für Otto II. und Otto III. bie Regentschaft. In einem der vielen Klöster, die sie gründete, starb sie i in der Nähe von Straßburg.
Der schon oben erwähnte Apostel Thomas, der Vorläufer Franz Xavers in Indien, f ort durch einen Lanzenstich getötet worden sein. Bekannt ist die Szene, wo er erst, als er die Wundmale des Herrn gesehen und betastet, an seine Auferstehung glaubt. Von dem „ungläubigen Thomas" erzählt die Legende, daß er nach der Rückkehr von seiner ersten Missionsreise die Gottesmutter nicht mehr am Leben angetroffen habe. Da er ihren Leichnam zu sehen verlangte, habe man ihm das Grab geöffnet und statt der Toten rote und weiße Rosen darin gesunden.
Ebenfalls bekannte Gestalten sind der hl. Stephanus und Iohannes, der Evangelist. St. Stephanus war den Juden verhaßt, weil sie gegen seine Redegewandtheit nicht ankonnten. Deshalb stießen sie ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn zu Tode. Iohannes, der Lieblingsjünger Jesu, blieb nach dem Tode des Meisters zunächst in Jerusalem, wirkte dann in Kleinasien und schrieb in der Verbannung auf der Insel Patmos die Apokalypse. die Geheime Offenbarung, die als letztes Buch des Neuen Testamentes in herrlicher Vision Kampf und Sieg der christlichen Kirche bis zum Weltgericht schildert. Bekannt sind daraus durch Dürers Darstellung die vier apokalyptischen Reiter, die Würgengel: Pest, Hungersnot, Krieg und Tod. Später schrieb Johannes in Ephesus das nach ihm benannte Evangelium und drei Briefe, die vor allem zur Bruderliebe ermahnen. Er starb im hohen Alter von 90 Jahren.
Den Zug der heiligen Waller beschließt ein Papst, der hl. Silvester. Er lebte zur Zeit Konstantins des Großen, als die Irrlehre des Arius gewaltig an Boden gewann. Des Papstes Gesandte führten auf dem Konzil von Nicäa den Vor- sitz, auf dem die Entscheidung gegen Arius fiel und die göttliche Wesensgleichheit Christi mit dem ewigen Vater gegen allen Irrtum verteidigt und betont wurde.
Der Wanderer im Advent.
Eine leise Geschichte von Michael Becker.
Wo von der Gasse vier Stiegen hinabführen in eine Kellerwohnung, machte ihm eine Wäscherin das Geschenk des Lebens. Sie war eine leise Frau ohne die polternde Stimme der andern, und vom Waschfaß herüber sprach sie viele zärtliche Worte zu dem Jungen, längst eh er eines davon verstand. An den Gommertagen trug sie ihn weit vor die Stadt, saß an den sonnenbunten Feldrainen und hielt ihn im Schoß. Dann glich sie der Mutter Gottes auf allen Bildern.
So hielt sie es viele Jahre, und mit sieben Jahren wußte Johannes mehr von allen Vögeln und Blumen als von dem Schmuß und der Sünde der Gasse. Und mit zwölf Lenzen war er in Meier Umgebung noch rein wie ein heiliger Einfalt. Er sann nicht nach über häßliche Reden, die ihm of in die Ohren sprangen, und machte sich keine Gedanken über den Vater, der zur Nacht oft trunken über die Stiegen herabpolterte. Er sann auch nicht, nach darüber, daß seiner Mutter Gesicht die Augen eines traurigen Hundes hatte und schmal wurde und schmäler. Zuweilen kam jetzt eine der schmutzigen Frauen aus der Nachbarschaft und brachte eine Schüssel mit Essen. Das teilte die Mutter mit ihm. Dann kamen vier Männer mit einer Bahre und trugen die Frau ins Spital. Und dahin kamen nach vier Wochen wieder vier Männer mit einem tannenen Sarg und trugen die Frau in ein Grab zwischen vielen Gräbern.
