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Seife 2 / Nummer

funden haben. Mancher Seufzer wird gen Him­mel geflogen, manche schwere Träne gemeint wor­den sein.

Und nun, da der Novembermonat rüstig seinem Ende näherrückt. taucht plötzlich aus dem Nebel- dunkel ein Lichtlein auf! Auch der stärkste Siegen kann es nicht auslöschen, auch der harte Wind nicht ausblasen. Das Adventslichtlein brennt! Das erste, das liebe, das so viel süßes Leuchten in unsere bedrückten Herzen wirft. Das einen wun­derbaren Glanz Hal, der die Frohbotschaft von der Heilandsgeburt einleuchtet, wie eine Glocke den Felltag einläutet.

Es mag manche geben, die in diesem harten Jahr, das alle Poesie zerpflückt hat und verwehen ließ, nichts wissen wollen vom Adventskranz mit den vier Lichtern auf dem duftenden Grün des Waldes; die nichts wissen wollen vom roten oder gelben Band, das um das grüne Kränzlein ge­schlungen wird, um es zu schmücken. Man kann diese Menschen recht wohl verstehen. Aber doch — sind es nicht arme, im Herzen bettelarme Men­schen, die so denken? Advent! In welcher Seele wird nicht eine Sehnsucht anqezündet! Erinne­rungen stehen auf, Kinder-, Jugenderinnerungen' Und der heimliche Klang lieber, alter Adventslieder geigt durch die Herzen. Wie auf leisen Schwin­gen fällt es über uns — Adventszeit!

Und gerade in dieser bitteren Not, ja, erst recht in diesem düsteren Jahr gehört der Adventskranz in die stille Stube! Muß das erste kleine Lichtlein angezündet werden am ersten Sonntag des Ad­vents! Nicht, um eine Sentimentalität zu pfle­gen. Nicht, um nur Erinnerungen selig und freund­lich zu erwecken, nein, um Advent zu feiern ßir die arme, gequälte Seele, das sorgenbelastete Ge­müt, um uns besonders in dieser ungeheuerlichen Zeit hineinzuweben in den Zauber des Advents. Wozu sind schließlich alle unsere schönen, hohen Feiertage da, als daß wir an ihnen aus dem dü­steren Alltag hinausgehoben werden in ein himm­lisches Leuchten! Wozu steht der feierliche Kranz der Heiligen tagtäglich in unserer Mitte? Damit wir bei ihnen Trost finden! Ihrem vollendeten Leben nachgehen und das unsrige mühsam danach zu gestalten suchen. Und so ist die Adventszeit Zeit der Besinnung, Zeit der Erwartung, Zeit des Hoffens! Und wer von uns allen hätte es wohl etwa nicht nötig, sich einmal wieder — zu besin­nen? Zu besinnen auf die Geheimnisse Gottes und seines heiligen Sohnes, der Mutter über al­len Müttern, der Jungfrau über allen Jungfrauen! Ist nicht manche Mutter unter uns, die ein kleines Kindlein an ihrem Herzen trägt und ängstlich in die Welt schaut: Wie wird es nur werden? Wo werde ich es betten, wo die Kleidchen, die Röck­chen, die Milch und das Brot für mein Keindlein hernehmen? Besinnt euch, ihr lieben Mütter.— schaut zu Maria hinüber — wie sie der freudigen Stunde harrte, da ihr Kind die Welt schauen sollte! Wie sie vielleicht auch manchmal gedacht hat: Wie wird es nur werden, wir sind arme Leute! Und doch hing ihr Herz in Gottvertrauen wie in einem schuhenden Mantel! Besinnt euch auf Gott! Ver­traut auf Gott und den Heiland! Wenn wir beute wieder einmal so recht gewahr werden, wie schwach auch der herrlichste Menschenverstand der Völker der Erde ist, daß noch immer die Krise, die uns alle zerdrückt, nicht beseitigt werden konnte, da wächst um so stärker, man möchte sagen, um so triumphierender in uns Katholiken das Gottver­trauen! Wenn der Herrgott auch all dieses Un­heil, diese Not, diese Katastrophen zuläßt, wenn er den Menschen auch den freien Willen läßt, — er ist und bleibt der Herr der Welt, der Gott, der Schöpfer und Erhalter aller Menschen und Dinge! Ohne ihn ist nichts, und mit ihm ist alles!

