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Gemeinnützige Nachrichten.

Auf Verfügung kurfürstlicher Regierung eingcrückt.

Bei der anhaltend warmen Witterung in der ge­genwärtigen Jahreszeit ereignet sich es oft, daß Menschen, besonders Landleute, während der Feld­arbeiten, welche erhitzt, um sich Abkühlung zu verschaffen, kalt trinken, oder in einem Flusse oder Bache baden, plötzlich erkranken. Leiden des Kopfs, der Brust oder des Unterleibs sind dann die Folgen solcher Unvorsichtigkeiten. Na- mentlich können dadurch veranlaßt werden, hef­tige Katarrhe, Blutspeien, Schlagflüsse, Ent­zündungen des Gehirns, des Halses, der Lun­gen, der Gedärme, Kolik, Brechen, Durchfall, Ruhr. Nicht selten stechen dergleichen Men­schen lauge an scheinbar unbedeutenden Ue­beln , die erst spater sich als gefährliche, ja un­heilbare, darstellen, und wohin vorzüglich die Lungenschwindsucht gehört.

Um den Krankheiten, die das heisse Wetter leicht nach sich ziehen kann, zu entgehen, ist da­her die erste Regel, nicht ganz kalt zu trinken, wenn 'der Körper noch erhitzt, der Blutumlauf und die Hautausdünstung noch vermehrt sind. Man lasse erst durch Ruhe Abkühlung eintreten, und trinke dann, nachdem man vorher einige Bissen Brod gegessen hat, nicht zu kalt, auch nach und nach. Wer sich in der Hitze durch kal­tes,Trinken, oder durch andere Erkaltung ge­schadet haben kann, suche die Ausdünstung wie­der herzustellen. Hierzu dienen Bewegung, Ar­beiten, Gehen, Vermeidung der Zugluft, beim Nachhausekommen Wechseln der vom Schweissc durchnäßten Wäsche mit trockener, erwärmten, einige Tassen Flieder- oder Hollunderblüththee im Bette getrunken.

Bei wirklich sich einstellenden Zufällen von Kranksepn müssen alle erhitzende Getränke, Branntwein, warmes Bier, starker Kaffee rc., gemieden, dagegen Wasser mit warmer Milch, Lindenblüththee, durchgeschlagene Abkochung von Hafergrütze getrunken werden. Der Kranke halte sich im Bette, nicht zu schwer bedeckt, in einer kühlen Stube auf. Er darf keine grobe, schwer­verdauliche Speisen, frisches Schwarzbrod, Käse rc. sondern nur leichtere Nahrung, Suppen von Gerstenschleim, Milch rc. genieffen. Bei man- geütdev Oeffnung gebe man ihm ein Klystier aus einem durchgeseiheten Absude von Weitzenkleie oder Leinsamen. Dauert das Uebelbefinden fort, so muss ein Arzt zu Hülfe gerufen werden, weil durch längeres Warten Gefahr für den Kranken entstehen kann.

Die ungewöhnlich warme Witterung reizt auch mehr als sonst die Menschen zum Baden in Flüs­sen, Bächen unk? Gräben. Es ist daher nicht

selten, daß sie noch erhitzt ins Wasser kommen, und die plötzliche Erkältung ihrer Gesundheit Nachtheil bringt.

Der Fall hat sich oft ereignet, daß unter sol­chen Umständen der Tod durch Schlagfluß im Wasser erfolgte.

So sehr das Baden im flicssenden Wasser zur Erhaltung der Gesundheit dient, so sehr kann es durch Unachtsamkeit und Mangel an Vorsicht schäd­lich werden. Mau bade daher nie kurz nach dem Essen, am besten Morgens oder Abends. Nie­mals gehe man mit erhitztem Körper ins Wasser, und. beim Eintritte in dasselbe wasche man sogleich den ganzen Kopf, bleibe auch nicht langer als eine Viertelstunde darin. Bei nasser, windiger, kühler Witterung ist das Baden im Freien ganz zu unterlassen. Wer 311 Bluthusten geneigt ist, darf nicht im Flusse baden.

Eine besondere Aufmerksamkeit unter den Krank­heiten, welche leicht auf Erkältungen in den spätern warmen Monaten sich entstellen, verdient die Ruhr deshalb, weil sie, zumal auf dem Lan­de, oft höchst verbreitet herrschend, und dann auch ansteckend wird. Sie anssert sich durch hef­tige, gewöhnlich von einem Fieber begleitete, Leib- schmerzen, mit einem steten Drängen.zum Stuhl­gange, obgleich dabei keine gehörige Ausleerung, sondern nur Blut oder Schleim, anfänglich mit Koth vermischt, abgeht. Diese Krankheit er­scheint am Ende, nicht selten aber auch bereits in der Mitte des Sommers, wenn kühle Abende und Nächte mit heißen Tagen wechseln. In sol­cher Jahreszeit,- bei eigenthümlicher Luftbeschaf- fenheit, veranlassen Erkaltungen, denen der Land- mann nach der erschöpfenden Hitze am Tage, der Erholung wegen, sich so gern anesetzt, häufig die Ruhr.

Wer deshalb vor "ihr gesichert seyn will, muß hauptsächlich jede Erkältung, besonders des Un* terleibs und der Füsse, zu verhüten suchen. 'Vor­züglich meide man Zugluft, das Schlafen bei öff­nen Fenstern, zu leichte Kleidung, den Aufent­halt mit blossen Füssen in der Abendluft, das Liegen auf bethautem Grase, das kalte Trinken, Waschen oder Baden bei erhitztem Körper. Das beständige Tragen einer dünnen wollenen Binde um den Unterleib ist ein gutes Vorbauungsmittel. Was die übrige Lebensordnung anlangt, so ent­halte man sich des Genusses sehr fetter Mehlspei­sen, des unreifen Obstes, der uffzeitigen Kartof­feln, der ganz kalten sauren Milch, des Aepftl. ffffoder Birnmostes, des jungen Biers rc., trinke zu­weilen etwas mit bittern Kräutern (Wermurh, Enzian rc.) «»gesetzten Branntwein, oder es» Glas Wein, und gehe jeder Unverdaulichkeit mög­lichst aus dem Wege.

Sind Ruhrkranke bereits im-Wohnorte,, so meide ma«," wenn es nicht die Umstände vertan-