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Sonntag, 20. November 1932.

Religiöses Wochenblatt

für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 H.-Pfennig B 45 R^Pfenntg (Zustesigebütn extra) Redaktionsschluß Montag Anzetgea-Prets«: Lolonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmart. LoloaelzeL» »w Reklameteil 0.60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Ost-Geb. 0.10 Goldmark. Porr» «xtr» Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens lm Besitz der Fuldaer Actlendruckerei tu Fulda lein

Drott und Verlag der Fuldaer HctlenörudereL Verlaguort Fulda.< m

Wochenkalender.

Sonntag, 20. Nov. 27. und letzter Sonntag nach Pfing­sten. Felix von Volois, Bek.

Montag, 21. Nov. Mariä Opferung.

Dienstag, 22. Nov. Cäcilia, Jgfr. und Mart.

Mittwoch, 23. Nov. Klemens L, Papst, Mart. Feli­citas, Mart.

Donnerstag, 24. Nov. Johannes vom Kreuz, Kirchen­lehrer. Chrysogonus, Mart.

Freitag, 25. Nov. Katharina, Jgfr., Mart.

Samstag, 26. Nov. Silvester, Abt. Petrus von Alex­andrien, Bisch., Mart.

NB! Heute ist die Jahreskollekte für die Zwecke des Vorromäusvereins zur Verbreitung guter Bü­cher.

27. Sonntag nach Pfingsten.

Epistel. Kolosser 1, 914.

Evangelium. Matthäus 24, 1535. Der Untergang

Jerusalems und das Ende der Welt.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn ihr an heiliger Stätte den Greuel der Ver­wüstung seht, von dem der Prophet Daniel gesprochen hat wer es liest, der beachte es wohn dann fliehe ins Gebirge, wer in Judäa ist, wer auf dem Dache ist, steige nicht hinab, um noch etwas aus seinem Hause zu holen: wer auf dem Felde ist, kehre nicht erst heim, um feinen Rock zu holen. Wehe den hoffenden und stillen­den Frauen in jenen Tagen! Betet, daß eure Flucht nicht in den Winter oder auf einen Sabbat falle. Als­dann wird eine so große Drangsal eintreten, wie es von Anbeginn der Welt bis jetzt keine gegeben hat, noch je geben wird. Ja, würden jene Tage nicht abgekürzt, so würde kein Mensch gerettet werden. Aber um der Auserwühlten willen werden jene Tage abgekürzt wer­den. Wenn dann jemand zu euch sagt:. Seht, hier ist Christus oder dort, so glaubt es nicht. Denn es werden falsche Christus und falsche Propheten auftreten und große Zeichen und Wunder wirken, so daß selbst die Auserwählten, wenn es möglich wäre, irregeführt wür­den. Seht, ich sage es euch vorher. Wenn man also zu euch sagt: Seht, er ist in der Wüste, so geht nicht hinaus: oder: Seht, er ist in den Gemächern, so glaubt es nicht! Denn wie der Blitz im Osten aufleuchtet und bis zum Westen hin sichtbar ist, so wird es auch mit der Wiederkunft des Menschensohnes sein. Wo ein Aas ist, da sammeln sich die Adler. Sogleich nach der Drang­sal jener Tage wird sich die Sonne verfinstern, der Mond wird sein Licht nicht mehr geben, die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte des Himmels erschüttert werden. Dann wird am Himmel das Zei­chen des Menschensohnes erscheinen, und dann werden alle Völker auf Erden wehklagen. Sie werden den Menschensohn kommen sehen aus den Wolken-des Him­mels mit großer Macht und Herrlichkeit. Er wird seine Engel aussenden mit lautem PofaunenschaU, und sie werden seine Auserwählten von den vier Windrichtun­gen zusammenbringen, von einem Ende des Himmels bis zum andern. Vom Feigenbaum lernt das Gleichnis: Wenn seine Zweige saftig werden und die Blätter her- oorsprossen, dann wißt ihr. daß der Sommer nahe ist. so sollt ihr auch, wenn ihr das alles seht, wissen, daß es nahe vor der Tür ist. Wahrlich, ich sage euch. Dietes Geschlecht wird nicht vergehen, bis dies alles geschieht. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Wort- verden nicht vergehen."

Seelengewinn.

einigen Jahren fuhr ich in Rom über den Tiberstrom zum Besuch der LtScilienkirche. Als wir ausstiegen, sahen wir uns von Kindern um- ringt, die ein Almosen erhofften. Die Gegend schien mir ein richtiges Armenviertel zu kein. Wir traten in die Kirche und bewunderten die schlanken Säulen und den eleganten Glocken­turm. Ein Wald niedlicher Säulen umfing uns drunten in der Krypta, wo wir die in den Altar eingeschlossenen Reliquien der großen Warlyrin Cäcilia in tiefer Ergriffenheit verehrten.

