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Seife 12 / Hummer 47.

len Tagen Deutschland bis an die polnische Grenze. Albert hat alle seine Reisen zu Fuß gemacht. Da lernte er das Volk, sein Leben, sein Glück und seine Not bis in alle Einzelheiten kennen. Wie sehr man seine Bekanntschaft mit Land und Leu­ten. seine Erfahrung und leinen Gerechtigkeitssinn zu schößen wußte, sehen wir daraus, daß man ihn zur Schlichtung von Streitigkeiten bedeutenderen Ausmaßes rief, nicht nur da wo er gerade weilte, sondern auch auf weite Enrfernung, von Köln bis nach Brandenburg. In solchen Fällen entschied Albert ohne jegliches Ansehen der Person. In einem schweren Streit zwischen dem etwas gewalt­tätigen Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden und der Kölner Bürgerschgst fiel Alberts Schieds­spruch in den wesentlichen Punkten gegen den Erz­bischof aus. Papst Innozenz IV. bestätigte den Entscheid. Der mächtige Kirchenfürft mußte sich die Niederlage gefallen lassen, was ihn aber nicht abhielt (zu seiner und noch mehr zu Alberts Ehre sei es beigesügi!) den heiligmäßigen Dominikaner­pater später wiederum als Schiedsrichter Heranzu ziehen. Albert war es auch, der im Jahre 1274 auf dem Konzil von Lyon Papst Gregor X. be­wog, die Wahl Rudolfs von Habsburg zum Kö­nig und Kaiser zu bestätigen, damit endlich dem Interregnum, „der kaiserlosen, schrecklichen Zeit", ein Ende bereitet würde. Wenn die Quellen nicht so spärlich flössen, wüßten sie uns wahrscheinlich noch viel zu erzählen von Alberts segcnvoller Mit­hilse in großen und kleinen Anliegen der deutschen Heimat. Die wenigen uns erhaltenen Nachrichten genügen aber, um erkennen zu lassen, wie sehr sein Leben untrennbar in das Geschick seines Volkes hineinverwoben ist. Der heilige Albert ist unser Heiliger.

Alberts vielbewegles Leben ist erfüllt von un­ermüdlichem, nur bei eiserner Gesundheit mög­lichem, erfolgreichstem wissenschaftlichen Forschen, Lehren und Schreiben. Die Päpste, die Hochschu­len aller Länder, die ganze gebildete Welt haben in ihm ihren Lehrer und Meister gepriesen. Die Wissenschaft hat ihm den bezeichnenden Namen „Doetor Universalis", „Der alles Wissen.umfas­sende Gelehrte", gegeben. Und in der Tat: Man weiß nicht, was man bei Albert mehr betonen soll, seine enge Verbundenheit mit der eigenen Heimat oder seine Aufgeschlossenheit für alles und seins vielen Beziehungen zu Menschen aller Länder und Völker.

Den Namen „der Große" hat er jedenfalls er­halten und verdient für die gewaltige Denkarbeit und Denkleistung, die er in einem entscheidenden Augenbilck in den Dienst der Kirche stellte.

Albert stand bei dieser Riesenarbeit nicht al­lein. Es haben viele mitoewirkt. Aber er war der erste, der sie in Angriff nahm. Albert war auch nicht der einzige Große des 13. Jahrhunderts, das für immer eine in seinen Leistungen unersetzliche Blüteperiode christlicher Wissenschaft darstellen wird. Sein eigener Schüler Thomas von Aquin ragt mit ihm hoch empor aus der Zahl der an­deren, ja er überragt Albert noch an Klarheit und straff geordneter Zusammenfassung der wissen­schaftlichen Ergebnisse. Aber an Weite der Idee, Fülle und Ausdehnung des Wissens kommt keiner im Mittelalter Albert dem Großen gleich. Seine Werke, 38 Foliobände in einer vor kurzem ge­druckten Ausgabe, behandeln die ganze Philosophie, Theologie und weite Gebiete der Naturwissenschaft: Astronomie, Kosmographie, Meteorologie, Klima­tologie, Physik, Mechanik, Architektur, Chemie, Mineralogie, Anthropologie, Zoologie, Botanik. Dabei verrät Albert eine feine Beobachtungsgabe und eine für seine Zeit ungewöhnlich weitgehende Erkenntnis der Natur. Ganz gewiß blieb er in manchem ein Kind seiner Zeit, der unsere Mittel zur Erforschung und Ausnützung der Natur nicht zu Gebote standen. In vielem war er ihr aber um Jahrhunderte voraus.

