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Gemeinnühige Nachrichten.

Gutgemeinter Wink für Auswande- rungslustige.

Ich habe mich durch eine Familie, die Answan- derungslustige unter sich zählte, .veranlaßt gesehen, an einen guten Freund, Schlossermeister in Ham­burg, zu schreiben, und mich bei demselben zu Er­kundigen, was man dort von dem Schicksale der nach Brasilien Ucberzjehendcn wisse. Es kam hier­auf unverzüglich eine Antwort, welche ich hier mit- theile, um dcneujenigen meiner Landsleute, welche von einer unüberlegten Auswandernngssucht ergrif­fen seyn möchten, eine heilsame Warnung zu geben. Jedem, welcher das Original des Hamburger "Brie­fes einzusehen wünscht, werde ich solchen mit Ver­gnügen bei mir vorlegen.

Darmstadt, den 15. April 1825.

Nürnberger, Schlossermeister, wohnhaft nahe bei der katholischen Kirche, Lit. I. Nro. 28.

Hamburg den 5. April 1825.

Bester Freund! Du wünschest Auskunft zu haben über das Auswandern nach Brasilien, das kann ich Dir nun nicht anders als ein trauriges Bild des größten Elends vorstellen, und wo ich Dir gewiß alles von berichten kann mit der größten Wahrheit. Es ist ein Kapitän, der alle Tage erwartet wird, auf der Zuhausekunft unterwegs, den ich als Knabe von zwei Jahren oft auf dem Sinn getragen. Der Obersteuermann, von dessen Frau und Kindern ich Kanzleivollmacht habe, der Untersteuermann, den ich auch genau kenne, diese haben zwei Transporte nach Brasilien geliefert, allein die Schilderung des Elends, wo diese wahrhaft unglücklichen Menschen mit kampfen müssen, ist über alle Beschreibung; hat man noch Gefühl, so weiß ich nicht, wo es möglich ist, einen solchen Schritt zu thun, der größte Böse- wicht verdient kann eine solche Strafe. Denke Dir ein Kauffahrteischiff, für sechs Menschen ist der Raum,

sechs Fuß Quadrat, wo sie liegen übereinander: nun1 wird schlecht Wetter, so dürfen sie nicht oben auf's Deck und kommen nur 15 und 15 wechselnd nach oben, um das Essen, welches wie den Schweinen ihnen gereicht wird; sobald es genossen, müssen sie herunter, und nun den Geruch und die Ausdünstung 63 Tage, wenn sie gute Fahrt haben, auSznhalten! Es ist ein Seelenverkäufer hier gewesen, der hat die Werbung besorgt, allein durch drei Menschen, welche zurückgekommen, ist alles verrathen, diese haben den Betrug sonnenklar gemacht, von der Zeit darf kein Schiss von hier mehr befrachtet werden. Die Meck­lenburger Sträflinge sind die letzten gewesen, die von Curhaven gegangen. So wie sie in Brasilien ankom­men und aus Land kommen, sind sie dem Mangel und dem Elend ausgesetzt, und werden 150 Meilen weit im Lande transportirt, hat eine Familie Meld, so kann sie unter 3 bis 4000 Rthlr. nichts aufangen, um sich anzusiedeln, denn sie müssen alles urbar ma­chen. Briefe der Verwandten kommen gar nicht her, der Kapitän, .der so etwas mitbringt, darf nicht wie­der die Häfen besuchen. Die Menschen, die zurück- gckommen, sind in Schiffen versteckt gewesen, das der Kapitän nicht gewust. Bitte, beßter Freund I ' rathe einem jeden doch ab, dem sein Wohl auf der Welt lieb ist, denn Brasilien liefert ein trauriges Bild der Zukunft. Von den 340, die mit Hoppe giengen, sind 6 wegen Meuterei tod geschossen und nur noch 40 am Leben. Die Nachricht ist hier vor 7 Tagen gekommen. Hier darf kein Hamburger oder Fremder mehr weg, wenn er nicht von seiner Re­gierung einen Schein vorznwcisen hat, und Mittel besitzt, sich dort sein Auskommen zu verschaffen. Un­sere Gefangenen, die im Zuchtspinnhause waren, sind für kaiserliche Rechnung in die Bergwerke transpor­tirt worden, weil auch die gemeutert haben. Sobald nun der obenerwähnte Kapitän in die Stadt kommt, will ich Dir ein Mchreres schreiben, wie es den unglücklichen Schlachtopfern gegangen. Rathe doch einem jeden ab, mit dem Motto:Bleibe im Lande und nähre dich redlich." Grüsscrc.

Gedruckt und verlegt in der Campe' sch en Waisenhausbuchdruckerei.