Und diese hl. Cäcilia, deren Andenken wir am 22. ds. Mts. feiern, war eine richtige Seelenjäge­rin. Keineswegs genügte es ihr, durch ein le­bendiges Christentum, vor allem durch reichliche Almosen, ihre eigene Seele zu retten: nein, sie war auch darauf bedacht, die Seelen ihrer Mit­menschen, zumal ihrer nächsten Umgebung, für Christus und sein Reich zu erobern. Ihrem Bräu­tigam Valerian öffnete sie die Augen, um den gro­ßen Schatz des wahren Glaubens und des helden­mütigen Verzichtes zu erkennen. Auf ihre Bitten hin, begab sich Valerian, noch ein Heide, hinab in die Katakomben, besuchte den Papst Urban, ließ sich von ihm unterrichten und taufen. Dieser wie­derum machte eine neue Eroberung. Er gewann seinen Bruder Tiburtius, und alle drei, Cäcilia, Valerian und Tiburtius, gelangten zur Krone des Martyriums und eroberten nach kurzer Prüfung das Reich, der ewigen Seligkeit.

Soll Seelengewinn nicht auch unsere Losung fein? Ist die Seele nicht wertvoller als Gold und Edelstein und Grundbesitz? Wertvoller als Ge­sundheit und alle leiblichen und irdischen Güter? Hörst du nicht gerade heute, am letzten Sonntag des Kirchenjahres, den Weckruf der Kirche, dec zu größerem Seeleneifer uns auffordert?Wecke auf, o Herr", so läßt die Kirche heute den Priester in der Kollekte beten,wecke auf den Willen dei­ner Gläubigen, daß sie die Frucht des göttlichen Werkeseifriger" verfolgen." Eingöttliches Werk" ist der Besitz des wahren Glaubens und der göttlichen Liebe. Die Frucht dieses Werkes aber ist die Rettung der Seele, der eigenen sowohl als auch möglichst vieler anderer.

So verstehe ich auch die Mahnung unseres Hei­landes im Johannesevangelium, die dem hohem priesterlichen Gebet entnommen ist und folgenden Wortlaut hat-.

Das ist mein Gebot, daß ihr einander liebt wie ich euch geliebt habe. Eine größere Liebe hat niemand als der, der für seine Freunde das Le­ben hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Nicht mehr Knechte nenne ich euch. Denn der Knecht weiß nicht, was

fein Herr tut. Freunde habe ich euch genannt; denn alles, was ich von meinem Vater gehört habe, das habe ich euch geoffenbart. Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und euch dazu bestellt, daß ihr hingeht und Frucht bringt und daß eure Frucht von Dauer sei. Dann wird der Vater euch alles geben, um was ihr in meinem Namen bittet. Das trage ich euch auf: liebt einander." (Joh. 15, 9 f.)

Freunde" des Heilandes sollen wir sein. Wohl- gemerkt, nicht bloß Anhänger, nicht bloß Gläubige Christi, sondern Freunde. Ein Band des Ver­trauens soll zwischen deiner Seele und dem Her­land geschlungen sein. Ein Band der innigsten Gemeinschaft wie sie zwischen Rebstock unö Reb- zweig besteht. Wie der Rebzweig am Rebstock bleiben muß, soll er Saft gewinnen und die köst­liche Traube hervorbringen, ko muß auch der Christ im Glauben und in der Liebe mit Christus verbunden sein. Der Rebzweig, der vom Reb­stock abgeschnitten wird, ist zur '-Fruchtbarkeit und zum Verbrennen verurteilt. Zo auch die Seele, die durch Unglauben oder schwere Sünde von Chri­stus, der Lebensquelle, sich trennt und damit sich dem Satan und dem Reich der Finsternis über­antwortet. Wenn wir aber nach den Vorschrif­ten und Beispielen unseres Heilandes leben dann find wir seine wahren Freunde, die er einst zum Reiche seiner Herrlichkeit ruft. Der Freund Christi fühlt aber das Bedürfnis, seinem Herrn und Mei­ster neue Freunde zu gewinnen. Ohne solchen See­leneifer ist die Heilandsliebe nur ein Blendfeuer. Ohne solchen Seeleneifer ist das eigene Heil nicht wenig gefährdet. Umsonst, sagt der hl Chryß.üo- mus, hofft derjenige auf den Himmel, der sich nickt auch um das Heil der Brüder bemüht. Sieh, das ist die Aufgabe des Apostels. Das ist das Ziel der katholischen Aktion.

Und wie man durch Arbeit, durch Handel, durch Spekulation und viele andere Mittel zu Geld­gewinn kommen kann, so kann man auch auf verschiedene Weise Seelen gewinnen. Da sind es vor allem die guten Werke. die in zwei Schlacht- reihen zu je sieben Kolonnen aufmarschieren. Ich kann nicht anders, ich muß die guten Werke er­wähnen. Das heutige Evangelium nötigt einfach dazu. Der Weltenrichter zeigt sie uns in ihrer ganzen Kraft und Verdienstlichkeit. Welches denn der Titel, auf den er die Seelen ins Him­melreich ruft?Ich war hungrig, und ihr habt mich gespeist." So hören wir aus dem Munde des Herrn: und noch sechs andere Werke der leib­lichen Barmherzigkeit fügt er bei. Gerade durch solche Werke überzeugen wir viele Abwegige von der Wahrheit unserer hl. Religion und führen sie zum Heile. Vergessen mir aber über den leib­lichen nicht die geistigen Werke der Barmherzigkeit. Wie groß, wie eindrucksvoll ist zum Beispiel das