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Nummer 47 / Seife 3»

«liebten Buche zurückkehren zu Ermen. Nun Mt auch dem Gatten die Veränderung auf, die mit seiner Frau vor sich gegangen ist. Er zerbricht sich den Kopf, was wohl die Ursache ihrer Zer­streutheit sein mag. Und dabei liegt die' ver­derbliche Ursache, deren Wirkung er so unliebsam zu fühlen bekommt, greifbar nahe vor ihm: es ist das zerlesens, ost alles andere wiein- und aus- wendig saubere Bauch aus der Leihbibliothek. Er hat den Feind seines friedlichen Glückes un Haufe und ahnt es oft nicht einmal! , Es ist ein eigenes Ding um die menschliche Phantasie: wer sie nicht hütet, bei dem kann sie ^r verheerenden Flamme werden! Besonders ist 5 das in jungen -Jahren der Fall. Denn der junge Mensch ist noch viel eindrucksfähiger, als der durch die Erfahrungen des Lebens gereifte.

Die Lektüre versteht es, den Menschen von der Außen- und Umwelt abzuschließen. Darum wirkt auch das geschriebene Wort, im guten wie im schlechten Sinne, doppelt stark. Wer aber einmal einen geistigen Querschnitt durch das gezogen ha­ben wird, was man „gelesen haben muß", der wird erschrecken vor der Verantwortungslosigkeit, mit der in sogenannten modernen Büchern über alle Dinge des Daseins, selbst der intimsten, ge­sprochen wird. Da gibt es nichts mehr, was noch heilig ist. Weder in religiöser Beziehung, noch in der der Geschlechter untereinander. Oft muß > man sich wundern, daß sich die Feder, die solches ■ geschrieben, nicht gesträubt hat! ' Und dies alles lesen junge Menschen, verschlingen es geradezu. Denn es wird ihnen ja leicht zugänglich gemacht. „Aber, mir schadet doch so etwas nicht! Wer läßt sich denn von einem Buche beeinflussen!" Die so sprechen, Unterschüßen die menschliche Phantast, die durch die Lektüre angeregt wird. Leider nicht nur angeregt, sondern oft genug auch vergiftet. „Vom gelesenen Wort zur Tat ist oft nur e i n Schritt!" — hat einmal ein guter Menschenkenner gesagt. Denn der Beeinflussung durch die Lek­türe entzieht sich so leicht keiner.

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Also soll der Mensch nicht lesen! Diese Schluß­folgerung wäre durchaus falsch. Denn das Buch ist eine wertvolle Brücke zum Innenleben. Es soll zum geistigen Erlebnis werden. Doch wohl­verstanden: das gute Bucht

Ihr Eltern sollt nicht nur wissen, mit wem Euer Kind verkehrt, ihr sollt genau so Bescheid wissen über den geistigen Umgang Eures Kindes 1— — feine Lektüre. In junge Hände gehören sittlich einwandfreie Bücher, nicht die Sinne aus­stachelnde. In der katholischen Literatur findet ihr die Bürgschaft für solche Lektüre. Laßt Euch in diesem Sinne von der richtigen Stelle beraten. Wozu haben wir den Borromäusverein? Wozu die vorzüglichen katholischen Pfarrbibliotheken?

' i Der Kampf um die Schundlektüre ist zugleich auch der Kampf um das wertvollste, — was es auf der Welt gibt--die menschliche Seele!

Jedem das Seine,

Ein Schwank von Reimmichl.

Es war in altvordenklicher Zeit, da der weite Gau von Petersburg noch zur Herrschaft und Gerichtsbarkeit des Grafen Trautmann gehörte. Da geschah es im Wonnemonat Mai, daß der Herr Graf mit der erlauchten Frau Gräfin die silberne Hochzeit beging und zu diesem Feste den ganzen Landadel mit Hut und Haube sowie den Bürger­meister und die vollzähligen Ratsherrn aus der Stadt tingelnden hatte. Bei dieser Gelegenheit wollte der Herr Graf seine Gäste nicht nur durch Brunk und Reichtum, sondern auch durch ein aus­gesuchte, vorzügliches Festmahl in Erstaunen setzen. Alles, was Land und Jahreszeiten an Lek- kerbisseu und Gaumenkitzel schaffen konnten, wurde aufaeboten. Und als nun am hochzeitlichen Tage die Gäste bereits schwarmdick sich um die Tische drängten und das großmächtige Fest- und Zweck- cssen losgehen sollte, erschien der Hausmeister und meldete dem Herrn Grälen, drunten im Hof wär- der Fiicher-Chrust von Petersberg mit einem Bot- Uch voll der auserlesensten Fische — Forellen und Saiblingen von edelster Gattung — die man ha­ben konnte, wenn nicht der Preis gar so ... .

