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Schrsibbuch zu, und der Bauer schrieb groß und deutlich: .Fritz Schmittlein, Bauer auf dem Rothof in Berg­lingen."

„Rothof!" lacht, der gumbe. „Rothof! Der Name ist ganz ausgezeichnet. Sie werden noch er ir hören. Wenn wir uns verstehen, wird sich helfen - ^n. Nur Ihr Schwager muh verschwinden. Doch Hf: in fünf Minuten fährt mein Zug. Ich muß mich eilen."

Enttäuscht stand der Rothosbauer einen Augenblick allein. Dann rannte er dem Fremdm nach wie einem Retter in höchster Not.

„Hören Sie, Herr . . ., nur noch einen Augenblick..." und als er ihn eingeholt hatte, flüsterte er ihm zu:

„Ich bräuchte halt gleich, heute noch, ein paar tausend Mark."

„Ich habe Ihnen schon gesagt, daß ich selber kein Geld habe. Aber zum Teufel noch einmal! Gehen Sie hier zum Juden Wrfchele und sagen Sie ihm: „Der Herr, der gestern abend mit ihm beim Apostelwirt gesessen hat, schicke Sie. Er wird Ihnen das Geld dann schon geben." Im selben Augenblick fuhr der Stuttgarter Schnell­zug in den Bahnhof ein. Der Fremde sprang behende in einen Wagen 1. Klasse. Ein leeres Abteil gab ihm die gesuchte Einsamkeit. Durchs offene Fenster rief er dem Bauern den Abschiedsgruß zu: „Auf Wiedersehen! Wenn ich einmal nach Berglingen komme, schaue ich mir den Rothof an." Schon schlängelte sich der Zug an den hohen Fabrikgebäuden vorüber und gab dazwischen dem ins Weite schweifenden Auge den Blick frei auf den ^Hohenstaufen und Hohenrechberg. „Irgendwo da drüben am Berge hängt wohl auch der Rothof und Berglingen. Na, wo liegt denn wohl das Nest?" brummte der Gast 1. Klasse vor sich hin, indessen er eine Sonderkarte des Rems und Filstalgaues vor sich ausbreitete. Rote Pünkt­chen oder dicke rote Kreise umkränzten Weiler und Dör­fer und Städte, je nachdem nur ein Vertrauensmann oder eine Ortsgruppe der Partei ihm eine Bedeutung verlieh. Der einsame Reisende war der Führer der kommunisti­schen Partei Württembergs: Max Jokeles. Vertrauens­männer der Partei hatten sich gestern in Göppingen zu heimlichem Raten und Taten gefunden. Jokeles, der Füh­rer, wies der Parteiarbeit der nächsten Wochen die Rich­tung, gab den geplanten Aktionen Ziel und Verwegenheit zugleich. Ein Morgengang durch den schattigen, ver­schwiegenen Göppinger Wald führte ihn bis auf den Gipfel des Kaiferberges und dann zur Eisenbahn nach Maitis hinab. Auf dem kahlen Berghaupte, wo von der einstigen Macht und Herrlichkeit der Hohenstaufen kaum noch ein Quaderstein der Grundmauern Zeugnis ablegte, sog Jokeles mit der frischen Morgenluft neuen revolu­tionären Tatendrang in seine schmale, hohle Brust ein. Einst brachen die Bauern im Bauernkrieg diese und alle die andern Zwingburgen ringsum. Nur die Bauern kön­nen es sein, die auch heute die Zwingburgen des kapitali­stischen Systems niederreihen. Jawohl, Lenin, du hast recht. Allein die Bauern bringen die Entscheidung. Ohne die Bauern kann die Revolution, kann das Reich des Bol­schewismus nicht siegreich werden. Mit theatralischer Geste, als stände er am Rednerpult des Reichstages, schrie Jokeles die neu entdeckte Erkenntnis in die echolose Mor­genstille hinaus. „Bauern, ja Bauern für die Partei, Bauern als Agitatoren, als Redner, als Führer unter den Bauern: So allein könnte die Revolutionierung des Bauerntums erfolgreich fein. Aber wer könnte an ihre Ohren dringen? Wer zu ihren dickköpfigen Schädeln, zu ihren entschlossenen Herzen den Zugang finden? Nur einer von ihrem Schlag. .Nur ein Bauer selber."

