Beilage §«mV LUfsbeMblstt
Nr. 48
Sonntag, 27. November
1932
Aus de« Mözolv Pul-s
Aest-Akodemie zu Ehren des hl. Albertus.
Die vom Allbertus-Magnus-Verein in Verbindung mit der Vereinigung der katholischen Akademiker Fuldas am Mittwochnachmittag in der Aula der Winfriedschule zu Ehren des heiligen Albertus Magnus veranstaltete Feier nahm bei außerordentlich starkem Besuch einen erhebenden Verlauf. Unter den Ehrengästen sah man u. a. den Hochw. Herrn Bischof, den Oberbürgermei- ter Dr. Danzebrink, Landrat Frhr. v. Gaqern ow.ie den Abteilungskommandeur der Fuldaer Garnion,' Oberstlt. von Berg.
Ein stimmungsvoller Orgelvortrag des Domorganisten Fritz Krieger leitete die Feierstunde ein. Erlesene musikalische Darbietungen eines Streichorchesters der Alumnen des Priesterseminars umrahmten wirkungsvoll den übrigen Teil des Programms.
Der Vorsitzende des Albertus Magnus-Vereins, Stu- ) I diendirektor Dr. Lauwartz gab in seiner Eröffnungsansprache ein kurzumrissenes Bild von dem Leben und Wirken des großen deutschen Heiligen, dem am 15. November, seinem Todestag, in allen katholischen Kirchen zum ersten Male die Ehre der Altäre erwiesen wurde. Damit hat ein Kanonisationsprozeß, der bereits im 15. Jahrhundert begann, aber immer wieder unterbrochen und verschoben wurde, endgültig seinen Abschluß gefunden. Das katholische Deutschland empfindet eine esondere Genugtuung über die Beendigung des Heiligsprechungsprozesses und erblickt darin einen hohen Gnadenerweis des Heil. Vaters Pius XI. Der Redner sprach seine Freude darüber aus, daß die Feier in Gegenwart des Hoch. H. Bischofs, des Thronassistenten Seiner Heiligkeit des Papstes, stattfinden könne und benutzte die Gelegenheit, um dem Hochw. Herrn noch einmal zu seinem goldenen Priesterjubiläum die Glückwünsche der Versammlung auszusprechen.
Die
Festrede
über Albertus als Erklärer der Heiligen Schrift hielt Domdschant Prof. Dr. Leimbach. Er gab zunächst einen Ueberblick über die literarische Tätigkeit des hl. Albert auf dem Gebiete der Exegese, zeigte dann Methoden und Eigenart des Heiligen in der Schriftauslegung und gab am Schluffe zwei Proben albertinischer Exegese. Die Festrede vermittelte ein anschauliches Bild von der exegetischen Arbeit des großen Heiligen und über die Vorzüge und reichen Früchte, die diese Arbeit getragen hat.
Nach der Rede des Domdechanten Dr. Leimbach richtete der Hochwürdigste Herr Bischof herzliche Worte an die Versammlung. Er dankte den beiden Vorrednern für das schöne und anschauliche Bild, das sie von der Person und der Arbeit des Heiligen den Anwesenden gegeben hätten. Im Verlauf seiner Ausführungen wies er auf die Bedeutung des Albertus- Magnus-Vereins hin, dem er eifrige Förderung M wünschte. Am Schluffe seiner Ansprache erteilte der Bischof der Versammlung seinen oberhirtlichen Segen.
Fulda. Goldenes Priesterjubiläum. Feierlich luden die Glocken der Benediktinerin- nen-Nonnenkirche am Feste der hl. Elisabeth zur Feier des goldenen Priesterjubiläums des Hochw. Herrn Geistlichen Rats Dr. Kramer ein. Viele geistliche und weltliche Freunde und Verwandte des Jubilars hatten sich im Gotteshause eingefunden, als der greise Priester, geschmückt mit dem goldenen Kranze, die hohe Treppe zum Hochaltar hinaufstieg, um Gott dem Herrn sein Dankesopfer darzubieten. Noch verhältnismäßig rüstig hielt der Jubilar unter großer Assistenz das feierliche Hochamt, das die Benediktinerinnen durch liebliche gregorianische Weisen verherrlichten. Die Festpredigt hielt Herr Pfarrer Bermoser- Steinbach. In anziehender Weise gab er ein Lebensbild des hochw. Herrn Jubilars von der Kindheit bis ins hohe Greisenalter. Viel Gutes habe er vollbracht und dafür habe es ihm an Gottes Segen nicht gefehlt. Zum Schluffe des eindrucksvollen Gottesdienstes stimmte der Jubilar das Te Deum an, in das die Gläubigen freudig einstimmten. Es stellten sich viele Gratulanten ein, dem hochw. Herrn zu gratulieren und noch manche Jahre in Gesundheit zu wünschen. — Ein Freund des Jubilars schickt uns noch folgende Zeilen: Der sonst recht seltene Tag des g o l d e n e n P r i e -
