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es bitter fast, und ein scharfer Wind der dichte Schneemassen mit sich führte. drang ihnen enb gegen.

Brrr!" machte der verwöhnte Großstädter und schüttelte sich,haben mir einen weiten Weg zu machen Sassen?"

Nur einige hundert Schritte," antwortete der Ar-t, stehenbleibend und geradeaus deutendsiehst du dort drüben die zusommengebauten Arbester­häuschen? Dort liegt unser Siel."

Willst èm mich in die Wohnungen armer Cent? führen?" rief Drolshagen erstaunt

Gewiß, mein Freund! Hast du übrigens vergessen, daß du dich vollständig meiner Führung anvertrauen wolltest?"

Verzeih! Also in Gottes Namen voran, so sonderbar mir auch die ganze Geschichte erscheint!

Als sie bald darauf die schmale Straße des Arbeit terviertels durchschritten, schien jede Redelust von Drolshagen gewichen.

Die Umgebung behagte ihm augenscheinlich nicht sehr, was Doktor Sassen aber gar nicht be­achtete. Die Häuser zeigten sich alt und unsauber; hier und dort erschollen drinnen lärmende <5tmv men. und trüber Lichtschein fiel durch die schmalen Fensteröffnungen. Beschmußte Männer, von der Arbeit heimkehrend, schritten an ihnen vorüber.

Hier können wir beginnen." sagte der Arzt und blieb vor dem Eingang eines niedrigen Hau­ses stehenfo'ge mir ohne Sorge, Drolshagen, nur achte ein wenig auf deine Schritte, denn d'e Treppe ist steil und ausgetre en "

Sie kletterten eine schmale Stiege hinauf, und Sassen öffnete nach kurzem Anklopfen eine Tür. Der Raum, den sie nun betraten, war klein und sauber, wies aber nur die no wendigsten Möbel auf.

Eine gebeugte, verhärmte Frau, die am Tisch gesessen und eine Näharbeit verrichtet hatte, trat ihnen entgegen. Sie warf einen besorgten Blick in die dunkelste Ecke des Zimmers, wo die Umrisse einer Bettstelle sich undeutlich abze^ ebneten. und sagte seife:

Er schläft schon so lange, Herr Doktor; gut. daß Sie kommen. Es wird doch wohl nicht schlim­mer sein mit dem Jungen" eine tiefe Angst klang durch die Stimme der alten Frau.

Der Arzt schritt hastig auf das Lager zu und horchte auf die Atemzüge des Kranken. Als er wie­der an den Tisch trat, winkte er beruhigend.

Machen Sie sich keine Sorgen, Frau Kramer, und lassen Sie Ihren Sohn ruhig schlafen. Hal er von dem Weine getrunken, den ich ihm verord­net habe? Wie steht's um seinen Appetit haben Sie ihm etwas kräftigere Speisen gereicht?"

Von dem Wein hat er getrunken, aber mit den kräftigeren Speisen das w rd mir so schwer. Herr Doktor das Krankengeld ist so gering."

Leider, leider!" nickte Sassen und zog einen der sauberen Geldscheine hervor,hier. Frau Kra­mer-, etwas für die nächste Zeit."

Ach, Herr Doktor".

Pst, sprechen S'e nicht so laut; Sie wecken ja Ihren Sohn auf! Dieser Herr hier. mein Freund, schenkt Ihnen das Geld als eine kleine Beihilfe."

Dank, Herr, innigsten Dank!" stammelte die Alte und umklammerte mit zitternden Händen Drolshagens Rechte,ach, wenn Sie müßen ..."

Schon gut, Frau Kramer also etwas kräf­tigere Speisen, wie ich schon sagte," schnitt Sassen die Dankesbezeugungen der alten Frau ab und zog den Freund mit sich fort. Draußen erklärte er ihm:

Der Sohn dieser Frau ist vom Neubau abge­stürzt und hat eine ernste Kopfverletzung erlitten. Er befindet sich auf dem Wege der Besserung und müßte tüch'iq genährt werden; aber die Leute sind so arm, daß sie kaum ihre Wohnungsmiete und die einfachsten Lebensmittel erschwingen können "

Aber unsere zahlreichen Wohltätigkeitsver­eine? Können sie bei solchen Gelegenheiten nicht helfend eingreifen?"

Sie helfen ja nach Kräften, können aber doch nicht alle Not lindern die Geldmittel sind zu knapp. Nicht jeder Wohlhabende öffnet seine Börse für gute Zwecke; Mildtätigkeit und Nächstenliebe sind heutzutage nicht leicht aufzufinden!"

