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Ratgeber für Landwirtschaft,

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Nr. 25. so 42. Zahrgang. ar o o Gratisbeigabe zum Bonifatiusboten. o Zulda, Oen 4. Dezember 1932

Pflege und Aufbewahrung der Sämereien im Winter.

Was der Mensch sät. das wird er ernten!" Im kommenden Jahr wird dieser Spruch sich erneut bewahrheilen. Darum soll sich jeder Gärtner und Landwirt beizeiten darum kümmern, was er näch- stens als Saat in den Boden bringt. Es gilt wäh­rend des Winters die Samenbestände zu sichten und zu ergänzen. Die Kataloge der einzelnen Sa­menfirmen liegen vor und man muß überlegen, wem man seinen Auftrag erteilen soll, es heißl also die Güte der Samen stets beobachten. Dann kommt es auch noch auf die Wahl der richtigen Sorte an, man muß prüfen, ob die einzelne Sorte dem Geschmack der Kundschaft entspricht, die uns später die Ware abkaufen soll, ob die Sorte in unserem Boden und Klima gedeiht und ob sie nicht zu anfällig für Sckädlinge ist. Wenn man jetzt noch genau die Echtheit und Reinheit des Samens beobachtet, auch ob nicht Unkrautsamen unter den Körnern sind, dann hat man schon einen wichtigen Teil der Aufgabe gelöst. Nun kommt es aber dar­auf an, daß der Samen wirklich aufgeht, d. h. seine Ke mfähigkeit besitzt, die bei frischem Samen 100 Prozent, mindestens aber 90 Prozent betragen soll. Samen mit geringerer Keimfähigkeit ist als miu= derwertig an,zusprechen. In den meisten Fällen ist zu geringe Keimfähigkeit auf das Alter des Sa­mens zurückzuführen. Die verschiedenen Pflanzen- arten sind von verschieden langer Keimdauer. Eine Uebersicht über die Dauer der Keimfähigkeit der wichtigsten Gemüsearten gibt hiervon ein Bild.

Es sind keimfähig:

Gurken 67 Jahre, Kopfsalat etwa 4 Jahre, Tomaten 45 Jahre, Bohnen 34 Jahre, Erblen etwa 3 Jahre, Kürbis 5 Jahre, Schnittfalat 45 Jahre, Radies etwa 5 Jahre, Rettich etwa 5 Jahre, Spinat 45 Jahre, Kohlarten 45 Jahre, Man­gold 56 Jahre, Rote Rüben 56 Jahre, Porree (Saud)) vier Jahre, Endivien (Winter) 4 Jahre, Möhren, Karotten 34 Jahre, Pastinaken etwa 2 Jahre, Zwiebeln 23 Jahre.

Man kann die Samen auf ihre Keimfähigkeit hin prüfen. Das ist für jeden zu empfehlen, denn die kleine Mühe macht sich bezahlt, wenn man nickt mehr keimfähigen Samen schon ausschaltet, ehe man sich die Mühe macht das Saatbeet zu bearbei­ten und herzurichten. Im Großbetrieb gibt es Keimapparate, d7d sehr praktisch eingerichtet sind und zum Teil elektrisch betrieben werden. Von die­sen wollen wir aber absehen, sie kommen eben nur für den Großbetrieb in Frage. Für unsere Zwecke gibt es einfachere Verfahren? Man sät eine An­zahl von 50 oder 100 Korn in einen Blumentopf mit lockerer Erde, stellt diesen in einen warmen Raum (wenn möglich + 20 Grad Celsius) aus, (hält gut feucht und zählt dann die Keimlinge. So kann man leicht berechnen, wieviel Prozent Keim­fähigkeit der Samen hat. Man muß nur genau Zählen. Ein sehr einfacher Keimapparat ist auch mit einem Teller oder einer flachen Schale herzu­stellen. Man legt die abgezählten Körner zwischen zwei angefeuchtete Blätter Fliespapier, feuchtet diese nochmal an, wenn man sie in den Teller ge- leat hat und deckt das Ganze mit einer Glasscheibe zu. Dann wird die Vorrichtung genau so behan- dett wie der Blumentopf. Das zweite Verfahren da: aber Vorteile, man kann nämlich feststellen, Darum das Samenkorn nicht keimte, ob Asters- uhwäche, Beschädigung oder Pilzkrankheiten die Ursache waren, ich brauche das nicht weiter zu er­läutern, man sieht es ohne Zweifel, wenn man die Fliesbogen auseinandernimmt.