st e r j u b i l L u m § in unserer Diözese trifft für unsere Bischofsstadt in 1932 sogar innerhalb
4 Wochen zum 2. Male ein. Nachdem am 28. Oktober ds. Js. unser Hochwürdigster Herr Bischof diesen denkwürdigen Tag gefeiert hat, durfte der hier i. R. lebende frühere Prorektor des aufgehobenen katholischen Lehrerseminars in Fulda, Herr Geistt. Rat Joseph Kramer am 11. November seine Stirne mit dem goldenen Ehrenkranze des Priesters schmücken. Der hochw. Herr Jubilarpriester stammt aus Naumburg (Bez. Kassel), wo sein Vater als Bürgermeister wirkte und starb. Der damalige Stadtpfarrer Wiegand, aufmerksam geworden auf den talentvollen Knaben, ließ ihn von- seinem Frühmesser Dr. Klüber, aus Fulda gebürtig. alsbald für die höheren Studien vorbereiten. Dann setzte er im Knabenseminar zu Fulda die Studien vier Jahre fort, um sie nach dessen Schließung durch die Maigesetze in 1873 am Fuldaer Gymnasium zu vollenden und — da auch das Priesterseminar in der „Kulturkampfzeit" aufgehoben worden war, — den theologischen Studien an der Universität in Würzburg, wo die wenigen Alumnen im „Fuldaneum" unter Leitung des Protonotars Prof. Dr. Gutberlet bis 1887 standen, zu obliegen. Am 11. November 1882 empfing er vom Hochseliqen Bischof Dr. Kopp die hl. Priesterweihe im Dom zu Fulda Alsbald wurde der Jungpriester nach Amöneburg als Kaplan an die Seite des dortigen Dechanten Philipp Müller gesandt, zugleich aber mit dem Auftrage, seine in Würzburg begonnenen philologischen Studien in Marburg zu Ende zu führen. In diese Zeit fällt die Gründung der Bischöflichen Lateinschule in Amöneburg, die er aus kleinsten Anfängen entwickelte und an der er neben Dr. Linz aus Fulda erfolgreich für den so dringend notwendigen geistlichen Nachwuchs sorgte. Im Jahre 1887 bestand er mit vollem Erfolg das philologische Staatsexamen an der Universität Marburg und erhielt in Religion. Latein und Griechisch die Fakultät für alle Klassen. Als Student gehörte er der katholischen farbentragenden Studentenverbindung Rhenania als Ehrenmitglied seit 1885 an. Im Ith re 1888 berief die Regierung in Kassel Herrn Kramer als Seminarlehrer nach Fulda und beförderte ihn in 1898 zum Seminaroberlehrer. Von 1888 bis 1923 unterrichtete er in verschiedenen Fächern viele Hunderte von Seminaristen, die in aufrichtiger Dankbarkeit auch heute noch ihres edlen Bildners gedenken. Im Jahre 1918 wurde er Prorektor des Lehrerseminars. 1923 trat der unermüdliche Priester und Lehrer in den wohlverdienten Ruhestand und erhielt vom Hochw. H. Bischof den Titel Geistl. Rat. In den folgenden Jahren beschäftigte er sich gern weiter mit den alten Sprachen und mit Geschichte. Seine Anhänglichkeit an Naumburg, wo er fast jedes Jahr die Ferienzeit zubrachte, zeigte er durch fleißige Aushilfe beim Gottesdienst, den sein verstorbener Bruder und Lehrer Julius Kramer oft durch treffliche Orgelbegleitung feierlich zu gestalten wußte und durch große Opfer für die Restauration der unweit der Stadt auf Bergeshöh thronenden Weingartenkapelle. Wie der Jubilar nun in seiner Vaterstadt am 19. November 1882 sein erstes hl. Meßopfer darbrachte, so hat er auch seine Jubelmesse am 19. November, dem Feste der hl. Elisabeth, gefeiert. Mögen denn seine Bitten am Altare und die herzlichen Glückwünsche seiner Freunde und Schüler von Gott gesegnet werden und dem Hochwürdigen 75 Jahre alten Priestergeist einen langen, goldenen Lebensabend erwirken.
Vorsicht bei Dücherangeboten durch Kolporteure! Wie wir von mehreren Seiten hören, versuchen gewisse Leute an katholische Familien ein Buch „Missionswächter" zu verkaufen. Zahlreiche katholische Männer und Frauen sollen darauf hereingefallen sein. Wir warnen vor diesem katholikenfeindlichen Buche. Man weise den Kolpor
teuren die Türe. Ueberhaupt hüte man sich, bet solchen „Reisenden" Bücher zu kaufen.
