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Gemeinnützige Nachrichten.

Belehrung über das Verhalten bei den gegen­wärtig in verschiedenen Orten der hiesigen Pro­vinz ausgebrochenen Masern.

(Eingerückt auf Befehl kurfürstlicher Regierung.)

Die jetzt herrschenden Masern, oder, wie sie in der hiesigen Gegend fälschlich genannt werden, Rötheln, welche in der Regel nur Kinder, zuweilen jedoch auch Erwachsene befal­len , sind im Allgemeinen gutartig und gefahrlos, wenn die daran Erkrankten gehörig gehalten und besorgt werden. Vermehrt man dagegen durch ein unpassendes Verfahren die KrankyeitsznfLlle, oder ist zu sorglos und nachlässig nach dem Verschwin­den des Ansschlages und seiner Begleiter, so muß freilich oft grosse Verschlimmerung und nicht sel­ten der Tod eintreten.

So wie ein Kind von Fieber, Kopfschmerz, Husten, Schnupfen, Empfindlichkeit der Augen und kleinen rothen Flecken, die gewöhnlich zuerst im Gesichte herauskommen, ergriffen wird, und also 'bie Merkmale der ausgebrochenen Masern . vorbandemsind, so hat man es sowohl vor aller Erkältung und Zugluft, als auch vor einem, eben so nachtheiligen, oft noch schädlicheren, allzuwar- men Verhalten oder vor Erhitzung zu bewahren. Man bringe es deshalb gleich zu Bette, das es nicht eher verlassen darf, bis aller Ausschlag und die hauptsächlichsten Krankheitszufälle völlig ver­schwunden erscheinen. Das übermässige Cinhül- leu der Masernkranken in Federbetten vermehrt alle Zufälle, und sie dürfen, bei ruhiger Lage, blos leicht bedeckt seyn. Ist das Wetter gelinde, so erwärmt man die Stube gar nicht, und nur mässig, falls die Witterung kühler erscheint. Vergrößert man nämlich durch zu dicke und war­me Federbetten, durch starke Ofenwärme, auch wohl durch erhitzende, warme Getränke, das oh­nedies schon bedeutende Fieber und die Hautentzün­dung solcher Kranken, .so können sehr leicht die übelsten Folgen entstehen, wie es vielfältige Er­fahrung leider genug erwiesen hat.

Das gewöhnliche Waschen der Haut unterbleibt so lauge, bis aller Ausschlag und'alles Abschäleü oder Abschuppen der Haut vorüber ist. Da in den ersten 5 bis 6 Tagen die Augen in dieser Krank­heit sehr empfindlich sind und das Licht scheuen, so hat man dafür zu sorgen, daß durch das Ver­hängen der Fenster, und durch Abhalten der Licht­

flamme eine stete Dämmerung in der Krankenstu­be-erhalten werde. Während des Fiebers und Ausschlags muß man sehr einfache Kost reichen, blos Milch, Wassersuppen, Weißbrod, etwas ge­kochtes Obst zum Trinken Hafer-, Reis - oder Gerstenschlei«, warme Milch'mit Wasser, Über- schlagenes Wasser mit braunem Zucker. Nachtbei- lig im Zeiträume des erhitzten Zustandes und Aus­schlags sind Fleisch, Fleischbrühen, Kaffee, Wem k. Zum Heraustreiben des Ausschlags war­mes Bier, starken Hollunderblüththee, warmen Wein k. zu geben, ist höchst schädlich.

Wenn einige Tage, nachdem die Röthe auf die Haut getreten, ein mässiger Durchfall entsteht, so * hat man nichts zu thun, als mehr schleimige Ge­tränke, kein Wasser und kein Obst, gemessen zu lassen.

Mit dem Verschwinden des Fiebers und Aus- schlags wird die Haut rauh, und bei Vielen (nicht bei Allen) schält sie sich etwas, und erhält ein Ansehen, als wäre Mehl aufgestreut. Jetzt sind die Kranken wärmer zu halten, ihnen auch nahrhaftere Spei­sen, Eier, Fleischbrühsuppen und Fleisch zu rei­chen. Eine Hauptsache bleibt dann, daß alle die­jenigen, welche, wenn gleich sehr gelinde, diese Ausschlagskrankheit überstanden haben, im Falle sie auch gesund erscheinen, nicht zu früh der Luft ausgesetzt werde». Die gefährlichsten Rachkrank- heiten, besonders Brustübel, Drüsenverhärtun- gen, Geschwüre, Augenleiden u. a., langes Sie­chen und, früher Tod, sind öfters Folgen solcher Vernachlässigungen. Jeder, der , zumal in der küh­leren Jahreszeit, die Masern gehabt hat, sollte überhaupt mindestens fünf Wochen, nach Umstän­den auch länger, in der Stube gehalten werden. Häufig beklagten Eltern zu spät ihre Unvorsichtig­keit, welche durch das Wohlseyn ihrer Kinder gleich nach den Masern sich verführen liessen, sie in die Luft zu schicken. Gehen die Kinder nach gehöriger Zeit wieder aus, so muß ihre Kleidung, wegen der sehr empfindlichen Haut, weit wärmer als gewöhnlich sey».

Sobald sich im Verlaufe der Masern Zufälle von grosser Heftigkeit einstellen, ungewöhnlich starker Husten, heisere Stimme, Seitenstich, Blutspeien, Kurzathmigkeit) Brustbeklemmung, beträchtliche Augenentzündung, verhindertes Schlin­gen, hoher Grad von Fieber mit Jrrseyn, plötz­liches Verschwinden des Ausschlags, Schmerzen im Leibe, Krämpfe, Ohnmachten rc., so ist ein Arzt zu Rathe zu ziehen, was bei den Nachkrankhciten ebenfalls dringend nothwendig wird.

Gedruckt und verlegt in der Campe' schen W a isen h au sb u chdru ckere i.