Kein Wunder, daß ihn die Volkslage zum Schwarzkünstler und Astrologen stempelte. Das sind Fabeln, und gerade die aderchäubische Astro­logie hat Albert scharf bekämpft. Für eines ist die Volk.ssaqe aber ein beredter Zeuge: für das Stau­nen, mit dem Alberts Mitwelt vor seinem Wissen

und Können stand. Die Welt der modernen For-1 Leuchte Deutschlands" genannt hat bei der Selia scher teilt dieses Staunen und erkennt Albert gerne > sprechung b— ^—^— ^------- - -

.als eine großartige Erscheinung" an.

2. Der heilige Albert.

Man hat Albert den ..Goethe des dreizehnten Jahrhunderts" genannt. Nicht mit Unrecht. Es gibt wohl im letzten Jahrtausend deutscher Ge­schichte niemand, der io wie Albert und Goethe das Gesamtwissen seiner Zeit umfaßt hätte. Dabei stehen sie beide mit großen, weiten und überragen­den Ideen inmitten ihrer Umwelt. Aber in einem gleichen sie sich weniger. Der Goethe des dreizehn­ten Jahrhunderts war ein gläubiger Katholik, ein Heiliger der katholischen Kirche. Er war ein Mann des Gebets. Sein Schüler Thomas von Chan- timpre versichert, daß Albert Tag und Nacht viel gebetet habe. Er war ein kindlicher Verehrer der Gottesmutter. Was er über sie geschrieben, gehör: zum schönsten der mittelalterlichen Marienminne. Er war ein Priester mit emem lebendigen Glau­ben und einer rührenden Liebe zum eucharistischen Heiland. Seine Abhandlung über das hl. Meß­opfer ist wohl das Beste, was das Mittelalter dar­über hinterlassen hat. Er gehört zu den fruchtbar­sten Mystikern des 13. Jahrhunderts, und, was er an religiösen und mystischen Schriften nieder- aeleat, zeugt von echter und tiefer Heiligkeit und hat wie wenige seiner Art auf die Folgezeit nach- hal ig eingewirkt. Der Goethe des dreizehnten Jahrhunderts war ein Heiliger der katholischen Kirche! Das Wort beleuchtet blitzartig den Unter­schied zwischen der religiösen Gesamthaltung von damals und von heute.

Bleiben wir noch einen Augenblick bei der Hei­ligsprechung Alberts des Großen stehen. Selig- und Heiligsprechungen haben etwas eigentümlich Beglückendes an sich. Wir denken dabei an die einfache Tatsache, daß einer aus unserer Mitte hei­lig gesprochen wurde. Diese Tatsache mutet an, als ob Gott sich dem Volke, dem der Heilige von Na­tur und durch Beruf angehörte, mit besonderem Erbarmen nahen würde. Muß es uns da nicht trostvoll berühren, daß wir im letzten dunklen Jahrzehnt deutscher Geschichte auffallend oft, in

kurzen Zwischenpausen dreimal dieses Nahen tes erlebt haben: bei der Heiligsprechung Petrus Canisius, der Albert den Großen

Eot- von „die

Der Notkof.

Koman aus gegenwSrttZen und künftigen Tagen, ,4

von Johannes Stutzenberge e.

„Nein, Fritz, so darfst Du nicht reden. Du tust mei­nem Vater selig Unrecht. Runtergekommen war der Hof nicht. Es lag Geld im Zins und Schulden waren keine da."

„Aber auch kein Umtrieb, keine Einnahmen. Sieht der Hof heute nicht anders aus als damals? Möchtest Du ihn wieder so sehen wie früher?"

„Nein, gewiß nicht, Fritz! Das meine ich auch nicht. Du hast viel Neues gebracht und viel gearbeitet. Aber mein Vater war's nicht anders gewohnt, als wie er's bei feinem Vater gesehen hatte. Du bist ein moderner Bauer, aber schlecht ist es uns früher nicht gegangen."

„Ist cs mir schlecht gegangen, ehe mich das Unglück hierher verschlagen hat? Und es wäre mir auch hier nicht schlecht gegangen, wenn nicht die lausigen Zeiten gekommen wären. Den Hafer kauft kein Mensch mehr, denn wer hält in der Stadt noch Gäule? Kein Lohn­kutscher, keine Herrschaft. Und Militär mit Gäulen gibt's auch fast keines mehr. Beim Heu ist's genau so wie beim Hafer. Das kannst Du als Bauer selber fressen. Denn wer kauft denn heute noch Heu? Das Getreide hat kei­nen Preis. Wenn es Obst gibt, dann kostet es nichts, und wenn? keins gibt, dann mußt Du es teuer bezahlen. Im letzten Jahr habe ich Zuckerrüben gebaut. Der trockene Sommer mit den kalten Nächten hat mich um die Ernte gebracht. Heuer setze ich meine Hoffnung auf den Er- lolg der neuen Kartoffelsorte. Du wirst sehen, der Teufel fügt es, daß es den ganzen Sommer und Herbst regnet und die Kartoffeln im Boden verfaulen. Ich habe eben kein Glück. Ich bin zum Unglück geboren und verliere mit dem Hos hier auch noch meinen guten Namen und meine Ehre."

