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Halten, wenn auch ihr Gebrauch nicht immer nö­thig , ja beschränkt ist.

11. Man ist von der, auch unausführbaren, Hänserfperre, wie von der Grenzsperre, völlig zurückgekommen. Sie machten durch moralischen Eindruck das Uebel offenbar ärger. Aber die Kran­kenstuben müssen außer Kommunikation gesetzt seyn, unbjt'ad^er durch aromatische kampherhaltige Es- sigdämpfe, und trockne Räucherungen, endlich mit Chlor gereinigt werden.

Dieses war vorläufig das Nothwendigste. Nun noch einige Bemerkungen. Die pr. Staatszeitung enthält die Anzahl der hier Gestorbenen wohl eher richtig, als die der Erkranktenüberhaupt und der Genesenden. Der letzteren sind bestimmt viel mehr, der Todten eher weniger, weil viele Apoplektische damit aufgeführt seyn können. Durch die anfäng­lichen, in das Leben und Weben der Menschen zer­störend, in die innerste Häuslichkeit widerwär­tig eingreifenden, Sperrungs- und Polizeimaßre­geln in ihrer allgemeinen Anwendung, und wodurch auch sogar die Aerzte zu sehr unter Vormundschaft sich genommen sahen, wurden die leichtern Fälle vielfältig, ja selbst die schweren bei bald entschie­dener Besserung und Genesung gar nicht angezeigt. . Die Versuche des englischen Arztes Dr. S e- arle im hiesigen Choleralazareth von Dr. Rom­berg find schlecht abgelaufen. Er gab zwei leich­ten Cholerakranken, einem 120, dem andern 110 Gran Kalomel binnen 8 Stunden, stündlich über 12 Grau, worauf beide in derselben Nacht unter reißenden Kolikschmerzen den Geist aufgaben, wo er die Kur Abends, als sie ankamen, begonnen./ Er erklärte nun: es seyen gar keine Cholcrakranke gewesen, sonst hätte das Kalomel helfen müssen, es wären remiktirende oder intermittfrcndc Fieberkran­ke gewesen. Da rntacgnete man natürlich: also aus Irrthum so viel Kalomel I! Auch ein Vor­schlag und Versuch mit Belladonna gewährte da­selbst kein günstiges Resultat. t- Kampherklystiere bewähren sich überall hier.

Der hiesige homöopathische Arzt, Dr. Stiele rhat wohl sonst zu thun , behandelte aber, so viel ich ge­hört habe, nur 3 leichte Cholerafälle, wovon einer mit dem Tode ausging. Die Kupferstrenkügelchen als Präservativ mögen sich manche bei ihm ho­len. Aber gerade in einem großen Gebäude, wo­rin sehr viele unbemittelte Familien wsbnen, hat er sie häufig ausgetheilt, und dennoch ist die Cholera auch da tüchtig ausgebrochen.

Noch etwas! Ja keine feste Grenzkordons und Kontumazanstalten! Hält man auf fremd wandern­de Leute aus befallenen Gegenden und Släd-

teu bei Gesundheitspässen noch gestatt Obacht, besonders auf Schiffer; richtet man es ein, daß kein Erkrankter ohne Wissen eines Arztes vorhan­den seyn kann; hält man die Krankenstuben isolirt und sieht auf die Reinigungen, so hat man genug gethan. Denn diese indische Kontrebande geht heim« lich,wie offen durch alle Bajonette und Kordons hindurch.

Was den Schutz für Kinder betrifft, den man dadurch erlangen will, daß man sie nach fernen Gegenden bringt, so wäre immer eine Familie zu­sammen am Ort zu behalten. Wer sich in Acht nimmt ohne Ängstlichkeit unterliegt schwerlich der Mittheilung.

Auszug eines Berichts aus St. Peters­burg an das köni gl.Mini-sterium der aus­wärtigen Angele geuh eilen in Berlin, vom 27. August 1831.

Ich glaube diesen Bericht am passendsten mit einer hierher gehörigen, aus guter Quelle geschöpf­ten, Thatsache schließen ^zu können.

In Dünaburg hatte die dortige, größtentheiks jüdische , Einwohnerschaft beim Ausbruche der Cho­lera, durch die heftigen Wirkungen der Krankheit erschreckt, die damit Befallenen ohne Hülfe und die daran Gestorbenen sogar mehrere Tage unbeerdigt gelassen. Die Furcht'vor dem Tode brächte sie zur Besinnung und zur Anwendung eines Mittels, wel­ches sich aufs Beste bethätigte.

Man errichtete nämlich mehrere mobile Laz'a- rethe, indem sich 6 bis 8 Menschen znsammentha- ten, die, mit allen zum Einreiben und zur äußern Behandlung erforderlichen Mitteln versehen, sich augenblicklich in die Häuser begaben, in welchen Personen von der Cholera befallen worden waren.

Während sie sich hier mit den Einreibungen be­schäftigten, wurden gewöhnliche Mauersteine im Ofen sehr erhitzt und in Tüchern gehüllt dem Kran­ken an alle Theile des Körpers gelegt, so heiß er es nur ertragen konnte. Nebst Eingebung ge­wöhnlicher schweißtreibenden Mittel ist auf diese Art die Ausdünstung bei den Patienten so stark her- vorgebracht worden, daß von 360 so behandelten Kranken nur 8 der Cholera erlagen, und die anderen von Nachkrankheiten befreit geblieben sind, die so häufig, durch den Gebrauch ausnehmend scharfer und erhitzender Mittel erzeugt, den von der Cholera Genesenen tödtlich werden.

Die bei diesen transportablen' Hospitälern verwendeten Krankenwärter wurden nicht ange­steckt. Aber jeder Kranke beschäftigte, bis die Krise vorüber war, wenigstens sechs gesunde, tüchtig zur greifende Menschen.

Berichtigung. Beim Umbrechen der Kolumne 572 veS vorigen Provinzialwochenblatts Nr. 42 sind aus Versehen die Gestorbenen in der ev. Gem. der Marienkirche unter die Rubrik der Ge- bornen gesetzt und so ein Theil abgedruckt worden. Die 7 letzten Zeilen S. 572 des ersten Spalts sowie die 2 ersten des 2. Sp. gehören unter die Rubrik : Gestorbene.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des vereinigten evangelischen Waisenhauses.