„Ach was!" fuhr ihm der Gras in die Rede, „heute wird um keinen Preis gefragt. Zahl er

dem Manne, was er fordert — ich will die Fische1 auf der Tafel sehen!"

„Aber mit Jhro Gnaden Erlaubnis", entgeg­nete der Hausmeister, „da liegt eben die Schwie­rigkeit. Der Fischer will kein Geld nehmen und verlangt als Zahlung dreißig Stockprügel, die ihm sofort aufzumefsen wären, und er sagt noch, daß er keinen einzigen abhandeln lasse."

Die ganze Hochzeitsgesellschaft mit dem Grafen an der Spitze rannte nun in den Hof. um den närrischen Kunden zu sehen. Einige glaubten, dem Mann sei ein Rädchen im Hirnkasten locker gewor­den, andere, er hätte sich einen Irrwisch vor die Nase gezecht. Ungeduldig sprach der Graf den Kumpan an:

„Landsmann, was fordert Er für seinen Fisch? Er wird gleich Sein Geld bekommen."

„Ich brauche kein Geld", erwiderte kühnlich der Fischer; hab schon Euer Exzellenz Haus- und Hofmeister gesagt, daß ich keinen roten Pfennig für meine Ware nehm. Dreißig Stockprügel ver­lang ich, nicht mehr und nicht weniger. Laßt mir die dreißig Prügel hinterwärts aufzählen, dann gehört der Fisch Euch — ansonsten verkauf ich ihn andernorts."

„Er ist nicht bei Groschen".

„Ich bin bei Gulden und Groschen, Euer gräf­lich Exzellenz; aber Handel ist Handel, und wenn ich meinen Fisch um keinen andern Preis hergib, kann mich niemand tadeln."

„Nun, ich mag den prächtigen Fisch nicht aus­lassen", sagte schmunzelnd bet* Graf, „und wenn Er's schon nicht anders tut, soll er Seine Dreißig bekommen."

Dann wandte er sich an den Leibjäger und flü­sterte ihm ins Ohr: „Jakob, fertigt den guten Mann ab, so wie er's immer will; macht's dem armen Teufel aber leidlich, schlagt sanft und nur zum Schein."

Sogleich legt sich der Fischer guten Willens auf die Dank und der Jäger hob den Stock, um den Fischer nach Wunsch auszuzahlen. Dieser schrie noch: „Mein Freund, zähl Er genau, denn ich verlang keinen einzigen Wichser mehr oder we­niger, als mir zukommt. Jedem das Seine!"

Und schon fielen die Schläge langsam auf sei­nes Lebens Schattenseite. Der Fischer zählte laut singend mit: „Einmal auf! — Zweimal auf! — Dreimal auf!" .... usw.

Unter stürmischem Gelächter der ganzen Fest­versammlung vollzog sich die Exekution. Der Fi­scher sang immer heldenhafter: „Sechsmal auf! — Siebenmal auf! — Achtmal auf! . . . usw.

Er hatte auch gut singen; denn er spürte die Schläge nicht im mindesten. Als aber der fünf­zehnte Streich gefallen war, sprang der Fischer auf und schrie:

„Halt! Jetzt ist's genug. Ich habe nun meinen vollen Anteil vom Preise bekommen."

„Wieso denn?" tat der Graf verwundert; ,es sind erst fünfzehn."

„Schon recht, Herr Graf," erwiderte der Fischer; „aber ich hab bei diesem Handel einen Ge­sellschafter, einen Teilhaber, dem ich auf Ehren­wort versprochen hab, daß er die Hälfte von bem kriegen soll, was ich für die Fische einnehm .... Wie die Sache steht, wär es tausendmal schade, diesen guten Freund und Teilhaber nur um ein einziges Strichlein zu betrügen."

„Und wer ist sein Gesellschafter? Sein Teil­haber^" frug der Graf.

„Das ist niemand anders, gräflich Exzellenz, als Euer Portier oder Torwächter, der draußen vor dem Schlosse steht. . . . Wie ich mit meinen Fischen daherkomm, schießt er mich wie ein Ket­tenhund an und gabelt mir mit seinem Spieß vor der Nase herum — will mich keinen Schritt her- einlassen. Bitten und gute Worte und auch ein Trinkgeld, das ich ihm vorhielt, nützen nichts. Er sagt, ich müßte ihm die Hälfte von dem Preis, den ich für die Fische lös, abtreten, sonst könnt ich bis zum Jüngsten Tag draußen bleiben. Erst wie ich ihm mit Zwang und Drang den Halbteil zu­geschworen hab, hat er mich passieren lassen. Ich glaube nun, der freundliche Mann darf nicht zu kurz kommen; denn jedem gebührt das Seine"

„Und er soll das Seinige erhalten!" schrie her Graf halb zronig, halb lustig.