Drolshagen antwortete nicht und schien in Nachdenken zu versinken. Mittlerweile waren sie über die Straße hinweggeschritten und kamen jeßt durch einen zugigen Torweg, der zu einigen ab- feitsliegenden Wohnstätten führte.

Wir kommen jeßt zu einem Ehepaar. das V Jahren vom Unglück Desolat wird." erklärte der Arzt.Der Sohn dieser Leute war im Estenbabn- dienst tätig und hat durch einen Unfall sein Leben verloren. Aus Gram und Verzweiflung ist der Vater, ein Fabrikarbeiter, zum Trinker geworden, der. wenn der Taumel über ihn kommt, den letzten Gegenstand ins Wirtshaus trägt. Dis einnge Tochter der Leute, ein kränkliches, sechzehnjähriges Mädchen, hat einige Groschen mitverdienen wol­len, um die Mutter zu unterstützen, und ist mit dem Vater zur Fabrik gegangen. H'er ist sie in ein: Maschine geraten, die ihr den rechten Arm der­maßen zugerichtet hat. daß er wohl seine volle Ge brauchsfähiqkeit nicht wiedererlangen wird!En trauriges Ende steht der Familie bevor; denn sie ist durch die Schicksalsschläge vollständig entmutigt une wird zugrunde gehen, wenn sich nicht bald eine h l- fende Hand findet. Erschrecke dich nicht du wirst jeßt in einen Raum gelangen, der kaum noch als menschliche Wohnung bezeichnet werden kann!"

Sie traten in einen Hausgang und schritten über umherliegende zerbrochene Steinfliesen hmweq. Dann gelangten sie in ein Gemach, dessen Aussehen Drolshagen einen Augenblick zurückfahren Hof» Mühsam die feuchte, beklemmende Luft einatmend, schaute er in dem kahlen Zimmer umher, von des­sen Wänden zermürbte Tapeten herabhingen.

Eine trübe brennende Lampe stand auf dem Tisch und warf einen ungew ssen Schein auf die Längswand des Raumes, wo ein Bett stand, in dem ein junges Mädchen mit schmalem, blassem Kindergesicht lag. Als die Männer eintraen, machte die Kranke einen Versuch, sich aufzurichten; doch der Arzt trat rasch heran und drückte sie m beruhigenden Worten wieder nieder.

Welch eine Unvernunft, Sie hier allein zu lab sen!" sagte er dann unzufrieden;wo ist denn di" Mutter?"

Sie ist fortgegangen, Herr Doktor, sie holt den Ba er ab, weil er sonst erst in die Wirtschaft geht." klang es in mutlosem Ton zurück.

So, so," sagte Sassen und untersuchte den ver- leßten Arm des Mädchens; dann seßte er freund­lich hinzu:Wir haben Ihnen etwas mitgebrad t; aber der Vater braucht es nicht zu wissen" er griff in die Tasche und legte einen der Geldscheine auf die Bettdeckesagen Sie der Mutier. ich käme morgen oder übermorgen wieder und wollte auch mal ernsthaft mit dem Vater reden!"

Er wandte sich, um fortzugehen, als Drols­hagen hinter ihm mit bewegter Stimme flüsterte:

Möchtest du nicht einen Schein noch dazulegen Sassen?"

Der Doktor ichaute freud g überrascht auf und folgte dann, still vor sich hinlächelnd, dem Wunsche. Dann beugte er sich zu dem unglücklichen jungen Wesen nieder, das leise wemend unter den dün­nen Kissen lag, strich ihm beruhigend über das Haar und flüsterte:Nicht traurig sem Sie ha ben soeben einen mächtigen Freund gefunden!"

Als die Männer dann wieder in der kalten Winterluft standen, schien Drolshagen nur oft Mühe seine Erregung verbergen zu können.

Sassen," sagte er, und feine St mme hatte einen fremden, ungewohnten Klang angenommen sage die Wahrheit: gibt es noch größeres Elend als das, was ich soeben gesehen habe?"

Der Arzt nickte; feine 'onft ?o frohgemuten Augen blickten starr in das abendliche Dunkel hin­ein.Du wirst es sogleich erfahren!" antwortete er dann.

Stumm schritten die Freunde eine Weile neben­einander her. Sie waren beide grundverschieden in Lebensführung und Gesinnung eines aber schien in diesem schweren Augenblick gemeinsam ihre Seele zu bewegen, ein tiefes, schmerzliches Mitgefühl, das deutlich auf ihren Gesichtszügen zu lesen war.

Wir sind zur Stelle", sagte Doktor Sassen und blickte an einem schmalen, baufälligen Häus­chen empor. Als er im ersten Stockwerk ein' Licht schimmern sah, nickte er beruhigt und wandte sich Drolshagen wieder zu.

