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Hauptstadt der Cfcgjflewteft

Audienzen.

Aus den Audienzen, die der Heilige Vater er­teilt, ist bezeichnend, daß die Zahl der NichEatho- liken, die zum Papst kommen, beständig im Zu­nehmen ist. Jüngst suchte sogar ein protestantischer «Bischof um eine Audienz nach, die er auch erhielt. Ferner wurden die Gemahlin des Maharadscha von Travankur, Rama Varana, mit ihrer Tochter, der Prinzessin Karthika Thimnal vom Papst empfangen. Ein Sechstel der Bewohner des in­dischen Staates Travankur sind Katholiken des lateinischen, malabarischen und syrischen Ritus.

Vatikan und Quirinal.

Ein erfreuliches Zeichen der guten Beziehungen zwischen Staat und Kirche in Italien ist die auf Vorschlag der philosophischen Fakultät der König­lichen Universität in Rom erfolgte. Berufung des Rektors der Päpstlichen Hochschule des Großen Seminars am Lateran zu Vorlesungen über Ge­schichte an der Königlichen Universität. Rektor Prälat Paschini ist Neu- und Kirchenhistoriker, dessen Vorträge in der Akademie für römische Stu­dien sich stets eines lebhaften Zuspruches erfreuen.

200 Jahre Redemploristenorden.

Der Heilige Vater hat an den Generalobern des Redemptoristenordens zum 200jährigen Jubiläum dieser Gesellschaft ein sehr anerkennendes Be­lobigungsschreiben gerichtet.

Der um die Kirche sehr verdiente Orden, dem bekanntlich auch der unlängst verstorbene Kar­dinal van Rossum angehörte, wurde am 9. No vember 1732 durch den hl. Alphons von Liguori gegründet. Er zählt heute in 21 Provinzen und 19 Vize-Provinzen 348 Häuser. In Indochina, China und Dänemark sind ihm Missionen über­tragen. Die Zahl der Ordensmitlieder beträgt heute 5735. Während des Iubiläumsjahres wer­den in allen Provinzen und Häusern des Ordens Feiern veranstaltet, und in mehreren wissenschaft­lichen Publikationen von Ordensmitgliedern soll des kirchengeschichtlich wichtigen Ereignisses in ge­bührender Weise gedacht werden.

Der Klerus der Welt.

Die englische Zeitschrift „The Universe" veröf­fentlicht soeben eine neue Statistik über den augen­blicklichen Bestand des katholischen Kle­rus in der ganzen Welt. Demzufolge gibt es 321 000 Priester und zwar 257 000 Weltpriester und 64 000 Ordensgeistliche. Auf die einzelnen Erdteile verteilen sie sich wie folgt: Europa: 252 000, Amerika: 51 500, Afrika: 4 800, Asien: 10 500, Australien: 2200. Im Vergleich zu dem Priesterbestand am Ende des vorigen Jahrhunderts ist eine Zunahme um fast 100 000 Priester festzu­stellen. Die letzte Statistik, die ungefähr 30 Jahre alt ist, gibt den Bestand mit 230 000 an.

Vom Germanicum.

Wie alljährlich am Feste Allerheiligen fand auch dies­mal für eine beträchtliche Anzahl von Neupriestern, die ihre Studien im Collegium Germanicum-Hungaricum absolviert haben oder noch zum Abschluß bringen, die Primizfeier statt. Die Primizianten entstammen aus den deutschen, österreichischen, ungarischen und italieni­schen Bistümern Aachen, Trier, Paderborn, Osnabrück, Limburg, Freiburg, München-Freising, Augsburg, Mei­ßen, St. Pölten, Lavant, Kalcoska, Temesvar, Fünf- Nrchen, Trient und aus der Apostolischen Administratur Tyrnau (Tschechoslowakei). Der neugeweihte Priester Josef Wodka aus der Diözese St. Pölten brachte sein erstes hl. Meßopfer in der deutschen Nationalkirche der Anima dar, wobei Universitätsprofessor P. Dr. Leiber, S. I., die Festpredigt hielt. Einer der deutschen Neu­priester zelebrierte in der Krypta der Basilica Santa Maria Maggiore, in der sich die berühmte Reliquie der Krippe des Heilandes befindet, und spendete dabei einem seiner Brüder die erste hl. Kommunion. Der Nachmit­

tag vereinigte die Primizianten in der Aula des Col­legium Germanicum zu einer stimmungsvollen Festfeier, die unter der Leitung des neuen Rektors P. Noppel, S. I., stand. Drei Alumnen des Kollegs, zu deren Schar sich am gleichen Tage siebzehn neueingekleidete Studiengenossen gesellt hatten, hielten gehalt- und weihe­volle Vorträge über die Sendung des Priestertums. Der erste Redner begrüßte den aus Frauenburg (Ermland) zum 50. Jahrestag seiner Primiz herbeigeeilten Ger- maniker, Domkapitular Prälat Dr. Franz Schröter. Un­ter den Ehrengästen bemerkten wir Patriarch Graf Huhn, Bischof Smit, den Rector Magnificus der Gre­gorianischen Universität, P. Willaert, Prälat Prinz Georg von Bayern, ferner Prälat Universitätsprosessor Dr. Göller (Freiburg i. B), Prof. Dr. Dengel (Rom) und andere.