Sofort wurde der Portier geholt. Als er ver­nahm, um was es sich handle, begann er zu zit­

tern und zu winseln, suchte auch auf jede Art sich zu verteidigen und herauszulügen. Den Grafen aber kührk das Leid nicht, und er befahl, den Schelm auf die Bank zu legen. Der Fischer jedoch redete seinem Teilhaber gütig zu:

„Lieber Freund, fei doch nicht so bescheiden und laß dich keine Weil nötigen. Worauf man ein Recht besitzt, das kann man ungeniert annehmen. Ich habe meine Sach schon eingesteckt, und du kriegst dein Teil, damit du siehst, daß ich ein ehr­licher Mann bin und dich nicht beschummeln will. Eigentlich ist mir eine etwas leichte Münze zuge­wogen worden und ich möcht den Herrn Grafen schön bitten, daß er dich dafür besser hält und dich mit echtem, schwerem Geld auszahlt: denn ich bin kein eigennütziger Mensch und vergönne meinem Freund it^mer das dickere Trumm. Und weit Seine Exzellenz gerad einen Ehrentag feiert, so wird er dir aus besonderer Huld und Gnade ein schönes Trinkgeld obendrein zustecken — so vier, fünf Prozent ertra — das gehört dir allein, ich erheb keinen Anspruch darauf, — bin ein uneigen­nütziger Mensch."

„Ja, zahl ihm seinen Teil aus und ein Trink­geld dazu, aber alles in guter, barer Münze", be­fahl lachend der Graf.

Da fauste schon der Haslinger, aber diesmal nicht zart und glimpflich, sondern pfündig und scharf. Das fühlte sich nicht mehr, als ob Butter aufgestrichen, sondern als ob Bohnen gedroschen würden. Auch hatte der Portier keine Lederhose an, sondern eine seidene Garnitur, die sich als Kugelfang wenig eignete. Sofort bei den ersten Hieben stimmte der Schelm einen rührenden Lob­gesang an. Der Fischer aber sang mit, indem er wieder laut die Streiche zählte und hellauf dazu reimte:

Und einmal eins — Faul sein darf seins.

Und einmal zween — Der wird schon gehn, Und einmal drei — Wir sind dabei.

Und einmal vier — Der Necket schier, usw. usw.

Und das waren jetzt gut gemessene Fünfzehn, denen der Graf noch fünf waxige als Gnadengabe zulegen ließ. Dann mußte der gebrettelte Schelm vor der lachenden Menge eine Quittung unter­schreiben, daß er seinen Teil redlich empfangen habe. Die Quittung samt zwei Golddukaten als besonderen Lohn seiner Ehrlichkeit händigte der Gral dem Fischer ein. — Der Torwart aber hatschte wimmernd hinaus, und er steckte seine Finger seit der Zeit nie mehr in faule Händel.

Merke: Wenn auch in neueren Tagen alle Spitzbuben — die kleinen und die großen — jedes­mal ihren redlichen Teil bekämen, wäre mehr Si­cherheit utto Ordnung im Land.

Entnommen dem reichhaltigen originel. len Reirmnichl-Kalender 1933 (Verlags­anstalt ^yrolia, Jnnsbruck-Wien-Müm chenf.

Frage.

Wärmt dich das Kleid, das du behaglich frägst. Um von der Winkerkälle nichts zu spüren. Wenn du dem Bettler vor des Laufes Türen Nicht einen Pfennig in die Wühe legst?

Schmeckt dir das Wahl, das du vergnügt verzehrst 3m Freundeskreis mit Lachen und mit Scherzen. Obgleich du eben einem armen Herzen, Das bittend zu dir sprach, die Hand verwehrst?

Erfreut dich deines heims Behaglichkeit, Für die du Geld — mehr als du darfst — ver­schwendet,

Nachdem du ängstlich-scheu dich abgewendet Beim Anblick all des Elends unserer Zeit?

Beglückt eg dich, daß du, mit Gott versöhnt. Darfst seine Zeichen auf der Stirne tragen; Indes dein Nachbar ohne jedes Zagen 3n tiefster Finsternis der Sünde fröhnt?

Elfe Budnowjki.