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Jetzt verliert der Kranke, der oft vorher einige Zeit ungewöhnlich heiter, aufgeregt, überspannt und zu sinnlichen Genüssen aufgelegt gewesen, seine Munterkeit, wird mürrisch, nachdenkend, verdrüßlich, mißtrauisch, trage, erschlafft, reitzbar, unruhig, beklommen, erschrickt leicht, sucht die Einsamkeit, athmet beengt. Er hat einen unruhigen, durch schwere Träume gestörten, Schlaf und Widerwillen gegen daö Essen, ist ängstlich, furchtsam, im ganzen 'Ansehen verändert, ermattet, niedergeschlagen, späterhin zornig, hat einen unstäten, wilden starren Blick, verzerrte Gesichtszüge, Spannung und Brensten in der Mazengegend rc.
Mit Ausbildung dieser Nervenkrankheit wird durch einen Tramps in den Schlingwerkzeugen das Vorstellungsvermögen des Leidenden so verändert, daß er einen Abscheu gegen alle Flüssigkeiten bekommt.
Anfänglich hat der Kranke bloß eine Beschwerde im Schlingen. An einer Stelle im Schlunde nämlich empfindet er einen gelinden Schmerz oder ein Gefühl von Verengerung. Es veranlaßt dieser Zufall Aengst- lichkeit, Lust zum Trinken und doch Furcht davor, Trieb zu wiederholten Versuchen und dann konvulsivisches Athmen, Ekel und Widerwillen gegen Flüssigkeiten , Rauöpern, Würgen, Brechen, Schmerzen im Magen und in den Därmen.
Immer größer werden diese krankhaften Erscheinungen, Sie Beängstigungen steigen, das Acußere des Kranken ändert sich, nimmt bald etwas Trauriges, bald etwas Wildes, VerzweiflungsvolleS an; die Augen sind starr, düster oder glänzend, feurig, die Stimme heiser, die Zunge hart und trocken, die Bewegungen hastig, das Reden rasch.
Diesen sehr leidenden Zustand begleiten Schlaflosigkeit, Herzklopfen, schwerer Athem, Seufzen, Zittern , höchste Empfindlichkeit der Sinne, Lichtscheu, Abneigung gegen Kalte, Fieber, Verstopfung. Den Kranken quält innere Hitze und brennender Durst, und dennoch kann er nicht trinken. Der Leidende vermag seinen eigenen, reichlich hervorquellenden Speichel nicht zu verschlucken, er speit ihn von sich. Die Scheu vor etwas Flüssigem wächst endlich so, daß schon die Berührung von Wasser, der bloße Anblick einer Flüssigkeit, zumal einer bewegten, ja von glänzenden Gegenständen, die einigermaßen dem Flüssigen ähneln, von einem Spiegel oder von einer Metallfläche, auch selbst das bloße Wehen der Luft, das Rauschen eines Vorhangs — Zusammenschnüren deS Halses, Beängstigungen, Aufschreien, Furcht, Zittern, Zuckungen, Wüthen hervorbringen, und die geringste Bewegung oder ein ungewohnter Eindruck unerträglich wird. Gleiche Wirkung erregt daS Geräusch deS fließenden Wassers, daS Fallen des Regens -c. Feste trockene Dinge vermögen die Kranken gemeiniglich zu schlingen.— Ist der Zustand noch nicht
von sehr schlimmer Art, so sind die Kranken auch wohl bisweilen im Stande, Flüssigkeiten, im Falle sie solche nicht sehen, zu schlucken.
Im Verlaufe des Uebels treten noch mehr krampfhafte Zufälle ein, Krämpfe der Brust, des Halses, Gesichts, kleiner zusaimnengezogener ^n!s>—krampfhafte Bewegungen der Glieder mit abwechselnden Ohnmachten, Urinbeschwerden, bald Blässe, bald Nöthe des Gesichts, schmerzhaftes Zusammenziehen der Bauchmuskeln, Zahnknirschen, höchst gesteigerte Nutzbarkeit der Haut, Nachtschweiße, Schaum vor dem Munde, Versiegen der rothen trocknen Zunge, völliges Rasen oder ein tiefsinniger Zustand. Nicht selten ist mit der Krankheit gegen daS Ende eine heftige Begierde zu schlagen, zu beißen, zu speien, zu schreien und zu heulen verbunden. In lichteren Zwischenzeiten sehen diese Unglücklichen öfters das Schreckliche ihrer Krankheit ein, erinnern sich dessen, was sie in den Anfällen begangen haben, bejammern ihre Leiden, warnen die Umgebungen. Endlich erfolgt der Tod unter Krämpfen, Beklemmung, Röcheln, Erstickungszufallen, Schlafsucht, Speichelfluß — zwei, drei bis vier Tage nach dem Eintritts der Wasserscheu. Kurz vor ihrem Ende kommen sie gewöhnlich zu sich.
Behandlung der Wunde, welche durch ein wüthendes oder der Tollheit verdächtiges
Thier hervorgebracht worden.
Je früher nach dem Bisse die Vorbeugungsvorkehrungen getroffen wurden, um desto mehr Hoffnung ist vorhanden, daß die Wasserscheu nicht au«» brechen werde. Nur die schnelle Anwendung der passenden Mittel kann daher wahre Hülfe schaffen, und von einer zweckmäßigen örtlichen Behandlung der Wunde hängt gewöhnlich die Rettung deS Gebissenen ab.
Man hüte sich deßhalb, die für die Kur des Kranken so höchst nöthige Zeit mit Anwendung von gepriesenen Geheim- oder Familienmitteln, die meist unwirksam sind, zu verschwenden, und durch Unterlassung einer sogleich einzuleitenden, von der Erfahrung erprobten, Heilart den Gebissenen in Gefahr zu bringen.
Die Hauptsache ist, eiligst den PhysikuS, oder einen andern Arzt oder einen Wundarzt herbeizuho, len, selbst im Falle auch keine blutige Wunde, nur eine ganz leichte Verletzung da ist oder bloß ein Lecken von einem wüthenden Thiere bei einem Menschen Statt fand.
Man säume damit keinen Augenblick, weil nur so lange das in der Wunde beigebrachte und darin haftende Wuthgift durch. eine Kur weggeschafft, ver.