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Ratgeber fürLandwirtschaft,

=====^=2====== Gartenbau und tzauswefen. t.--:-—-:-:^

Hr, 26. ^ 42. Zahrgang. er o □ Gratisbeigabe zum Bonifatiusboten. □ □ Zulda, den 18. Dezember 1932

Warnung vor beirngecijchen Sarlehns- vermMlern.

Der Darlehensvermittlungsschwindel nimmt in letz­ter Zeit wieder in erschreckendem Maße zu. Mit allen möglichen Mitteln wird versucht, das darlehenssuchende Publikum zu schädigen. Größte Vorsicht ist gegenüber den verlockenden Geldangeboten, die jetzt wieder massen­haft in verschiedenen Tageszeitungen erscheinen, geboten. Zur Zeit werden Kredite zu niedrigen Zinssätzen gegen Ratenrückzahlung oder Darlehen bei sofortiger Aus­zahlung angeboten. Dabei werden den Suchenden er­hebliche Vorspesen abgenommen, während Darlehen nur in den allerseltensten Fällen und dann nur unter Be­dingungen gewährt werden, die den üblichen Zins- oder Provisionssatz weit überschreiten. Am gefährlichsten sind die Vertreter und Werber solcher angeblicher Geld­geberfirmen, die hochklingende und vertrauenerweckende Bezeichnungen wie „Genossenschaft, Größter Kapital­oder Geldmarkt, Darlehensinstitut, Finanzierungsgesell- schaft „Kreditanstalt" usw. führen. Die Tätigkeit bieder Vermittler besteht lediglich darin, daß sie mit den Dar- lehenssuchenüen unter allen möglichen Versprechungen und Zusicherungen Verträge abschließen, sich die Grundstückspapiere aushändigen und für ihre Tätigkeit im Voraus sogenannte Vorspesen, wie Reisekosten, Prü­fungsgebühren usw. bezahlen lchfen. Diese Papiere nebst den Anträgen gelangen dann an die Geldgeber- firmen, die aber nur dann geneigt sind, der Sache näherzutreten, wenn die Antragsteller bereit sind, für die weiter notwendig werdenden Kosten aufzukommen. Vielfach lassen sich aber diese Vermittler auch Grund­schuldbriefe übereignen und sich deren Verwertung ver­traglich zusichern. In diesen Fällen erhält der Antrag­steller fast nie den vollen Gegenwert, sondern nur einen geringen Bruchteil hiervon. Er muß aber über kurz oder lang von einem gutgläubigen Erwerber den wah­ren Kaufwert, der meistens nur 15—20 Prozent unter dem Neynwert liegt, erfahren, und muß dann den vollen Wert zurückbezahlen. Aus dise Weise ist schon mancher in bedrängter Lage befindliche Landwirt um 'ein Hab und Gut gekommen. Man kann sich gegen derartige Schwindelunternehmen nur schützen, wenn man bei Vertragsabschlüssen sehr vorsichtig ist und fol­gende Richtlinien beachtet:

1. Je günstiger und verlockender ein Angebot er­scheint, desto vorsichtiger beurteilt man es.

2. Bevor man mit unbekannten Firmen in Verbin­dung tritt, hole man sich Auskunft ein (Siehe Ziff. 9!).

3. Man leiste unter Verträge feiertet Unterschrift, ehe man diese Verträge genau durchgelesen und ver­standen hat. Umfangreichere Vertragsformulare laste man sich vor Unteridyrif■sleiftun« aushändigen und lese sie genau durch oder bespreche sie, was noch besser ist. mit fach- und rechtskundigen Personen oder Stellen.

4. Nichtkaufleute sollten keine Verträge unterschrei­ben, in denen ein Gerichtsstand vereinbart ist. Der ge­setzliche Gerichtsstand ist der Wohnort des Beklagten.

5. In allen Fällen, in denen Voreinzahlung von Geldbeträgen verlangt wird, sei man doppelt vorsichtig. Gerade solche Vermittler sind die gefährlichsten.

6. Wer Darlehen in Anspruch nehmen will, tue dies nur, wenn er Sicherheiten nachweisen kann, deren Wert die beantragte Darlehenssumme um ein Mehrfaches faches übersteigt. Von Vermittlern lasse man sich vor Vertragsabschluß die Geldgeber nennen und ziehe Erkundigungen ein. Werden Vorschüsse verlangt, dann ist besondere Vorsicht am Platze.