Das Ehepaar, das mir jeßt aufsuchen wol­len, steht gänzlich allein", begann er.Der Mann ist seit einigen Jahren lungenkrank und wohl kaum noch zu retten, es sei denn, daß er sofort nach dem Süden in eine Heilanstalt geschafft würde. Der Arme hofft troß seines kraftlosen Zustandes

Nummer 51 / Seife 3.

noch immer auf Besserung. Die Frau weiß, daß es mit dem Manne beständig bergab geht, aber kein Wort davon kommt über ihre Lippen. Im Gegenteil: sie macht ihm täglich neuen Mut, vertröstet ihn auf die Frühlingssonne, die ja alles Leben neu erstehen läßt und auch ihm frische Kräfte geben würde Dann ist der Kranke zu­frieden und schläft lächelnd ein Tagsüber ar­beitet die Frau angestrengt, um den Lebensunter­halt für sich und den Gatten zu erwerben und abends sißt sie an ihrem Lager und spricht mit ihm über die Zukunft Und wenn dann Stun­den kommen, wo der Gram ihr die Brust zerrei- ßen will und die Tränen sich nicht mehr zurück­drängen lassen dann fragt er wohl, warum sie ch traurig sei und dann antwortet sie. daß sie so große Sehnsucht fühle, mit ihm in einen Frühling hinauszuwandrrn, der schöner sei als alle anderen und nie ein End nehme!"

Der Arzt schwieg und schaute auf seinen Be­gleiter. Der stand bewegungslos da und preßte aufstöhnend d'e Lippen zusammen: er fühlte ncht den scharten Wmd, der ihm die Schneeflocken ge­rade ins Gesicht trieb und an seinem Mamel zerrte eine Erschü terung, so tief und überwäl­tigend. daß sie ihn fast zu ersticken drohte, batte sich des Mannes bemächtigt.

Möchtest du mit hinaufgehen?" fragt Sassen leise und gütig und legte dem Freund die Hand auf die Schulter.

Drolshagen bückte verstört empor.Nein, nein verzeihe!" stammelte er und strich sich zit­ternd über die Stirn; dann ging es wie ein Ruck durch seinen Körper, und seine Augen leuchteten in einem großen, beglückenden Entschluß.

Laß mich hier warten, bis du zurückkommst!" bat er mit unsicherer Stimme und streckte dem Freund die bebende Rechte hin.Aber noch eins, Sassen, gib der Frau alles Geld. das du bei dir trägst, und sage ihr. daß in allernächster Zeit für sie gesorgt würde. Der Mann soll fort, nach Jta- l'en; vielleicht daß er dort noch Rettung findet. Auch dem Manne, der vom Neubau abgestürzt ist, und dem armen Mädchen, das in dem dumpfigen Zimmer lag. soll geholfen werden! Ich sèhe jeßt den Weg. den du mir ze gen wolltest, Freund hell und strahLnd. wie ein Lichtschein in der Dunkelheit, liegt er vor mir; zwischen Not und E.end habe ich ihn gefunden!"

Gün her", sagte der Arzt, und wie unter­drückter Jubel klang es durch seine Stimme : also nicht umsonst habe ich dir die Stätten des Jammers gezeigt!"

Nicht umsonst, du treuer, verständiger Freund! Jeßt weiß ich, wie ich handeln muß. um froh und glücklich zu werden! Herrgott, wieviel Gutes will ich tun; wie groß erhebend liegt die Zukunft vor mir! Jedes Leid, das ich den Armen von den Schultern nehmen, jede Träne, die ich trocknen kann sie werden mir Stunden der Seligkeit bereiten!"

Günther Dro'shagen schwieg und reckte seine Gestalt empor; seine Augen leuchteten in heilioem Eifer. und ein g'ückliches Lächeln lag um seinen Mund. Vor einem freudelosen, einsamen Atter bang e ihn nicht mehr er hatte den Weg gefun­den, der ihn .zum Frieden führen würde.

hmssSler! Sie $ chr gesäubert!

Ihr wollt an einem sauberen Tisch sitzen zum Essen. Ganz recht. Aber sorget auch dafür, daß die Bücher, Zeitschriften, Zeitungen sauber sind, daß sie nicht die Seele der Heranwachsenden Kin­der beschmutzen.

Ein Bischof hat gesagt:Für den Priester ist die Verbreitung der guten Presse eine Pflicht, weniger bestimmt, aber eben so streng wie das Brevieraebet, die Predigt des Evangeliums und die Spendung der Sakramente."

Ist die Verbreitung Pflicht für den Priester, so das Lesen und Halten einer guten Presse für den Gläubigen! Ebenso streng, weil ebenso wichtig

Darum die Tische gesä'uberll Auf dem katholi­schen Tisch eine katholische Zeitung!