Fulda. Am Sonntage hielt die Hl. Geist-Pfarrge- meinde ihren alljährlichen Pfarrabend ab. Der große Stadtsaal tonnte nicht alle fassen welche sich zur Teilnahme an dieser Veranstaltung eingefunden hatten. Die Abendunterhaltungen, die in jeder Pfarrei und Kuratie der Stadt Fulda einmal im Jahre die Pfarrangehönqen um ihre Geistlichkeit sammeln, sind sehr beliebt geworden. Der Gemeinschaftsgeist, die echte Bruderliebe und christliche Eintracht soll hierdurch unter den Gliedern einer Pfarrgemeinde gefördert werden.
horas. Der hiesige katholische Iungmän - neroerein hat seit seinem Bestehen immer besonderen Wert darauf gelegt, sein Stiftungsfest in schöner Weise zu begehen. So war es auch gestern an seinem elften Geburtstag wieder: ein reiches und gut gewähltes Programm füllte den Abend Der Festredner konnte dabei zurückgreifen auf eine Urkunde aus dem Jahre 1865, nach der in jenem Jahr schon einmal in Horas ein Jugendverein vom damaligen Stadtkaplan Schönherr gegründet worden ist . Da der jetzige Jungmännerverein, wie aus seinen Satzungen hervorgeht, die Tradition des früheren wieder ausgenommen hat, dürfte sich der hiesige Verein wohl als der drittälteste der Diözese betrachten. Nach einer stimmungsvollen Gefallenengedenkfeier leitete der Vereinspräses und Ortspfarrer in einer kurzen Ansprache zum heiteren 2. Teil des Abends über. Der gute Besuch des Abends mag allen, die sich um das Gelingen soviel Mühe gegeben haben, ei« wohlverdienter Lohn sein, dem Verein aber ein neuer Ansporn zur weiteren treuen Arbeit im christlichen Jugendreich.
Petersberg (Kreis Fulda. Am 19 November waren fünfundzwanzig Jahre verflossen, daß das hiesige Schwesternhaus durch Herrn Pfarrer R ü b - f a m in feierlicher Weise eröffnet wurde. Von den damals eingeführten ehrwürdigen Schwestern ist bloß noch die Oberin Homilitas hier, während die anderen drei nach längerer oder kürzerer Zeit einem anderen Wirkungskreis zugeteilt wurden. Zwei Schwestern lind auch in dieser Zeit verschieden und liegen an unserem Gottesacker begraben. Was die ehrw. Schwestern in den verflossenen 25 Jahren Gutes geleistet haben, ist nicht aufzuzählen. Es sei nur an die Krankenpflege, den Kinderhort, den Näh- und Kochunterricht erinnert. Wir sprechen den ehrwürdigen Schwestern hiermit unsern herzlichsten Glückwunsch und Dank aus, in der Hoffnung, daß es ihnen vergönnt fein möge, so lange Petersberg besteht, ihre segensreiche Tätigkeit weiter auszuüben.
Bad Salzschlirf. Kürzlich konnte der älteste Einwohner unserer Gemeinde, der Maurer Martin Klitsch, in seltener geistiger und körperlicher Rüstigkeit sein 90. Lebensjahr vollenden. Ein arbeitsreiches Leben liegt hinter ihm. Lange Jahre war er in Westfale» in feinem Berufe tätig, später übte er dann das Maurerhandwerk in feiner Heimat aus. Wir wünschen Herrn Klitsch, der ein eifriger Leser des Bonifatiusboten ist, einen glücklichen, gesegneten Lebensabend.
Großenlüder. Die Marianische Jungfrauenkongregation hat die Ausführung ihres Winterprogrammes begonnen mit zweimaliger Aufführung der beiden religiösen Theaterstücke: 1. St. Cäciliens Treueschwur und 2. Fürsprache an der Himmelstür. Der Besuch war wie immer sehr gut und die Darstellerinnen spielten vorzüglich. Nun schließt sich daran eine kleine Advents- feier und Nikolausfeier im engsten Kreise. Auch die praktischen Aufgaben werden in Form von Handarbeits- und Bastelabenden, sowie in einem Weihnachtskursus, Kochkursus, Krankenpflegekursus, die verschiedenen Gruppen beschäftigen, wobei für Gesang und Mandolinenspiel genügend Uebungsgelegènheit geboten wird. Die für die einzelnen Gruppen notwendigen Anschaffungen entstehenden Kosten bestreitet die Kongregation aus den Einnahmen der Theaterabende und wird auch die „Winterhilfe" uni) „Kleiderkammer" dabei nicht vergessen. So wird Angenehmes mit Nützlichem wie auch im vorigen Winter in unserem Verein verbunden viel Gutes stiften.
Hosenfeld (Kr. Fulda). 1288 wird in einem Briefe der Aebtissin Bertrade in Blankenau ein Pfarrer Heinrich von Hosenfeld als Zeuge erwähnt, ein Beweis dafür, daß die Pfarrei verhältnismäßig alt ist. Die Kirchenbücher beginnen mit dem Jahre 1635. Die jetzige Pfarrkirche, wohl die zweite an dieser Stelle, ist in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts im Barockstil gebaut. Interessant ist eine Notiz in den Pfarrbüchern wonach bei dem Bau zwei Schieferdecker vom Turm fielen. Während der Sohn geheilt wurde, starb der Vater sogleich infolge des Sturzes. Das fei geschehen am 2. Oktober 1779. Kirchenpatron sind Petrus und Paulus. 1895 war die Kirche unter dem verstorbenen Pfarrer Kienemund restauriert worden. Herr Pfarrer Bilz,