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ren; die Frachten sind für die Entfernung mäßig. Trifft er hier in sehr heißer Jahrszeit ein, so ist ihm besondere Vorsicht anzuempfehlen; er kleide sich dann leicht, und richte sich in dieser Hinsicht nach den Ein- gebornen., laufe nicht unnötiger Weise in der Mit- ragssonne herum, sondern benutze dazu lieber den frühen Morgen oder Abend. Er hüte sich vor un­mäßigem Genuß von Obst, vor vielem besonders kaltem Trinken , und stille seinen Durst nur mcßig und.langsam. Wir haben hier schon zu viele Bei­spiele von Unglück gesehen, das durch Unachtsamkeit der Art hervorgebracht wurde, und ganz leicht mit ge­wöhnlicher Vorsicht hätte vermieden werden körnen.

Die Reinlichkeit des Körpers und der Kleidung, welche aller Orten eine sehr zu empfehlende Tugend ist, gehört in warmen Klimate n zu der Pflicht der Selbsterhaltung. Wir können solche nicht dringend . genug der geringeren Klasse unserer Landsleute, die nach Amerika herüber kommen, anempfehler. Sie ist nicht nur der Gesundheit halber nothwendig, son­dern auch zugleich ein offener Empfehlungsbrief.

Fragt man uns, auf welche Weise der Passagier seine Gelder herüber schaffen soll, so können wir da­rauf eine richtige Antwort geben. Sind es nicht mehr als ein paar hundert Thaler, so wird es am leichtesten seyn, er bringt Spanische und Amerika­nische ganze und halbe Thaler mit, oder auch bra- banter Kronenthaler, französische 5 Frankenstücke und Goldmünzen, die jetzt hierzu einem günstigen Course gewechselt werden; aber ja nicht preußische Thaler, bei denen er stets verliert. Am üblichsten ist es, daß der Passagier Wechsel von sicheren Handlungshäu- scrn mitbringt, und das ist gut. Mitunter haben wir aber auch gesehen, daß er Wechsel auf entfernte Plätze, sogar Neworleans, hat, bei denen er hier auf ein paar Prozent Schaden rechnen muß. Ist der Betrag bedeutend, so würde sich wahrscheinlich der Einwanderer eben so gut stehen, wein er seine Gelder in Europa bei° einem sichern Hautz deponirte, und von solchen Akkreditivbriefe mit hierher brächte, um alsdann von hier dagegen trassiren zu können. Wechsel auf Rotterdam, Amsterdam, Bremen, Ham­burg und London sind hier immer zu begeben.

Bei der großen Anzahl von Zettelbanken in den vereinigten Staaten kann der Ankömmling unmöglich das gute Papiergeld von dem zweifelhaften oder schlech­ten unterscheiden; wir rathen ihm deßhalb, sich durch­aus mit keinen Banknoten zu befassen als solchen), welche die Worte: Bank of the United States ent­halten. Nur diese Noten der vereinigten Staaten Bank, wovon die kleinsten auf 5 Dollars lauten, sichern dem Inhaber im ganzen Lande das Recht, Zahlung in Silber zu bekommen, und sind deßhalb des leichteren Transports wegen dem baaren Silber vorzuziehen. Beim Umwechseln der größeren No­ten hüte sich der Emigrant also ja, nichts als diese eben bezeichnete Noten, oder Silber, zu nehmen.

Wo und wie bet Eingewanderte nun im Innern des Landes seine beste Niederlassung bewirken kann, darüber sind wir nicht im Stande, eine ganz rich­tige Ansicht zu geben. Es ziehen viel nach Penn- sylvanien und finden dort «ihr Fortkommen; mehr noch sind kürzlich weiter westlich gegangen nach den Staaten Ohio, Jndiana, Illinois, und selbst bis Missouri und Michigan. Wir rathen unsern Lands­leuren, darüber nicht eher zu entscheiden, als nach ersolgter Ankunft hier, ausgenommen wenn ihnen glaubwürdige Berichte zugekommen sind, denen sie mit Vertrauen folgen können.

Wenn wir nach unserer aufrichtigen Meinung ein Urtheil fallen wollten, so möchten wir sagen, der Staat Ohio verdiente wohl den Vorzug vor den an­dern weiter westlich gelegenen Staaten, einmal, weil dessen Lage so günstig für alle großen Märkte ist, und dann auch weil der Staat schon so sehr ange­baut, und der neue Ankömmling sich anS diesem Grunde dort nicht so sehr Krankheiten aussetzt, als in den weniger bebauten Staaten. Das urbar ge- machte Land ist wohl um eine Kleinigkeit theurer als in jenen, allein auch hier, so wie dort, noch viel Land zu Ein und ein viertel Dollars (etwa 3 Gulden) für den Acker von der Regierung zu haben.

Die großen atlantischen Märkte, wie Newyork, Philadelphia und Baltimore rivalisiern jetzt, um Ka­näle und Eisenbahnen nach Ohio anzulegen, und durch diese erleichterte Kommunikation und bedeu­tend verringerte Transportkosten gewinnen Ohio'S Produkte an Werth. Die weiter westlich gelegenen Staaten haben diesen für Ohio entschiedenen Vor­theil nicht, und sind beinahe einzig auf Newor- . leans als ihren Absatzmarkt beschränkt', welcher aber nicht der beständigste und bei der großen Wärme auch für manche Produkte unpassend ist. Wem eS aber in Ohio nicht gefällt, hat nichts versäumt, und kann leicht seinen Weg weiter westlich verfolgen.

Uns dünkt, daß deutsche Emigranten sich zur Re­gel machen sollten, sich in keinem Bezirk dieser Staaten niederzulassen, wo das Klima dem vor- theilhaften Anbau von Waizen und Roggen nicht angemessen ist. Diejenigen Gegenden, welche Welsch- korn, gusschließlich anderer Getreidearten, Baum­wolle, Zucker, Taback, u. s. w. hervorbringen, pas­sen, unsers Erachtend, gewöhnlich nicht für deutsche Landleute, weil sie die Kultur dieser Pflanzen nicht verstehen, welche auch meistens durch schwarze Ar­beiter und in den Staaten betrieben wird, wo noch Sklaverei herrscht; da hingegen Deutsche in ihrer fleißigeren und sorgfältigern Bearbeitung der War­zen - und Roggenselder den meisten Amerikanern sehr überlegen sind.

Es dürfte vielleicht für den Landmann, wenn er auch ein mäßiges Vermögen mitbringt, am rath- samsten seyn zuförderst, ehe er sich ankauft , auf ei­nige Jahre ein kleines Gut zu pachten, oder eine Zeitlang um Lohn zu arbeiten, bis er hinreichende