Sonntag. 4. Dezember 1932,
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag and kostet monatlich Ausgabe A 40H.-Pfennlg B 45 1L-Pfennig (Zustellgebühr epra) Redaktionsschluß Montag. Anzeigea-Prsise: Tolonelzetl, lw Anzeigenteil 0.15 Boldmari, Lolonelzeüe tm Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Ged. 0,10 Goldmark. Porto tpra. Anzeigen müssen spätesten» bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Aetlendruckeret le Fulda fein.
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Ausgabe B.
Wochenkalender.
Sonntag, 4. Dezember. 2. Adventssonntag. Petrus, Chrysologus, Kirchenlehrer. Barbara, Jgfr. Mart.
Montag, 5. Dez. Sola, Bet. Sabbas. Bischof, Bek.
Dienstag, 6. Dez. Nikolaus, Bischof, Bek.
Mittwoch, 7. Dez. Ambrosius, Kirchenlehrer. Vigil von
Mariä Unbefl. Empfängnis. 1 :
Donnerstag, 8. Dez. Unbefl. Empfängnis Mariä.
Freitag, 9. Dez. Von der Oktav (Unbefl. Empf.)
Samstag, 10. Dez. Von der Oktav (Unbefl. Empf.) Mel- chiades, Papst, Mart. . -
Zweiter Sonntag im Advent.
Epistel. Römer 15,4—13.
Evangelium. Matthäus 11,2—10. Die Gesandtschaft des Täufers.
In jener Zeit hörte Johannes im Kerker vom Wirken Christi. Da entsandte er zwei von seinen Jüngern UiK> ließ ihn fragen: „Bist du es, der da kommen soll, oder haben wir einen andern zu erwarten?" Jesus antwortete ihnen: „Gehet hin und berichtet Johannes, was ihr gehört und gesehen habt: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören, Tote steten auf, Armen wird die frohe Botschaft verkündet. Wohl dem, der an mir nicht irre wird!" Als jene weggingen, sprach Jesus zu den Volksscharen von Johannes: „Wozu seid ihr in die Wüste hinausgezogen? Ein Schilfrohr zu sehen, das vom Winde hin und her bewegt wird? Oder wozu seid ihr hinausgezogen? Einen Menschen zu sehen in weichlichen Kleidern? Seht, die da weichliche Kleider tragen, sind an den Höfen der Könige. Wozu seid ihr also hinausgezogen? Einen Propheten zu sehen? Ja, ich sage euch, mehr als einen Propheten. Denn dieser ist es, von dem geschrieben steht: „Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, auf daß er deinen Weg vor dir bereite."
Der Stein des Anstotzes.
B^in Reichen, dem man wideesprechen wird, nannte der greise Simeon den Heiland. Am heutigen zweiten Ad- vents-Sonniag sehen wir diese Prophezeiung erfüllt. „Selig, sagt der
Heiland, wer sich an mir nicht ärgert."
Ja, für viele ist der Heiland, ist sein Tun und Lassen ein Aergernis, ein Stein des Anstoßes, espe Duelle der Verwerfung geworden. Zu diesen unglückseligen Menschen gehörte der Verräter Judas. Seine fluchwürdige Geldliebe hat ihn dazu gebracht, an seinem Meister lieblose, verbissene, ungerechte Kritik zu üben. Lauschen wir darüber folgender Erzählung des hl. Evangelisten Johan
nes:
„Zu Bethanien bereitete man dem Herrn ein Gastmahl. Martha wartete auf, und Lazarus war einer seiner Tischgenossen. Maria aber nahm ein Pfund echten Nardenöls von hohem Werte, salbte
Jesu Füße und trocknete sie mit ihren Haaren. Der Wohlgeruch des Salböls verbreitete sich durch das ganze Haus.
Da bemerkte einer feiner Jünger, Judas Js- kariot, der ihn verraten sollte: „Warum hat man dieses Salböl nicht für 300 Denare verkauft und diese unter die Armen verteilt?" Das sagte er aber nicht, weil ihm an den Armen etwas gelegen wäre. Er war vielmehr ein Dieb und pflegte als Verwalter der Kasse das, was einkam, auf die Seite zu schaffen. Jesus erwiderte: „Sie hat das Salböl für den Tag meines Begräbnisses aufbewahrt. Laßt sie in Ruhe darüber! Arme habt ihr allzeit um euch, mich hingegen habt ihr nicht allzeit." (Joh. 12.)