Allgemeiner Seulscher Katholilenlag 1933

in Wien.

Die Vorbereitungen für den großen Katholiken­tag, den Wien 1933 unter dem Titel „Allgemeiner deutscher Katholikentag aus Anlaß der 250-Jahr- Feier der Befreiung Wiens von den Türken" ab­gehalten wird, find mitten im Gange. In den nächsten Tagen wird mit der öffentlichen Arbeit be­gonnen werden und der Ehrenausschuß sowie das Aktionskomitee bekanntgegeben werden. Dem Aktionskomitee werden führende Männer des ka­tholischen Lebens aus allen deutschen Sisdlungsge- , bieten angehören. Als Zeitpunkt des Katholiken­tages sind die Tage vor dem 12. September 1933 in Aussicht genommen. Der 12. September selbst, der Tag der Befreiung und Flucht des türkischen Heeres vor dem deutschen Reichsheer, das unter Führung von Herzog Karl von Lothringen und König Johann Sobieski von Polen stand, wird die große Schlußfeier bringen.

Erzbischof Dr. Innitzer wird am kommenden Montag im Stefansdom eine Pontifikalmesse zele­brieren, die die Vorarbeiten für den großen Katho­likentag feierlich eröffnen soll. Im Anschluß daran wird die Konstituierung der Ausschüsse erfolgen. Am Nachmittag begibt sich der Wiener Erzbischof nach Salzburg zur österreichischen Bischofskonf- ferenz, die dort unter dem Vorsitz des Fürstbischofs Dr. Rieder von Salzburg am 22. und 23. November zusammentritt. Von Salzburg fährt Erzbischof Dr. Innitzer nach Rom, um sich dem Papst als neuer Oberhirt der Wiener Diözese vorzustellen.

Kabinett Papen zurückgelreken!

Nachdem die neue Reichstagswahl wieder mit einer vernichtenden Mehrheit gegen das Kabinett Papen-Schleicher entschieden hatte, wollten zu­nächst die zur Zeit einflußreichen Kreise in Berlin, daß trotzdem die gegenwärtige Regierung am Ruder bleiben solle. Kanzler von Papen ließ sich vom Reichspräsidenten beauftragen, mit den Parteien Verhandlungen zu führen über die Möglichkeiten einer Erweiterung der „nationalen Konzentration".

Es war ungewöhnlich, daß Reichspräsident von Hindenburg nicht selbst mit den Parteiführern verhandelte, sondern den Kanzler beauftragte, nachdem diesem eine erdrückende Volksmehrheit von 90 Prozent ihre Ablehnung ausgesprochen hatte. Die Folge war, daß die Führer der Natio­nalsozialisten und der Sozialdemokraten der Ein­ladung zu den Verhandlungen mit Papen keine Folge leisteten. Sehr bezeichnend ist die Mittei­lung, durch die die Sozialdemokraten ihre Ableh­nung begründeten. Sie lautet:

„Der Reichskanzler von Papen hat durch zweimalige Auflösung des Reichstages das deutsche Volk zweimal über seine Regierungspolitik befragt und zwei vernich­tende Absagen erhalten. Die Verfassung, die er be­schworen hat. gibt ihm nicht das Recht, weitere Ver­handlungen zu führen; sie verpflichtet ihn vielmehr zum Rücktritt. Der Reichskanzler von Papen hat sich bei seinem Vorgehen gegen die rechtmäßige Regierung Preußens über die Verfassung und den Spruch des höchsten Gerichts ebenso hinweggesetzt, wie er durch sein Verbleiben im Amte das Urteil des Volkes nicht beachtet hat. Er hat in seinen öffentlichen Reden die Parteien verunglimpft und diejenigen, die sich seiner Politik entgegenstellten, als Feinde des Volkes be­