Sehr wichtig ist natürlich die Art der Aufbe­wahrung. Wenn man die selbstgezgenen Samen nach der Ernte einfach in die Ecke wirft und erst wieder sucht, wenn man säen will, dann wird man

wenig Glück haben. Sämereien müssen luftig und trocken aufbewahrt werden. Auf dem Speicher hängt man sie an Stricken oder besser noch an Drähten frei auf, damit die Mäuse ihnen keinen Besuch abstatten können. Von großer Bedeutung ist auch die Aufschrift. Jeder Samenbehälter soll mit einer deutlichen, unverwischbaren Aufschrift versehen sein, die angibt: 1. Art und Sorte, 2. Her­kunft (ob Eigenbau?), 3. Datum (Altersbezeich­nung), nach Bedarf kann man auch noch andere Vermerke anbringen.

Natürlich haben auch die Sämereien eine nicht kleine Sckar von Feinden. Die schon erwähnten Mäuse kann man sich bei kleineren Samenmengen durch die oben geschilderte Aufhängemethode vom Samen fernhalten. Bei großen Mengen (z. B. Ge­treide usw.) muß man im Lagerraum Mäuselöcher tüchtig verschließen. Es empiehlt sich in die Löcher Glasscherben oder andere scharfe Gegenstände ein­zuführen, um den Mäusen ein erneutes Ausschar­ren zu verbieten. Die Mausefalle und die Hous- kaße können uns auch wertvolle Dienste leisten. Bei Lagerhäusern, die oft stark von Mäusen und Ratten heimgesucht werden, ebenso bei Mühlen, die unter demselben Uebel zu leiden haben, ist eine Blausäürebegasung anwendbar und von ausge­zeichnetem Erwlq. Es wird hierzu das Ziklonver- fahren angewendet, das jedoch nur von besonders geprüften Personen gehandhabt werden darf. Zu erwähnen ist noch eine Anzahl von Käfern, die oft sehr unangenehm werden können. Der große Korn­käfer (Callandra granaria) befällt Gerste, Weizen, Roggen, Mais und Hirse. Die Larven entwickeln sich in den Körnern bis zum fertigen Tier. Aehn- liche Käfer finden wir in:

Erbsen, den Erbsenkäfer (Bruchus pisi), Bohnen, den Bohnenkäser (Bruchus rufimanus), Linsen, den Linsenkäfer (Bruchus lentis),

Malz u. ä. m. den Malzkäfer (Tribolium na- vale) und endlich den sehr verbreiteten gemeinen Samenkäfer (Bruchus granarius).

Die genannten Käfer sind sich in ihren Lebens- qewohnheiten fast gleich. Gegen Kälte sind sie ziemlich hart, sie ertragen 5 Gr. Celsius ohne Schaden. Jedoch können sie trockene Hitze von + 50 Grad Celsius nickt vertragen. Manche von ih­nen machen sich bemerkbar auch auf Schütteln, man kann sie in einem Sieb ausschütteln. In vielen Fällen tut man klug, wenn man die befallenen Körner verfüttert. Wir sehen also, daß der Samen im Wniter einer sorgsamen Pflege und Ueberwa- chunq bedarf, um uns im nächsten Jahr vor Miß­erfolgen und Enttäuschungen zu bewahren.

Das Einkettern der Mntervorètte

Der Herbst bringt für die Hausfrau mancher­lei Aufgaben. Vor allem hat sie die nötigen Win­tervorräte zu beschaffen und so aufzubewahren daß sie möglichst lange haltbar bleiben. Dabei kommt es sehr darauf an, den richtigen Zeitpunkt zu wäh­len, nicht zu früh, damit die Kartoffeln und das Gemüse gut ausgereift sind und nicht zu spät, da­mit der Transport ohne Frost vor sich gehen kann. Es empfiehlt sich, nicht zu große Vorräte einzu» legen, wenigstens in Städten, in denen den ganzen Winter über Gemüse zu haben ist: denn trotz aller Vorsicht entsteht mancher Verlust durch Fäulnis oder durch starkes Austreiben der Wurzelgemüse. Besonders machen sich diese Uebelstände geltend, wenn die Zentralheizunqsanlage den Kellerräumen zu nahe ist. Ein guter Keller soll nicht zu warm, trocken und luftig sein. Man lasse die Fenster so­lange als irgend möglich im Herbst offen und lüste auch an milden Wintertagen zuweilen. An einer etwas helleren und zugänglichen Stelle des Kel­lers schüttet man zirka 20 Zentimeter hock Sand oder Asche. Letztere wirkt hemmend auf Fäulnis

und zu raschen Trieb und hält die Wurzeln frisch und saftig.