Und nicht allein den Müttern mit ihren Kind­sein im Schoß sei zugerufen: „Besinnet euch!" Nein, allen Menschen überhaupt! Mögen sie alle wieder lernen, sich jenem Geheimnisvollen hinzu­geben, das Maria und das Kind Gottes umrauscht von Ewigkeit her. Und Zeit der Erwartung ist dieser Advent! Wenn wir einen lieben Besuch er­warten daheim in unserer stillen Stube oder im kleinen Familienkreis, wir putzen in der Stube, wir suchen das schönste Geschirr zusammen, stel­

len Blumen auf den Tisch und kaufen dies und das zusammen und legen ein freundliches Kleid an und sehen ein liebenswürdiges Gesicht auf, und dann — mag der liebe Besuch nur erscheinen! Er wird herzlich und freudig erwartet. Und der Ad­vent? Vier lange, stilleWinterwochen haben wir Zeit, den Heiland zu erwarten. Vier lange, stille Wo­chen dürfen wir uns für ihn vorbereiten! Dür­fen ein Weihnachtskleid schneidern, ein Kripplein bauen und — dürfen unsere Seele vorbereiten, ge­reinigt, geschmückt Christus, den König der Welt zu empfangen!

Da liegt ein armer Mensch auf dem Sterbebett. Ganz unerwartet will der Tod zu ihm treten. Und wie der Priester an seinem Bette sitzt, schluchzt del arme Mensch plötzlich auf: „Ach, hätte ich mich nur vorbereitet auf den Herrn!" Vorbereitet! Wä­ren wir nur immer bereit, zu Gott gerufen zu werden! Vorbereitet — nicht nur im letzten Stünd­lein, da das Sterbeglöckchen schon läutet — nein, immer! Auch in gesunden, in hellen Tagen. Dar­rum nutzen wir die Stille des Advents, vorberestet

Advenlsgebet.

Von Johannes L ü t h e r.

Herr, der du uns deine Hilfe versprochen. Sieh' unsre Nöte und sieh' uns re Last!

Sieh' uns re herzen, von Kummer gebrochen. Und uns're Seelen, von Jammer erfaßt! Herr, komm' und sehe der Trübsal ein End! Mache uns glücklich durch deinen Advent!

hast ja die Hungernden einstens gespeisek. Als du so wunderbar mehrtest das Brot, hast ja allüberall Hilfe erweiset, Wo man dich anrief in drängender Not. Darum setz' auch uns'rer Trübsal ein End! Mach' auch uns glücklich durch deinen Advent!

Gib doch den Müttern all für ihre Kleinen, Herrgott — du Gütiger, Nahrung und Kleid! Stille ihr Wehe döch! Stille ihr Weinen!

Vanne, Barmherziger, Elend und Leid! Herr, komm' und setze der Trübsal ein End! Mache uns glücklich durch deinen Advent!

Siehe der Männeè untätige Hände! Sieh' die Fabriken so stille und tot! Arbeit, Allmächtiger, Arbeit doch sende! Scheuche durch Arbeit Verzweiflung und Not! Herr, komm' und setze der Trübsal ein End! Mache uns glücklich durch deinien Advent!

Sieh', wie in Not jetzt und Kummer und Leide Wir, Herr, dir dienen in Demut und Treu', So woll'n wir dann auch in Friede und Freude Dienen dir, wenn du von Not machst uns frei! Darum seh' bald uns rer Trübsal ein End! Herr, und beglück' uns durch deinen Advent! zu fein mit ganzer Seele, wenn der Bethlehem- stern auch vor unseren Augen zu leuchten beginnt.

Und Zeit des Hoffens! Ach, wer von uns ar­men, geplagten Menschen möchte nicht hoffen! Hof­fen, daß die Not sich mildert, der Kummer leichter, die Dunkelheit des Herzens in Licht verwandelt wird! Diese ganze wunderbare Adventszeit ist Zeit des Hoffens! Wieder will er zu uns Men­schen kommen! Wieder will er uns an seiner Krippe versammelt, wieder anbetend vor ihm ihm knien und mit Maria und Josef. den Hir­ten und den hl. Königen, beten sehen. Ach, Ad­ventszeit! Windet ein Kränzlein! Schmückt es mit Bändern der Liebe und der Hoffnung! Zün­det die Lichtlein an! Singet die Lieder, die auch Vater und Mutter schon fangen! Hoffet auf den Herrn und Heiland der Welt!

Die Dezember-Heiligen.