So sinnend und grübelnd war Jokeles den steilen und steinigen Fußpfad vom Hohenstaufen zum Bahnhof in Maitis hinabgestolpert und hatte eben noch den Zug nach Göppingen erreicht. Einen Glücksfall pries er drum die Begegnung mit dem Bauern vom Rothof. „Rothof, ja rot soll sein Hof und sollen alle die anderen Höfe rings um ihn werden. Der Name sei ein glückhaftes Zeichen, zischte Jokeles jetzt, indeß der Zug in hastender Eile durchs Filstal und die industriereichen Städte, die betrieb­samen Dörfer sprang. „Der Rothofbauer soll mir nicht mehr entrinnen. Ha, Ha! Der Warschele hält fest, was sich eimal in seinen Krallen gefangen hat. Dem ent­kommt keiner, auch nicht dieser Bauer vom Rothof, wenn er auch von besonderer Art sein mochte. Er ist mein Mann. Eine seltsame Mischung von Bauernstolz und Neuerungstrieb scheint ihn zu beseelen. Ein gescheiter Kopf! Wie geschickt er meine Stichelreden abbog! Wie gewandt und wirkungsvoll er seine Not und Hoffnungs- Pläne vor mir aufbaute. Wenn der einmal, im Jdeen- geist des Kommunismus geschult, vor den Bauern stand: Das wurde ein Redner und Agitator, wie er ihn lange gesucht und noch länger ersehnt hatte. Aus ihm konnte die Bauernhoffnung seiner Partei erwachsen. Wohl saß da und dort im Weiler oder Dorf ein verschuldeter Tag- löhner, ein verlumptes Kuhbäuerlein als Vertrauens­mann. Aber ihnen allen versagte der Bauer die Achtung. Ihre Revolutionsrufe übertönte spottlüsternes Lachen. Ihre Notklagen weckten bloß das verächtliche Bettlermit-

leld 6er Bauern, an deren Tisch die Kinder der roten Väter gierig das Almosenbrot holten. Der Rothosbauer rühmte sich seines Mustergutes, genoß das Ansehen der Großbauern. Ihn zu entwurzeln, ihn alten Herkommen und frommen Vättersitten zu entfremden, ihn zum Has­ser dieser kapitalistischen Gesellschaft, zum Feind von Staat und Kirche zu machen, dafür durfte kein Mittel zu verwegen, kein Opfer zu teuer sein. Der Rothof­bauer soll Künder des Bolschewismus im schwäbischen Bauernlande werden!" So sann und plante der kom­munistische Führer, bis die keuchenden Atemstöße der dampfenden Lokomotive durch den Lärm der weiten Bahnhofhalle Stuttgarts übertönten.

Ein langer Vormittag war verstrichen und die Sire­nen der Fabriken hatten längst den Beginn der Mittags­stunde ins Filstal hinausgeschrien, als nach den vielen, die hier kamen und gingen, und hinter dem wohlver­schlossenen Privatkontor Warschele's verschwanden, end­lich auch der Rothofbauer noch auf der Schwelle zum Gang den Juden abfassen und mit seiner Sorge abtasten konnte. Der wies ihn kurz und protzig ab. Er habe keine Zeit für lumpig gewordene Bauern.

Er sei zu ihm geschickt worden, wagte schüchtern der Bauer einzuwenden.

„So? Von wem denn?"

„Von dem Herrn, der gestern Abend mit Ihnen beim Apostelwirt gesessen hat."

Es war, als ob der alte Warschele von vornhin mit einem Schlag ein anderer geworden wäre.