Kartoffeln sollen erst in der letzten Okto­berhälfte eingelegt werden. Man berechnet etwa 1 Zentner pro Person. Die Kartoffeln müssen voll­kommen reif sein und trocken eingelagert werden.

Die Gemüse für den Keller müssen frisch, ge­sund und trocken sein, nicht welk, faulig oder auf­geschossen. Kraut- und Kohlköpfe sollen sich fest und schwer anfühlen und die Wurzel sich leicht zer­brechen lassen.

Suppengemüse. Petersilie und tauch hält sich in Sand eingesetzt gut bis zum Frühjahr, ebenso dik- ker Gemüselauch.

Rettiche, Gelbe- und Roterüben werden in Sand gelegt, alle ungewaschen mit der anhaften­den Erde. Bei Roterüben darf nicht das geringste von der Wurzel abgeschnitten werden, auch von den Stengeln soll dreifingerbreit stehen bleiben, da die Rüben sonst zuviel Saft und damit die rote Farbe verlieren.

Sellerieknollen, die weißes Fleisch haben sollen, kommen oben auf das Sandbeet.

Endivienstöcke hängt man mit den Wurzeln nach oben an einer Schnur oder an einer Stange im Keller auf, ohne daß sich die Stöcke berühren, oder setzt sie in den Sand.

Schwarzwurzeln und Weerettich grabe man im Sand ein. damit sie frisch und saftig bleiben.

Auch Wirsing-, Weiß- und Blaukraut halten sich nur in ganz trockenen Kellern länger.

Rosen- und Winterkohl steckt man mit der Wur­zel in das Kellersandbeet. Kohlraben werden auf den Kartoffeln gelagert. Zwiebeln gehören nicht in den Keller, sondern in eine Bodenkammer, wo sie bei starkem Frost mit Rupfen Holzwolle oder Papier bedeckt werden.

Tafeläpfel und Birnen lagert man mit dem Stiel nach oben sorgfältig auf Gestelle, die mit Holzwolle belegt sind. Die Lagen dürfen nicht zu hoch sein, damit das Obst fleißig verlesen werden sann, was besodners in den Monaten bis Weih­nachten notwendig ist

Sie jetzt allgemein geltende Bezeichnung der deutschen Eier.

1. Sonderklasse über 65 Gr. schwer (Trinkeier, vollfrische, gestempelte);

2. Klasse A - 60 Gr.;

3. Klasse B 53 Gr.;

4. Klasse C = 48 Gr.

Nach dem Gewicht, der Frische, Größe und Sauberkeit der Eier den Preis festzusetzen, ist ebenso kaufmännisch richtig, wie bei Aepfeln, Bir­nen, Kirschen, Apfelsinen, Bananen usw.

Allerlei Kleingebäck für Weihnachten.

(Billige und erprobte Rezepte).

Weihnachtsbrezeln.

2 hartgekochte Eigelbe werden fein zerrieben und mit 100 Grmm Zucker, 100 Gramm Butter (Kunstbutter), 180 Gramm Mehl und etwas abgeriebener Zitronen­schale zu einem festen Teig verarbeitet. Von diesem sind kleine Brezeln zu formen, die mit geschlagenem Ein bestrichen, in groben Zucker getaucht, bei mittlerer Hitze gebacken werden.

Schokoladegebäck

1 Pfund feines Weizenmehl, 1 Ei, 100 Gramm Butter (Kunstbutter), 1 Messerspitze Zimt, 2 große Eß­löffel voll geriebener, süßer Schokolade, 3 Eßlöffel voll Honig, 5 Eßlöffel voll Mich, 1 kleine Prise Salz und 1 Backpulver geben zusammengemischt einen gefchmei- digen, glatten Teig, den man ausroll und zu runden