Johannes war damals vierzehn Jahre und begriff nichts von all diesem Geschehen, Er fühlte nichts als die Leere. Er wußte nichts als seine Verlassenheit. Seine Gedanken hatten zu langsame Schritte und tappten weit hinter den Gedanken seiner Altersgenossen her. Der Hohn der Gasse lachte häßlich um ihn, und der Vater versuchte umsonst, für ihn einen Lehrherrn zu finden. So schalt er ihn einen Bruder Unnütz und einen Tagedieb. Nur einmal taten Johannes' Gedanken einen schnellen Sprung und waren klarer als jemals zuvor. Das war damals, als der betrunkene Many ihn nachts aus dem Schlafe schrie: „Deine Mutter, das Weib, hat dich verdorben. ; Ich merbe
dir helfen, mir auf 5er Tasche zu liegen." Da tat der Junge die Hofe an und den zerschlissenen Rock und ging in die Nacht. Er ging immer weiter durch viele Gassen und Straßen, über regenweiche Feldwege, an schlafenden Häusern vorbei, und folgte dem Fluß, von dem er wußte, daß oben — wo er noch schmal war — das Dorf lag, aus dem der Vater sich die leise Frau in die Gasse geholt hatte. In dieser Nacht hatten für ihn die Sterne die Augen der Mutter. In jedem jungen Birkenbaum sah er ihre Gestalt sich über ihn neigen, und der leise Wellenschlag des Stromes schien mit ihren Worten zu sprechen. So hielt er Zwiesprache mit ihr; es war ein einziges Rufen und Antwortgeben.
In dieser Nacht begann für Johannes der Advent seines Lebens.
In dieser Nacht trat er die Wanderschaft an, die sein ganzes Leben gewährt hat.
In dieser Nacht zog er aus nach der Liebe.
Sommer und Winter fingen das Land ein in den Wechsel von Sonne und Schnee, von Blühen und Welken. Hin und her zwischen Köln und dem silbernen Riegel der Alpen zog der Halbnarr seine Straße und suchte das Dorf feiner Mutter, dessen Name ihm fremd war. Und er suchte die Leute seiner Mutter, deren Name er niemals gehört hatte. Es kannten ihn bald alle Gendarmen im Land und ließen ihn laufen, wenn er selbst sie nicht bat, im Spritzenhaus auf der Pritsche schlafen zu dürfen. Auch die Bauern waren ihm gut, weil sie Mitleid mit ihm empfanden und er ihnen gerne gefällig war, soweit seine Kraft dazu reichte. Er raffte Kartoffeln, wenn der Hände der Knechte zu wenig waren, oder kletterte im Oktober mit in die Weinberge zum Traubenbrechen. Wenn dann die Ernte gefeiert und die luftigen Winzerfeste begangen wurden — so wie es üblich ist an dem fröhlichen Rheinstrom — ging er fort, nahm nur ein kleines Stück Brot und ein kleineres Stück Butter als Dank in den Sack und dazu das Versprechen, daß alle, denen er treulich geholfen hatte, nun das Jahr über forschen sollten, ob ihr Dorf nicht das Dorf seiner Mutter wäre und ob sie selbst nicht gar verwandt mit ihm feien. Das wurde ihm gerne versprochen.
Das Lachen, das anfangs oft hinter ihm herflackerte. wurde von Jahr zu Jahr immer seltener und hörte gänzlich auf, als feine Haare weiß waren und fein Schritt zu schwanken begann. An langen Abenden erzählten die Mütter den Kindern seine Geschichte seiner selten großen Liebe. Zwischen Köln und dem silbernen Riegel der Achen kannten sie ihn alle. Die Klugen hatten ihn den Muttersucher getauft, und die Schlichten nannten ihn schlichter den Landstreicher Gut. Die Pfarrer sprachen auf der Kanzel von ihm und die Lehrer in der Schule nicht minder. Die Brüder von der Landstraße, die gerne den Hunger mit Schnaps stillen, wichen ihm ehrfürchtig aus und scheuten fast, feinem Gruß eine Antwort zu geben. Wie er immer noch älter wurde, nahmen sie — wenn sie ihn sahen — die zerrissenen Kappen vom Kopfe und blieben stehen, bis er vorüber war. Sie sahen in ihm den Heiligen der fahrenden Zunft.
Dann kamen für Johannes die ganz großen Tage feines Lebens.
In einem kleinen Dorf zwischen Bingen und Boppard steht ein altes Kloster dicht und warm an dem Bergrand. Alle Schwestern darin kannten Johannes und die jüngste von ihnen, die kleine Schwester Brigitta, die die Pforte betreute, ließ am ersten Sonntag der ernsten Adventszeit den Heiligen der Landstraße gerne herein. Am Abend, kurz vor dem lebten Gebet, klopfte sie leise und voll Demut, wie dies die Regel vorschreibt, an die Zellentür der Oberin. Lange saßen die Frauen zusammen und holten zum Schlüsse den Pfarrer zu Rate, dessen Herz warm war von der Liebe zu Gott und den Menschen. Er verlachte die Angst seiner bedächtigen Schäslein und versprach ihnen kräftigen Beistand und Fürsprache am ewigen Throne, wenn sie einst Rechenschaft geben müßten für ihre kleine, heilige Lüge ber Siebe.