„So, so, von meinem Freund Max? Warum haben Sie mir denn das nicht gleich gesagt. Kommen Sie in mein Privatzimmer. Wände- und Türen haben Ohren. Auf dem Gange empfängt man keinen Freund. Wenn Max Sie schickt, dann sind Sie ein Freund. Also treten Sie ein und packen Sie aus: Wo fehlt's? Wieviel soll's sein?"

Und wieder erzählte der Rothofbauer seine Not. Die Farben wurden mit jeder Erzählung greller auf dem Gemälde vom Rothof. Eine halbe Stunde später schrieb der Rothosbauer auf einen Wechsel von 5000 Mark feinen Namen. Fällig waren sie am 1. August. 4500 Mark zahlte der Jude vor ihm auf den Tisch, 500 Mark zog er für Zins und Provision ab. Das waren 60 Proz., ein gutes Geschäft und ohne Risiko.

„So, nun ist Ihnen für den Augenblick geholfen. Aber was Sie brauchen, das ist ein langfristiger Kredit, eine Hypothek. Die können Sie kriegen. Ich gebe sie Ihnen selber, wenn Ihr Schwager nicht mehr mit seinen Rechten vorne dran sitzt. Ihr Schwager muh weg, verstehen Sie mich?"

(Fortsetzung folgt.)

Winkerhilfe — aber wie?

Als auch jetzt wieder die ersten Aufrufe zur sehr notwendigen Winterhilfe veröffentlicht wur­den, da packte uns neben einem aufrichtigen Ge­fühl der Freude doch wieder dieselbe Angst, die uns auch tm Vorjahre beschlichen hatte: daß näm­lich die nun einsetzende Aktion zuviel schöne Gesten und zu wenig tatsächlich ernste Hilfe bringen würde! Vrelleicht erinnerten wir uns noch der sog. „Armenbälle" der Vorkriegszeit, bei denen man sich höchlichst amüsieren konnte in dem an­genehmen Bewußtsein, dadurch sein „soziales" Empfinden zum Ausdruck zu bringen...

Die Ergebnisse der Winterhilfsaktion des vori­gen Winters haben immerhin einen großen Teil unserer Zweifel beseitigt und wahrhaftig von dem lebendigen Hilfswillen des deutschen Volkes in allen seinen Schichten Zeugnis gegeben. Auch in diesem Jahre geht unsere Hoffnung schon soweit, daß wir die ärgste Wintersnot gebannt sehen. Und dennoch: Es kann noch mehr geschehen! Nicht als ob diese Ueberzeugung irgendwie als Vorwurf zu werten sei, — wir glauben lediglich, daß immer noch manche Möglichkeiten übersehen werden, die man nutzbringend in der Winterhilfe verwenden könnte.

Die Kirche geht und ging uns stets in der prak- tischen Liebestätigkeit mit dem besten Beispiel voran. Hinreichend bekannt ist ja die unermüd­liche, opferbereite Tätigkeit unserer karitativen Or­ganisationen, die sich der Hilse in uneigennütziger Weise widmen. Der herrliche, wohltuende Segen dieser kirchlich geleiteten und beaufsichtigten Grup­pen wird von allen Seiten anerkannt. Es ist ja auch so, daß sich jeder kirchliche Standesver- oin mehr oder weniger bemüht, an seinem Teil dem hohen Gebot christlicher Nächstenliebe Aus­druck zu geben. In der Geschichte'der katholischen Kirche gibt es seit der gemeinsam getragenen Not der Katakombentage und ihrer gemeinsamen Lin-

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derung unzählige staunens- und bewundernswerte Beispiele echter, gottgesegneter Karitas.