Leuchte Deutschlands" genannt hat, bei der Selia- ! sprechung des Bruders Konrad, wieder bei der Heiligsprechung von Albertus Magnus? Petrus Canisius und Albertus Magnus: beide Apostel ih­res Volkes in entscheidungsvollen Stunden, auf der Höhe der mittelalterlichen Kultur und Kraft- entfaltung und während der alles aufwühlenden Stürme des Reformationszeitalters. Dürfep wir daran zweifeln, daß diese heiligen Männer' nicht auch jeßt unsere mächtigen Fürbitter bei Gott sind? Sollen wir nicht voll Vertrauen gerade das eine, wonach wir seit Jahren rufen, die Versöhnung mit unserem westlichen Nachbar, dem hl. Albert emp-. fehlen? Er kennt Frankreich mit Frankreichs Kö-i nig Ludwig hem Heiligen, verband ihn per­sönliche Freundschaft, und Paris ist stolz darauf.' Jahre hindurch den großen Meister der studieren­den Jugend aller christlichen Völker in seinen Mau­

ern beherbergt zu haben. Wird der Heilige nicht Bande knüpfen können, die stärker Zusammenhal­ten, als daß die Kräfte selbstsüchtiger Politik sie) auseinanderreißen könnten? Fangen wir wieder­an, Gott so zu dienen, wie unsere Heiligen es ge­tan haben, kommen wir seinem Nahen entgegen, dann werden auch wir inne werden, daß der Arm , des Herrn nicht verkürzt ist und er uns mit starker - Hand über Abgründe hinüberretten kann.

DeulschelathoI.Frauen!

Gedenket im Allerseelenmonat der Stätte, wo das Andenken Eurer Gefallenen in täg­lichem Gebet und Opfer geheiligt und ver­klärt wird — gebt eine Gabe, und sei sie noch so klein, für die Frauenfriedens­kirche, daß sie enblich ihrer Bestimmung dienen darf: Heiliges Erinnerungsmal un­seres heißen Ringens um Frieden zu fein, erbaut in liebevollstem Gedenken an unsre Gefallenen!

Einzahlungen erbeten auf Postscheckkonto

Köln 337». k^- *^ ^«-n nfriedenstirche.

(nadidenth verboten.

„Mußt nicht so hadern, Fritz! Unser Herrgott wird auch wieder helfen".

„Unser Herrgott? Ich merke es, wie er hilft. Mir wäre sogar der Teufel ein Freund, wenn er mir nur das Geld brächte, das ich brauche. Dein Bruder betet ja auch den Heiligen die Füße weg. Aber wird er mir und Deinen Kindern helfen? Es kommt ja alles auf meinen Schwager an, er hat mich in der Hand. Der Teufel soll mich holen, wenn dem nicht auch sein Geld lieber ist, als Gottes Lohn und ewige Seligkeit."

„So darfst Du nicht mit Michel reden. Du mußt ihn , halt nehmen, wie er ist. Und er ist im Grunde des Herzens ein guter Mensch. Sonst hätten ihn die Kinder ' nicht so gern wie ihren Vater."

„Wie ihren Vater? Sag's nur richtig: Ihren Vater sehen sie kaum noch an. Beim Michel erber stecken sie, wo er geht und steht. Morgens ist das erste Wort der Mi­chel und abends das letzte der Michel. Wann ruft die Therese mal Vater, wann fragt mich der Bub? Gerade so recht kommt es mir jetzt zum Bewußtsein, wie er 4 mir sogar die Liebe meiner eigenen Kinder stiehlt. So wird er mir auch den Hof nehmen. Dazu sind die Be­stimmungen im Erbvertrag Deines Vaters gemacht."

„Wie kannst Du so schlecht vom Michel denken? Er ist ein Eigener. Er mochte Dich nicht, er mag über­haupt nichts Fremdes, keinen fremden Menschen, keine fremde Sache. Ihr seid zwei ganz verschiedene Arten und steht Euch wie Tag und Nacht gegenüber, wie heiß und kalt. Aber er hat in den 10 Jahren Dir treu gedient. Gib ihm einmal ein gutes Wort, rede lieb und schön mit ihm."

„Ich soll lieb und gut mit ihm reden und bei ihm betteln? Ich, der ältere, der im Feld gedient und die