7. Die Erfolge sogenannter „Kapitalfachzeitschriften", „Kapitalnachweise" und „Interessengemeinschaften" be­stehen vielfach nur in der Uebersendung wertlo'er Of­ferten zu hohen Gebühren gegen Nachnahme. Man er­teile Aufträge nur nach vorherige Auskunftseinholung.

8. Bau- und Mobiliarzwecksparkassen kommen nur für solche Interessenten in Frage, die die Darlehen nidyr in kürzester Zeit benötigen. Die Wartezeiten bis zur Zuteilung sind Mindestwartezeiten, die unter Umstän­den erheblich überschritten werden können.

9. Die Zentralstelle zur Bekämpfung der Schwindel­firmen in Hamburg 11, Börse, Zimmer 218, gibt kosten­los gegen Einsendung des Rückportos Auskunft über Firmen, die sich mit der Darlehensvermittlung und -Ge­währung befassen, sowie über Bau- und Zweck-Spar­kassen.

Aeierlags-Erkrankunge«.

Eine althergebrachte Sitte ist, bei Doppelfeier­tagen die Speisen reichhaltiger und schmackhafter zu gestalten für die einzelnen Mahlzeiten, als es sonst üblich ist. Trifft doch manche ehrgeizige Haus­frau ihre Vorbereitungen schon wochenlang vor dem Feste. Auch den Getränken widmet man größte Aufmerksamkeit und genießt Weine, Li­köre, Bohnenkaffe usw. Neben den ungewohnten Mahlzeiten, die in der Regel an die Verdauungs­organe größere Anforderungen stellen als die ge­wöhnlichen, werden zwischen den reichlichen Mahl­zeiten vielfach Süßigkeiten aller Art wie Klein­gebäck, schwere, überfette und festgebackene Kuchen, Torten und leicht zersetzbaren Cremeeinlagen, Schokolade, Pralinen mit allen möglichen Füllun­gen versehen, schwer verdauliches Marzipan usw. genossen. Berücksicht man, daß trotz der großen Nahrungszufuhr fast keine körperliche Betätigung stattfindet, so liegt es auf der Hand, daß viele die Tafelfreuden der Festtage mit Verdauungsstörun­gen bezahlen müssen. Manche Verda"ungsbe- schwerde nach den Feiertagen geht allmählich über in eine chronische, ohne daß vielfach die Ursache noch erkannt wird. Werden die Nahrungsmittel auch noch schlecht gekaut und gelangen in groben Brocken in den Magen, so enthält sich oft der Magen der schwer verdaulichen Dinge durch Erbrechen. Vielfach treten Schmerzen, namentlich wenn eine nicht seltene träge Darmtätigkeit besteht, im Ma­gen und Darm auf, die am besten durch Abführ­mittel (Sennesblätter, Rizinusöl) und Darmspü­lungen bekämpft werden. Ferner ist zur raschen Genesung unbedingt erforderlich, ein bis 'wei Tage sich nur auf Schleimsuppen und unoesüßten Tee zu beschränken. Auck in den nächsten Tagen ist eine nicht allzu reichliche Kost unter Vermeidung schwer verdaulicher Speisen am Platze. Oft treten bei Außerachtlassen dieser Vorsichtsmaßnahmen Rück­fälle auf. Die Ueberfütterung an Festtagen findet sich nicht nur bei Erwachsenen, sondern sehr oft bei Kindern. Ferner können durch das Ueberangebot an Nahrungsmitteln auch Gallensteinkoliken, Blinddarmentzündung usw. hervorgerufen wer­den, die solor.t ärztlicher Behandlung zugef"'hrt werden müssen.

Durch den vermehrten Genuß von alkoholhal­tigen Getränken und Rauchwaren aller Art können die Kreislauforgane eine zu starke Belnst'mg erfah­ren. Es kann zu einem Gehirn- oder Herzschlag kommen, der gelegentlich tödlich verlaufen kann. Auch der Brustkrampf (Agina pectoris), der émem artige, einem Rheumatismus der Muskeln ähnliche Schmerzen in der linken Schulter und im linken Arm hervorruft, ist gimufy'fübren auf Alkohol- und Tabakmißbrauch. Bei derartigen Kreislauf­störungen ist ebenfalls ärztlicher Rat einzuholen.

Um an Feiertagen keine Gefundheitefchädi- aungen zu erleiden, huldige man den leiblichen Genüssen der Festtage nur in mäßigen Grenzen "nd versäume nie, durch entsprechende körverliche Betätigung den Organismus zu stählen. Auch an Feiertagen halte man die Gesetze der Hygiene em.

Der Obstbaumkrebs — ein gefährlicher Schädling!