Aber auch die Schule kann helfen! Schüler sprechen gern von sich als von Kameraden. Kann es einen deutlicheren Beweis der kameradschaft- schaftlichen Verbundenheit geben, als wenn z. B. dre Kinder gutsituierter Eltern ihren armen Mit­schülern beistehen? Würde nicht schon — um ein kleines Beispiel aus der Wirklichkeit zu nennen — ein Butterbrot jeden Morgen manchem armen Kind die größte Freude bereiten? Es liegt an den Eltern, ihren Kindern die richtige, fruchtbare Art emer zarten, rücksichtsvollen Liebestütigkeit schon in jungen Jahren zu zeigen. Und den Leh­rern eröffnet sich ein weites Feld segensreicher Tätigkeit, wenn sie Hilfsaktionen ihrer Jungen und Mädels anregen und aufmerksam, aber nicht aufdringlich beaufsichtigen. Geld- und Kleider- sammlungen in den Schuten hält man nicht für gänzlich aussichtslos, wenn man es weiß, wieviel Mittel manchmal für Ausflüge usw. aufgebracht werden konnten ... Schule hilft Schule, Kamerad hilft dem Kameraden! Die Bedeutung einer sol­chen Hilfe muß nur in der rechten Weise den Kindern klargemacht werden: der Erfolg wird gut sein)

Viele Wege haben die Vereine aller Art offen, um dazu beauflagen, daß dieser sehr ernste Win­ter einigermaßen erträglich gestaltet wird. Es ge­hört nur ein wenig Großherzigkeit dazu, z. B. eine Veranstaltung je nach dem Aufgabenkreis des Vereins ganz in den Dienst der Winterhilfe zu stellen, mbem der finanzielle Erlös ganz oder teilweise zu wohltätigen Zwecken verwandt wird. Es brauchen ja nicht gerade Tanzfestlichkeiten zu fern.... Hervorgehoben sei die Bedeutung kosten­loser Veranstaltungen, die es auch armen Mit­bürgern möglich machen, für wenige Stunden aus­zuspannen und dem ewigen Einerlei grauer Tage enthoben zu werden. Man soll dabei in den Ver­einen nicht immer das Klagelied von den hohen behördlichen Steuern für derartige Veranstaltungen anstimmen. Erstens haben auch die Behörden die Weisung, bei Winterhilfsaktionen Entgegenkommen zu zeigen. Und dann: Für große Zwecke bringt man auch große Opfer! Unsere Vereme, besonders die unter dem Protektorat der Kirche schassenden Organisationen, dürfen versichert sein, daß ihnen freiwillige, opferbereite Gesten in der Winterhilfe auch für spätere, bessere Zeiten einen guten Ruf und domentsprechende Unterstützung verschaffen worden.

Von allen Seiten hörte man, daß die geniale Schöpfung Adolf Kolpings, der Gesellenverein, kaum einmal so nützlich arbeiten konnte wie in diesen Wintermonaten bitterer Not. Gesellenver- emsarbeit wurde vielfach .Hauptstützpunkt groß­zügiger Hilfsmaßnahmen.

Was man aber vielleicht nicht auf den ersten Blick vermutet: der Sport kann reiche Winter­hilfsdienste tun! Berichte und Zahlen der Tages­zeitungen beweisen es immer wieder, welch gewal­tige Anziehungskraft sportliche Ereignisse ausüben. Nun gut: machen wir uns diese „Konjunktur" zu nutze! Größere Sportverbände sind schon im vori­gen Winter mit erfolgreichen Wohttätigkeitsveran- staltungen hervorgetreten. Wir wissen, daß es nicht lange dauern wird, bis auch aus den Kreisen unserer katholischen Turnerschaft, der DJK., die

DiasporakapelZe.

Wo bislang sich dehnt das Scheunentor, Wartet jetzt in Demut die Kapelle. Eines Mönches allerärmste Zelle Strahlt noch mehr der Erde Reichtum vor.

Unverziert die Wände und die Bank, Reben der der kahle Beichtstuhl lauert. Und in ungestillter Sehnsucht trauert Eine Lampe in dem schmalen Gang.

Bald, ja bald erblüht das ewige Licht Und verdeckt in seiner Liebe Zeichen, Was der Armut gar so viel gebricht.

Doch die nokgewohnlen Menschen weichen Don den kalten Fliesensteinen nicht. Während sie ihr Herz dem Lamme reichen ...

Elsa Budnowski.