Gleich in den vordersten Reihen ihres Zuges fällt der große Apostel des fernen Ostens, der Ge­fährte des hl. Ignatius von Loyola, auf, der hl. Franz lauer. Er war nach dem hl. Apostel Tho­mas der erste hl. Missionar, der den Indern das Christentum predigte. Auch Japan begann unter

seinem Einfluß christlich zu werden. Dann aber! setzten blutige Verfolgungen ein und zerstörten die Saat der Heiligen. Nach China, wohin er unter großen Opfern zu gelangen suchte, blieb dem Hei-r ligen der Zutritt versagt. Einmal war er nahe ’ daran, von einer vor Kanton gelegenen Insel aus:

zu Schiff ins Reich der Mitte zu gelangen. Aber der Kapitän betrog ihn schändlich um sein Geld^ Franz lauer starb auf dem Felseneiland und ' wurde dort bestattet. Später brachte man seine Leiche nach Malakka in Hinterindien und schließlich nach der alten Königsstadt Goa, wo sie unter rie-: figer Beteiligung der Bvölkerung in der Karwoche« ihr drittes Grab fand. Erst ein halbes Jahr- ■ hundert danach erhielt der Heilige sein viertes und i letztes Grab in der neuerbauten Kirche vom Kinde ' Jesu. An einem Seitenaltar steht, so erzählt Al­phons Nobel in seinem schönen Jndienbuch i „Tempel, Paläste und Dschungel", der „prunkvolles Sarkophag, in köstlicher Silberarbeit, überragt oonl. einem kleinen Kreuz, auf einem marmornen Sockeh ^ mit Jaspis geschmückt."

Als Nothelferin in vielen Trübsalen und Ge­fahren gilt die hl. Barbara aus Nikodemien, die nach der Legende vom eigenen heidnischen Vater in einen Turm gesperrt wurde, damit sie vom r Christentum bewahrt bleibe. Als sie dennoch ( Christin wurde und in seine Hände fiel, ließ er ; sie martern und töten. Ein Blitzstrahl soll dabei, den grausamen Vater sofort niedergeschmettert haben. St. Barbara wird als Patronin der Türme: und Festungen, der Artillerie und Bergleute ver­

ehrt und als Schutzheilige in Blitz- und Feuers­

gefahr angerufen. Bekannt ist ein kindliches Gebet

zur „St. Barbara, der edlen Braut", in dem sie

um Hilfe in jeder Not angefleht wird, besonders

um Fürbitte bei Gott um Bewahrung vor einem jähen Tod. Vielerorts werden ihr zu Ehren am Barbaratag Zweige von Obstbäumen in Waller

gestellt und in Zimmern und Ställen aufbewahrt. Sie blühen an Weihnachten und gelten als Se­genszweige für das folgende Jahr.

Zwei Bischöfe schreiten hintereinander: der große Kinderfreund St Nikolaus und der berühmte Kirchenlehrer Ambrosius von Mailand, der zwar nicht der Verfasser des Te Deum laudamus ist. aber durch viele andere Hymnen den abendländischeni Kirchengesang bereichert hat. Der hl. Nikolaus E

war Bischof von Myra und weit und breit als 5 großer Wohltäter gerühmt. Besonders die Kinder:

erfreuten sich seiner Gunst, weshalb ihm zu Ehren $

noch heute vielfach Kinderbescherungen am Niko­laustag staltfinden. Der Heilige gilt als Patron f der Schiffer, Kaufleute und Bäcker. Ambrosius, ,., dessen Geburtsstadt Trier sein soll, verteilte als , Bischof von Mailand fein reiches väterliches Ver­mögen unter die Armen, denen er auch sonst

Freund und Helfer war. Er verteidigte mit Erfolg die katholische Lehre gegen die arianische Häresie: und gegen das Heidentum der Römer und Ger- - manen.

Drei unter sich sehr verschiedene Frauengestalten r folgen einander: zwischen einer Aebtissin und einer i gekrönten Fürstin ein einfaches Mädchen. Es ist die hl. Christiana, auch Rina ober Nunia ge­heißen, die zur Zeit Konstantins des Großen lebte und als kriegsgefangene Sklavin in Georgien das.. Königspaar, die Großen des Landes und schließ­lich das ganze Volk bekehrte. Vor ihr geht biet hl. Ottilie einher, die der Legende nach blind ge­boren und vom eigenen Vater verstoßen worden sein soll. Bei der Taufe durch den Bischof Erhard von Regensburg soll sie bas Augenlicht erhallen haben und später vom Vater wieder ausgenommen worden sein. Er schenkte ihr die Hohenburg auf j dem Oltilienberg (oder auch Odilienberg nach der» anderen Schreibweise des Namens der Heiligen:: Odilia) und errichtete dort ein Kloster, als deren' Aebtissin die Heilige lange Jahre wirkte und mir sie auch begraben liegt. Sie wird von Augen­leidenden angerufen. Die letzte der drei Frauen ist die hl. Adelheid, die früh Waise war, aber später die Gemahlin des Königs Lothar von Italien wurde. Dieser junge Fürst wurde aber von dem treulosen Markgrafen Berengar vergiftet und die schöne Witwe, als sie sich weigerte, Berengars Sohn zu heiraten, in einen finsteren Schloßturm am Gardasee geworfen. Nach vier Monaten ge­lang ihr endlich die Flucht nach Mantua. 0 wurde Kaiser Ottos L Gemahlin und führte