Krebswunden an Obstbäumen find nicht nur unschön, sondern setzen auch die Lebensdauer des Baumes außerordentlich herab. Die Krebs­wunden schließen sich nicht durch UebermaUung, werden vielmehr allmählich größer; der Baum

versucht natürlich, vom Rande her den Schaden abzukapseln, doch gelingt ihm das nicht, weil die Ueberwallungsversuche immer wieder absterben. Der echte Krebs ist auf einen Pilz zurückzufüh­ren; krebsähnliche Wunden entstehen nach häufig wiederholten strengen Frösten, aber auch bei Ueber- Handnehmen der gefürchte'en Blutlaus

Fast regelmäßig tritt der Krebs an Astwinkeln oder an Orten ach, wo früher kleine Aeste saßen, die nun abgestorben sind. Der Schaden zeigt sich am raschesten bei kleinen Zweigen, weil hier die Saftzufuhr zu den darüber liegenden Teilen sehr schnell stockt, so daß Spitzendürre eintritt. Der Pilz zerstört meist nur die Rinde. Darunter liegt das Holz frei.

Am leichtesten zu erkennen ist der echte Krebs bei Kernobstbäumen, weniger deutlich sind die Er­scheinungen am Steinobst, weil hier and) andere Gründe für den dabei aufiretenben Gummifluß maßgebend sein können.

Die Beseitigung von Krebswunden sollte kein Baumpfleger unterlassen. Es gilt, diese sorgfältig auszuschineiden, und zwar einige Zentimeter tiefer, als das Holz noch als krank erkennbar ist. Die Wunde wird schließlich mit warmem Steinkoh-- len'eer bestrichen Stauende Nässe scheint für die Entwicklung des Krebses besonders günstig zu sein, so daß in solchen ßaaen unbedingt für eine ent­sprechende Dodenverbesseruna zu sorgen ist; dar­über hinaus sollten aber in weniger günstigen Gegenden nur widerstandsfähige Sorten zur An­pflanzung kommen.

Gerade unsere besten Aepfelsorten, wie der weiße Winter-Calvill, die Kanada-Renette, die Ananas-Renetze und die amerikanischen Sorten Pe- ping und Ontario, sind gegen Krebsbefall beson­ders anfällig, während der rote Eiserapfel, Boi- kenapfel und Fürstenapfel verhältnismäßig wider­standsfähig sind, also sich für weniger günstige La­gen empfehlen.

Vom Kalken der Obstbäume.

Die Ansicht, durch Kalkmilch würden die Schäd­linge vernich et, ist nicht ganz zutreffend. Gleich­wohl kommt dem Kalkanstrich eine hohe Bedeu­tung zu. Diese besteht einmal darin daß im Ver­ein mit der mechanischen Bearbeitung durch Krat­zen und Bürsten eine gründliche Reinigung des Stammes erfolgt und diese Wirkung ist um so grö­ßer, je weiter der Anstrich eventl. mit einer Spritze bis in die Krone ausgedehnt wird.

Die größte Bedeutung des Kalkanstrichs liegt in feiner Wirkung als Frostschutz. Die weiße Farbe des Stammes verhindert eine zu starke Erwär­mung des Holzes an schönen sonnigen Herbsttagen bzw. im Frühjahr an Frühjabrstagen, die verhäng­nisvoll werden kann, wenn Nachtfröste unmittelbar folgen. Die Wirkung der Fröste: Frostplatzen, Frostrisse werden vermieden durch den Kalkan­strich. Wenn wir nun bedenken, daß Frostrisse aber auch an den Aesten und Zweigen entstehen können, daß sie sehr häufig Ausgangspunkt werden für Nectriakrebs, für Blutlausansiedlungen, dann wird es einleuchtend, wie vorteilhaft es ist, wenn der ganze Baum mit einem weißen Ueberzug versehen wird.

Ein Vorteil besteht auch darin, daß mit der Verhinderung einer zu schnellen Erwärmung bn Frühjahr gleichzeitig einem zu zeitigen Saftsteiqen und Austreiben vorgebeugt wird. Der spätere Austrieb kann aber dadurch von großem Wert werden, daß Schädigungen an jungem Laub und Blüten durch Spätfröste verhindert werden.

Es ist also vor allem die weiße Farbe des Kalk­anstrichs. die diese Wirkungen auslöst. Daher ist es auch falsch, die Farbe des Kalkanstrichs durch Zu 'atze dunkler zu machen, weil hierdurch seine Wirkung als Frostschutzmittel herabgeseßt wird,