So mußte Johannes am ersten Morgen der Woche hinüber in die Pfarrei. Erst mußte er sagen, daß seine Mutter Maria geheißen hatte wie die Mutter des Herrn. Dann holte der Pastor ein dickes ledernes Buch, ging zum Schein mit den Fingern umftönblicb vieler? Namen nach und sagte
Nummer 48 / Sèife 3.
dann schließlich: „Das ist sie! Warum seid Ihr nicht früher gekommen? Nun habt Ihr Euer ganzes Leben unnütz verlaufen. Nun geht zu der Schwester Brigitta und sagt ihr, hier wäret Ihr zu Hause."
So zog Johannes ein in das kleine Haus hinten im Garten des Klosters, wo der Berg anfängt und die Rebstöcke fast bis zu seinem Fenster hinaufkletterten. Nie mehr tat er einen Schritt auf die Landstraße. In der Woche vor dem süßen Fest Weihnacht schloß er sich ein. schnitzte und schnitzte an einem Stück Lindenholz, Tage und Nächte hindurch. Am Christabend hatte er ein feines Figür- lein zurcchtgebastelt. Damit ging er auf den Socken zur Kapelle hinunter. Da holte er die alte Mutter des Herrn von der Krippe und stellte die neues Maria mit den Zügen seiner Mutter dahin.
Davor fand ihn Schwester Brigitta, ehe M^ Mette begann.
Davor fanden ihn alle Schwestern, als sie. kamen, das Geheimnis der ewigen Nacht zu feiern«
In dieser Nacht schloß für Johannes der Advent seines Lebens.
In dieser Nacht hörte die Wanderschaft auf, die sein ganzes Leben gewährt hat.
In dieser Nacht fand er sich heim zu der Liebe«
Gin dretsaches Löcheln vor dem Sterben.
Ein Greis lag auf dem Sterbebette. Er schien zu schlafen. In trauriger Stille standen seine Jünger um ihn herum. Da lächelt er dreimal wie im Traume und öffnet heiter und fröhlich seine Augen. Man frug ihn nach der Ursache seines Lächelns. Das erste Mal, sagte er, gingen alle Freuden, Reichtümer, Pracht und Herrlichkeit der Welt an mir vorüber. Da mußte ich lächeln, weil um solche Dinge die Menschen sich plagen, die doch wie Seifenblasen vergehen. Das zweite Mal waren es alle Leiden der Welt, die vorüber zögern Da freute ich mich, daß sie für mich Rosen der Verdienste brachten. Das dritte Mal erschien mit der Tod, als Himmelsengel, der mich zum Lw cheln zwang, da er mein größter Wohltäter ist, der mich befreit von diesem Leben und in die ewige Heimat des Friedens einführt. Freudig schloß et dann die Augen und verschied.
Aus den Gemeinden
Konvertiten St. Elisabeth. Sonntag, den 27. November, nachm. 4.30 Uhr Versammlung im Agneshaus. lieber die Zeremonien der hl. Messe und Schriftlesung.
St. Familia. Der für Sonntag, 27. November, abends 6 Uhr angekündigte Vortrag fällt wegen Erkrankung des Herrn Pater Bonner S. I« aus.
Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg. Der Kirchenchor der St. Kunigundiskirche unter Führung seines tüchtigen Dirigenten Hermann Scholl hat sich zur Verfügung gestellt und gibt zum Besten unserer Blockhütte im Habichtswald einen volkss tümlichen Liederabend unter Mitwirkung hervorragender Solisten. Wir freuen uns nicht nur über diese freundliche Bereitwilligkeit und über die uns zugedachte finanzielle Unterstützung, sondern wir würden uns auch freuen, wenn der Abend zu einem äußeren Erfolg des Kirchenchores der Bet-, tenhäuser Gemeinde würde. Deshalb versäumen wir nicht, alles zu tun, den Saal zu füllen und laben die Freunde unserer Pfadfinderei, dis Eltern und Angehörigen herzlichst ein. Der Abend findet statt am Freitag, dem 25. November, um 20 Uhr im Saal des kathol. Lyzeums, Akazienweg. Eintrittskarten sind noch zu haben bei den Pfadfindern zum Preis von nur 30 und 50 Rpf.
Gemeinde St. Kunigundis. Am Sonntag, dem 27. Nov. ds. Js., findet abends 8 Uhr im Saale des St. Heinrichs-Hauses eine Wiederholung der am 13. Nov. mit großem Erfolg aufgeführten Operette „Die Mühle im Tal" statt. Der Reinertrag für die 2. Aufführung ist zum Besten der Winterhilfe bestimmt und wäre aus diesem Grunde schon