zeichnet. Sein ganzes Verhalten macht ihn als Ver­handlungspartner für die Sozialdemokratische Partei ungeeignet. Die Sozialdemokratische Partei erblickt in dem Reichskanzler von Papen den Sachwalter einer winzigen Minderheit, die sich in rücksichtsloser Wahr­nehmung ihrer eigenen Slasseninteressen nicht scheut, über das Grundgesetz der Republik und die Rechte des Volkes hinwegzugehen. Der Vorstand der sozialdemo­kratischen Reichstagsfraktion kann aus allen diesen Gründen von der geplanten Besprechungi ein Ergebnis nicht erwarten. Er hält es jedoch für notwendig, in aller Oeffentlichkeit seine Stimme zu erheben gegen eine Politik, die sich mit jedem Schritt von dem Boden des Rechts weiter entfernt. Er wendet sich aufs schärfste gegen die ösfentlich erörterten verbrecherischen Pläne, diè dararrf abzielen, die durch Beschluß der National­versammlung rechtmäßig zustandegekommene Verfas­sung aus verfassungswidrigen Wegen abzuändern und fordert den Rücktritt dieser Regierung."

Die Führer des Zentrums und der Bayerischen Volkspartei haben der Einladung zu den Beipre- chungen mit Papen Folge geleistet, hauptsächlich aus dem Grunde, daß nicht etwa jene Klique, die zur Zeit großen Einfluß hat, in einer Weigerung der Mittelparteien den Anlaß fände zu behaup­ten, es bestehe bei den Parteien kein guter Wille zur Lösung der Regierungsfrage auf breiterer Grundlage. Vom Zentrum führte die Verhand­lung Prälat Kaas und Abgeordneter Joos. Durch gewisse Vorkommnisse unter der „grundsätzlich neuen Staatsführung" gewitzigt, überreichten die beiden Sprecher des Zentrums dem Kanzler ihre Auffassung schriftlich. Papen mag daraus er­sehen haben, wie „groß" das Vertrauen zu seiner Person in Zentrumskreisen ist. Die Bayerische Volkspartei, deren Vertreter Dr. Schäffer nur mündlich mit Papen verhandelt hatte, mußte er­leben, daß sie nachher die Berliner amtliche Ver­öffentlichung über die bayerische Auffassung durch eine parteioffiziöse Kundgebung richtig stellen mußte. Mit Leuten, wie sie heute im System Pa­pen Einfluß haben, kann man nicht vorsichtig genug sein.

Die Erklärung der Zenkrumsführer, die natürlich mündlich entsprechend erläutert wurde, hatte folgenden Wortlaut:

„Der einzige Ausweg aus der gegenwärtigen un­haltbaren Lage ist die Bildung einer Regierung, die in voller Wahrung der Rechte des Reichspräsidenten und einer zielbewußten starken Staatsführung die seit Mo­naten unterbrochene Verbindung mit der Volksvertre­tung wiederherstellt und sich in einer festen Mehrheit den unentbehrlichen Rückhalt schasst. Kur so kann eine friedliche und organische Weiterentwicklung im politi­schen Leben der Ration gesichert werden. Rur so kann der deutschen Wirtschaft die Ruhe gewährleistet werden, die wesentliche Voraussetzung ihrer Erholung und ihres Aufstiegs ist. Rur so kann Deutschland in die welt­politischen Auseinandersetzungen um seine Gleichberech­tigung und finanzielle Gesundung mit der Autorität einlrelen, welche die Größe der zu bewältigenden Auf­gaben und der außenpolitischen Widerslänoe verlangt.

Eine nüchterne Prüfung der Gesamtlage ergibt, daß die Zusammenfassung der politischen Kräfte zu einer starken Rot- und Arbeitsgemeinschaft, deren Bildung fachlich durchaus möglich ist, unter der gegenwärtigen politischen Führung und im Rahmen des gegenwärtigen Kabinetts ausgeschlossen bleibt, hieraus ergibt sich die zwingende Rolwendigkeil, daß die Reichsregie­rung ohne weiteren Verzug durch einen freiwilligen Schrill ihrerseits dem Herrn Reichspräsidenten den Weg für die Durchführung der großen Sammelaktion srei- macht.

Die Deutsche Zentrumspartei stellt für das Ziel der Schaffung einer starken, volksverbundenen Regierung und für die beschleunigte Durchführung ihrer Aufgaben jede verfassungsmäßig verantwortbare Mitarbeit zur Verfügung.“

Die Unterredung Papens mit den Zentrums­führern scheint großen Eindruck gemacht zu haben. Denn alsbald nach derselben, am Mittwoch, ent­schloß sich der Kanzler, feine Reise nach Süddeutsch­land, die für die folgenden Tage angesetzt war, telephonisch abzusagen. Am Donnerstag fand eine

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