätze zu beiden Seiten des Thro
nes nach dem Dienstalter. Der Staatsminister des Innern stellte sich an den Thron, zur Linken Seiner Hoheit. Die Hosfouriere blieben am Eintritt der Thüre. Seine Hoheit bestiegen den Thron, bedeck, ten das Haupt, nahmen sodann den Hut wieder ab, und hielten aus dem Thron sitzend folgende Anrede an die versammelten Landstände:
„Meine lieben und getreuen Land- stände!
„Mit Wohlgefallen sehe ich Sie vor dem Throne „versammelt, um der Förderung der Landeswohlfahrt „Ihre verfassungsmäßige Mitwirkung zu widmen.
„Der befriedigende Zustand des Landes, dessen „Verhältnissen die jüngstvergangene Zeit ruhige Ent- „wickelung gewährte, gereicht Meinem landcsväterli- „chen Herzen zu um so größerer Genugthuung, als „Ich den lohnenden Erfolg Meines Bestrebens, das „Wohl Meiner geliebten Unterthanen dauernd zu be4 „gründen, darin erblicken darf; allgemeiner verbreitet „sich der Wohlstand, und der Sorge für die Bildung „der Jugend scheint das heranreifende Ergebniß zu „entsprechen.
„Auf dem letzten Landtage zu Stande gekommene Gesetze lassen schon jetzt ihre wohlthätigen Fol« „gen erkennen: ein beschleunigter Gang der Rechtspflege sichert dem bestrittenen Rechte seine zeitige „Anerkennung, und auf bet neu gegebenen Grundlage für die Gemeindeverbältnisse werden die bitr« „gerlichen Zustände sich immer ersprießlicher entfalten, „wenn die gesetzliche Grenze der verliehenen Selbst- „ständigkeit überall gehörig erkannt seyn wird.
„Seit der Entlassung des letzten Landtags wurde „der öffentlichen Wohlfahrt ein wesentlicher Fortschritt „damit bereitet, daß eine abermalige Ausdehnung „des großen deutschen Zollvereins dessen wohlthätige „Wirksamkeit weiter ausbreitete.
„Wenn leider noch die Deutschland trennenden „Zolllinien so unerschöpflichen Reiz zu betrüglichem „Verkehr, mit allen sich daran knüpfenden die Sittlichkeit untergrabenden Folgen darbieten;— so hege „Ich doch die gegründete Hoffnung, daß "bei der allgemein bestehenden Ueberzeugung, wie nöthig die „Beseitigung eines derartigen Zustandes sey, wenig- „stens die Verabredung solcher Mittel gelingen werde, „wodurch der verderbliche Schleichhandel der bishert- „gen theilweisen Straflosigkeit entzogen wird.
„Die gewerbliche Thätigkeit, welcher die Zoll« „Vereinigung einen neuen Aufschwung gab, wird „durch Aufhebung der Zwangs - und Bannrechte, „worüber Gesetzentwürfe Ihnen ubergeben werden „sollen, eine erwünschte Pflege erhalten.
„Im Zusammenhänge hiermit stehest die Umge- „staltung der Verhältnisse eines Haupttheils der Be- „steuerung. Bei dieser hauptsächlichen Aufgabe für „den gegenwärtigen Landtag rechne Ich auf Ihre Unterstützung in Meinem Vorhaben , bei der billigen „Verthcilüng dieser allgemeinen Last, bestehenden „Rechten den gebührenden Schutz zu erhalten; gleiche