635 —
Gemeirlnüßige Nachrichten.
1. Die anhaltend nasse Witterung dieses Sommers '-.läßt nicht nur ein sehr nachthcüiges Ergebniß der Kartoffelernte, sondern auch befürchte», daß die weniger geernteten Kartoffeln leicht in Fäulniß übergehen werden. Wir empfehlen deßhalb auf trockene Einbringung und öftere Auslesung der faulenden Kartoffeln, wie nicht weniger auf sparsamen Verbrauch derselben die möglichste Sorgfalt zu verwenden, und in dieser Beziehung insbesondere die zeitige Sammlung und gute.Aufbewahrung der Keimaugen, nach der in der land- wirthschaftlichen Zeitung, Jahrgang 1827 , Pag. 33, und Jahrgang 1828, Pag.. 48, gegebenen Anleitung zu beachte». Hierbei können wir nicht unbemerkt lassen, daß nach den uns vorliegenden landwirthschaftlichen Berichten, jenes Verfahren bei den in den hiesigen Landen im vorigen Jahre damit angestellten Versuchen sich vollständig bewährt und die gepflanzten Keimaugen reichliche Ernten gebracht haben. Cassel am 5. Oktober 1829.
Kurfürst! Hess. Landwirthschaftsverein.
2. Aufforderung zu r Vertilgung der Ä ck e r s ch necke u.
Die sich bei der diesjährigen nassen Witterung wieder häufig eiustellende Ackerschuecke (Limax agrestis I-) veranlaßt uns, aufdie in landwirth- sckaftlicher Zeitung für Kurhessen (Jahrgange 1823 S. 119 f.f., 1824 S. 54, 1825 S- SO, 2) anempfohlenen Vcrtilgungsmittcl mit dem Bemerken aufmerksam zu machen, daß seither die Erfahrung eine zweckmäßige Anwendung des einen und andern, insbesondere das Behüten der mit Schnecken überzogenen Ländereien durch Schweine, Puter, Enten rc., das Annetzen des Saatkorns mit Kalkwasser, das Walzen der Accker u. s. w., als zuverlässig bewährt habe. Cassel den 1. Oktober 1829.
Kurfürstl. Hess. Landwirthschaftsverein.
3. Belehrung für den Landmanst, wie er sich bei der anhaltend nassen Witterung dieses Jahres zu verhalten habe, um sowohl die Ernten, als das Wohlseyn der Hausthiere gegen die Nachtheile derselben zu schützen.
In der landwirthschaftlichen Zeitung für Kurhes- sen findet der Land - und Hauswirtb vielfältig Rath u^d auf Erfahrung gegründete, bewährt gefundene und daher vertrauungsvoll anzuwendendeMittel angegeben , um den Nachtheilen zu begegnen , welchen die-Ernten sowohl, wie die Hausthiere bei so übler Witterung, als die diesjährige ist, und unter dieser ähnlichen'Umständen ausgesetzt sind. Man sehe z. B. dasjenige nach, was im Märzhefte dieser Zci- tnng vom Jahre 1827, S. 119 ff., hinsichtlich der
Nachtheile, die nach Ueberschwemmun- gen z »entstehen pflegen, und der dabei zu beobachtenden Vorsichtsmaßregeln mltgetheilt worden ist. Ferner, die Aufsätze über den Gebrauch und den Nutzen des Kochsalzes bei den Hausthieren (Jahrg. 1823, S. 130 ff.); über die Behandlung des Kalbefiebers bei dem Rindvieh (1824, S.42ff.); Mittel gegen dieLungenfäule des Rindviehs (1827, S. 119 ff.); Krankheiten unter dem Hornvieh (S. 259 ff.); über die Anwendung der Ge trcideharfen (1825, S. 201); des Heu- und Grummetbohrers (S. 28 ff.); die Heu-, Grummet- und Getreideernte bei anhaltend nasser Witterung zu bewahren und zu sichern (1824, S. 135 ff.); das Verfahren, Heu - und Grummet nahrhafter, als die gewöhnlich geernteten zu machen, unb zu feucht ei »gebrachte gegen Verderben und Selbstentzündung zu schützen (1825, S. 29 ff.); einfaches Mittel, Getreide auf Böden lauge Zeit vor Verderben zu bewahren (1826, S. 110 ff.); über das Trocknen des Korns (1828, S. 504) u. st. m.
In Betreff desjenigen, was nun noch insbesondere zur Vorbeugung der Gefahren, welche das anhaltende Regeuwetter dieses Jahres für die Gesundheit des Viehstandes besorgen läßt, zu thun seyn möchte ^dürfte nicht leicht etwas Zweckmäßigeres zur sorgfältigen Beachtung und Nachahmung zu empfehlen seyn, als die Abhandlung des Herrn A. Numann, Direktors der Thierarzneischule in U- trecht, über diesen Gegenstand, welche zuerst das kön. niederl. Gouvernement, und sodann auch das kön. preuß. Oberpräsidtum der Provinz Westphalen zur allgemeinen Nachachtung hat bekannt machen und verbreiten lassen. Wir theilen sie daher hier ebenfalls zu gleichem Zwecke und in gleicher Absicht nachstehend mit. Cassel am 2. Okt- 1829.
Kurf. Hess. Landwirthschaftsverein.
Rath für Landbewohner, um den Viehseuchen vorzubeugen, welche das dies
jährige Regeuwetter befürchten läßt. t
Daß eine anhaltende nasse Witterung gewöhnlich allgemeine Viehseuchen zur Folge hat, haben die traurigen Beispiele der Jahre 1809 und 1816 dargethan. Auch in dem vorjährigen Sommer hat, wiewohl in geringerem Maße, als in den genannten Jahren, der laugdauernde Regen auf diejenigen Thiere, welche beständig auf den Weiden bleiben mußten, die Wirkung gehabt , daß sie zum-gro- ßen Theile erkrankt sind., In vielen Provinzen sind die Schafe faul geworden, und die Verluste bei den Heerden mancher Gegenden waren dadurch sehr bedentend. Auch das Rindvieh und die Pferde wur- den ebenfalls mit der Wassersucht, Egclkrankhert
(Mit 2tex Beilage.)