Schöpfen wir aus diesem Berichte einige wichtige Wahrheiten. Zunächst muß des Judas Heuchelei festgenagelt werden. Er gab sich ja den An-
wellmiffwnssonniag
€r soll unser Missionsgewissen aufrütteln; denn jeder Christ hat eine Missionspflicht — unsere Missionsliebe neu entfachen;
„denn das größte und heiligste aller katholischen Werke ist das Werk der Missionen". (Pius XL)
uns begeistern für das Päpstliche Werk der Llaubensverbreitung.
Cs muß eine selbstverständliche Sache werden, daß jeder Katholik dem Päpstlichen Werk der 6laubensverbreitung angehört.
Auf der ganzen Welt wird heute für das Missionswerk der Weltkirche gebetet und gesammelt.
willst Du abseits stehen?
Du kannst kein Almosen geben? Dann bete wenigstens für Christi Reich! Sollte aber nicht doch noch ein Scherflein übrig sein, wenn Du Dich an der Missionsopferwoche beteiligst? wenn Du Dir aus Liebe zum Welterlöser eine Kleinigkeit versagst, um bei der Missionskollekte ein Opfer spenden zu können!
Bebenhe!!! Das ganze Misstonswerk der Kirche wird aufrecht erhalten durch Millionen kleiner Almosen, die jedes für sich unbedeutend sind, gesammelt aber eine Macht darstellen Darum ist auch die kleinste Gabe opferfrohen Glaubens willkommen.
schein, als hätte er alle Armenliebe allein gepachtet und als wäre der Heiland ein Mann der Hartherzigkeit und Verschwendung. Ausdrücklich sagt aber der Evangelist, es sei dem Judas nicht um die Armen zu tun gewesen. Seine Absicht stand im diametralen Gegensaß zu seinen Worten. Man soll das Geld den Armen geben, sagte er. Der eigenen Tasche das Geld einverleiben wollte er. Wäre nämlich die Salbe zu Gunsten des Heilandes nach dem Wunsche des Judas verkauft worden, dann wäre der Erlös in die Kaffe des Jzl- das geflossen, weil Judas nach Anordnung des Heilandes die gemeinsame Kasse zu verwalten hatte. Anstatt das Geld dann den Armen zu geben, hätte der famose Judas dasselbe in seine Privattasche gesteckt. Und das heißt dieser Heuchler „Armenliebe!"
Hüten wir uns also, unter der Maske der Armenpflege persönliche Vorteile zu ergattern. Muß es nicht die Armen kränken, wenn Bazare, Bälle, Sportaufsührungsn und andere Vergnügungen veranstaltet werden, bei denen für die Armen einige Brocken abfallen? Spielt nicht bei solchem Betrieb das Vergnügen oder der Ehrgeiz die Hauptrolle, während doch nach christlichen Grundsätzen jede Selbstsucht bei Uebung der Karitas ausgeschaltet werden sollte! Reinigen wir also die Flamme der Nächstenliebe vom schwarzen Ruß der Eigenliebe. —
Ziehen wir eine zweite Lehre. Jesus hat die Tat der Maria mit Lob bedacht, die Heuchelei des Judas aber mit Stillschweigen übergangen. Warum reißt er dem Heuchler nicht schonungslos die Maske vom Gesicht? Der hl. Augustinus löst diese Frage mit den Worten: „Der Heiland spricht nicht zu Judas: wegen deiner Diebsgelüste redest du das; er kannte zwar den Dieb, wollte ihn aber doch nicht bloßstellen, sondern ertrug ihn mit Stillschweigen, um uns ein Beispiel zu geben, daß auch wir die Schlechten in der Kirche ertragen sollen."
Eine dritte Wahrheit. Wenn Jesus an dieser Stelle die Armen nicht bedacht hat, so hat er doch von seiner Armenliebe Beweise genug gegeben. Hat nicht der Täufer im heutigen Evangelium lobend erwähnt, daß vom Heiland „den Armen frohe Botschaft" verkündigt wird? Hat nicht der Heiland bei jeder Gelegenheit die Pflicht der Barmherzigkeit eingeschärft? Hat er nicht gesagt, daß wir mit dem Mammon uns Freunde im Himmel machen sollen durch Almosengeben? Hat er nicht den hartherzigen Prasser in die Hölle versetzt? Hat er nicht beim letzten Gericht die Seligkeit abhängig gemacht vom Wobltun? Hat er nicht die Nächstenliebe zum Hauptgebot erhoben? Nicht Wunder und Zeichen, sagt der hl. Chrysostomus. sondern die Nächstenliebe hat Christus zum Erkennungszeichen feiner Jünger gemacht! Als einst